Topographia Electoratus Brandenburgici et Ducatus Pomeraniae: Riga

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Topographia Germaniae
Riga
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aus: Matthäus Merian (Herausgeber und Illustrator) und Martin Zeiller (Textautor):
Merian, Frankfurt am Main 1652, S. 22–27.
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Riga.

Vom Erbauer / und Nahmen dieser Stadt / so für die fürnehmste in gantz Liffland gehalten wird / wie auch vom Anfang deß Bisthumbs alhie / ist oben im Eingang allbereit etwas gesagt worden. Allhie wollen wir noch etlicher Meinungen von diesem Ort / dessen Einwohner sich neben der Teutschen / auch der Churländischen / und Lettischen Sprache gebrauchen / vernehmen. Und erstlich deß Georgii Braunen / welcher im dritten Theil seines Städtbuchs schreibet / daß Riga eben lige / wie fast das Läger deß gantzen Liflands seye. Auß der vorüberflissenden Duna / den Teichen / und Meerwassern / habe die Stadt einen Uberfluß an Fischen / und Krebsen / wie auch an Wildprät / dieweil das Jagen auch den Bauren in Lifland / wie hart sie sonsten von ihren Edelleuten gehalten werden / nicht verbotten werde. Es seye auch das Getreyde da in der Menge; wie dann selbiges / auß Liffland / ins Niederland / Engelland / Hispanien und andere Ort / verführet werde. Von den Sachsen / und sonderlich den Bremischen Kauffleuten / seye Lifland erstlich erfunden worden / alß das Volck noch grob / und so einfältig gewesen / daß sie auch das Wachs / alß ein nichtswerthes Ding / zu den Häusern herauß geworffen haben. Und weilen die Kauffleuthe / ihres Nutzenshalber / offt hieher kommen / haben sie den Meynardum, einen Domherrn von Segeberg / mit sich gebracht / welcher endlich mit grosser Mühe An. 1170. einen Bischofflichen Sitz zu Riga angestelt / deme Er 23. Jahr lang vorgestanden / und als Er gestorben / zum [23] Nachfolger Bartholdum gehabt / den der Ertzbischof von Bremen hieher gesetzt / welcher den Anfang der Stadt Riga gelegt / und nach dem er 11. Jahr dem Bisthumb vorgestanden / endlich von den unglaubigen Lifländern / umbgebracht worden. An dessen statt der Ertzbischoff zu Bremen den dritten Bischoff / Namens Albertum, verordnet / welcher den Dom / und andere Kirchen / erbauet; dardurch / folgender Zeit / Riga also zugenommen / daß sie zu einer ansehenlichem / und Ertzbischofflichen Stadt / und ihr erster Ertzbischoff Adolphus Anno 1225. worden / dessen Ertzstiffts untergebene Bischöffe gewesen / nicht allein die in Lifland / zu Reval / Churland / Oesel / und zu Derpt; sondern auch die in Preussen. Und dieweil die von Bremen diß Land mit ihrem Blut erkaufft / in deme viel der ihren erschlagen worden / so haben sie daher einen Neuen / namlich der Schwerdt-Brüder / Orden / unter sich auffgerichtet / dessen erster Meister Vinno, als er 18. Jahr regiert / von einem inheimischen Mörder umbgebracht; sein Nachfolger Volguinus aber / so 15. Jahr das Meisterthumb / und in solchem viel Krieg geführt / endlich in einem Treffen / sampt 18. Brüdern / von den Lifländern / erschlagen / und hierauff / wegen der Wilden Völcker grossen Macht / die Brüder deß Teutschen Ordens umb Hülff ersucht worden seyen / die auch An. 1228. ins Lifland kommen; dardurch dann die gedachte der Schwerdt-Brüder Gesellschafft ein Ende genommen / und dieser Neue / mit dem Preussischen B. Mariae Theutonicorum Orden / vereinbart worden / und unter demselben Hochmeister gewesen / letztlich aber wieder von demselben kommen seye. Was nun in solcher Zeit die Stadt Riga außgestanden / das erzehlet besagter Braun in dem Register deß gedachten Buchs. Franciscus Mennenius von Andorff kompt in seinen deliciis Equestrium sive Militarium Ordinum, pag. 88. seqq. mit dem obvermeldten in etlichen Stücken nicht überein; ist auch sonsten mit Verstand zu lesen. Ferners / sagt Casp. Ens, in seinen deliciis apodemicis per Germaniam, p. 267. seq. daß diese nicht allein deß Theils vom Lifland / so Lettland / oder Lettia genandt wird / sondern fast deß gantzen Liflands / wie Alexander Guagninus in Saurom. Europ. wil / Hauptstadt / so An. Christi 1200. vom obgedachten dritten Bischoff Alberto umbmauret worden / habe sehr starcke Mauren / Bollwerck / und dicke Thürn / so wol befestigt / auch einen Wall / darauff die Geschütz allenthalben in dreyfacher Ordnung stehen; zween Gräben auff beeden Seiten / auch seine Pallisaden / und Stacketen / herumb; seye auch mit aller Kriegs-Notturfft wol versehen. Das Schloß in der Stadt / darauff der Königliche Stadthalter zu wohnen pfleget / seye auch fest: der grosse Fluß Duna / oder Duina / komme 2. Meilen unterhalb der Stadt in das Wendische / oder Livonische Meer daher zu Riga ein grosser Handel / als dahin auß fern entlegenen Ländern viel Schiffe kommen / von dannen auch viel Sachen mit sich hinweg führen; und werde die Stadt durch ihre eygene Gesätz regiert / so sich in ihrer Freyheit zuerhalten ihr angelegen seyn lasse / und gleichwol dem König Gehorsam leiste / und ihme contribuire. Biß hieher dieser. Sihe von den erwehnten der Stadt Freyheiten D. Chytraeum lib. 29. Saxoniae, fol. 859. der auch anderswo sagt / daß / vor Zeiten / die von Riga ihrem Ertzbischoffe / und dem Meister deß Lifländischen Ordens / zugleich gehuldet haben / und daß die Appellationes, von deß Raths allhie Urtheil / an beede besagte Fürsten gangen seyen. Petrus Bertius lib. 3. Rer. Germ. p. 649. in Beschreibung dieser Stadt / stimmet mit andern Scribenten nicht allerdings überein; und wirfft ihme Werdenhagen zween nicht geringe Irrthumb vor. Im übrigen sagt er Bertius, daß Riga lige von Revel 50. von Derpt. 30. (andere haben 36. und 38.) von der Wilde in Lithauen 40. und von Königsberg in Preussen 60. Teutsche Meil Wegs; und habe umb sich etliche kleine Stadtlein / als Wenden / Pernow / Vellin / Molmar / Kokenhausen / und andere: Es seye sehr wolfeil alhie zu zehren / also / daß man ein feisten Ochsen umb 3. und ein gemästes Schwein umb einen Thaler geben. Er erzehlet auch / was für Waaren ausser deß Korns / man von hinnen abhole. In deß Herrn Augustin / Freyherrns von Morsperg / Ritters / geschriebenen Reisen / stehet also von dieser Stadt: Riga ist eine schöne / lustige / und die Hauptstatt in Unter-Liffland / [24] so auch das gröste / und beste Theil. Ist ein grosse und weitberühmte Handels-Stadt / mit Kauffmansgütern zu Wasser / und Land / auch weit in die Moscau hinein / gen Plotzkau / Smolensky / Pleeskau / und Wilda. An der Stadt laufft ein grosser Fluß hin in das Meer so auff 3. kleine Meil davon ist / nemlich die Duina / so weit auß der Moscau kompt / auf welchem viel Schif mit allerhand Waaren herauß kommen / sonderlich von Aeschen / so auß Lindenholtz gebrandt wird / die man in Italien / nach Venedig / und in Hispanien / führet / wird zur Seiffe / und Glaßwerck gebraucht. Item / bringt man herauß Futterwerck / Zobel Luchs / und anders; Item Hartz / Bech / auch Leder / und andere Sachen / etlich hundert Schiff voll / so alle Jahr auß der Moscau dahin kommen: Haben seltzame gar lange Schiff / gemeinlich mit breiten Rinden gedeckt / stehen offt neben der Stadt etlich hundert nach einander hin. Diese Stadt hat Mangel an Bronnenwasser / daher führen sie auß dem Fluß / auff Schlitten / das Wasser in die Stadt den gantzen Tag von einem Hauß zum andern. Weil nun die Gassen davon allzeit naß / und glatt / läst sich das Frauenzimmer / Winter und Sommer / auff Schlitten zur Kirchen führen. Es seynd allhie 4. Pfarrkirchen / 2. für die Bürger / so sonsten die meisten Teutsch / und Lutherisch seynd eine für die Catholischen so ein Jesuiter Collegium (namlich im Jahr 1592. da diese Stadt noch Polnisch / und Hochwolgedachter Herr / auf seiner Reise / wegen deß Johanniter-Ordens / alhie gewesen;) und die vierdte für die Unteutschen / so gemeinlich Landvolck / auch etliche Bürger. Das Volck ist freundlich / holdseelig / und treuhertzig: biß hieher gemeldte Beschreibung. Laurentius Müller berichtet / das obgedachter starcker Fluß / bey Riga / ein halb viertel einer Teutschen Meilen breit seye. Ein anderer aber meldet / in seinen geschriebenen Reisen durch die meiste Christliche Länder / wann man von der Wilde / oder Vilna / auß Lithauen / hieher reise / daß man sich / ehe man in die Stadt komme / über das Wasser setzen lassen müsse / so nahend ein viertel Meil breit seye. Obgedachter Johannes Angelius à Werdenhagen beschreibet part. 3. Rer. Hanseat. cap. 24. diese Stadt weitläufftig / und sagt auch / unter anderm / daß die von Bremen (so umbs Jahr 1158. durch Ungewitter in den Fluß Duna getrieben / und erstlich von den Inwohnern für Dennemärcker / ihre Feinde angesehen worden /) am ersten den Kauffleuthen den Zugang ins Lifländische Meer eröffnet / als welche am ersten mit den Livis, einem Volck / so von dem Außfluß der Duinae, gegen Parnau / am Gestade gewohnet / umbs Jahr Christi 1160. Freundschafft / und Bündnuß / für sich / und die Kauffleuthe / so sie künfftig mit sich bringen würden / gemacht / und mit ihnen durch Tausch zu handlen angefangen / auch / auff ihr Zulassung / in der Insel deß besagten Flusses Duinae eine Capellen erbaut / so folgends Kirchholm genandt worden. Bald hernach hätten diese Kauffleut den obgedachten Mönch Menardus von Segeberg ins Lifland geführt / den Bapst Alexander III. Anno 1170. zu einem Bischoff daselbst bestättiget / und dieweil / wegen der Handthierung / die Gebäu zugenommen / so habe der ander Bischoff Bertholdus, von Bremen hieher geschickt / eine Stadt zubauen ihme angelegen seyn lassen; nach dessen Todte in Anno 1196. erfolgt / solche der dritte Bischoff / auß den Domherrn zu Bremen erfordert / namlich Albertus, An. 1200. mit einer Mauer umbgeben habe / die mit der Zeit eine Vestung wider die unglaubige Lifländer worden. Als aber die Schwerdt-Brüder / so man Tempel-Herrn nennet / oft unten gelegen / so hätten sie umbs Jahr 1228. die Marianer / oder Teutsche Herren / auß Preussen / zu ihrer Hülff beruffen; welche hernach nicht allein das Schloß Dunenmund wider die Stadt Riga auffgelegt / sondern allen Gewalt / durch gantz Lifland / und Preussen / ihrem Hoffmeister in Preussen zugeschrieben; daher ihr Meister in Lifland Bruno, mit 60. Brüdern / von denen von Riga / An. 1298. erschlagen worden; die auch hernach Anno 1309. mit ihren Bundsgenossen / den Lithauern / bey Treida / den Teutschen Orden / erlegt haben. Aber / als die Rigischen An. 1327. das Schloß Dunemunda einnamen / so ist die Stadt Riga gleich auch vom Orden belagert / erobert / die Mauren / und Thor / abgeworffen / und sie die Stadt umb ein grosse Summa Geldts gestrafft worden / als gleich ihr Ertzbischoff beym [25] Bapst war. Es hat aber folgends der Ertz-Bischoff Fromhildus Anno 1340. erhalten / daß ihme / von dem Teutschen Orden / die Stadt Riga ist restituirt worden. Und dieses / was bißher von Riga vermeldet worden / hat man auß unterschiedlichen Autorn zunehmen / für gut angesehen: Darzu man noch die neulichste nachfolgende Geschichten thun kan; Als / daß Anno 1523. wegen veränderter Religion / allereley Unruhe alhie sich angesponnen / davon Chytraeus lib. 10. et seqq. Saxon. zu lesen: Item / daß die Stadt ihren Ertz-Bischoff / Marggraff Wilhelmen zu Brandenburg / den sie 17. gantzer Jahr außgeschlossen gehabt / Anno 1547. wieder zu ihrem Herrn angenommen / und ihme / wie auch dem Jodoco von Rek / des Ordens-Meisters Coadjutorn, offentlich geschworen / und gehuldigt / und den Ertz-Bischofflichen Pallast an der Duna / und der Domherren Häuser / sampt dem Einkommen in der Stadt / deren sie / die Stadt / nun gantzer 24. Jahr sich bemächtigt / mit dieser Condition, und Anhang / daß die Päbstliche Religion / oder Kirchen-Gebräuch / weder in den Dom / noch anderen der Stadt Kirchen / wieder eingeführt werden solten / völlig restituirt. Es hat zwar Käyser Carolus V. zuvor der Stadt / weil sie die Römisch-Catholische Religion bey ihnen abgeschaft / und die Mönche außgejagt / mit der Acht getrohet: Aber die von Riga haben es nicht geachtet / und sollen gesagt haben / ehe er in Liffland komme / werde seine Reuterey müd und abgemattet seyn; und so er ein grosses Kriegsvolck mit sich bringe / werde solches von Hunger vernichtet; komm er aber mit wenigem Volck / so könne er leicht überwunden werden; wie auß Thuano, Hermannus Latherus lib. 3. de Censu, cap. 24. p. 1099. schreibet. Als nun / wie vorgemeldt / der Ertz-Bischoff / und die Domherren / ihrer Häuser / und vorigen Einkommens / in der Stadt frölich wieder geniessen thäten / so ist gleich / im folgenden Sommer / auß Unvorsichtigkeit / ein Feur entstanden / dardurch der gedachte Dom / und selbiger prächtige Thurn / wie auch des Ertzbischoffs / und der Domherren Häuser fast alle / sampt vielen Bürgerlichen Gebäuen / erbärmlich zu grund gangen seynd; wie vorgedachter Chytraeus l. 16. Sax. fol. 417. berichtet. Hans Regkman in der Lübekischen Chronick meldet von diesem Brande also: In dem 1547. Jahr verbrandt in Riga die Domkirchen / und Thürne / und Häuser / und Scheuren / allda der Eere inlag: Waren über die 200. Scheuren / und 45. Häuser / daß grosser Schad geschach. An. 1563. den 4. Hornung / ist obgedachter Ertz-Bischoff Wilhelm zu Riga gestorben / und in der Thumkirchen daselbsten begraben worden. Der Coadjutor dieses Ertzstiffts / Hertzog Christoff zu Meklenburg / correspondirte mit Schweden / wider Polen / ward aber / noch dieses Jahr / darüber gefangen / und von den Polen (denen sich das Ertzstifft den 28. Novembris Ann. 1561. auß Forcht für dem Moscowiter / freywillig zuvor untergeben hatte /) sechs Jahr lang gefänglich gehalten / biß er Anno 1569. sich solches Ertzstiffts verziehen / und ihme darauff / in dem Polnischen Reisch-Tag zu Lublin / wieder nach Teutschland zu reisen verstattet worden ist. Ward also dieses Teutsche Ertzstifft / (in welches der Neue Atlas Jansonii Kokenhauß / oder Kakenhusen / Uxul / Lenvard / Kreuburg / Landen / Sesvegen / Schamborg / Serben / Conemburg ein Schloß mit einer Stadt / Salis / Vansel / Dalen / Jeucel / Treyden / Smilten ein Schloß / und Sancel: Item die Adeliche Häuser / Nochrosen / Rosemberg / Mayan / Pierkiel / Roppe / Nabbe / Elner / und Bersen / rechnet) umbs Jahr 1566. zu weltlichen Sachen angewendet / und den Adelichen Dom-Herren ihre Pfründen zu Lehen gemacht. Siehe Neugebauern lib. 8. histor. Polon. pag. 600. seq. und Lundorp. lib. 4. Contin. Sleidan. pag. 521. Welcher letzte auch lib. 33. pag. 889. seqq. der Stadt Riga privilegia setzet; die zwar noch Anno 1567. vom Käyser Maximiliano II. im Reichs-Abschiede / seine / und deß Heil. Reichs Stadt genandt wird; sich aber Anno 1581. gantz an König Steffan in Polen ergeben / der darauff das folgende Jahr selbst hieher kommen ist / unnd den Inwohnern den vorigen Muth ziemlich genommen hat. Dieweil er aber auch in dem Geistlichen Stande Aenderung vorgenommen / und [26] die S. Jacobskirche den Jesuitern eingegeben / und das folgende Jahr allda ein Collegium, oder Gymnasium, auffrichten lassen wolte / auch Anno 85. den Neuen Calender einführete; So entstunden daher allhie Auffruhren / die hernach lang gewähret / und haben die Burger ihre Abgeordnete zum König namblich den Raths-Herrn Johannem Tastium, und den Syndicum, D. Gothardum Welling / weil sie ihnen Theils Sachen verschwiegen / köpffen lassen. Es wurden gleichwol solche Unruhen Anno 89. den 26. Augusti / endlich gestillt. Wiewol / was die Jesuiter anbelangt / weil der Rath / und Gemeind / solche nicht wieder einnehmen wolten / die Sach damahln auff den Polnischen Reichs-Tag verschoben worden / die aber Anno 1590. dannoch wieder hieher kommen seynd / wie hievon obgedachte / Chytraeus pag. 756. seqq. 802. seqq. und Lundorpius, in diesen Jahren; auch andere / zulesen. Umbs Jahr 1601. und 2. hat König Carl auß Schweden unterschiedlich mal diese Stadt in seinen Gewalt zu bringen vermeynt: Anno 1605. hat er auch solche hart belagert; aber er ist darüber vom Hertzog zu Churland / und dem Polnischen Feld-Herrn Korkowitz / darfür hinweg getrieben / und ihme bey die acht tausend zu Fuß / und über sechs hundert zu Pferd / erschlagen worden; darunder ein Hertzog zu Lünenburg / und Andreas Limenscher / Gubernator zu Reval / gewesen / und seynd vierhundert in der Duna ertruncken; Er Carolus ist kaum mit etlichen Reutern entrunnen; die übrigen Soldaten aber / deren bey drey tausend zu Fuß gewesen / hab endlich ein Graff von Manßfeld nach Reval gebracht. Die Polen haben / sampt den Verwundten / über ein tausend nicht verlohren / und seynd sie / mit ihren Gefangenen / so sie hart gehalten / den 28. Wintermonats / zu Riga mit Triumph eingezogen. Anno 1609. hat höchstgedachter König Carolus diese Stadt abermals vergebens belagert / und hat es seinem Herren Sohn / und Successori, Gustavo Adolpho, im Jahr 1617. mit derselben auch gefehlet. Aber Anno 1621. den 1. Augusti ist dieser Streitbariste König / mit seinen Kriegß-Schiffen / hierbey gerückt / daß man solche von deß Doms / oder S. Thomae Haupt-Kirchen Thurn / hat sehen können. Den 4. diß haben dieselben bey Dunemund (als welche Vestung / und Meerhafen / der von Farensbeck / so von den Polen / zu den Schweden gefallen / Anno 1617. den Schweden übergeben hatte /) Ancker geworffen. Den 8. haben sie sich auß dem Meer in den Fluß Duna begeben / denen der König selbsten gefolget ist / und hernach sein Lager von 14. tausend zu Fuß / und Pferd / erstlich beym Mühlgraben geschlagen / die Stadt darauff angegriffen; die sich aber / weiln etliche so dem König wol gewogen gewesen / die andere in der Stadt darzu beredt haben sollen / durch einen guten Vertrag / ergeben; Und hat der König den 16. Septembris, durch das Thor Sekallia / und über den Marckt / nach S. Peters Kirchen / in welcher man die Dancksagung / und eine Predigt gehalten / und ferners in sein verordnet Losament / seinen Einzug gehalten; und folgends / den 25. diß / ihme die Stadt schwören lassen / auch sich gegen die noch vorhandene Jesuiter / und Catholische / freundlich erzeiget / und ihnen einen freyen Abzug verstattet; daß hiedurch die von Riga also der Jesuiten wieder loß worden seynd: wie von diesem allem / vielgedachter Werdenhagen gar weitläufftig zulesen. Siehe auch Nicolaum Helduaderum part. 2. sylv. Chronol. Circuli Balthici. Es haben zwar Anno 1622. die Polen diese Stadt wieder / aber vergebens / belagert; und gehört sie noch der Zeit der Cron Schweden / als welcher dieselbe / sampt andern in Lifland eroberten Orten / durch den in Anno 1635. auff sechs und zwantzig Jahr lang gemachten Anstand / biß zu desselben Außgang / und folgendem Vergleich / gelassen worden ist. Und so viel von dieser Stadt / und weyland Ertzbisthumb Riga.

So viel aber die oben gedachte Vestung Dunamund anbelangt / so ligt solche beym Außfluß deß gewaltigen Flusses Duna / oder Duina / in das Meer / [27] und 2. Meilen unterhalb Riga; welches Schloß D. Frölich part. 2. Viatorii lib. 1. p. 330. für unüberwindlich hält / bey welchem auch alle Außländische Schiffe den Zoll geben müssen. Und sagt er / daß auff halbem Weg / zwischen Dunamund / und Riga / das Blockhauß / und darin eine Königliche Besatzung lige / allda die Schiffe wieder besucht werden welche beede Schlösser denen von Riga sehr zu wider seyen; aber solche gedulten müssen; wiewol sie solche Vestung Dunaemundam vor Zeiten 2. mal belagert / und eingenommen / und das letzte mal Anno 1485. auch zerbrochen haben. Die Fürstliche Holsteinische Herren Gesandten nach der Moscau / Anno 1633. giengen den 9. Novembris, in dem Lübeckischen Meerhafen Travemunde zu Schiffe / den 10. diß fuhren sie die Insel Bornholm / so Dänisch / vorbey / den 12. kamen sie vor Domesnes, die Ecke / so von Churland ab in die See herauß schiest / da legten sie sich vor Ancker. Den 13. gegen dem Abend / lichete man das Ancker / und lieffen sie umb den Hueck / oder Ecke / in den Kessel / und kamen den 14. Novembris frühe vor die Schantze Dunaemunda; auff den Abend aber gar späte vor der Stadt Riga / an.