Topographia Westphaliae: Corbey

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Topographia Germaniae
Corbey (heute: Corvey)
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Dethmoldt
aus: Matthäus Merian (Herausgeber und Illustrator) und Martin Zeiller (Textautor):
Merian, Frankfurt am Main 1647, S. 77.
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[77] Corbey / Corbeia, Dieses Keyserliche Frey-Stifft / ist vom Keyser Ludovico Pio, Anno Christi 815. in deß Rugraffen zu Dassel Gebieth / auff dem Sollinger Wald / an der Holschaminda / zwischen dem hohen Moßberg / vnd der Langenbach / die jetzund das rohte Wasser genannt wird / zuerbawen angefangen; aber nach wenig Jahren / von ihme / auß dieser Wildnuß / an die Weser versetzt worden. In dem ersten Kloster war Adelbertus, vnd in dem Newen Warinus, der erste Abt / Benedictiner Ordens / vnd der erste Rector der Schulen daselbst Anscharius. Es hat dieses Kloster vor Zeiten dem Bischthumb Bremen 5. dem zu Hildesheim 2. dem Münsterischen 1. dem Pragischen 1. dem Oßnabrückischen 1. dem Speyrischen 1. dem Mindischen 1. dem Paderbornischen 1. vnnd dem Verdischen Bischthumb auch einen Vorsteher / oder Bischoff / geben; wie H. Meibomius in Chron. Riddagshus. pag. 11. bezeuget. So fürtrefflich ist dieses Kloster vor Jahren gehalten worden.

Auff dem Reichstags zu Regenspurg in Anno 1641. ist Arnoldus Abt dieses Keyserlichen freyen Stiffts / durch Bottschafft / erschienen. Johannes Micraelius schreibet im zweyten Buch / vom alten Wendischen Pommerland / p. 165. seq. vnter anderm von diesem Kloster also: Keyser Ludwig der Erste / hat etliche Münche auß dem Kloster zu Corvey / das er an dem Weserstrom gestifftet hatte / biß in die Insul Rügen abgefertiget / die allda einen guten Anfang deß Christlichen Glaubens gemacht / vnd eine Kirch zun Ehren S. Viti, (welchen Heiligen das Corveyische Kloster zum Patronen hat / weil er da begraben liget) erbawet haben. Als diesen Fortgang deß Evangelij Keyser Ludwig vernahm / hat er den Rugianern den zuvor aufferlegten Tribut erlassen / mit dem Beding / daß sie denselben S. Vito, vnd dem Kloster zu Corvey / lieffern solten. Aber / daß die Rugianer sich wenig daran gekehret / sieher man auß einer Verschreibung / so zu Aach im Jahr 844. den 20. Martij / auffgerichtet ist / darinn Keyser Lotharius, Ludovici Sohn / die Insul Rügen dem Kloster zu Corvey / zu GOttes / vnd vnsers Erlösers / vnd S. Stephani Ehren / verehret. In solchem Brieff ist zu finden / daß / als er in einem harten Streit wider die Rugianer / vnd ihren Fürsten Gestimulum, sich befunden / vnnd sehr bedränget gewesen / er S. Vito, ein Gelübd gethan habe / so er siegen würde / daß er alles / was er damit erstreiten würde / ihme geben / vnd zueygenen wolte. / Weil er derowegen in dem harten Treffen Gestimulum, mit vielen andern fürnehmen Officierern / erschlagen / vnd alle veste Oerter der Insul Rügen einbekommen hätte / als hat er dieselbe dem Abt / vnnd seinen Successoren / in dem Kloster zu Corvey geschencket / vnd verehret. Biß hieher Micraelius.

Es gehöret diesem Kloster die nahend darbey gelegene Statt Hüxer / oder Hoxaria. So seyn auch / als Stände deß Stiffts / die von Falckenberg / Amelunxen / Stockhausen / vnd Kahnen. Die andere Adeliche Geschlecht seyn vergangener Jahren mehrertheils abgestorben. Siehe Johan. Letznerum, im 16. Capitel seiner Corbeischen Chronic / der auch im 9. Capitel / von den gelehrten Leuten / so es allhie gehabt / darunter der Historienschreiber Wedekindus gewesen: Vnd im 18. Capitel / von der Armen- oder Irmensäul / das ist / Jedermans-Säul / oder der Armen Trost / darauff der Sachsen Abgott gestanden / handelt: Welche Säul bey Corbey gefunden / vnd hernach gen Hildesheim geführet worden / da sie in dem Thumb / für dem Hohen Chor / vor einen Leuchter / Liechter darauff zustecken / stehet. Wann man mit einem Messer daran schlägt / so gibt sie einen gantz hellen Schall: In grosser Hitz deß Sommers / ist sie fast kalt / vnnd schwitzet gleichwol. Siehe oben Stattbergen.