Träume (Tucholsky)

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Textdaten
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Autor: Kurt Tucholsky
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Titel: Träume
Untertitel:
aus: Mit 5 PS, Seite 355–356
Herausgeber:
Auflage: 10.–14. Tausend
Entstehungsdatum:
Erscheinungsdatum: 1928
Verlag: Ernst Rowohlt
Drucker: Herrosé & Ziemsen
Erscheinungsort: Berlin
Übersetzer:
Originaltitel:
Originalsubtitel:
Originalherkunft:
Quelle: Commons
Kurzbeschreibung:
Aus dem Zyklus: Wenn der alte Motor wieder tackt
Erstdruck in: Weltbühne, 3. Februar 1925
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[355]

 Träume

Vorgestern nacht habe ich von zwei Mädchen geträumt,
die waren furchtbar kregel und aufgeräumt.
Die eine hatte einen schwarzen Bubikopf und die andre einen braunen,
und sie hatten einander so lieb, das war einfach zum Staunen.

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Sie waren leicht gekleidet – glatt zum Erkälten,

und sie taten einander immer Gleiches mit Gleichem vergelten.
     Ich erwachte. Was war das gewesen?
     In meinem großen ägyptischen Traumbuch steht zu lesen:
 „Glückliches Familienleben.“

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Gestern habe ich von lauter Umhängebärten geträumt.

Die hatten alle ein Glas, mit etwas, das schäumt.
Darauf stand: „Kochende Volksseele“ – aber sie machten niemand naß,
und der Sturm blieb im Wasserglas.
Darauf kam ein Reichswehrgeneral mit einem Wehrpflichtprogramm;

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da rissen sie alle die Knochen vor ihm zusamm’.

     Ich erwachte. Was war das gewesen?
     In meinem großen ägyptischen Traumbuch ist zu lesen:
 „Ihnen steht eine Republik ins Haus.“

Heute Nacht habe ich von einem Mann geträumt,

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der hatte sich seinen Talar schwarzweißrot umsäumt.

Er rollte seine kleinen Kalmückenaugen und hackte auf mir herum –
ich stand hinter einer Schranke, und er redete laut und dumm.
Er sagte: „Was? Sie wollen über einen Generalfeldmarschall etwas dichten?

[356]

Über diesen großen Mann hat nur die Geschichte zu richten!

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Ich lasse den Saal räumen! Ruhe! Sind Sie Kommunist? Jetzt rede ich!

Ich nehme Sie in eine Ordnungsstrafe! Was denken Sie sich eigentlich –?“

     Und da wollte ich meine Meinung nicht länger verstecken.
     Ich sage:
     „Herr“, sage ich „... ...... .... .. ...... ......!“

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     Aber wie das so ist in der Welten Lauf –:

     grade, wenns am schönsten wird, dann wacht man auf.