Was gar nicht existirt – und doch verkauft wird

aus Wikisource, der freien Quellensammlung
Zur Navigation springen Zur Suche springen
Textdaten
<<< >>>
Autor: Karl Ruß
Illustrator: {{{ILLUSTRATOR}}}
Titel: Was gar nicht existiert – und doch verkauft wird. Ausplaudereien aus der Apotheke
Untertitel:
aus: Die Gartenlaube, Heft 47, S. 746–748
Herausgeber: Ernst Keil
Auflage:
Entstehungsdatum:
Erscheinungsdatum: 1865
Verlag: Verlag von Ernst Keil
Drucker: {{{DRUCKER}}}
Erscheinungsort: Leipzig
Übersetzer:
Originaltitel:
Originalsubtitel:
Originalherkunft:
Quelle: Scans bei Commons
Kurzbeschreibung:
Wikipedia-logo-v2.svg Artikel in der Wikipedia
Eintrag in der GND: {{{GND}}}
Bild
[[Bild:|250px]]
Bearbeitungsstand
korrigiert
Dieser Text wurde anhand der angegebenen Quelle einmal Korrektur gelesen. Die Schreibweise sollte dem Originaltext folgen. Es ist noch ein weiterer Korrekturdurchgang nötig.
Um eine Seite zu bearbeiten, brauchst du nur auf die entsprechende [Seitenzahl] zu klicken. Weitere Informationen findest du hier: Hilfe
Indexseite


[746]
Ausplaudereien aus der Apotheke.
3. Was gar nicht existirt – und doch verkauft wird.

Niemand kann es bestreiten, daß eine Apotheke die Heimstätte manigfachen Schwindels ist. Wenn ein anderer Kaufmann – und als solchen müssen wir den Apotheker doch immerhin betrachten – uns etwas Falsches oder Gefälschtes verabreicht, wie z.B. statt Rindsmarkpomade nur gefärbtes und parfümirtes Schweineschmalz, statt Klauenfett nur Baumöl giebt etc., so können wir dann ohne Zweifel gegen ihn klagbar werden, ihn wohl gar wegen Betrugs zur Rechenschaft ziehen lassen. Dies ist aber keineswegs mit dem Apotheker der Fall; er verkauft tagtäglich eine große Menge von Stoffen – die er gar nicht mehr in der Apotheke fuhrt, bei ihm ist der Schwindel also gleichsam ein gesetzlich privilegirter. Dies geschieht ganz einfach in der Weise, daß er die Käufer ausfragt: wozu, gegen welche Uebel sie dies oder jenes Mittel, das sie fordern, gebrauchen wollen, und ihnen dann nach eigenem Gutdünken oder meinetwegen nach seinen etwaigen medicinischen Kenntnissen etwas beliebiges Aehnliches, dahin Wirkendes, nicht etwa als Ersatz dafür, sondern als das Erlangte selbst verabreicht.

Treten wir in eine Apotheke, um dies Geschäft einmal in seiner Wirklichkeit zu betrachten. Es versteht sich von selbst, daß wir hier nicht von jeder Apotheke ohne Ausnahme sprechen können – allein in wie vielen Apotheken diese Art von Geschäft alltäglich vor sich geht, davon können sich die Leser leicht selbst überzeugen.

Ein altes Mütterchen wünscht Aalbeeren oder Aalbesinge; sie braut daraus ein Wunderträutlein gegen Gicht, Gliederreißen und dergleichen. Man hielt früher die sogenannten schwarzen Johannisbeeren (Ribes nigrum Lin.) in den Apotheken, welche außer mit den beiden obigen Namen auch noch als Ahl- oder Gichtbeeren vielfach gekauft wurden. Jetzt ist man aufgeklärter geworden; man weiß, daß die (übrigens ekelhaft nach Wanzen riechenden) schwarzen Johannisbeeren ein unwirksames, mindestens überflüssiges Arzneimittel sind, und hat sie daher längst aus den Apotheken verbannt. Allein verabreichen, verkaufen muß man die Aalbesinge doch, wie würde es sonst um das Vertrauen des Publicums aussehen?! – Man giebt daher getrocknete Blau- oder Fliederbeeren. Die alte Frau kennt und schätzt ihre geliebten, „wunderwirkenden“ Aalbeeren viel zu sehr, um den ihr gespielten Betrug nicht zu merken, allein was soll sie machen? Sie schleicht seufzend davon, seufzend und murrend darüber, daß man jetzt auch beinahe nichts mehr „echt“ in den Apotheken bekommen kann.

In dieser Weise wollen wir jetzt das Verzeichnis vieler Volksheilmittel einmal durchnehmen, um die Leser vor den Selbst- und fremden Täuschungen in Betreff einer großen Menge von sogenannten Arzneien warnen zu können. Alle die sogenannten „obsoleten“, d.h. veralteten und in den gesetzlichen Arzneimittellehren bereits gestrichenen, aber doch noch zum Verkauf in den Apotheken vorräthig gehaltenen Gegenstände, lassen wir vorläufig bei Seite; wir gehen nur auf die näher ein, welche in Wirklichkeit nicht mehr existiren, also von vornherein fälschlich verkauft werden. Uebrigens ist die Uebervortheilung armer und unwissender Leute hierin viel bedeutender, als man für gewöhnlich annehmen mag. Eine Tabelle alles Dessen, was gar nicht vorhanden ist und doch alltäglich und allstündlich, und nicht blos von den dümmsten und unwissendsten, sondern leider auch noch oft genug von den sogenannten gebildeten Leuten für schweres Geld eingekauft wird, sollte daher eigentlich in jeder Dorfschuule, in jedem Gasthofe, ja in jeder Schul- und Familienstube zur Warnung ausgehängt werden.[1]

Jener curiose Liebhaber wünscht Apfelblüthen (zum blutreinigenden Thee); er erhält dafür weiße Akazien-, oder rothe Granatblüthen. Man muß zugestehen, daß der Apotheker hiermit in der That ein Opfer bringt, indem er diese beiden, ebenfalls längst obsoleten Blüthen noch vorräthig hält – wenn er nämlich statt dieser Ersatzmittel nicht etwa noch andere, billigere Ersatzmittelchen anzuwenden weiß. Als Alfrankenschalen giebt’s zerkleinerte Pomeranzenschalen, als „Allerlei Gewürz“ meistens blos gröblich zerstoßene Englischgewürzkörner. Dann verlangt Jemand Anisschwamm, als welcher ihm Lärchenschwamm oder wohl gar ein etwas angedufteter Feuerschwamm verabreicht wird. Er braucht ihn gegen Brustbeschwerden – nun, wohl bekomm’s! Apfelsalbe hält man jedenfalls für eine recht milde, aus Apfelsaft oder Apfelmus bereitete Einreibung; jawohl, man empfängt gewöhnliche Wachs- oder sogenannte Rosensalbe, unter Umständen auch wohl bloßes, gelblichgefärbtes Schweineschmalz.

Attichwurzel wird auch unter dem Namen Cermelwurzel gefordert und gegen Harn- und andere Beschwerden gebraucht; früher hielt man für die zahlreichen Liebhaber wirklich die Wurzel dieses Flieders vorräthig, jetzt giebt man statt dessen die Eberwurz – Carlina – oder auch wohl beliebiges anderes Wurzelwerk. Es wird Augenthee gefordert und Huflattichblätter – Farfara – werden verabfolgt; inwiefern die Wirkung dieses sehr dienlichen Husten- und Brustbeschwerden-Heilmittels sich auch auf die Leiden des Auges erstrecken kann, darüber wagen wir kein Urtheil abzugeben. Als Bachbungen verabreichte man früher in Wirklichkeit jenen bekannten Ehrenpreis – Veronica Beccabunga –; jetzt werden sie noch wohl verkauft, doch niemals mehr eingesammelt. Auch Bärenklau und Bärenkraut hatte man früher als ein wirkliches Etwas in den Apotheken; jetzt giebt man statt ihrer, sowie auf die Namen Buchsbaum-, Buxbaum-, Sandbeer-, Preißel- auch Breißelbeerblätter und -Kraut ganz einfach Bärentraubenblätter – Uva ursi – oder auch beliebiges anderes Kraut- und Blätterwerk. Baummoos könnten sich die Leute wohl selbst einsammeln, wenn sie’s durchaus als Arznei gebrauchen wollen; allein sie müssen es ja aus der Apotheke holen und erhalten dort irgend ein handliches [747] Ersatzmittel. Berbeeren, Beritzen, Rhabarberbeeren nennt man die zum Abführen gebrauchten Berberitzen, statt deren die Käufer jetzt meistens Heidel- oder Fliederbeeren erhalten, welche bekanntlich jener Wirkung keineswegs entsprechen. Als Bergkümmel muß der Dillsamenvorrath der Hausfrau herhalten – zwei Quentchen für einen Sechser, wovon das ganze Pfund nur wenige Groschen kostet! Statt Bettramblumen – Pyrethrum, die Matterpflanze des Insectenpulvers – giebt’s in den meisten Apotheken römische Camillen. Für Bisamkörner – früher Semen Abelmoschi – erhält man jetzt grobgestoßene Gewürzkörner oder dergleichen. Als Bisamstorchschnabel – ein Geranium – wird irgend ein beliebiges, mit einem Gedanken von Moschus angeduftetes Kraut gegeben.

Wir müssen hier die Leser auf einen Umstand aufmerksam machen, der leicht die Ursache zu einem Mißverständniß werden könnte. Wenn wir nämlich bei zahlreichen Beispielen immer auf den Gegensatz des Früher zum Jetzt hingewiesen, so wolle man daraus keineswegs den Schluß ziehen, daß wir etwa die ganze Fülle der alten ausrangirten Arznei- und Volksheilmittel früherer Zeiten wieder in die Apotheken zurückwünschen. Nein, im Gegentheil, auch wir erachten es als ein wahres Glück für das Wohl der Menschheit, daß dieser Wust und dies Zopfthum mindestens zum größten Theile bereits hinabgeschwunden und verbannt sind. Allein wenn in Wirklichkeit das Licht der Aufklärung und Wahrheit hier, wie auf allen Gebieten des menschlichen Wissens, immer höhere Erfolge erringt, immer größere Siege feiert – ist es dann nicht ein Frevel, diese Wohlthaten andern Menschen absichtlich vorenthalten, sie im Irrthum erhalten zu wollen, um sie ausdeuten zu können? Das ist, ohne Uebertreibung, in diesem Falle das Verhältniß des Apothekers dem Publicum gegenüber. Oder sollte man wirklich glauben wollen, daß der Apotheker in der Achtung der Menschen sinken oder ihr Zutrauen einbüßen würde, wenn er ihnen offen und ehrlich die Wahrheit sagte? Doch weiter.

Statt Bruchkraut, welchen noch oft genug gefordert wird, giebt man feingeschnittenes Bärlappkraut. Mindestens ist das erstere – Herniaria – in keinem Preisverzeichniß der Droguisten, also auch wohl in keiner Apotheke so leicht mehr zu finden. Das Ersatzmittel aber, von dem Dr. Mohr sagt: „Ich habe noch von Niemandem erfahren können, wozu dieser Körper in der Heilkunst nutzbar wäre; Oekonomen versicherten, man könne ihn als Pferdestreu gebrauchen,“ wird auch noch als Harnkraut, Schlangenmoos, Sautanne und Teufelsklau vielfach gekauft und in mystischer Weise gegen allerhand Krankheiten gebraucht. Das Kraut der Brunnenkresse wird als Volksheilmittel, mit Milch abgekocht, gegen Brustwassersucht, gegen Scorbut und zur Salbe gegen den Milchschorf der Kinder angewandt. Dennoch hat es jetzt wohl kein einziger Apotheker mehr vorräthig, weil es längst ausgemerzt ist. Aber in jeder Apotheke wird es wohl zu erhalten sein – man versuche es nur!

Ihnen schließen sich eine Anzahl von Volksheilmitteln an, welche nur noch eine sprachliche Bedeutung haben: „Fette Henne“, Fiebermoos, Finger- und Fünffingerkraut, Fünfblatt, Gänsefuß, Gänserich, Glaskraut, Hasenklee, Hühnernessel, Kälberkropf, Kachinkawurzel, Canarienholz, Körbelkraut, Kratzel- und Rahmbeeren, Lab-, Läuse-, Lebens- und Peterskraut, Mauseöhrchen, Meer- und Seebohnen, Meerhirse, Nesselblüthe, Ohnblatt, Osterblumen, Parakresse und deren Tinctur, Stechlaub, Stechpalmenblätter, Steinsamen, Stempelienöl, Theriakwurzel, Todtenbein, Wassericht, Wasserkresse, Wegetritt und Wegwart. Sie werden sämmtlich noch, wenn auch seltener, gekauft und gegen diese oder jene Uebel gläubig gebraucht; da sich aber an sie gar keine bestimmten Begriffe mehr knüpfen, so ist die Wahl passender Ersatzmittel völlig dem Ermessen und Belieben des Apothekers überlassen. Daß sie in alter Zeit dennoch sämmtlich thatsächlich vorhanden waren, braucht kaum hinzugefügt werden.

Etwas Anderes ist’s mit den folgenden; für sie stehen die Ersatzmittel mindestens so ziemlich allgemein fest. Als Grasspiritus durch Theriakgeist erhält man zusammengesetzten Angelicaspiritus, als Hasensprung präparirte Austerschalen; Hauswurzelsaft – Rosenhonig; Hederichsaft – Altheesyrup; Hypocistensaft – Vogelbeermus; Johannisblumen – Frühlingsprimelchen; Canarienholz – weißes Sandel- oder Wachholderholz; Karmelitergeist und -Wasser – Kölnisch Wasser oder Melissenspiritus; Kornblumenwasser – gemischtes Rosenwasser; Kropfschwamm – kleine Schwammfetzen; Lilien- und Lilen-, auch Lindenbaum- und Mai-Oel – weißes Baum- oder Provenceröl; Lindenkohle – Kohlenpulver, ob von Buchen, Eichen, Fichten etc. ist thatsächlich sehr gleichgültig; Nachtschattenöl, auch Ritterspornöl – gekochtes Bilsenkrautöl; Nachtschattenwasser, auch Roggenblüthenwasser – Fliederwasser; Nußöl – Mohnöl; rothe Ochsenzunge – Alcannawurzel; Osterluzeiwasser – aromatisches Wasser; Ostritz- und Ostritschenwurzel – Meisterwurzel; Pfaffenröhrlein und Pfefferröslein – Löwenzahnkraut, das sich Jeder leicht selbst sammeln könnte; Polnischer Hafer, Polsken Hafer und Rautensamenpulver – Mutterkümmelsamen, im letztern Falle gepulvert; Rettigtropfen – Löfselkrautspiritus; Rußnußöl – Petroleum; Scharbockskraut – Wolverleikraut; Scharpion- und Scorpionöl – Lein- oder Provenceröl, in dem ein Stückchen von einem Ohrwurm (früher Scorpion) liegen muß, Storchenfalbe – unser liebes bekanntes Schmalz; Schwalbenwasser – Fenchelwasser.

Dies Alles – noch einmal sei ganz besonders Gewicht auf diese Wahrheit gelegt – existirt also sammt und sonders in Wirklichkeit gar nicht mehr in den Apotheken, das Geld dafür ist daher weggeworfen. Außerdem giebt es noch eine außerordentlich bedeutende Anzahl von Arzneimitteln der mannigfachsten Art, welche, nach gewissenhafter Prüfung der betreffenden Behörden, als wirkungslos oder doch überflüssig aus dem gesetzlichen Arzneimittelschatz ausgemerzt worden sind, die sich aber als Haus- und Volksheilmittel noch allenthalben erhalten haben. Auf dieselben, welche der Apotheker nur noch gleichsam dem Volke zu Gefallen führt, kommen wir ebenfalls zu sprechen.

In Betreff der Ersatzmittel für die oben angeführten Stoffe sei noch Einiges bemerkt. Es steht fest, daß der Apotheker unter allen jenen Namen den unwissenden Leuten gerade das in die Hand drücken kann, was er will. Mit den Kräutern, welche sein zerschnitten oder gar gestoßen werden, sowie mit vielerlei anderen Gegenständen, welche die Zubereitung unkenntlich macht, ist dies ja auch so leicht. Als Beispiel hierfür wollen wir nur noch einige Thatsachen hervorheben. Der gemeine Hederich, dessen unschuldiges Kräutlein früher unter dem Namen Herba Herderae als Arzneimittel gebraucht wurde, jetzt aber bereits längst als durchaus wirkungslos aus den Pharmakopöen gestrichen ist, wird dennoch alljährlich von den Apothekern in großen Massen aufgekauft. Getrocknet, feingeschnitten und gesiebt geht das gute Kraut wohlgemuth unter folgenden Namen in die Welt: Bingelkraut, Braunelle, Brennnessel, Edel-, Eisen-, Finger-, Fünffinger-, Gänsekraut, Gänsefuß, Gänserich, Gottesheil, Gundermann, Gundelrebe, Fünfblatt, Nessel-, Sannickel-, Saunickel-, Taschen- und Todtenkraut, Osterblume, Udram und Utram, und wenn ein guter Kunde zufällig alle diese zweiundzwanzig und noch verschiedene ähnliche Namen dazu fordert, so erhält er zweiundzwanzig, resp. noch mehr saubere, niedliche Tütchen mit ebensovielmal einem Pröbchen von demselben Kraut gefüllt. Für diese Bemühung muß er freilich eine verhältnißmäßig recht erkleckliche Summe bezahlen; dafür trinkt er aber auch seinen zweiundzwanzigfach heilsamen Thee – und der Himmel wird schon helfen!

Aehnlicher Weise werden eine ganze Reihe der gewöhnlichsten und möglichst billigen – Kräuter mit großem Erfolge (für den Apotheker nämlich) benützt. Das allerwärts aus dem Sande wuchernde liebliche Feldthymiankraut wird als: Feldpolei, Lab-, Feldkümmel-Kraut, Marienbcttstroh, „Unserer lieben Frauen Bettstroh“ und Quendel verabreicht. Auch das Stiefmütterchenkraut muß als Dreifaltigkeits- und Freisamkraut, Tausendschön u. s. w. herhalten. In dieser Weise könnten wir noch eine große Anzahl von unseren einheimischen Kräutern herzählen, für welche die Armuth in blindein Wahn ihr sauer erworbenes Geld fortwirkt, während sie mit geringer Mühe sie sich selbst einsammeln könnte.

Wenn nun aber bereits nach diesen Darlegungen jeder denkende Mann und Menschenfreund mit Entrüstung und Abscheu diesem Treiben gegenüber erfüllt werden muß, um wie viel mehr wird dies noch der Fall sein, wenn er hört, daß in den Apotheken noch alltäglich als Graswasser, Tremfeeblumenwasser u. s. w. gewöhnliches destillirtes Wasser, als Canarien-, Vermächtniß- etc. Zucker gewöhnliches Zuckerpulver verabfolgt wird, daß man, um nur für die imaginären Namen: flüssiges Altelor-, Cager-, Durchwachs-, Glieder-, Litt-, Nerven-, Schwülken-, Recksehnen-, Riew-, Schwalben-, Upstochs- Upstocks-, Verlheilungs- etc. Oel einen Gegenstand zu haben, expreß bloßes, gewöhnliches Brenn- oder Rüböl gnün färbt – und daß man dies Alles thut, „natürlich nur um das Vertrauen des Publicums sich zu erhalten“, nebenbei freilich wohl auch, um ein wenig reich zu werden.

[748] Wenn man dabei aber bedenkt, daß dies entsetzliche Unrecht fast ausschließlich nur den ärmsten und leidenden, also bedauernswerthesten Theil der Menschheit trifft, dann wird man hoffentlich unser Beginnen, dem mittelalterlichen Zopfthum der privilegirten Apothekerei einen Fetzen nach dem andern kaltblütig herabzureißen, nicht mit ungünstigen Augen ansehen. Möchten wir auch nur entfernt ähnliche Erfolge erreichen, wie Dr. Bock auf dem verwandten Gebiete sie so reich gewonnen hat, welche unermeßliche Fülle des Segens könnte ihnen dann folgen!
Carl Ruß.

  1. Möge vorläufig die „Gartenlaube“ diesen Zweck erfüllen!