Westindische Nächte

aus Wikisource, der freien Quellensammlung
Zur Navigation springen Zur Suche springen
Textdaten
<<< >>>
Autor: Hans Bötticher
Illustrator: {{{ILLUSTRATOR}}}
Titel: Westindische Nächte
Untertitel:
aus: Gedichte, S. 15
Herausgeber:
Auflage: 1. Auflage
Entstehungsdatum:
Erscheinungsdatum: 1910
Verlag: Hans Sachs-Verlag Schmidt-Bertsch & Haist
Drucker: {{{DRUCKER}}}
Erscheinungsort: München, Leipzig
Übersetzer:
Originaltitel:
Originalsubtitel:
Originalherkunft:
Quelle: Commons
Kurzbeschreibung:
Eintrag in der GND: {{{GND}}}
Bild
Ringelnatz Gedichte 015.jpg
Bearbeitungsstand
fertig
Fertig! Dieser Text wurde zweimal anhand der Quelle Korrektur gelesen. Die Schreibweise folgt dem Originaltext.
Um eine Seite zu bearbeiten, brauchst du nur auf die entsprechende [Seitenzahl] zu klicken. Weitere Informationen findest du hier: Hilfe
[[index:|Indexseite]]


[15]
Westindische Nächte


Füll mir den Becher mit jenem purpurnen Weine.
Aus der Erinnerung tiefgegrabenen Schächten
Fördert er köstliches Gold und Edelsteine
Und erzählt von schönen, westindischen Nächten.

5
Schauernd mit herzergreifendem Grausen

Hör ich das Meer, den Sturm und des Urwalds Brausen,–
Niebeschriebene Töne, Bilder, Gefühle.
Heimlicher Liebe paradiesische Schwüle,
Schweigendes Dunkel, trauliche Lagerfeuer,

10
Sternengefunkel, trunkene Abenteuer,

Sorgloses Lachen, lustige Banchoklänge,
Unvergeßliche, seltsame, ernste Gesänge,
Wallender Dunkelhaare bläuliches Schimmern,
Fremder Stimmen fernes Schreien und Wimmern,

15
Scheidender Schiffe heimwehweckende Grüße,

Duftender Blüten heiße berauschende Süße,
Krachende Zweige, Mondschein, fliehendes Wild – –

Und dazwischen seh ich ein schmerzliches Bild.
Muß ich der schönsten aller Kreolenfrauen

20
Einmal noch in die brechenden Augen schauen.

Sehe sie wortlos in meinen Armen sterben. –
Oh wie grausam seid ihr himmlischen Mächte! – –
Freund verzeih, ich warf wohl den Becher zu Scherben
Ach ich dachte wilder, westindischer Nächte.