Was wunderſ in der w̾lte vert

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Textdaten
Autor: Walther von der Vogelweide
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Titel: Was wunderſ in der w̾lte vert
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aus: UB Heidelberg 137v, UB Heidelberg 138r und UB Heidelberg 138v
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Entstehungsdatum: 12. Jahrhundert
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Quelle: UB Heidelberg, UB Heidelberg und UB Heidelberg
Kurzbeschreibung:
In Originallettern. Vergleiche auch Was wunders in der werlte vert mit aufgelösten Lettern.
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[137v]

Was wunderſ in der w̾lte vert·
wie manig gabe vns iſt beſchert·
von dem der vns vs nihte hat gemachet·
dē einen git er ſchoͤnen ſin·
dem andern gv̊t vn̄ den gewin·
dc er ſich mit ſin ſelbeſ gv̊te ſwachet·
armē man mit gv̊ten ſinnē·
ſol man fúr den richē mīnen·
ob er eren niht engert·
ia eniſt es niht wan gottes hvlde vn̄ ere·
dar nach dv́ welt ſo ſere vihtet·
ſwer ſich zegv̊te alſo v̾pflihtet·
dc er beider wirt entwert·
der enhabe ǒch hie noch doꝛt niht lones mere·
wan ſi eht gůtes hie gewert·

Mir iſt v̾ſpert der ſelden toꝛ·
da ſten ich als ein weiſe voꝛ·
mich hilfet niht ſwas ich dar an geklopfe·
wie moͤht ein wūder groͤſſer ſin·
es regent beidenthalbē min·
dc mir des alles niht enwirt ein tropfe·
des fúrſtē milte vs oͤſterriche·
froͤit dem ſvͤſſen regē geliche·
beide lúte vn̄ dc lant·
erſt ein ſchoͤne wol gezieret heide·
dar abe man blv̊mē bꝛichet wūder·
vn̄ bꝛeche mir ein blat dar vnder·
ſin vil milterichú hant·
ſo moͤhte ich lobē die ſuͤſſen ǒgen weide·
hie bi ſi er an mich gemant·

So we dir welt wie v́bel dv ſteſt·
wc dinge dv alſan begeſt·
die vō dir ſint ze lidenne vngeneme·
dv biſt vil nach gar ane ſcham·
got weis wol ich bin dir gram·
din art iſt ellú woꝛdē wider zeme·
was eren haſt vns her behalten·
nieman ſicht dich froͤidē walten·
alſ man ir doch wilent pflac·
we dir weſ habent dú milten h̾ze engoltē·
fúr die lopt man die argē richē·
welt dv ſteſt ſo laſterlichē·
dc ich es niht betútē mac·
trúwe vn̄ warheit ſint vil gar beſcholtē·
dc iſt ǒch aller eren ſlag·

Nv wachet vns get zv̊ der tac·
gegen [138r] dem wol angeſt haben mag·
ein ieglich kriſten ivden vn̄ heiden·
wir han der zeichen vil geſehen·
dar an wir ſine kvnft wol ſpehen·
als vns dú ſchꝛift mit warheit hat beſcheiden·
dú ſvnne hat ir ſchī v̾keret·
vntrúwe ir ſamē vs gereret·
alenthalbē zv̊ den wegē·
der vater bi dem kinde vntrúwe vindet·
der bꝛv̊der ſinē bꝛůder lúget·
geiſlich oꝛden in kappē trúget·
die vns zehimel ſolten ſtegen·
gewalt get vf reht voꝛ gerihte ſwīdet·
wol vf hie iſt zevil gelegen·

Swer ane voꝛhte h̾re got·
wil ſpꝛechē dinú zehen gebot·
vn̄ bꝛichet dú dc iſt niht rehtú mīne·
dich heiſſet vatter maniger vil·
ſwer min zebꝛv̊der niht en wil·
der ſpꝛichet dv́ ſtarkē woꝛt vs krankem ſinne·
wir wahſen vs gelichē dinge·
ſpiſe frumet vns dú wirt ringe·
ſo ſi dvr den mvnt gevert·
wer kan dē herren vō dem knehte geſcheiden·
ſwer ir gebeine blôſſeſ fúnde·
het er ir ioch lebender kvnde·
ſo gewúrme dc fleiſch v̾zert·
im dienent kriſtē iuden vn̄ heiden·
der ellú lebendú wunder nert·

Swer hǒbet ſv́nde vn̄ ſchande tůt·
mit ſiner wiſſende vmbe gůt·
ſol man dē fúr einē wiſen nennen·
ſwer gv̊t vō diſē beiden hat·
ſwers an im weis vn̄ ſichſ verſtat·
der ſol in zeinem tôꝛē bas erkennē·
die wiſen mīnent niht ſo ſere·
alſam die gotteſ hulde vn̄ ere·
ſin ſelbes lib vib vn̄ kint·
dú lat er ê er diſú zwei v̾lieſe·
er tôꝛe er dvnket mich niht wiſe·
vn̄ ǒch d̾ ſin ere pꝛiſe·
ich wene ſi beide toꝛē ſint·
er gǒch ſwer fúr dú zwei ein anders kieſe·
der iſt an rehtē witzen blint·

Jvng man in ſwelh̾ aht dv biſt·
ich wil dich leren einē liſt·
dv la dir niht zewe ſin nach dem gůte·
la dirs ǒch niht zvnmere ſin·
vn̄ volgeſt dv der lere min·
ſo wiſ gewis eſ frumt dir an dem mv̊te·
die rêde wil ich dir bas beſcheidē·
laſt dv dirs zeſere leidē·
zergat es ſo iſt din froͤide tot·
wilt aber dv dc gv̊t zeſere mīnen·
dv maht v̾lieſen ſele vn̄ ere·
da vō volge miner lere·
lege vf die wage ein rehtes lot·
vn̄ wige ǒch dar mit allen dinen ſinnē·
als es div mâſſe vns ie gebot·

Es trǒmte deſt manic iar·
zebabýlone dc iſt war·
dem kv́nige es wurde boͤſer in den richen·
die nv zevollen boͤſer ſint·
gewīnent die noch boͤſer kint·
ia h̾re got wem ſol ich die gelichē·
der tieuel wer mir niht ſo ſmehe·
keme er dar da ich in ſehe·
ſam des boͤſen boͤſer barn·
vō der geburt enkvmt vns frum noch ere·
die ſich ſelbē ſo v̾ſwachēt·
vn̄ ir boͤſer boͤſer machēt·
an erben mvͤſſen ſi v̾uarn·
dc tugēdeloſer herren icht werde mere·
dc ſolt dv h̾re got bewarn·

Die vatter hant ir kint erzogē·
dar an ſi beide ſint betrǒgē·
ſi bꝛechent dike ſalomones lere·
der ſpꝛichet ſwer den beſmen ſpar·
dc der den ſvn v̾ſvme gar·
deſ ſint ſi vngebachen vn̄ ane ere·
hie vor do was dú welt ſo ſchoͤne·
nv iſt ſi woꝛdē alſo hoͤne·
des enwas niht wilent ê·
die ivngē hant die alten ſo v̾dꝛungē·
vn̄ ſpottēt alſe dar der alten·
es wirt iv ſelben noh behalten·
beitent vntz úwer ivgent zerge·
ſwas ir nv tůnt dc rechēt ivwer ivngen·
dc weiſ ich wol vn̄ weis noch me·

Wer zieret nv der eren ſal·
der ivngen ritter zuht iſt ſmal·
ſo pflegent die knehte gar vnhoͤueſcher dinge·
mit woꝛtē vn̄ mit werken ǒch·
ſwer zúhte hat d̾ iſt ir gǒch·
nemet war wie gar vnfůge fúr ſich dꝛinge·
hie voꝛ do berte man die ivngē·
die da pflagen vꝛech̾ zvngen·
nv iſt es ir w̾dekeit·
ſi ſchallent vn̄ ſcheltēt reine frowē·
we ir húten vn̄ ir haren·
die niht kvnnē fro gebaren·
ſvnder wibe h̾zeleit·
da mac man ſv́nde bi der ſchande ſchowē·
die maniger vf ſich ſelben leit·

Mit ſeldē mvͤſſe ich húte vf ſten·
got h̾re in diner hůte gen·
vn̄ ritē ſwar ich in dem lande kere·
kriſt h̾re laſſe an mir werden ſchin·
die groſſen kraft der gvͤte din·
vn̄ pflige min wol dvr diner mv̊ter ere·
als ir der heilig engel pflege·
vn̄ din do dv in der kripfen lêge·
ivnger [138v] menſch vn̄ alter got·
demuͤtic voꝛ dē eſel vn̄ voꝛ dem rinde·
vn̄ doch mit ſeldericher hůte·
pflac din gabꝛiel der gv̊te·
wol mit trúwē ſvnder ſpot·
als pflige ǒch min dc an mir iht erwinde·
dc din vil goͤttelich gebot·

Der hof zewiene ſpꝛach ze mir·
walther ich ſolte lieben dir·
nv leide ich dir dc mv̊ſſe got erbarmē·
min wirde div wc wilent gros·
do lebte niender min genos·
wan kv́nic artuſes hof ſo we mir armē·
wa nv ritter vn̄ frowē·
die man bi mir ſolte ſchowē·
ſeht wie iamerlich ich ſte·
min dach iſt ful ſo riſent mine wende·
mich enmīnet niemā leider·
golt ſilber ros vn̄ dar zv̊ kleider·
die gab ich vn̄ hat ǒch me·
nvn hab ich weder ſchappel noch gebende·
noch frowē zeinem tanze owe·

Kv́nig oſtantin der gab ſo vil·
als ich es iv beſcheiden wil·
dem ſtv̊nt zerome ſper krúze vn̄ krone·
zehant der engel lute ſchꝛe·
owe owe zem dꝛittē we·
eſ ſtv̊nt dú kriſtenheit mit zúhtē ſchone·
der iſt ein gift nv gevallē·
ir honec iſt woꝛdē zeiner gallē·
dc wirt der w̾lte her nach vil leit·
alle fúrſtē lebent nv mit eren·
wā der hoͤhſte iſt geſwachet·
dc hat d̾ pfaffē wal gemachet·
dc ſi dir ſvͤſſer got gekleit·
die pfaffen wellent leien reht v̾keren·
der engel hat vns war geſeit·

Ob ieman ſpꝛeche d̾ nv lebe·
dc er geſehe ie groͤſſer gebe·
als wir ze wiene dvr ere haben enpfangē·
man ſach dē ivngē fúrſtē geben·
als er niht lenger wolte leben·
do wart mit gv̊te wunders vil begāgen·
man gab da niht bi driſſer pfvnde
wan ſilber als es w̾e fvndē·
gab man hin vn̄ riche wat·
ǒch hies d̾ fúrſte durh der gernden hulde·
die malhē vō den ſtellē lern·
oꝛs als ob es lember weren·
vil maniger dan gefuͤret hat·
eſ engalt da nieman ſin̾ altē ſchulde·
dc wc ein mīneklich̾ rat·