Was man „Neues“ von der Erde weiß, und wie man’s erfahren hat

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Autor: G. Hirt
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Titel: Was man „Neues“ von der Erde weiß, und wie man’s erfahren hat
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aus: Die Gartenlaube, Heft 49, S. 703-705
Herausgeber: Ferdinand Stolle
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Erscheinungsdatum: 1858
Verlag: Verlag von Ernst Keil
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Erscheinungsort: Leipzig
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Quelle: Scans bei Commons
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[703]
Was man „Neues“ von der Erde weiß, und wie man’s erfahren hat.
Berichte über die neuesten Fortschritte, Entdeckungen und Unternehmungen auf dem Gesammtgebiete der Erdkunde.
Von G. Hirth. – (Erster Artikel.)

Der mächtige Einfluß, den die neueste Zeit auf die Gestaltung der Erdkunde ausgeübt, ist ein ganz unverkennbarer; ja, wir dürfen behaupten, daß sie in ihrer heutigen Gestalt erst ein Erzeugniß des neunzehnten Jahrhunderts ist, wo sie in Alexander von Humboldt ihren ersten Hohenpriester, in Karl Ritter den Mann fand, der sie aus den Banden einer niedrigen, dienenden Hilfswissenschaft befreite. Herausgetreten aus dem Stande einer nüchternen Kenntniß von Gebirgs-, Fluß-, Dorf- und Städtenamen, schließt die Erdkunde in gewissen Beziehungen alle physikalischen und historischen Wissenschaften in sich ein, sobald sie zur Erklärung der Vorgänge auf unserem Planeten dienen, und mit solch großem Umfange der Wissenschaft ist natürlich die Schwierigkeit ihres Studiums verbunden.

Von einem fertigen Geographen wird verlangt, daß er nicht mehr als Alles wisse; bei einer in’s Speciellste gehenden Kenntniß der räumlichen Verhältnisse der Erde soll er Astronom und Physiker, Geolog und Botaniker, Zoolog und Anthropolog, Sprachkundiger zugleich und Geschichtsforscher, mit einem Worte – ein Humboldt sein, wenn auch im Kleinen.

Diesem entsprechen die Anforderungen, die man an den wissenschaftlichen geographischen Reisenden stellt. Es genügt nicht, daß er, wie dies wohl von vielen Touristen geschieht, flüchtig die äußeren Eindrücke notirt, die eine Gegend, ein Volk auf ihn gemacht – belastet mit Sextant, Theodolit und Compaß, Mikrometer und Chronometer, Thermometer und Barometer, Schreib- und Zeichen-Materialien, Reißzeugen, Maßstäben, Meßketten und Registerbüchern, hat er tagtäglich so viel zu thun, daß ihm, wenn er’s genau nimmt, kaum ein Stündchen zur Rast übrig bleibt.

Kaum fing die Erdkunde an, sich als selbstständige Wissenschaft zu gestalten, so bildeten sich Gesellschaften zur Förderung ihrer Interessen. Die Gründung der zur Zeit in Europa bestehenden geographischen Vereine, im ganzen sieben, gehört durchgängig der neuesten Zeit an. Folgende sind die Orte, Gründungsjahre und Mitgliederzahlen derselben:

1. Paris (1821) 186 Mitglieder.
2. Berlin (1828) 400 Mitglieder.
3. London (1830) 850 Mitglieder.
4. Frankfurt a. M. (1836) 180 Mitglieder.
5. Darmstadt (1845) 123 Mitglieder.
6. Petersburg (1845) 1000 Mitglieder.
7. Wien (1856) 400 Mitglieder. – Zusammen 3139 Mitglieder.

[704] Wie Sie sehen, kommen von diesen sieben Vereinen vier auf unser Deutschland – ein Beweis der regen Theilnahme, deren sich hier die Erdkunde erfreut. Am besten dotirt ist die russische Gesellschaft in Petersburg, nämlich mit einer jährlichen Einnahme von 23,427 Silberrubel oder 25,254 Thlr.; ihr folgt die englische in London mit 1693 Pf. St. oder 11,512 Thlr.; Berlin hat 4124, Paris 2667, Frankfurt a. M. 438, Darmstadt 257 Thlr. jährliche Einnahme.

Diesen geographischen Vereinen schließen sich in gewisser Beziehung die sämmtlichen rein naturwissenschaftlichen an, deren Zahl eine unverhältnißmäßig größere ist, so wie die Missionsanstalten, Generalstabe und Admiralitäten. Endlich dürfen wir der vielen geographischen Privatanstalten nicht vergessen, unter denen bekanntlich in Deutschland die von Justus Perthes in Gotha die erste Stelle einnimmt.

Sie sehen, unsere Wissenschaft verfügt über große Kräfte. Gefördert durch viele Fachmänner daheim, in dem civilisirten Europa, unter dem Schutze wohlthätiger Staatseinrichtungen, sendet sie zugleich ihre Boten aus in das noch unerforschte Innere fremder Continente, auf den spurlosen Ocean, nach den ewig eisumgürteten Polen und in die weiten Räume der Tropenwelt. So wächst sie heran zu einer wunderbar großen Welt menschlichen Wissens, von dem unsere Väter kaum geahnt.

Wir wollen den Lesern der „Gartenlaube“ von den Errungenschaften dieser Wissenschaft erzählen, indem wir ihnen unter dem obigen Titel in einer stehenden neuen Abtheilung die frischen Berichte jener zahllosen Jünger in der Ferne und Nähe vorlegen, die eben dazu beitragen, ein neues, helleres Licht zu werfen auf den ganzen Erdball und was auf ihm lebt.


I. Afrika.

„Afrika, nichts als Afrika,“ werden Sie denken. Aber erschrecken Sie nicht; es ist nicht meine Absicht, Sie von dem Verlaufe der großen afrikanischen Entdeckungen zu unterhalten, die unsere Tage verherrlicht haben. Ich weiß es wohl, es ist zu viel darüber geschrieben (ob gelesen?) worden in neuester Zeit: Sie sind afrikamüde und Sie haben Recht. Nur noch einmal haben Sie die Güte, mich anzuhören. Lassen Sie uns, um dann für längere Zeit mit afrikanischen Artikeln im Großen zu räumen, noch einmal flüchtig betrachten, „wie man’s erfahren hat, was man Neues von Afrika weiß;“ dann lassen Sie uns dem Dr. Livingstone, Ihrem alten Bekannten, einen kleinen Besuch auf dem Zambesi abstatten, und schließlich einen jugendlichen deutschen Forscher über eine projectirte Entdeckungsreise, unter Anderem nach den mehr als hundertmal gesuchten, aber noch nie gefundenen Nilquellen, anhören.

Bei dem Unternehmungsgeiste, mit dem Wissenschaft und Handel, Hand in Hand gehend, alle noch unbekannten Räume unseres Planeten zu durchforschen und auszubeuten streben, ist es in der That merkwürdig, daß noch bis vor wenigen Jahren so große Theile des afrikanischen Continents, strotzend zum Theil von der Pracht und Fülle einer tropischen Thier- und Pflanzenwelt, terrae incognitae geblieben sind.

Freilich war es stets Afrika, welches der wissenschaftlichen Thätigkeit der Reisenden unter allen Theilen des Erdballs das größte und zugleich schwierigste Feld der Entdeckungen dargeboten hat. Leichter war es dem Seefahrer im nördlichen Eismeere, den ewigen Eisgürtel zu durchdringen, der den Eingang zum Pole vertheidigt, als dem europäischen Forscher, sich durch die unermeßliche Ausdehnung starrer, Hitze hauchender Wüsten und die hartnäckige Feindschaft der rohen Stämme Wege in das Innere Afrika’s zu bahnen.

Ueber die Schwierigkeiten afrikanischer Reisen kann ich Ihnen nichts Besseres sagen, als der Engländer Burton, ein Mann, der aus Erfahrung spricht. – „Der Reisende in Afrika,“ heißt es in einem seiner Berichte, „ist, wenigstens in diesem Theile des 19. Jahrhunderts, ein sehr überarbeitetes Thier. Ehedem war das lesende Publicum zufrieden mit der trockenen Beschreibung dessen, was er gerade Neues sah, und fügte er noch ein paar Bestimmungen über Länge und Breite hinzu – so war man entzückt. In neuerer Zeit aber sind, wie in jedem andern Geschäft, so auch hier die Anforderungen gestiegen. Während der Reisende so und so viel Meilen Tags marschirt, und eine gewisse Anzahl von Stunden Nachts wacht, erwartet man von ihm – der in der That sein eigener General, Adjutant, Quartiermeister und Executivbeamter sein muß –, daß er Aufnahmen macht und beobachtet, Meteorologie, Hygrometrie und Hypsometrie registrirt, Vögel und Vierfüßler schießt und ausstopft, geologische Stufen sammelt, politischen und commerciellen Neuigkeiten nachjagt, das noch in den Kinderschuhen stehende Studium der Ethnologie befördert, Buch und Rechnung führt, skizzirt, ein dickes, lesbares Journal abfaßt, Grammatiken und Vokabularien macht und recht oft lange Berichte nach Hause schickt, um zu verhindern, daß die „Königl. geographische Gesellschaft von London“ bei ihren Abendsitzungen einschlafe! Ich gebe zu, es ist ganz in der Ordnung, hohe Anforderungen zu stellen, damit man sicher sei, daß auch etwas gethan werde; allein man sollte stets bedenken, daß Forschungsreisen keine Eisenbahnfahrten sind, und eine billige Grenze zwischen dem Möglichen und Unmöglichen ziehen. Ohne zu bedenken, was er verlangt, glaubt jeder Stubengelehrte das Recht zu haben, sich zu beklagen, daß der reisende Forscher seinen Theodoliten nicht im Tempel von Mekka aufstellte und seinen Sympiesometer nicht bis in die Mauern von Harar hineintrug. Ein eifriger Herr bat mich einst, Mistkäfer zu sammeln, und ein Anderer sendete mir ausgezeichnete Recepte, um Holzböcke aufzubewahren.

„Diese afrikanischen Reisen sind Feldzüge im Kleinen und der Reisende ist, ohne auf die Hülfe der Mannszucht rechnen zu können, von allen Schwierigkeiten, Mühsalen und Gefahren eines barbarischen Kriegs umlagert. Statt Infusorien und Barometer zu studiren, muß er sich damit abgeben, seine Leute zu füttern, zu drillen und zu unterweisen, wie sie ihre Waffen gebrauchen und wie sie eine Karawane führen sollen. Beim Anblick eines Instrumentes ist der Wilde überzeugt, daß der Fremde die Sonne vom Himmel reißt, den Regen vertreibt, Krankheit und Tod erzeugt, und das Land für viele Jahre hin behext. Unter ganz Wilden sind wissenschaftliche Operationen bisweilen noch möglich, unter halb Civilisirten nehmen sie ein schlimmes Ende. Das Klima raubt dem Reisenden Energie und Gesundheit. Es ist sogar nicht einmal rathsam, die einfachsten geodätischen Arbeiten zu unternehmen; mein Gefährte erkrankte zweimal blos davon, daß er die Sonnenhöhe nahm. Warum schickt man nicht einmal eine Partie jener Gelehrten aus, damit sie selbst die Dosis verschlucken, die sie ihrer Armee von Märtyrern verschreiben?“

Herr Burton trägt, wie Sie sehen, die Farben etwas dick auf; aber doch möchte Vieles zu beherzigen sein in seinem Berichte, und einen ungefähren Maßstab zur Beurtheilung der Forschungen in Afrika abgeben.

Es ist ein trauriges Vorrecht der afrikanischen Entdeckungen, daß sie todesgefährlich sind; der Tod der muthigen Forscher bildet dort die Regel, ihre Rettung nur die Ausnahme. Belzonis, Donavans, Ledyard, Lucas, Houghton, Mungo Park, Tucker, Peddie, Campbell, Bowdich, Oudney, Pierce, Morrison, Clapperton, Laing, in neuester Zeit Richardson (spr. Ritscherdsen), Overweg, Vogel (?), Neimanns[1] und viele Andere sind Beweise für diese furchtbare Regel geworden; und verhältnißmäßig nur Wenige sind durch die Ausnahme beglückt worden, wie in neuerer Zeit Barth, Livingstone, Galton, Andersson.

Aber die meisten und bedeutendsten jener Märtyrer hatten sich das Innere der nördlichen Hälfte des Continents zum Beobachtungsfelde auserkoren, jenes unendliche Sandmeer, unterbrochen oder durchfurcht nur hie und da von einer fruchtbaren und quellenreichen Insel, an deren grünen Ufern die nomadischen Tibbu’s und Tuarik’s schwärmen. Während es so nicht fehlen konnte, daß diese Länderstriche ziemlich bekannt wurden, blieb das Innere von Süd-Afrika fast gänzlich eine terra incognita. Seitdem man angefangen hatte, alle jene widersinnigen Phantasiegebilde des Mittelalters von der Karte von Afrika zu verbannen, seitdem der Priester Johann das Feld hatte räumen müssen, war die Karte von Süd-Afrika weiß, und die nun gesetztere Phantasie verstieg sich in Betreff der unbekannten Länder kaum über die Vorstellungen von endlosen Sandwüsten hinaus.

Erst in dem letzten Decennium wurde auch Süd-Afrika’s Durchforschung in Angriff genommen; und in der That sind unsere Kenntnisse von jenem Theile des Continents in dieser kurzen Zeit so massenhaft angewachsen, wie wir uns wohl kaum vorher geträumt hätten. Wenn schon diese unleugbare Thatsache an und für sich verdientermaßen in hohem Grade die Aufmerksamkeit der [705] wissenschaftlichen und gebildeten Welt auf sich zog, um wie viel mehr mußte dies geschehen, da das ganze Verdienst dieser großartigen Entdeckungen beinahe ausschließlich einem unerschrockenen Manne angehört, der mit unermüdlicher Aufopferung erst während mehrjähriger Reisen einen Weg in’s Innere und dann nach der West- und Ostküste gebahnt hat! Livingstone’s Ruhm wird deshalb, gleich dem Barth’s[2], so unvergänglich bleiben, wie der Balboa’s, der von der Höhe der Cordilleren des centralamerikanischen Isthmus den großen Ocean geschaut, oder wie der Marco Polo’s, an dessen großartige asiatische Continentalwanderung im 14. Jahrhundert uns die ihrigen im 19. erinnern. – Livingstone’s und Barth’s Forschungen bilden eine wichtige Epoche, Lichtpunkte in der Entdeckungsgeschichte des afrikanischen Continents.

Dr. Livingstone hat nun, wie Sie vielleicht in einer oder der andern Zeitung gelesen, Anfang dieses Jahres von Neuem London verlassen und in Afrika vorgesprochen, um eine wissenschaftlich-mercantile, anständig ausgerüstete Expedition den Zambesi hinaufzuführen. Ueber den bisherigen Verlauf derselben theile ich Ihnen die neuesten mir bekannten Nachrichten mit.

Ein Dampfschiff, der „Hermes“, hatte Dr. Livingstone sammt einem der neu in Anwendung gebrachten zerlegbaren Dampfer nach den Mündungen des Zambesiflusses gebracht, wo es die kleine Expedition aussetzte, und seinen Weg nach Ceylon fortsetzte. Der Capitain desselben, Duncan, hat, zurückgekehrt nach England, über diese Aussetzung Bericht erstattet; andere Berichte sind direct von Dr. Livingstone und einem seiner Leute eingelaufen. Der kleine zerlegbare Dampfer aus Stahleisenplatten, den er mit auf die Reise genommen hatte, die „Perle“, leistet ihm vortreffliche Dienste. In drei Tagen war er vollständig zusammengefügt und dampfte, wie der wackere Reisende sich ausdrückt, lustig den breiten Zambesi hinauf, zum unendlichen Verdruß der Flußpferde, die vor ihm herdenweise Reißaus nahmen, und ihn so fürchteten, daß selbst das stärkste unter ihnen nicht mit ihm anbinden wollte. Es wäre eine große Wohlthat, schreibt er ferner, wenn die englische Regierung viele solche leichte Dampfer nach Afrika schicken würde, um in den kleinen Buchten und seichten Flüssen den Sclavenjägern das Handwerk zu legen; nur müssen sie bei gleicher Länge um etwa 4 Fuß breiter angelegt werden, wodurch sie dem Zwecke noch viel besser entsprächen.

„Die ersten Nachrichten, welche wir erhielten,“ schreibt Livingstone an Tumer, „gaben an, daß sich die Portugiesen gezwungen gesehen hatten, nach der Küste zu fliehen, da ein Stamm der Eingebornen Aufstand erhoben hatte. Alle Europäer hatten sich nach Killimane geflüchtet. Da wir zur Zeit, wo der Aufstand ausbrach, noch nicht im Lande waren, so wird man uns nicht als seine Urheber zur Rechenschaft ziehen können. Sie können sich übrigens denken, wie wir uns diesmal beeilen, um von der Stelle zu kommen. – Noch kein einziger Fieberfall; jeder auf der „Perle“ nimmt täglich seine Portion Chinin.“ Dr. Livingstone, Takt genug besitzend, um jede Collision mit einem der streitenden Theile zu vermeiden, hatte sich sowohl mit den Rebellen, als mit ihren ehemaligen Gebietern, den Portugiesen, in Verbindung gesetzt und bei beiden Parteien Freunde erworben. Uebrigens hatte er eine ziemlich furchtbare Begleitung bei sich. Sieben Europäer, worunter sein Bruder, und zwölf mit Gewehr, Bajonett, Hirschfänger und Drehpistole bewaffnete Krumen konnten nicht verfehlen, die Eingeborenen zu der Ueberzeugung zu bringen, daß die Expedition sich selbst zu schützen vermöge; außerdem warteten noch 120 von Dr. Livingstone’s Makololo–Freunden auf ihn in Senna, welches ungefähr 20 Meilen von der Mündung des Zambesi entfernt ist.

Ich breche jetzt meinen Livingstone’schen Bericht ab, den ich allerdings, aber ohne Sie damit zu ergötzen, viel weiter hätte ausdehnen können. Sobald ich wieder etwas Neues erfahre, sollen auch Sie es wissen.

Endlich noch Einiges über den jugendlichen deutschen Forscher, von dem ich Ihnen zu berichten versprach. Albrecht Roscher ist ein Sohn Hamburgs, das ja bekanntlich schon ein so bedeutendes Contingent afrikanischer Forscher gestellt hat. Seine ganze äußere Erscheinung, seine Jugend erinnerten uns, als wir ihn vor seiner Abreise nach Afrika kennen lernten, recht lebhaft an den unglücklichen Vogel; er besitzt aber auch dessen Kenntnisse und Unerschrockenheit – ja, wir dürfen behaupten, daß selten ein afrikanischer Reisender so vortrefflich vorbereitet, ausgerüstet und befähigt ausgegangen, wie Roscher. Vielen unserer Leser ist vielleicht eine ausgezeichnete Probe seiner Arbeiten bekannt, die er noch hier in Deutschland abgelegt hat.

Roscher hielt sich bisher in Zanzibar auf, einer an der Ostküste Afrika’s und ungefähr 6 Grad südlich von dem wahrscheinlichen Orte der Nilquellen gelegenen Stadt. Noch vor seiner Abreise dahin publicirte er ein Schriftchen, worin er Zweck und Plan seiner Reise näher auseinander setzt. Nachdem er dargethan, wie man bisher auf ganz verkehrten Wegen versucht, nach dem Kerne Afrika’s, den Nilquellen und dem problematischen See Uniamesi vorzudringen, setzt er auseinander, daß Zanzibar einen der günstigsten, wo nicht den allergünstigsten Ausgangspunkt zur Erforschung Innerafrika’s für einen einzelnen Reisenden bilde.

Roscher’s Reise, zu deren Ausführung, wie bei zahlreichen anderen neueren Unternehmungen, die Munificenz des Königs von Baiern zum großen Theile die pecuniären Mittel geboten hat, wird von der größten Wichtigkeit sein, denn, ausgeführt nach seinem Plane, würde sie genügen, Probleme zu lösen, die Jahrtausende hindurch sich den Forschern dargeboten haben, und somit die Geographie von Afrika der Hauptsache nach erledigen. Zu der Verwirklichung des ganzen Planes hält Roscher einen Zeitraum von mindestens drei Jahren, vom Juni 1858 an gerechnet, für erforderlich.

Wenn ich hier meinen Bericht über Afrika schließe, so meine ich keineswegs, Ihnen Alles berichtet zu haben, was auf die allerneuesten Forschungen in diesem Erdtheile Bezug hat. Denn im Osten fungirt gegenwärtig der obenerwähnte Engländer Burton und sein Begleiter Speke (spr. Spihk); im Westen der Amerikaner du Chaillu; auf dem Niger ist eine englische Expedition beschäftigt etc. Ich werde darauf später zurückkommen.





  1. Freiherr Richard von Neimans, ein jugendlicher, lebensfrischer Forscher, starb zu Kairo am 15. März 1858.
  2. Der übrigens einen fast doppelt so großen Weg zurückgelegt hat, als Livingstone.