Topographia Electoratus Brandenburgici et Ducatus Pomeraniae: Narva

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Topographia Germaniae
Narva
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aus: Matthäus Merian (Herausgeber und Illustrator) und Martin Zeiller (Textautor):
Merian, Frankfurt am Main 1652, S. 17–18.
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Narva / Nerva /

Ein berühmte Lifländische Stadt / und Schloß / so zwar nicht groß / aber sehr fest ist / und einen stattlichen Lachsfang hat. Sie ligt 40. Meil Wegs von der Moscowitischen Stadt Plescow / die man / wann der Wind gut / in 2. Tagen / wann man stracks über den See Peigis / oder Beibas / Beyfuß / oder Beibum, und nicht auff Derpt zu / reiset / erreichen kan. Hat den Nahmen von dem Wasser Narve / oder Nerve / so auß dem besagten See herkommet / und sich in den Finnländischen Meerbuesen. 2. Meilen unterhalb der Stadt ergiesset. Und fähret man auff solchem Fluß Narve / so man ins gemein die Närvisch Bäch nennet / biß auff ein halbe Stund von der Narve / da in einem Flecken die Güter müssen abgeladen / und zu Lande in die Stadt geführet werden / weilen besagtes Wasser über einen sehr hohen Felsen herunter fällt. Herr Adamus Olearius schreibet in seiner Orientalischen Reise hievon im Jahr 1636. am 91. Blat / also: Narva ligt 60. Grad vom Aequatore, an einem schnelllauffenden Strom / Narve genannt / so fast so breit / alß die Elbe in Teutschland: führet braun Wasser / hat eine halbe Meile über der Stadt einen sehr hohen Fall / da das Wasser von einem grausamen Geräusche herunter stürtzet / und bald hinder der Stadt sich in die Finnische See ergeust. Die Stadt ist zwar nicht groß / aber gleichwol / weil sie eine Gräntz-Vestung / mit starcken steinern Wällen / und guter Besatzung / allezeit wol versehen. Sie soll vom König zu Dennemarck Woldemaro II. Anno 1223. erbauet seyn. Am Wasser liget ein Schloß / auff welchem ein (Schwedischer) Gubernator residiret / damals Herr Erich Guyllenstierna / General über Ingermanland. Auf jenseit deß Stroms ligt das feste / mit dreyfachen Mauren umbgebene Schloß Ivanogorod, so von den Moscowiter erbauet / ist von dem König in Schweden Gustavo mit dem Schwerd gewonnen / und neben Ingermanland der Crone Schweden unterwürffig gemacht / hat ietzo einen Schwedischen Stadthalter / damals Claus Gallen. Hinter diesem Schlos Ivangorod liget ein Hakelwerck (oder Flecken /) die Russische Narva genannt / wird von Russen bewohnet. Ihnen ist vom König Gustavo das Exercitium Religionis frey gelassen worden. Die in Teutscher Narva haben ihren Superintendenten über Ingermannia, und Allentaccia, und Königliches Consistorium. Biß hieher dieser. Daraus zu colligiren, daß diese von vielen Teutschen bewohnte Stadt / und die in ihrem Wappen [18] 3. Löwen führet / in dem Theil deß Esthlands / oder Esthoniae, so Alentakia genant wird / gelegen seye / dahin auch Pontanus in Rebus Danicis, und Henricus Soterus, in Sueciae descriptione, sie setzen: wiewol sie Joh. Angel. à Werdenhagen part. 3. de Rebus Hanseat. cap. 24. fol. 353. zur Hauptstadt deß Landes Wiriae, oder Wirlands machet / so auch ein theil deß Esthlands ist / und saget / daß sie lange Zeit / wegen guter Gelegenheit deß Orts / und Meerhafens / eine Hanse-Stadt gewesen / biß das Land vom König Carolo auß Schweden Anno 1601. und 2. übel verwüstet worden; daher auch die Gewerbschafften daselbsten abgenommen; wiewol sein Herr Sohn / König Gustavus Adolphus, grosse Mühe angewendet / daß er die Handlungen allda wieder auffbringen möchte: Wie er dann nicht allein Kauffleuthe / und Inwohner / gar auß Niederland dahin beruffen lassen / sondern auch selbige mit stattlichen Freyheiten begabet hat. Anno 1558. hat der Großfürst in der Moscau / den 9. Aprilis / dieses Teutsche Narva belägert / und als ein unversehen Feuer in der Stadt entstanden / dieselbe / sampt dem Schloß / und Port / oder Hafen / den 12. May / erobert. Was er für eine Tyranney allhie verübet / davon ist in seinem Leben Paulus Oderborn / im Buchstaben O. iii. zu lesen. Und ist daher ein solcher Schrecken im Lande entstanden / daß die Befelchshaber in den umbligenden Schlössern / als / zu Wesenberg / Tolsburg / Nienhus / Warnebeck / Ringen / Lais / Overpalen / und andere solche freywillig verlassen / und dieselbe die Moscowiter eingenommen haben. Und ist also Narva den Reussen / biß auffs Jahr 1581. geblieben in welchem der Schwedische Feldherr / Pontus de la Gardie, diese Vestung etliche Wochen belagert / und endlich den 6. Septembr. mit Sturm erobert hat / darüber viel tausend Reussen umbkommen seynd. Und von solcher Zeit an gehört diese Stadt der Cron Schweden. Anno 1593. ist sie / durch Feuers Noth greulich geplagt worden; wie Helduaderus berichtet.

Was die oberwehnte Reussische Narve anbelangt / so wir davon in Beschreibung deß Königreichs Schweden gehandelt.