Topographia Westphaliae: Paderborn

aus Wikisource, der freien Quellensammlung
Zur Navigation springen Zur Suche springen
Topographia Germaniae
Paderborn
<<<Vorheriger
Soest
Nächster>>>
Recklinghausen
aus: Matthäus Merian (Herausgeber und Illustrator) und Martin Zeiller (Textautor):
Merian, Frankfurt am Main 1647, S. 56–58.
Wikisource-logo.png Paderborn in Wikisource
Wikipedia-logo.png Paderborn in der Wikipedia
Bearbeitungsstand
fertig
Fertig! Dieser Text wurde zweimal anhand der Quelle Korrektur gelesen. Die Schreibweise folgt dem Originaltext.
Um eine Seite zu bearbeiten, brauchst du nur auf die entsprechende [Seitenzahl] zu klicken. Weitere Informationen findest du unter Hilfe
Link zur Indexseite


[56]
Paderborn / Padelborn.

Diß ist die Hauptstatt im Westphälischen Bischthumb dieses Namens / so nahend dem Fluß Lippe gelegen / vnnd auch eine auß den Hansee-Stätten / vnd fein erbawet ist. Fr. Irenicus in exeg. Germ. lib. 12. sagt: Daß sie vom Fluß Pada / oder Pader / so vnter dem Chor-Altar daselbst im Thumb entspringe / den Namen: Keyser Otto der Ander / habe ein Creutz sechszig Pfund schwär hieher gegeben / so man auff sechszig tausend Gülden werth geschätzet habe. Johannes Pomarius, in der Magedenburgischen Chronic / sagt: Daß Paderborn den Namen daher haben solle / weiln da die Sächsische Herrn / sampt dem mehrertheil der Sachsen / vnd Westphalen / sich vmbs Jahr 776. vnd 77. haben tauffen lassen. Der Boden herumb ist fruchtbar / vnd geschlacht.

Anno 999. ist diese Statt / im Sommer / mit deß Keyser Carls Kloster / vnnd der Bibliotheck / gantz vnd gar verbronnen; deren Privilegia aber / sampt den Jahrmärckten / ihr / vom Keyser Otten dem Dritten / zu Eingang deß folgenden tausenden Jahrs / ernewert worden seyn. Daher man sie vor diesem für eine Reichs-Statt gehalten hat / die aber heutiges Tags nicht mehr in der Reichs-Matricul begriffen ist / sondern von ihrem Bischoff eximiert wird. H. Petrei schreibet de Monasteriis, p. 8. daß Wedekindus der Grosse / zu Engern eine Kirch erbawet habe / so Keyser Heinrich der Erste hernach / mit seinem deß Wedekindi Sarch / vnnd Cörper / hieher auff Paderborn gebracht habe. Die Braunschweigische Chronic sagt am 54. Blat hievon also: Deßgleichen hat auch Keyser Heinrich den Thumb / welchen König Wedekind zu Engern gebawet hatte / gen Vallersleben gelegt / vnd einen Bischoff dahin gesetzt / der hieß Marcus, ein Gottsfürchtiger Mann / vnd ligt zu Vallersleben begraben. Zu derselbigen Zeit / als der Thumb zu Engern zubrochen / vnd gen Vallersleben gelegt war / da sind die Gebeine König Wedekindes wider auffgegraben / vnnd von Engern gen Padelborn geführet / vnnd daselbst zu der Erden bestattet worden.

Auff die zwo Meilen von der Statt Paderborn / bey dem Stättlein Driborg / hat es zween Sauerbronnen: Item / auff die dreyssig Schritt herabwerts / von denselben noch einen andern heylsamen / vnd guten; von welchen allen Johan. Th. Tabernaemontanus, in seinem Newen Wasserschatz / cap. 59. seq. zulesen. L. Thurneiser schreibet lib. 1. cap. 1. p. 9. von den Wassern: Daß in diesem Stifft ein Brunn seye / der alle vier vnd zwantzig Stund sich zweymal verliere / vnangesehen / daß er so viel Wasser führe / daß er drey Mühlenräder treibe / nicht sonders weit von seinem Vrsprung / aber doch / vnnd so offt / nach Verscheinungs sechs Stunden / mit erschröcklichem Boldern / vnd Getöß herwider komme / den auch die Innwohner derhalben den Bolderborn heissen. Deß D. Joan. Gigantis, Medici, vnd Mathematici, Entwerffung deß Stiffts Paderborn nach / ligt gemelter Brunn / den er den Bullernborn nennet / nahend den besagten Saurbronnen / vnd dem gedachten Stättlein Driborg.

Was das Bischthumb zu Paderborn anbelanget / so ist solches vmbs Jahr 794. vom Keyser Carolo Magno gestifftet worden; davon / vnnd den Bischöffen allhie / neben andern / auch Ga. Bruschius cap. 12. de. Episcop. German. kan gelesen werden. Welcher den Namen dieser Statt / auch vom Fluß Pada (vnnd dem Wörtlein / Born / oder Brunn) herführet / vnnd daß das obangedeute Creutz / von dem besten Vngarischen Gold gewesen seye / saget. Er wil auch / daß Paderborn / zu deß gedachten Keysers Zeiten / ein groß Dorff / vnnd das Bischthumb anfangs in dem vesten Heeristell / fünff Meilen von hier an der Weser gelegen / angerichtet worden: Er / der Keyser / habe zu Paderborn eine Kirch angefangen / so die Sachsen wider zerstöret / daher der erste Bischoff Harimarus (oder S. Hadumarius) allhie zu Paderborn die Kirch wider gebawet / vnnd solche Anno 799. Papst Leo III. den 6. Decemberis / selber geweyhet habe. Vnd seye dieser Erste Bischoff Anno 804 gestorben. Vnter dem neundten Bischoff Rethario, seye Anno 1000. (andere haben 999.) obbesagte vom Carolo Magno angefangene Kirch / sampt den Büchern / Privilegien / vnnd allen andern Zierden / vnnd dem grösten Theil der Statt (andere sagen gantz) verbronnen. Dieses Bischoffs Nachfolger Meynwercus, habe Paderborn mit einer Mawer vmbgeben. Vnter dem fünffzehenden Bischoff Bernhardo, so Anno 1159. gestorben / sey der Thumb / vnd ein grosser Theil der Statt / wider abgebronnen: Wie es dann vor / vnd hernach / vnderschiedliche grosse Brünsten allhie geben hat. Vnd dieses schreibet Bruschius.

Es hat dieses Bischthumb mit der Zeit an Reichthumb gewaltig zugenommen; also / daß es in seinem Vmbkreyß vier vnd zwantzig Stättlein / vnnd Marcktflecken / zwantzig Schlösser / vnnd Aempter / sechszehen Klöster / vnnd vier vnd fünfftzig Pfarren / begriffen: Daher auch solches Stifft / Hertzogen / Graffen / vnd andere mächtige Leute / zu Bischoffen / gehabt hat. Vnd gehöret in dasselbe / vnnd zugleich auch in die Graffschafft Lippe / das Hauß Schwalenburg / welche Graffschafft / so mit Graff Günthern erbloß worden / zwischen diesem Stifft / vnnd besagter Graffschafft gelegen ist. In dem newen Anno 1644. wider außgangenem Atlante stehet: [57] Daß dieses Bischthumb berühre gegen Auffgang die Braunschweigische vnnd Hessische / gegen Mittag / der Graffschafft Waldeck / gegen Abend / deß Hertzogthumbs Westphalen / vnnd der Landschafft Reckenberg / gegen Mitternacht / der Graffschafft Lippe Gräntzen. Es seyen in diesem Stifft etliche Brunnen / sehr wunderlicher Art / als der Bulderborn / nicht weit von dem Dorff Aldenbeken / der ab- vnd zu fliesse / wie das Meer: Auch noch vnderschiedliche Flüsse / als einer vmb Lechtenaw / welche von der Erden verschlungen werden / vnnd helt man darfür / daß sie zu Paderborn / oder an andern Plätzen / widerumb herfür kommen. Außerhalb der Hauptstatt Paderborn / seyn noch vber die zwantzig Stätte / vnter welchen die fürnembsten disseit deß Gebürges seyen / Soltkotten / von wegen deß Saltzes / Lipspring / von wegen deß Vrsprungs der Lippe / vnnd Büren / von wegen deß vhralten Geschlechts berühmbt. Jenseit deß Gebürgs / halte man Warburg für die Trefflichste / welche für Zeiten eine Graffschafft gewesen. Deren folgen / Borrentryck / Pekelsheim / Borcholt / Beverungen / Brakel / vnd Steinheim. Lugd / nicht die geringste / sey gelegen in einem sehr lustigen Thal / zwischen den Wiesen / vnd Weyden / am Vfer der Emmer; von welcher nicht weit ein berühmbter Saurbrunnen / zu vielen Kranckheiten nützlich / gefunden werde. Swalenborg / vnd Oldenborg / seyen für alten Zeiten sonderliche Graffschafften gewesen / nunmehr seyen sie dem Bischoff von Paderborn / vnd dem Graffen von der Lipp zusammen vnterworffen. David Chytraeus lib. 3. Saxon. p. 83. sagt: Daß dem Bischoff zu Paderborn vor Zeiten Gehorsam geleystet haben / vier vnd zwantzig Stätt / zwantzig Schlösser vnd Vogtteyen / sechszehen Klöster / vier vnd fünfftzig Pfarren. Vnd heissen die Stätte / vnnd Stättlein / Padeborn / Lipspring / Soltkatten / Bueren / Wunnenborg / Sualenburg / Hense / Klenenberg / Warburg / Kalenberg / Pokelsen / Borcholte / Borgenthrica / Beveringen / Dringenborch / Wilbaessen / Gerden / Brakel / Driborch / Nihem / Bremeren / Voerden / Liechtenou / Line / vnnd Stenheim / etc. so 25. machen; daher / sonders zweiffels / er die Hauptstatt Padeborn vnter der Zahl vier vnnd zwantzig nicht verstanden haben wird. Der auch weiter sagt / daß die meisten Schlösser dem Adel / vnnd andern / vor Zeiten versetzt gewesen / vnnd daher dem Bischoff / oder dem Stifft / nicht viel Nutzen getragen haben.

Anno 1411. war in diesem Stifft grosse Vnruhe. Dann das Thumb-Capitel / vnd etliche Stätte / Paderborn / Warberg / Brakel / vnd Borchentrycke / legten sich wider Bischoff Wilhelm / gebornen Hertzogen von Berg. Zu diesen schlug sich Graff Bernhard zur Lippe. Diese Mißhelligkeit hat Hertzog Bernhard zu Braunschweig in der Statt Luide (oder Lude / zwischen obgedachtem Swalenberg / vnd Pyrmont / gelegen) auffgehoben / vnd die Parten vntereinander vertragen. Als aber Bischoff Wilhelm / von etlichen Thumbherrn zu Cölln / zu einem Ertzbischoff deß Orts postuliert ward / vnnd deßwegen sich naher Cölln begab / hat er das Stifft Paderborn / Hertzog Bernharden zu Braunschweig zu regieren anbefohlen / der zum Dringenberge Hoff gehalten: Den andern Theil deß Stiffts / hatte innen / Bernhard von Hörde / Knape / dessen Hofflager war zum Newen-Hause. Es ist aber diese Vneinigkeit endlich zum Friedestand gediegen; stehet in der Braunschweigischen Chronic am 269. Blat. Anno 1530. war allhie Bischoff / Hertzog Erich von Braunschweig / zu welcher Zeit die Bürger den Geistlichen anfiengen auffsetzig zuwerden / vnd thäten ihnen Schmach an. Daher der Bischoff die Statt vmb zwey tausend Gülden gestrafft / derselben etliche Freyheiten entzogen / vnnd sie dahin gebracht / daß sie versprochen / nimmermehr der Lutherischen Religion in der Statt Platz zugeben. Als sie aber gleichwol etliche Prediger zu sich beruffen / so ist / nach Absterben deß gedachten sieben vnd dreyssigsten Bischoffs allhie / deß Erici, in Anno 1532. der Ertzbischoff zu Cölln / Hermann / Graff von Weda / zum Bischoff erwöhlet worden / welcher alsobalden die gedachte Prediger / deren drey gewesen seyn sollen / gefangen nehmen / vnd nach Arnsperg hat führen lassen: Die aber / als der Fuhrmann bey neblichtem Wetter irr gefahren / vnnd in ein Dorff / der Statt Soest gehörig / kommen / von den Bürgern zu Soest erkannt / vnd in ihr Statt gebracht / vnd also erlediget worden seyn. Daher der Bischoff sechszehen Bürger zu Paderborn / die er dem Evangelio geneigt zuseyn gewust / hinzurichten befohlen; welches auch geschehen wäre / wann nicht der Scharffrichter sich dieses zuthun / vnnd seine Hand an Vnschuldige zulegen / verweigert hätte. Vnd dieweil auch das Heulen der Weiber darzu kommen / so hat der Bischoff besagte Sechszehen / in die Gefängnüß wider führen / vnnd folgends sie / in ihren eygenen Häusern / vber das Jahr / eingesperret behalten lassen; wie hievon Chytraeus lib. 12. Sax. p. 337. seq. vnd / auß ihme Sethus Calvisius in Chronolog. vnd Werdenhagen de Reb. Hans. part. 4. cap. 7. p. 40. zulesen. Ihme Hermanno, hat succedirt Rembertus von Kersenbruch / so Anno 1558. gestorben. Diesem Graff Johann von Hoya. Diesem Graff Salentin von Isenburg. Diesem Hertzog Heinrich von Sachsen-Lawenburg. Vnd diesem Dieterich / oder Theodoricus von Fürstenberg; bey dessen Regierung es zu Paderborn in Anno 1604. wunderlich hergangen ist; wie beym Meterano im 25. Buch seiner Niderländischen Historien zusehen. Vnd hat er / der Bischoff / im folgenden 1605. Jahr / die Statt eingenommen / vnnd den Burgermeister Liborium Vichardum, lebendig zu viertheilen befohlen. Calvisius d. l. Anno 1616. seyn allhie fünfftzig Häuser abgebronnen / sampt dem Capuciner Kloster / so durch das Wetter geschehen. Anno 1617. hat der Bischoff / bey Straaff der Verweisung auß dem Lande / die Römisch Catholische Religion anzunehmen / seinen Vnterthanen aufferlegt: Daher der Adel / vnnd andere / ihre Zuflucht zu den Holländern [58] genommen / vnnd sie vmb Vorbitt / vnd Hülff / ersucht. Anno 1622. hat Hertzog Christian von Braunschweig / Bischoff zu Halberstatt / sich fast deß gantzen Bischthumbs / etlich wenig Ort außgenommen / bemächtiget; vnd sonderlich in der Statt Paderborn / reiche Beuten gemacht: Fürnemlich aber / deß heiligen Liborii Bildnuß / von purem lauterem Gold / auff achtzig Pfund schwär / bekommen; von welchem Gelenius lib. 4. also schreibet. Anno 1622. Christianus Brunswigius S. Liborii Episcopi Cenomannensis corpus Paderbornae diripuit, non impunè. Es hat gleichwol der damalige / vnd noch lebende jetzige Bischoff allhie / Herr Ferdinand / Ertzbischoff / vnnd Churfürst zu Cölln / Hertzog in Bayern / etc. durch den Graffen von Anholt / ihme Christiano, sich widersetzt; ihme etliche Ort wider abgenommen / vnnd fernern Fortgang seiner Waffen / sonderlich im Stifft Münster / verhindert. Anno 1633. im Frühling / ist die Statt Paderborn von Landgraff Wilhelmen auß Hessen; vnd Anno 36. im Augusto / von den Keyserischen / vnd zwar jedesmal mit Accord: Nachgehends aber den 5. May 1646. von den Schwedischen / vnter Herrn General Carl Gustaff Wrangeln / auff Discretion / erobert worden. Relation selben Jahrs / pag. 38. Nicht weit von Paderborn / ligt das Kloster zum Nien Herse / oder Novae Herisiae, allda die heilige Helentrudis, eine Nonn / verehret wird.

[T30]
De merian Westphaliae 128.jpg
[T31]
De merian Westphaliae 129.jpg