Topographia Westphaliae: Bückeburg

aus Wikisource, der freien Quellensammlung
Zur Navigation springen Zur Suche springen
Topographia Germaniae
Bückeburg
<<<Vorheriger
Broeck
Nächster>>>
Buillon
aus: Matthäus Merian (Herausgeber und Illustrator) und Martin Zeiller (Textautor):
Merian, Frankfurt am Main 1647, S. 12–14.
Wikisource-logo.png [[| in Wikisource]]
Wikipedia-logo.png Bückeburg in der Wikipedia
Bearbeitungsstand
fertig
Fertig! Dieser Text wurde zweimal anhand der Quelle Korrektur gelesen. Die Schreibweise folgt dem Originaltext.
Um eine Seite zu bearbeiten, brauchst du nur auf die entsprechende [Seitenzahl] zu klicken. Weitere Informationen findest du unter Hilfe
Link zur Indexseite


[12]
Bückeburg / Buckenburg / oder Böckenborg /

Wie diesen Ort Philippus Cluverius lib. 9. antiq. Germ. cap. 19. vnd Chytraeus Arcem Bructerorum lib. 23. p. 642. nennet. Ligt ein Meil von der Bischofflichen Westphälischen Statt Minden / in der Graffschafft Schaumburg / zwo Meilen von Statthagen / darzwischen etwas Holtz ist / dessen Tacitus gedencket / darinn die Heydnische Teutschen / dem Herculi vor Zeiten geopffert haben / vnnd etliche Teutsche Völcker da zusammen kommen seyn / als sie deß Germanici Lager vber der Weser angreiffen wolten / wie gedachter Cluverius meldet. Es gibt auch zwischen besagten beyden Orten / viel Steinkohlen / die / an statt der andern / zum Brennen / auß der Erden gegraben werden.

Im Braunschweigischen Krieg hat Landgraff Philips auß Hessen / Anno 1545. Graff Johann von Schawenburg / oder Schowenburg / seinen Lehenmann / weil er Hertzog Heinrichen von Braunschweig Hülffe gethan / gestrafft / vnnd ihn seines Schlosses Bückenburg entsetzet / vnd dasselbige seinen Brüdern / vnnd andern von der Ritterschafft / zugestelt / mit dem Gedinge / daß sie ihm dasselbige nicht wider einräumen solten / er hätte sich dann zuvorn mit dem Evangelischen Bund / aller seiner Mißhandlung wegen / genugsam vertragen; wie in der Braunschweigischen Chronic / p. 321. stehet. Es wird aber solcher Ort / in der Bischofflich-Mindischen Ableinung / für ein Mindisch Lehen gehalten / vnd angesprochen. Vnd stehet p. 38. davon vnter anderm / also: Daß aber das Castrum Arnheim (welches schon für hundert / vnnd mehr Jahren / nicht mehr in rerum natura gewesen) sein Territorium, Land vnd Leut gehabt / davon die Helffte das Stifft (Minden) behalten / die andere Helffte aber / worinn jetziger Zeit das Ampt Bückeburg bestehet / Graff Gerharden / vnd Johann zu Schawenburg / in feuduin verliehen / solches erscheinet auß der Beylage Nu. 2. vnd sind dessen vorige Besitzer Graffen von Arnheim genannt worden / darvon einer zu Pettesen (in errat. Pattessen) nächst bey Bückeburg / in der Kirchen abgemahlet stehet / etc. Vnd ligt / der Ort nahe bey Bückeburg / vnd Pettesen / da solch Castrum gelegen / vnnd wird noch die [13] heutige Stund das Hauß Arnheim genannt. Biß hieher die Ableinung.

Dieses Schloß hat hernach Graff Ernst von Holstein / Schawenburg / Sternberg / vnd Gemen / Stiffter der hohen Schul zu Renteln / den Keyser Ferdinand der Ander / in den Fürsten-Stand erhoben / vnd der Anno 1622. den 17. Januarij / ohne Leibs Erben / abgangen / ansehenlich verbessern / auch mit einer künstlichen / schönen Hoff-Capellen / vnd Fürstlichem Lustgarten zieren / vnnd den vorhin bey dem Schloß gewesten kohttichten / offenen Flecken zu einer Statt machen / pflästern / mit einem Wall vmbgeben / vnd mit einer schönen newen Pfarrkirchen / auch andern nohtwendigen Gebäwen / vnd einer Apothecken / die im Jahr 1612. vom Herrn Christoph Weissick / besteltem Hof-Apothecker / versehen worden / (so noch Anno 45. daselbst gelebt hat) ansehenlicher erbawen lassen. Vnd hat hochgedachter Fürst Ernst / in dem besagten Schloß / stattlich Hoff- deß Tags aber nur einmal Tafel gehalten: Sonsten auch seine Hoffleute / vnd Diener ansehenlich besoldet / vnnd gekleydet. Anno 1640. legten sich theils Keyserische Völcker bey Bückenburg / denen aber von der Gegenpart daselbst eingefallen / vnnd sie mit Verlust drey Standarden / vnd deß Plunders / ruiniert / vnnd gefangen hinweg geführet worden seyn. Vorhero / im Jahr 1633. ist dieser Ort auch in der Keyserischen Gewalt kommen: Aber / nach Eroberung Hildeßheim / hat Hertzog Geörg von Lünenburg erstlich das Stättlein / vnd hernach / durch Abgrabung deß Wassers / auch das Schloß Anno 34. im Julio / mit Accord einnehmen lassen.

Es ligt aber die Graffschafft Schawenburg in Alt Nider-Sachsen / beyderseits der Weser / zwischen den Stätten Hammeln / vnnd Minden / auch zwischen den Graffschafften Lippe / Hoya / Wunßdorff / Hallermond / vnd Spiegelberg / vnnd erstreckt sich / biß an das Ampt / vnd Statt Newenstatt / zum Roveberg / oder Rubeberge. Solte daher mehr zum Nider-Sächsischen / als dem Westphälischen Craiß gezogen werden. Ist meistentheils mit gewaltigen / vnd vesten Landwehren rings vmbgeben. Es seyn darinn das Schloß Schawenburg / Schloß Rodenberg / (darbey ein Flecke / oder / wie Spangenberg wil / ein Stättlein / ist) die Statt Statthagen / obgemelte Haupt-Residentz Bückeburg: Item / Sachsenhagen / Hagenburg / Bockloh / Egestorff / obgedachte Statt Rinteln / da die hohe Schul ist: / Oberkirch / Kloster vnd Fleck / Lawenaw / Schloß vnd Ampt / Oldendorff / Stättlein vnnd Kloster / Arnsburg / Meßmerode / Steinhude / die Klöster Vißbeck / Möllenbeck / etc. Hat feinen Ackerbaw / gute Weyde / Wasser / darunter die Hammel / die Awe / oder Caspaw / die Weser / die Exter / seyn. Auß diesen Wassern / vnd dem Steinhuder See / welcher mehr als eine grosse Meilen lang / vnd ein halbe breyt / hat man allerhand Fisch / sonderlich grosse Barse / in grosser Anzahl. Es ist da ein gewaltig schöner / vnd berühmbter Steinbruch / darauß die Steine nach Holland / Seeland / Braband / Antorff / Bremen / Hamburg / Lübeck / mit grosser Menge geführet werden: Item / seyn da zween Saltzbrunnen. So ist daselbst gnug Holtz / vnd in den Wälden viel Wildpret. Gibt auch viel Steinkohlen: Ein Alaun-Bergwerck / so aber vor diesem nicht getrieben worden: Item / Kalckstein / vnd Gips. Vnd hat man in obbenantem Ampt Egestorff / Gold- vnd Silber-Ertz / auch Kupffer / vnd Eisenkieß / vor etlichen Jahren erfunden. Man brawet auch roht vnnd weiß Bier im Land.

Siehe hievon / auch dem alten Gräfflichen Geschlecht / deren von Schawenburg / (darauß viel Graffen in Holstein / auch etliche Hertzogen zu Schleßwick gewesen) neben deß Hermanni de Lerbeke Chronic / insonderheit deß Cyriaci Spangenbergs Schawenburgische Chronic / vnnd was auß derselben in die Continuation deß Teutschen Raißbuchs am 5. Capitel / gebracht worden ist. Hochgemeltem Fürst Ernsten / hat Anno 1622. succediert Jobst Hermann / welcher deß Fürstlichen Tituls sich nicht gebraucht hat: Vnd Anno 1635. den 5. Novembris / ohne Männliche Leibs Erben gestorben ist. Seines Herrn Vattern Henrici Bruder / Graff Geörg Hermann / der vor diesem im Schaumburgischen Hoff zu Minden seine Wohnung gehabt / hat mit Fraw Elisabetha / Graff Simons zur Lippe Tochter / erzeugt Graff Otten / zu Holstein / Schawenberg / vnd Sternberg / Herrn zu Gehmen / vnd Bergen / etc. den letzte dieses Geschlechts / welcher sich nicht verheuratet hat / vnnd also ohne eheliche Kinder / vnd zwar ohn alles Vermuhten / Morgends / den 15. Novembris Anno 1640. im 24. Jahr seines Alters / gestorben ist. Nach welches Tod / sich der König in Dännemarck / neben dem regierenden Hertzog in Holstein / der Schawenburgischen Grafschafft Pinnenberg / bey Hamburg / bemächtiget / dieweil sie groß Recht zu derselben zu haben vermeinten / gleichwol auch deß verstorbenen Herrn Graffen hochwolgedachter Frawen Mutter / als geschrieben worden / etliche Tonnen Golds darfür hinauß gegeben / vnd hat der König darvon zwey / der Hertzog aber das dritte Ampt bekommen. Von hochwolgedachtem Herrn Graffen Jobst / oder Just Herman / schreibet Goldastus in seinem Buch vom Königreich Böheim / lib. 6. cap. 20. p. 740. daß die Schawenburgische Stände / als die sich auff ihre Freyheiten gehalten / nach Absterben deß auch hochgedachten Fürst Ernsten (von welchem eben dieser Goldastus lib. 1. cap. 2. p. 24. also saget: Cujus felicissimam memoriam nulla unquam obliteraret aetas, aut deleret invidia, si tam didicisset prudentiam regnativam, quàm calluit Oeconomicam) Ihn / den Graffen Just Hermann von Schawenburg / Herrn zu Gehmen / vnd Bergen in Holland / zu einem Regenten erwehlet haben.

In dem vierdten Theil deß Theatri Europaei stehet / f. 179. daß hochwolgedachter letzte Graf Otto (ein vernünfftiger / mässiger junger Herr) zu Bückenburg / besagten Jahrs / Tods fürworden / nicht [14] von Gifft / wie ins gemein darfür gehalten worden / sondern von vbernommenem Trunck / so bey Herrn General Bannern (zu Hildesheim) gehalten worden / gestorben; welches der Verfasser am 258. Blat widerholet: Vnd dann am 519. also schreibet: Vnter andern hat denen von Schaumburg / auch der Zoll zu Altenaw bey Hamburg zugestanden / vmb welchen sich Ihre Königliche Würden angenommen / etc.

Es hat sich aber vber diesem Zoll im Martio / ein vnverhoffter Streit erhoben / vnd können wir nicht sehen / ob solcher ad instantiam altcujus partis entstanden? Oder / ob Keyserliche Majestät sich proprio motu dessen angenommen? Allezeit hat der Keyserliche Gesandte zu Hamburg sich der Possession deß Zolls angemasset / vnd ist ein Keyserlicher Currier / mit einem Mandat von Regenspurg / zu Glückstatt ankommen gewesen / daß Dännemarck sich dieses Zolls enthalten solle / welches Mandat der Dänische Gubernator daselbsten / Herr Graff Pentz / ihrer Königlichen Würden zugeordnet hatte. Es wurde auch solches zu Hamburg publiciert / vnd an das Rahthauß / nicht weniger in der Graffschafft Binnenburg angeschlagen / daselbsten es aber der König / durch Notarios, vnd Testes, abreissen lassen. Biß hieher der Autor, auß dessen vbrigen Relation daselbsten zuverspüren / daß er fast in denen Gedancken gestanden / als ob auch die andere Schaumburgische Güter an Holstein kommen: Inmassen man dann auch von Franckfurt / vnnd andern Orten berichtet hat / daß auch die Graffschafft Schaumburg an der Weser / jetzt Dännemärckisch sey. Aber die Bischofflich-Mindische / Anno 1644. zu Bremen gedruckte Ablehn- vnd Hindertreibung deren von der Gräfflich-Schawenburgischen Fraw Wittibe außgelassenen Possessorii, et Petitorii Manifestorum, gibt ein anders / vnd daß zuerkennen / daß von den zehen Aemptern der Graffschafft Schaumburg / allbereyt sechs von Braunschweig / vnd Hessen / hinweg genommen seyen: Vnd vmb die vbrige Vier / darunter die Aempter Schawenburg / vnnd Sachsenhagen / hochwolgedachte Fraw Wittib / als Erbin ihres Herrn Sohns / deß letzten Graffens von Schawenburg / mit dem Stifft Minden / als Lehenherrn / streitig ist: Welche Aempter auch wol die fürnembste Stück dieser Graffschafft seyn; als in welche die Residentz Bückenburg selbsten (so die Fraw Wittib damaln noch inngehabt;) wie auch die Statt Rinteln / da die Vniversität ist: Item / die Stätte Statthagen / Oldendorff / Obern-Kirchen / Sachsenhagen: Die Klöster Möllenbeck / Vißbecke / Obernkirchen: Die Höffe / vnd Vorwercker / Coverden vnd Oelberg; Ansehenliche Schlösser / vnd das Stammhauß Schawenburg selbsten: Stattliche Holtzungen / Stein- vnnd Kohlberge. 5. Vogteyen / ein grosse Anzahl Dörffer / bey zwey tausend Bawren / Zöll auff der Weser / vnd dergleichen: Ansehenliche Ländereyen / Wiesenwachs / Mühlen / vnd was deren mehr seyn mag / gezogen werden. Vnd hat der jetzige Bischoff zu Minden / bey Keyserlicher Majestät / nach rechtlich apprehendierter Possession / der Schawenburgischen Lehenstück / vnnd Güter / vmb Decretum Manutenentiae, auch nöhtige Mandata, angehalten / vnd solche auch den 11. Octobris / Anno 1641. zu Regenspurg / auff dem Reichstag / erlanget. Anno 1645. den 4. Januarij / ward auß Holstein also berichtet: Was aber die Graffschafft Schaumburg betrifft / so hat der König (zu Dännemarck) mit selbigem Land gar nichts zuschaffen / vnd sind die meisten Oerter dieser Graffschafft fast lauter Lehengüter / welche die Hertzoge von Sachsen-Lawenburg / die von Braunschweig / das Stifft Minden / Landgraff von Hessen / vnd andere / wider zu sich nehmen: Was erblich ist / behelt die Fraw Mutter / vnd wann die verstorben / kompt es an die Graffen von der Lippe / auß welchem Hause sie gebohren / etc.

[T6]
Bickeborg (Merian).jpg