Topographia Westphaliae: Minden

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Topographia Germaniae
Minden
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Höxter
aus: Matthäus Merian (Herausgeber und Illustrator) und Martin Zeiller (Textautor):
Merian, Frankfurt am Main 1647, S. 33–35.
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[T19]
Minden (Merian).jpg
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Minden / Minda.

Diß ist eine Bischoffliche vnnd Hansee-Statt / in Westphalen / an der Weser gelegen. Joan. Angel. à Werdenhagen de Rebuspubl. Hanseat. part. 4. cap. 7. pag. 38. seq. verweiset dem Pet. Bertio gar hefftig / daß er lib. 3. Rer. German. in Beschreibung dieser Statt / dieselbe mit der Statt Münden / oder Mynda, im Braunschweigerland / so vber die sechszehen Meilen von dieser / an der Fulda vnd Werra / darauß die Weser wird / gelegen / vermischet. Aber solchen Irrthumb hat Bertius sonder Zweiffel / auß deß Georg Braunens vierdten Theil seines Stättbuchs geholet / der vor diesem solches geirret hat. Zwar / er Braun / wie er meldet / auß deß Hamelmanni Urbium Westphalicarum Synopsi, genommen. So fern dann nun jetztgedachter Hamelmann (den wir auff fleissiges Nachfragen / vnd Bemühen / nicht bekommen können) vor jenen beyden hierin geirret haben solte: So wäre dieses letztern Irrthumb der grösseste; dieweiln er Hamelmann zu Oldenburg in Westphalen gelebt / vnnd dahero deß Lands Gelegenheit besser / als die Außländer / solte gewust haben.

Vnd solchen Fähler scheinet auch Casp. Ens / in seinen deliciis apodemicis p. 218. begangen zuhaben / in dem er sagt: Minda commendatur ob famosissimorum fluminum concursum. Dardurch er dann / sonders Zweiffels / die obgedachte beyde Flüß / Fulda / vnd Werra / so zu Münden / wie gesagt / zusammen kommen / verstehen wird. Dann keine solche berühmbte Flüß bey Minden in die Weser fliessen. Darauß zusehen / wann einer fählet / wie viel er Nachfolger bekommet. Es solle Minden den Namen vom Min / vnd Din / haben. Dann / als der Grosse Witekind / König der Sachsen / den Christlichen Glauben angenommen / vnd vom Ersten Bischoff allhie / dem Herimberto, getauffet worden / so soll er Keyser Carln dem Grossen erlaubet haben / in seinem Schloß / an der Weser / ihme / dem Bischoff / einen Ort einzugeben; auch selber zum Bischoff gesagt haben / diß Schloß soll Min / vnd Din / seyn: Daher das Wort / Minden / entsprungen. Vnd folgends auch die Kirch / sampt der Statt / auffkommen / welche Statt aber Theils für älter halten. Obgedachter Braun / nennets ein gar lustige / vnd sehr veste Statt; welche Lustbarkeit / Fisch / vnd andere gute Gelegenheit / die Weser darreyche. Sie brawe auch ein gutes Bier / so vielen Benachbarten angenehm; vnd seye da ein Vberfluß an vnderschiedlichen Kauffmannschafften. Habe drey Collegia, vnter welchen die Bischoffliche Kirch / oder der Dom. Es ist aber darbey zuerinnern / daß der besagte Dom / gar finster / auch sonsten nicht viel denckwürdiges da zusehen ist. Obgedachtes Schloß / wird bey den Scribenten Wedekindesburgk genannt; vnd soll gestanden seyn / wo jetzt der Dom stehet. Die Braunschweigische Chronic saget: Man sehe noch auff den heutigen Tag die Mauren / die vmb die Burg hergegangen sind; vnd seye gedachter König Wedekind / wie daselbst weiter am 30. Blat zulesen / Anno 786. getaufft worden. Es hat die Statt auff zwey tausend Schritt / gegen Mittag vnd Morgen / fruchtbare Aecker / auch vberflüssige Wiesen / vnd Weyden / vnd einen eygenen Wald gegen Mitternacht. Was die Geschichten dieser Statt anbelanget / so könten solche in der Mindischen Chronic gelesen werden. Wir wollen allein der letzten etliche gedencken. Anno 1519. in der stillen Wochen / fiele / vnverwarneter Sachen / Bischoff Johann von Hildeßheim / in das Stifft Minden / raubete / vnnd brandte grewlich: Er gewann auch in kurtzer Zeit die Statt Minden / die muste sich ergeben / vnd ihm huldigen / vnd schwören; wie hievon in gedachter Braunschweigischen Chronic p. 302. vnd bey dem Henrico Petrei de Monasteriis, p. 24. zulesen.

Anno 1538. ward diese Statt / weiln sie die Religions-Reformation vorgenommen / vnnd dahero Händel mit den Catholischen Geistlichen bekommen / von dem Cammergericht in die Acht erkläret; deren sich ihre Bundsgenossen / der Churfürst zu Sachsen / vnnd Landgraff in Hessen / angenommen haben. Dahero die Execution / biß ins Jahr 1547. anstehen blieben; in welchem sie von Jodoco Grunningo, oder von Croningen / auß Befelch Keyser Carls deß Fünfften / vberzogen worden; davon Sleidanus, in selbigen Jahren / vnnd andere mehr / zusehen seyn. Chytraeus sagt: Sie habe sich damaln gleich ergeben. Anno 1626. hat Minden der General General Graff von Tilly eingenommen. Anno 1631. ward allhie erstlich / die Reformation vorgenommen / vnnd die der Augspurgischen Confession zugethane Kirchen / durch Keyserliche Commissarien eingezogen; wie Theils berichtet haben. In dem andern Theil deß Theatri Europaei stehet: Daß allhie / in besagtem 31. Jahr / zu Anfang deß Julij / durch den Bischoff von Oßnabruck (so auch Bischoff zu Minden) ein schneller Reformations-Proceß / zu vnser lieben Frawen vorgenommen / vnd durch seine Subdelegierte den Jungfrawen angezeiget worden / daß sie alsobald das Stifft / oder Abtey / mit aller Zugehör / raumen / vnnd den Jesuitern einhändigen solten: Dawider der Raht allda nichts vermocht habe. Bald aber darauff kam Landgraff Wilhelm zu Hessen daher / vnd eroberte solche Statt durch Accord. Folgends bekam sie wider eine Keyserische Besatzung: Ward aber Anno 34. den 10. Novembris / von Hertzog Georgen von Lünenburg [34] mit Accord erobert. Als folgends / daß Ihre Fürstliche Gnaden auch den Pragerischen Frieden annehmen solten / die Schwedischen vermerckten / so haben sie diese nunmehr gar vest gemachte Statt / durch einen Kriegslist / im Frühling deß 1636. Jahrs / in jhren Gewalt gebracht / vnd ferners alleweil behalten. Anno 1644. den 18. vnnd 28. Novembris / als man allhie / einen Proviantmeister zur Erden bestatten sollen / seynd durch einen Donnerschlag / vnd Blitz / deß General Majors / jetzt General Leutenampts / Hanß Christophen von Königsmarck / drey Knaben / in S. Marienkirchen / auff der Abtissin Stul / beschädiget worden / in deme der gröste vnterm Angesicht etwas verbrandt / der Mittelste an der Rechten Seiten / vnnd Arm / wie auch der Jüngste am Rechten Arm Schaden genommen; deroselben Diener aber / nebenst einem Mägdlein / alsbald Tods verfahren / vnnd hingegen die kleineste Tochter / neben der alten Jungfraw / so vmb / vnd bey gedachtem Knaben / gewesen / behütet worden. In der darauff folgenden Nacht / hat sich der Himmel Creutzweiß eröffnet / daß das Fewer vber gedachter Statt / gestanden / vnnd die Schildwache vor deß Herrn General Majors Hoff hell vmbleuchtet; wie in der Franckfurtischen Frühlings Relation deß 45. Jahrs / am 62. Blat / stehet. Der jetzige Bischoff allhie / Herr Frantz Wilhelm / ist auch Bischoff zu Oßnabruck / vnd der Römisch-Catholischen Religion zugethan. Der vorige / Hertzog Christian von Braunschweig / vnnd Lüneburg / war der Augspurgischen Confession. Die Bischoffliche Residentz ist Petershagen. Es gehöret auch hieher Berge an der Weser / oder Hauß zum Berge / so ein Paß / vnd eine Meil Wegs von der Statt Minden gelegen.


Von Carolo Magno, der Francken König / Pipini Sohn / vnd Caroli Martelli Enckeln / welcher Wetekindum der Sachsen König / bekrieget / vnd zum Christlichen Glauben gebracht.

Carolus Magnus hat viel Jahr mit den Sachsen / vnd deren König Witekind gekrieget / vnnd denselbigen etliche mahlen vberwunden: Also / wann König Witekind nach Abzug Caroli, wider abfällig worden / er zu vnderschiedenen malen mit grosser Kriegsmacht wider kommen / denselben getrieben vnd genöhtiget / biß er ihn vnd seine Vnterthanen / die Sachsen vnnd Westphalen / zum Christlichen Glauben gebracht. Hierzu werden nicht vnfüglich gesetzet nachfolgende Wort / so in Atlante Majore, de Westphalia, gefunden werden: Der eintzige Carolus Magnus hat alle diese Völcker / die Westphalen / zum Christlichen Glauben gebracht. Als sie aber offt vnd vielmal von ihm abgefallen / rebellisch worden / vnnd sich seinen Gebotten widersetzet / sahe ihn für gut an / solche ihre Halßstarrigkeit / vnd offtgeübten Meineyd / mit einem grössern Ernst / als bißher geschehen / zustraffen: Bestellete derowegen heimliche Judices vnd Richter / welche auff die Verbrecher vnnd Anführer solten Achtung geben / vnd anbringen / vnnd ließ dieselbige vnverhöret / vnd wider alle Verantwortung / auß dem Land verjagen vnd straffen. Durch welchen Ernst er dann die vbrige in Gehorsam behielte / nach dem sie / nämlich / viel auß den ihrigen / sonderlich auß den Fürnembsten / in den Wälden hin vnd wider an den Bäumen funden hangen / vnnd doch zuvor von keiner Anklag je gehöret hatten. Vnd sagt sonderlich Aeneas Sylyius, (welcher den Namen Pii II. Anno 1458. als er Papst worden / bekommen) es hab solches Gericht / biß auff seine Zeit gewähret / die Weise / die Schuldige zuvervrtheilen / allezeit heimlich gehalten / vnd die Vbelthäter / ohn ihr Vorwissen / vnversehens / vnd wo man sie erwischt / angegriffen / vnd zu der Straaff gezogen worden. Vnd solche Richter / welche diesen Gewalt vom Carolo Magno empfangen / wurden / sagt er / Aeneas ferner / Scabini, oder Schöpffen genennet. Hucusq; Atlas.

Hierüber aber ist darnach eine Reformation / nicht allein durch / weyland / Ertzbischoff Dieterich zu Cölln löblicher Gedächtnüß / als ihm durch Keyser Sigmund befohlen / was zu Arnsberg in Beywesen vieler Graffen / Freyherrn / Ritterschafft / Stolherrn / Freygraffen vnd Freyschaffen gemacht / geordnet / gesetzet / vnnd verkündet worden / sondern auch nachgehend vom Keyser Friderich dem Dritten deß Namens / nach seiner Königlichen Crönung / mit Raht deß Reichs Churfürsten / Fürsten / vnd Ständen / zu Franckfurt Reformation / Ordnung vnnd Constitution gemacht / welche Keyser Maximilianus I. Anno 1495. zu Wormbs confirmiert / ernewert / vnd bekräfftiget: Wie solches alles zuersehen auß der Reformation / oder heimlichen Gerichten / so durch den Hochwürdigsten Fürsten vnd Herrn / Herrn Hermann Ertzbischoffen zu Cölln / vnd Churfürsten / Hertzogen zu Westphalen vnd Engern / Anno 1537. auffgerichtet vnnd publiciert worden. Solch Frey-Schöpffen Gericht / wird auch in der Graffschafft Lippe / auff Confirmation deß Ertzbischoffs von Cölln / vnd dessen Präsidenten zu Arnsberg / durch besondere abgetheilete Sedes vnd Stüle / als zu Wilbasen / Schöttmahe / vnnd Falckenburg / biß auff heutigen Tag solenniter gehalten / vnnd dergleichen in andern Landen vnnd Reichs-Stätten / auch in der Statt Hervord befunden.

Als Carolus Magnus die Sachsen also zum Christlichen Glauben gebracht / stifftet er vnderschiedene Bischthumb / als zu Oßnabruck / Verden / Münster / Bremen / Minden / Paderborn / Hamburg / etc. Theilete auch das Hertzogthumb Engern vnd Westphalen / zwischen dem Rhein vnd Weser / in vnderschiedene Herrschafften / damit die Sachsen also getheilet dem Reich / wie zuvor / vngetheilet / geschehen / keinen Widerstand weiter thun möchten. Vnd zog im Jahr 801. gen Rom / vnd war daselbst vom Papst Leone, deß Namens dem Dritten / zu [35] einem Römischen Keyser gecrönet / vnd ist also Er / der Erste Keyser in Occident worden. Er hat eine Schwester gehabt / genannt Bertha, welche zur Ehe gehabt Milo Anglerius, ein Hertzog von Engern / so im Anfang deß Kriegs in Sachsen / ihm Carolo Magno, gedienet / vnnd in einem harten Treffen in Hispania, gegen die Saracenen / Anno 778. vmbkommen / darvon gebohren ein Sohn / mit Namen Rolandus: Welcher / als er 42. Jahr alt worden / gestorben / von Durst / vnnd nicht von Schwerdschlag / als Carolus Magnus auß Hispanien in Franckreich ziehen wolte / auff dem Pyreneischen Gebirg / so Spanien vnd Franckreich von einander scheydet / Anno Christi 796. Es hatte aber Rolandus denselben Tag / als ein kühner vnd streitbarer Held / Mansurium, einen fürnehmen Saracenen / getödtet / vnd grosse Thaten gethan. Diesen Roland hat Carolus Magnus, wegen seiner Tugend vnd Mannheit / gar sehr geliebet / vnnd nach seinem Tod in den Sächsischen Stätten vnnd Orten / zum Gedächtnüß / ihme Bilder auffgerichtet / grosse Freyheit darbey gegeben / die noch jetzo Rolandi Bilder genant werden.

Anno 814. ist Keyser Carolus Magnus am 28. Januarij im zwey vnnd siebentzigsten Jahr seines Alters / zu Aachen gestorben / vnd begraben. Ihm ist im Regiment vnd Keyserthumb gefolget / sein Sohn Ludovicus Pius.