Topographia Saxoniae Inferioris:Hadersleben

aus Wikisource, der freien Quellensammlung
Zur Navigation springen Zur Suche springen
Topographia Germaniae
Hadersleben (heute: Haderslev)
<<<Vorheriger
Güstrow
Nächster>>>
Haagen
aus: Matthäus Merian (Herausgeber und Illustrator) und Martin Zeiller (Textautor):
Merian, Frankfurt am Main 1653, S. 109–110.
Wikisource-logo.png Haderslev in Wikisource
Wikipedia-logo.png Haderslev in der Wikipedia
Bearbeitungsstand
korrigiert
Dieser Text wurde anhand der angegebenen Quelle einmal Korrektur gelesen. Die Schreibweise sollte dem Originaltext folgen. Es ist noch ein weiterer Korrekturdurchgang nötig.
Um eine Seite zu bearbeiten, brauchst du nur auf die entsprechende [Seitenzahl] zu klicken. Weitere Informationen findest du unter Hilfe
Link zur Indexseite
[109]
Hadersleben / Hadersleu.

Diese Statt / so in Suder Judland / oder im Hertzogthumb Schleßwigk / an der OstSee / sieben Meilen oberhalb Flenßburg / Mitternachtwerts / gelegen / haben vnterschiedliche / als Georg Braun / im 4. Theil seines Stättbuchs / C. Ens, in delic. apodem. p. 232. seq. Petrus Bertius lib. 3. Rer. German. p. 553. Andreas Angelus, in seiner Holsteinischen Stätt-Chronick / cap. 6. Adr. Romanus, in Theatro Urbium, Joh. Isac. Pontanus in Chorogr. Daniae descript. vnd andere mehr / beschrieben / Auß denen zu ersehen / daß man nicht einig / weder woher der Nahme komme / noch wer die Statt anfänglich erbawet habe. Theils wollen / daß der Nahme noch von den Alten Harudibus, deren Ptolemaeus in Chersoneso Cimbrica gedencket / übrig seye. Andere führen jhn vom König Hothero, oder Hathero, den der 39. oder 40. Dänische König Haraldus, bey den Juthländern bekriegt / vnd vertilgt: Andere aber vom hadern / oder zancken / so etwan da im schwang gegangen / vnd gleichsam gelebt / oder gewohnt / her; vnd sagt Jonas von Elverfeld / im Buch de Statu Holsatiae, also:

Non procul à Nostris Urbs Haderslebia Terris,
Prisco rixarum nomine dicta, jacet.

Sie solle hernach Anno 1292 / von Hertzog Woldemar zu Schleßwigk / mit dem Stattrecht begabet worden seyn; wie auch solches folgende Vers anzeigen:

A Duce Woldemaro primum Haderslebia nomen
(Jutia cui quondam paruit) Urbis habet.

Es sagt aber vorgedachter Bertius, daß diese Statt noch heutigs Tags keine Mauren / Gräben / vnd Bevestungen / habe / sondern gantz offen seye; in welche man bey Tag / vnd Nacht / kommen könne / wann man nur Schiff habe; dann Sie mit Wasser vmbgeben; Es seyen da durchauß schöne weite Gassen / vnd ein grosser Marckt: Das Land herumb fruchtbar / da Brünne / vnd Gärten / auch lustige Wiesen / vnd ein sicherer Meerhafen zu finden / in welchen viel Schiff einlauffen können / vnd der sich mit einem gar weiten Busen in das Balthische Meer außschütte; da Er auch deß Königlichen Statthalters / Herrn Heinrichen von Ranzau 20. Lateinische Vers / die Er von dieser Statt gemacht hat / setzen thuet. Nicol. Helduaderus, auß diesem Lande bürtig / saget / es seye vorhin allhie ein halber Thumb gewesen / vnd werde noch der Obriste Prediger / Superintendens, Praepositus, vnd Pastor, genant; auff deren Kirchenthurn Anno 1604. ein schönes Sparwerck gemacht worden; vnd in welcher StrfftsKirchen Herr Heinrich / zugenant Rumpold / Hertzog in Schlesien / Herr zu Großglogau / Statthalter der Länder / vnd Stätte Bautzen / Görlitz / vnd Zittau / (der vom Keyser Sigismund / die Strittigkeiten zwischen König Erichen von Dennemarck / vnd den Graven zu Holstein / wegen deß Hertzogthumbs Schleßwick / beyzulegen / Anno 1423. nach Holstein / vnd Dennemarck / geschickt worden / (Sihe oben den Eingang / vnd vnten Schleßwigg /) aber in solcher Pottschafft an der Pest gestorben /) vnter einem Marmolstein / so Jhme der König auffrichten lassen / begraben ligt. Welches dann deßwegen zu mercken / weilen die Historici, so seiner gedencken / Jhn bloß Rumpoldum Hertzogen auß Schlesien nennen / vnd sein Geschlechts-Lini / vnd Hauß / nicht anzeigen; da doch selbiger Zeit viel Hertzogen in Schlesien / von vnterschiedlichen Linien gewesen / vnd Er aigentlich nicht Rumpold / sondern Heinrich geheissen hat. Ob aber wol Er / vor zu ende gebrachter Sache / diese Welt gesegnet / auch höchstgedachter Keyser Anno 1424. das besagte Hertzogthumb Schleßwigg / der Cron Dennemarck / zugesprochen; So hat gleichwoi König Erich / nach lang geführtem Krieg / sich endlich Anno 35. mit Graff Adolphen [110] von Holstein verglichen / vnd Ihme die Ort / so Er noch im Hertzogthumb Schleßwigg hatte / auff sein Leben lang / vnd zwey Jahr hernach / seinen Erben / wie auch die Insel Femeren / zusampt den Friesen / so an der Westseiten deß Jutlands wohnen / gelassen; vnterdessen aber Hadersleben / vnd die Insel Arrien / für sich behalten; wiewol folgends auch Hadersleben / vnd Arria / sich freywillig dem besagten Adolphen vntergeben; vnd hat folgends König Christoph / deß Königs Erici Nachfahr / Anno 1440. diesem Adolpho, das Hertzogthumb Sleswigg / durch Überreichung deß Hertzoglichen Banners / verliehen. Mit der Zeit bekam dieses Hadersleben / Hertzog Johannes der Elter / zu Schleßwigg / vnd Holstein / Königs Friderici I. Sohn / vnd Königs Christiani III. in Dennemarck / Bruder / der das alte Schloß dabey auff den grund abbrechen / vnd nicht weit davon ein anders bawen lassen / welches Er / nach seinem Nahmen / Hansburg genennet. Er hat auch ein schönes Schuelhauß; wie ingleichem bey dem Eingang der Statt / ein ansehenliches Spital allhie auffgerichtet / vnd den Schueldienern gute Jährliche Besoldungen verordnet; König Friederich der Ander aber / hat das Schloß mit schönen Gemachen / auch einer Capellen von Marmelstein / geziert; vnd ist noch der Zeit diese Statt dem König in Dennemarck gehörig; deren Wappen ist eine hoch erhabene Brücke / so über ein Wasser gehet. Anno 1247. in dem innerlichen Krieg / zwischen König Erichen in Dennemarck / vnd seinen Brüdern / ist Hadersleben außgebrant worden. Anno 1271. hat ein Ander Erich / zugenant König Glipping / in dem Krieg mit Hertzog Erichen zu Schleßwigk / Hadersleben in seinen Gewalt gebracht. Anno 1527. seyn allhie alle Mönch auß dem Minoriten-Closter gejagt worden. Anno 1597. hat König Christianus IV. allda sein ehelich Beylager gehalten. Anno 1627. bekamen Hadersleben die Keyserischen / so bald hernach durch Fewer schaden gelitten. Anno 1644. hat der Schwedische Feld-Marschall Herr Leonhard Torstensohn / sich allhie lang auffgehalten / als der Krieg von der Cron Schweden / wider Dennemarck / damaln fürgenommen ward / zu welcher Zeit / im Mayen / auch der berühmte Schwedische GeneralLeutenambt Stalhantsch / allda gestorben. Es hat aber Hadersleben sich den 6. Herbstmonats dieses 44. Jahrs / wieder an den Hochgedachten König Christian / auff Gnad / vnd Vngnad / ergeben. Hierauff eroberte / im Wintermonat / deß besagten 44. Jahrs / der Obriste HelmWrangel die Statt wieder auff Discretion / das oberwehnte trefflich schöne / vnd recht Königlich Schloß / Hansburg / aber / mit Gewalt; da dann die folgende Nacht ein vnversehenes Fewer außkommen; daß davon alle Häuser / vnd Gewölbe / gäntzlich abgebrant / vnd nur die blosse Mawren vom Schloß stehen blieben. Der Autor deß Fünfften Theils Theatri Europ. sagt fol. 604. a. daß die Vermuthung gewesen / es hätten die Dänen / auß Mißgunst / selbsten ein verborgen Fewer eingelegt / damit der darinn befindliche Vorrath / den Schwedischen nicht möchte zu nutz kommen.