Zedler:Lichtenstein, ein Fürstliches Hauß

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Lichtenstein oder Liechtenstein

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Lichtenstein, ein gräfliches Geschlechte

Band: 17 (1738), Spalte: 883–900. (Scan)

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Lichtenstein, ein Fürstliches Hauß, dessen Glieder sonst Fürsten von Lichtenstein zu Niclasburg, Hertzoge in Schlesien zu Troppau und Jägerndorff genannt werden, ist von denen ältesten Zeiten an mit ansehnlichen Herrschafften versehen gewesen, so, daß es schon vor Alters 73. Schlösser und Herrschafften inne gehabt.

Es stammet her durch die Herren von Kuenring, so vornehme Stände in Oesterreich gewesen, von welchen Tom. XV. p. 2136. zu sehen und zwar von Azone IV. von Este, einem Sohne Hugonis III. Titular-Marggrafen von Ferrara, so im Jahre 1037. in Teutschland gestorben, und sein Geschlecht von denen alten Fürsten von Este, Herren von Comachio, Luca, Parma und Reggio herführte. Imhof Notit. Proc. Imp. edit. Koel. V. X. [884] §. 2. von Sommersberg Scriptt. Rer Siles. Tom. II. Praefat. p. II. Access. p. 34. Hübner Geneal. Tab. 246. Ob auch wohl Matth. Reinhard. Breurar. hist. Lichtenstein. Msct. anderer Meynung ist, und dieses Geschlechte lieber aus Mähren herholen will, so halten es doch die meisten lieber mit der ersten Ableitung. Köler nor. b. ad. Imhof l. c.

Dieser Azo der IV. war ein Anverwandter Popponis, Ertz Bischoffs zu Trier, und seines Bruders, Leopoldi, Marggrafen von Oesterreich; welcher letztere, als er von denen Ungern, Böhmen und Bayern sehr bedränget ward, seinen Bruder Popponem zu Hülffe ruffte, der ihm seinen vorgedachten Verwandten, Azonem, so ein mächtiger Herr, mit einer mächtigen Ritterschafft zuschickte, welchen Leopold mit Freuden empfieng, und ihn zum Land-Marschall oder General machte, da sie die Feinde an dem March-Flusse schlugen, und dadurch Oesterreich befreyeten, worauf bemeldter Azo durch Leopolden verheurathet und zum Erb-Schencken von Oesterreich gemachet ward. ''Cuspinianus Austr. in Tyllii Isagog. Chronol.Megiserus Arb. Geneal. Lichtenstein. Wurmbrand Collect. Geneal. Hist. Addend. ad c. 3. p. 185. von Franckenberg Europ. Herold. Anh. p. 1721. Imhof, von Sommersberg und Hübner ll. cc. Seine Gemahlin nennet Cuspinianus l. c. Treutam oder Gertrud. Imhof l. c.

Von diesem Azone sind entsprossen die Herren von Kien oder Kuenring, Sunberg, Falckenberg, Puchberg, Misselbach, Winckler, Volckersdorff, Schonberg, Starckenberg, Lichtenstein, Pottendorff und andere mehr. Er stifftete im 1083. Jahre die Kirche zu Atzmanns-Wiese Imhof l. c. Von seinen Söhnen werden Tom. XV. p. 2136. viere, als Anselmus. Adalbero. Albero und Nizo namhafft gemacht. Es mag aber wohl Albero, Azo und Nizo ein Name seyn, wie denn Imhof und Hübner ll. cc. nur Anselmum Azonem und Adalberonem, von Sommersberg aber statt Azonis Nizonem setzet. Es ist also auch, was deren Kinder anlanget, hierinnen eine Aenderung zu treffen, und der dabey vorgegangene Fehler sonderlich Bucellino zuzuschreiben, der, wie auch Tom. XV. p. 2139. schon angemercket worden, mehrmahls mit denen Nachrichten, welche aus dem Diplomatario Zvvettlensi bey von Ludewig Reliqq. MSSCt. Diplom. Tom. IV. genommen sind, nicht übereinstimmet. Man folget also hier mit besserm Grunde andern, dabey aber die unter Kunring gemeldete Stellen aus dem Diplomat. Zvvettl. aufs neue anzuführen unnöthig seyn dürffte.

Von denen letztgedachten drey Brüdern hatte Azo oder Nizo nach von Sommersberg l. c. Hademann von Chuefern, der im 1138. Jahre das Closter Zwettel gestifftet, mit Gertruden, von der er aber keine Kinder hinterlassen, in der Ehe gelebt, und im 1155. Jahre gestorben, und Pilgrimen, der ein Mönch worden, zu Kindern gehabt; Adalbero aber, dessen Gemahlin Imhof l. c. Giselam nennet, Leopolden, welcher vermuthlich der unter Kunring angeführte Ernst, und noch ein Sohn gleiches Namens gezeuget.

Leopold Erb-Schencke in Osterreich, welchen Hübner l. c. irrig zu einem Sohne des ietztgemeldeten Adalberons machet, soll sich nebst Herzog Henrichen in Cärnthen im 1165. Jahre noch auf dem Turnier zu Zürich befunden haben, und nach Imhofen und Hübnern ll. cc. einen Sohn Dietmar, von welchem [885] das Geschlechte weiter fortgeführet wird, gehabt haben. Nach von Sommersberg l. c. p. 12. Access. p. 35. aber wird Adalbero, Oesterreichischer Land-Marschall und Erb-Schencke, Leopolds Bruder, der im 1159. Jahre noch das Closter Zwettel einweihen helffen, zu einem Vater Hadmars gemachet, der aber schon im 1147. Jahre auf der Reise im gelobten Lande gestorben, und einen Sohn gleiches Namens, welcher auch Dietmar genannt worden, hinterlassen.

Dieser Hadmar oder Dietmar von Kunring, Herr in Tyernstein und Lichtenstein, welcher im Diplomatario Admontensi bey von Ludewig Reliqq. MSSCt. Tom. IV. p. 174. im 1186. Jahre Ottmar genannt wird, bekam im 1212. Jahre König Richarden aus England in seine Verwahrung, und hatte unter andern Tom. XV. p. 2137. angeführten Kindern einen Sohn, Namens Henrich, welcher im 1230. Jahre in grossem Ansehen stund, im 1243. Jahre im Diplomatario Stahrenberg. bey von Ludewig Reliqq. MSSCt. Diplom. Tom. IV. p. 229. von Lichtenstein bey Dlugosso aber Lichtersteyn genannt wird, und von Friedrichen dem II. Herzoge von Oesterreich, dem Teutschen Ritter-Orden in Preussen wieder Suantepolcum, Herzog von Pommern, im Jahre 1245. zu Hülffe geschicket ward, da er Suantepolcum in die Flucht geschlagen. von Sommersberg l. c. p. 12. Dlugossus Hist. Pol. VII. p. 702. Als im folgenden Jahre ietztgedachter Friedrich der II. der letzte Herzog von Oesterreich und Steyermarck, aus der Babenbergischen Linie, ohne Erben starb, schickten die Stände beyder Länder diesen Heinrich von Lichtenstein, nebst dem Probste von Neuburg, und dem Schencken von Haunspag, an Henricum illustrem, Marggrafen von Meissen, des verstorbenen Friedrichs Schwager, ihn um einen von seinen Söhnen zu ihrem Regenten zu ersuchen. Da sie aber durch Böhmen zogen, wurden sie von dem Könige mit List aufgehalten, und gezwungen, daß sie seinen Sohn, Primislaum Ottocarum, Marggrafen von Mähren, vor ihren Herzog erkennen musten, welcher hernach im Jahre 1253. nach Wien kam, und sich mit Margaretha von Oesterreich, einer Schwester des letzten Herzogs, vermählte. Hagenius Chron Austr. bey Pezen Scriptt. Rer. Austr. Tom. I. p. 1073. Ebendorffer von Haselbach Chron Austr. ibid. Tom. II. p. 728. von Sommersberg und Imhof ll. cc.

Von dem Könige von Böhmen aber hat Henrich von Lichtenstein im Jahre 1249. Niclasburg in Mähren mit dem Bedinge geschenckt bekommen, wenn Wilhelm und Hermann, Gebrüdere von Dürnholtz, ihrem Rechte darauf freywillig renunciren würden, welches auch noch selbigen Jahres geschehen, und hat Premislaus Ottocarus, als König in Böhmen, ihm, wegen der ihm und seinem Vater geleisteten treuen Dienste, Niclasburg mit völligem Rechte zu besitzen im Jahre 1362. bestätiget. Daher er den Namen von Niclasburg angenommen, welchen seine Nachkommen beständig behalten. Imhof, von Sommersberg und Hübner ll. cc. Er muß ohne Zweifel ein anderer als der Tom. XV. p. 2137. seq. gedachte Henrich Kunring zu Weitra seyn, und mag vielleicht jener eines andern Hadmans Sohn und Vetter von diesem Henriche seyn sollen. So kan er auch nicht der Henrich Kunring zu Feldsberg seyn, wie aus der Beschreibung desselben mit mehrern erhellet.

Um [886] diese Zeiten findet man auch, wie von Sommersberg l. c. p. 34. bezeuget, Ulrichen von Lichtenstein, dem König Ottocar im 1253. Jahre einige Schlösser genommen. Daß einer dieses Namens von König Ottocarn zum Lands-Hauptmanne in Crain verordnet worden, meldet von Sommersberg l. c. Praefat. p. 12. aus Hagenii Chron. Austr. bey Pezen Scriptt. Austr. Tom. I. p. 1082.

Henrichs des I. Söhne waren Friedrich, so mit Conrads von Heinberg Tochter verheurathet gewesen; Hartnid oder Hartmann der I. so das Geschlechte fortgepflantzet, und Hennrich der II. Hübner l. c. Dieser letztere ward vor so einen erfahrnen Kriegsmann gehalten, daß König Ottocar von Böhmen in dem andern Oesterreichischen Kriege sich fest einbildete, daß er unfehlbar den Sieg erhalten würde, wenn er ihn auf seine Seite bringen könnte, welches Wock, Herr von Rosenberg, durch grosse Versprechungen ins Werck richten solte. Allein, er blieb beständig bey dem Kayser Rudolpho, trug auch ein grosses bey, daß derselbe die Victorie wieder Ottocaren erhalten, welcher ihm im Jahre 1279. ein Privilegium über einen Wochen-Marckt zu Niclasburg ertheilte. Er wurde hernach von denen Oesterreichischen Ständen an den König Wenceslaum von Böhmen, wegen gewisser Privilegien dieses Landes, wieder Albertum, Ertz-Herzog von Oesterreich, nachmahls Kayser, geschickt, und starb im Jahre 1305. ohne männliche Erben. Seine Töchter werden bey von Sommersberg l. c. p. 35. Petrissa, die im 1380. Jahre gestorben, und Agnes genannt. Er ist also ebenfalls von Henrich Kunringen dem jüngern zu Weitra zu unterscheiden, von welchem im Diplomat. Zvvettl. gantz andere Nachrichten gegeben werden. Hartnid oder Hartmann der I. starb im Jahre 1292. oder 1293. und behielt seine Witwe, Anna, oder Agnes das Städtlein Misselbach sammt dem Schlosse. Imhof, von Sommersberg und Hübner ll. cc. Er hatte von ihren Otten, Annen, eine Gemahlin eines von Kranichberg, die im 1357. Jahre gestorben, Hartniden den II. und Fridrichen den II. Imhof, von Sommersberg und Hübner ll. cc.

Otto von Lichtenstein hielt sich im 1278. Jahre in der Schlacht zwischen Rudolphen dem I. und Ottocarn wohl, wird auch in diesem Jahre im Diplomat. Zvvettl. bey von Ludewig l. c. p. 46. gefunden, ward Lands-Hauptmann in Steyermarck, und begleitete hernach den Herzog Albertum von Oesterreich auf seinem Zuge in Preussen, zeugte mit Adelheid von Pottendorff Rudolphen, welcher im 1313. Jahre Ertz-Herzog Friedrichs des schönen nachmahligen Kaysers Gesandter an König Jacob den II. in Arragonien gewesen, im 1320. Jahre im Diplomat. Zvvettl. l. c. p. 148. gefunden wird, und im Jahre 1327. mit Ioanne und Leutholdo, Gebrüdern von Chunring, wegen Zwettel Streit gehabt. Hagenius Chron. Austr. bey Pezen Scriptt. Austr. Tom. I. p. 1093. 1097. Chron. Leob. VI. ibid. p. 940. von Sommersberg l. c. p. 12. Access. p. 34. Ob er eben de sey, so nach Valvasors Ehre des Herzogth. Crain IX. 3. p. 17. vom 1355. biß zum 1358. Jahre Lands-Hauptmann in Crain gewesen, oder ob dieser zum Geschlechte in Steyermarck gehören möge, ist unbekannt.

Friedrich der II. war Rath bey dem Herzoge von Oesterreich, und hatte 4. Söhne: Vlricum, Bernardum, Christophorum [887] und Fridericum III. welche alle im Jahre 1375. dem Herzoge Alberto von Oesterreich auf seinem Zuge in Preussen gefolget von Sommersberg l. c. Access. p. 35. Darunter aber sonderlich Christoph berühmt worden, welcher nicht allein mit dem Herzoge in Preussen gieng, sondern ihm zu dieser Expedition auch 16000. Ducaten vorstreckte. In Franckreich hat er unbekannt vor einen Soldaten gedienet, und sich dergestalt verhalten, daß, als es der König Carolus V. vernommen, er ihn zu seinem Rath angenommen, auch zum General über die Frantzösische Armée bestellet, und ihm eine jährliche Pension von 1000. Cronen Lebenslang gegeben, welche ihm in Oesterreich bezahlet worden. Er starb im Jahre 1392. von Sommersberg l. c. p. 35.

Hartnidus oder Hartmann der II. war wegen seiner Tapfferkeit und Klugheit in grossem Ansehen. Als Ioannes, König von Böhmen, mit denen Königen von Polen und Ungern, und dem Herzoge von Oesterreich zugleich in Krieg verwickelt war, zog er seine Leute zusammen, und kam dem Könige Ioanni zu Hülffe; allein die Herzoge von Oesterreich verheerten alle seine Ländereyen. Solchen Verlust zu ersetzen, schenckte ihm der König Ioannes im Jahre 1334. das Schloß Maidberg in Mähren an der Teya, den Marckt zu Tracht, die Dörffer Wisteritz, Paulau und Stahrnitz mit allem Zugehör. Imhof l. c. §. 2. von Sommersberg l. c. Access. p. 34. Er hat ihm auch im Jahre 1332. zu Paris confirmiret, daß er, und alle Besitzer des Schlosses Niclasburg, von aller Berna oder Land-Steuer solten befreyet seyn, und sich nicht vor das Land-Recht in Mähren, sondern nur allein vor den Marggrafen, oder vor den, so er specialiter dazu bestimmet, stellen dürffen. Imhof l. c. von Sommersberg l. c. Praeat. p. 12. Er haut auch diese Befreyungen auf seine andern Häuser und Güter in Mähren, als Weissenstein, Glamptitz, Pergen, Pairdorff, Pachmalitz, Muschau, Foydaspru, Neydeg, Eißgrub, Ungerdorff, Pulgarn, Milnitz extendiret, welches der Kayser, Carl der IV. im Jahre 1348. und hernach die folgenden Könige und Kayser, Wenceslaus und Sigismundus, bestätiget. Er starb im Jahre 1337. von Sommersberg l. c. p. 34. Seine Söhne waren George der I. Johann und Hartnid, welcher bey Hübnern l. c. Henrich genannt wird.

Von dem ersten stammen die noch jetzt lebenden Fürsten her; Johann aber, Herr von Lichtenstein, war vom Jahre 1370. biß 1395. Ertz-Herzog Albrechts oberster Hof-Meister. Imhof l. c. §. 4. Wenceslaus, König in Böhmen, hatte ihn auch zu seinem geheimen Rath, und gieng so gerne mit ihm um, daß er ihm des Bischoffs von Bamberg Hauß auf der kleinen Seite zu Prag schenckte, damit er ihn desto näher bey sich haben könnte. Imhof l. c. Er vermehrte seine Herrschafften durch viele Städte und Schlösser, als Eißgrub, Dürnholtz, Lundenburg, Neuhauß, Veldtburg, Reichersdorff, Kamtesdorff, Polndorff, Purmanich, Mühlbach, Rabenspurg, u. a. m. hatte aber in seinem Alter das Unglück, daß ihn der Ertz-Herzog Albrecht gefangen nahm und mit Wegnehmung 24. Herrschafften in Oesterreich und Tyrol straffte. Imhof l. c. Die Ursache dieses Zorns soll aus einem Argwohne her gerühret haben, als wenn er in denen damahligen Zwistigkeiten zwischen [888] Böhmen und Oesterreich es mehr mit dem Könige von Böhmen hielte, und mit ihm, weil derselbe ihm so gnädig wäre, colludirte. Und ist in dieser eignen Sache der Herzog Albertus selbst Kläger und Richter gewesen, ob gleich die Schieds-Richter, Friedrich, Burggraf zu Nürnberg, und hermann, Graf von Cilley ausgesprochen, daß alles, was Johann, Herr von Lichtenstein, über der Donau in gantz Oesterreich und Tyrol, wie auch in und um die Stadt Wien hätte, das sollte dem Herzoge anheim fallen, das übrige aber Ioanni bleiben. Er starb im Jahre 1399. ohne Kinder, und setzte seines Bruders, Georgii, Söhne zu Erben ein. Imhof, von Sommersberg undHübner ll. cc. Seine dritte Gemahlin, so ihm den 6ten Theil der Herrschafft Veldsberg zugebracht, war Elisabeth von Buchheim, die er als Witwe hinterlassen, und die hernach Ioannem, Herrn von Stubenberg, geheurathet, welches grosse Uneinigkeit zwischen denen Lichtensteinern und Stubenbergern verursachet, so, daß diese beyde mächtige Familien mit gewaffneter Hand einander überzogen, und Schaden zugefüget, biß endlich die Sache durch das Ansehen derer Herzoge von Oesterreich und Vermittelung derer Anverwandten beygeleget worden.

Hertnid oder Hartneyd, Herr von Lichtenstein, dieses Ioannis Bruder, war im Jahre 1390. Landes-Hauptmann in Steyermarck, und zeugte von Afra von Waldsee einen Sohn, gleiches Namens, welchem der Kayser Sigismundus im Jahre 1421. das Privilegium, auf ihren Gütern in Mähren Gold, Silver und ander Ertz zu graben, ertheilte. von Sommersberg l. c. p. 34.

Geroge der I. Herr von Lichtenstein zu Niclasburg, ein Sohn Hertnidi II. war Herzogs Alberti von Oesterreich Cämmerer, brachte das Schloß Ulrichs-Kirchen an seine Familie, und starb im Jahre 1392. Imhof und Hübner ll. cc. von Sommersberg I. c. Praefat. und Access. ll. cc. Hierbey irret sich Lucae in Schles. Denckw. III. 4. p. 737. welcher diesen Georgen nicht allein vor einen Sohn Dietmars ausgiebt, sondern auch das 1412. Jahr zu seinem Sterbens-Jahre machet. Er hinterließ von Dorothea von Buchheim Georgen, Matthaeum, Henrichen und Johannen. Imhof, von Sommersberg und Hübner ll. cc.

Von Georgen, Bischoffe zu Trident, folget eine besondere Abhandlung.

Matthaeus Herr von Lichtenstein, war Herzogs Alberti von Oesterreich Cämmerer, und hat veränderliches Glück gehabt. Einsmahls ward er von einigen Edelleuten, welche ihm nachgestellet, gefangen, als er aber wieder auf freyen Fuß gekommen, so hat er diese Edelleute sich zinsbar gemacht, und sie gezwungen, daß sie ihm mit einer Anzahl Reuter dienen müssen. In einer Schlacht hat er 2. Brüder, Nicolaum und Ioannem Teufel, mit eigner Hand gefangen, und, nachdem sie ihm den Eyd der Treue geschworen, und schrifftlich sich verbunden, wieder loß gelassen. Im Jahre 1399. hat er mit denen Brüdern, Ioanne und Henrico, Burggrafen zu Magdeburg, Grafen von Hardeck, so ihm verwandt, und damahls die Mächtigsten in Oesterreich waren, ein sehr genaues Bündniß geschlossen, daß sie einander wieder alle ihre Feinde beystehen, und ihre Schösser und feste Oerter ihnen offen stehen solten. Er ist im Jahre 1400. [889] unverheurathet gestorben.

Johann, dieses Matthaei Bruder, war Landes-Hauptmann in Mähren, und starb im Jahre 1412. von seiner Gemahlin, Agnes von Chunring, Vlricum, so sich mit Ursula von Stubenberg, und Ioannem, so sich mit Hedwig von Pottendorff vermählet, aber ohne Erben abgegangen, hinterlassend. von Franckenberg, Imhof, von Sommersberg und Hübner ll. cc. Lucae Schles. Denckw. III. 4. p. 737.

Der andere Bruder Matthaei, Henrich, hat das Geschlecht fortgepflantzet, er war Ertz Herzogs Leopoldi oberster Hof-Meister, und bekam zugleich von dieses Leopoldi Vater, Herzog Alberto, eine jährliche Pension von 600. Ducaten. Weil er aber dessen ungeachtet sehr an denen Königen von Böhmen hieng, so verfiel er, als dieselben mit denen Herzogen von Oesterreich in Krieg gerathen, in Ungnade, die aber nachgehends wieder aufgehoben ward. Er starb im Jahre 1418. und hinterließ von seiner andern Gemahlin, Anna, Frauen von Zelcking, Georgen und Christophen. von Franckenberg, Imhof, von Sommersberg und Hübner ll. cc.

Dieser hielt es unverbrüchlich mit dem Kayser, Friedrichen dem IV. welcher ihn zu seinem General machte, und ihm die Sorgfalt über das gantze Kriegs-Wesen auftrug. Von diesem Kayser bekam er auch Pfandsweise die sehr alte und feste Stadt Bochoclin in Mähren, welche er kurtz vorher erobert hatte, desgleichen Gaunsdorff und Sesnich, und einige herumliegende Oerter in Oesterreich. Das Schloß Wilfersdorff erbte er von denen Freyherren von Meißau, und starb im Jahre 1445. nachdem er in seinem Testamente verordnet hatte, daß seine Erben allen denenjenigen, so von ihm beleidiget worden, das ihre wieder ersetzen, und iedem von seinen 12. Edelleuten, so er in seinem Dienste gehabt, ein ausgerüstetes Pferd und 3. Ducaten, auch ieder von seiner Gemahlin, Amalia von Buchheim, adelichen Frauenzimmer ein seiden Kleid und 12. Ducaten geben solten. Von seinen Söhnen sind 2. in der Jugend, der dritte ohne Kinder gestorben. von Sommersberg l. c. p. 34.

Sein älterer Bruder aber, George, zeugte mit seines Vettern Ioannis, Herrn von Lichtenstein, hinterlassenem Witwe, Hedwig von Pottendorff, 8. Kinder, darunter vornemlich Henrich, Christoph und George zu mercken, davon ieglicher eine eigene Linie angefangen, von welcher aber nur allein Georgens Nachkommenschafft biß anietzo blühet. von Franckenberg, Imhof, von Sommersberg und Hübner ll. cc.

I. Henrich der V. Herr von Lichtenstein und Niclasburg zu Steyereck, zugenannt der lahme, soll auf beyden Füssen gehincket haben. Er hat sich so berühmt gemacht, daß ihn der Herzog Albertus im Jahre 1459. zu seinem geheimen Rath angenommen, und ihm iährlich 1000. Ducaten Pension gegeben, damit er sich innerhalb Jahres-Frist keinem andern Fürsten mit Eydes-Pflicht verbinden solte. von Sommersberg l. c. Praefat. p. 12. seqq. Er hat ihn im Jahre 1463. als Abgesandten zu dem König Georgen von Böhmen geschickt; von Sommersberg l. c. p. 13. auch hat ihm Albertus das Schloß Werenberg vor 7232. Ungrische Gulden versetzt. Auf Befehl Kayser Friedrichs hat er das Schloß Schemberg mit Gewalt erobert, woraus [890] die Feinde Nieder-Oesterreich mit Einfällen geplaget und verheeret. Worauf der Kayser ihm dieses Schloß sammt der Herrschafft desselben Orts geschencket. Ob nun gleich Henrich vermöge dieser Schenckung solche Herrschafft hätte behalten können, so hat er sie doch im Jahre 1463. etlichen Edelleuten, denen sie erblich zugehörte, freywillig abgetreten. Er hat auch auf Befehl Ladislai, Königs von Ungern und Böhmen, Ertz-herzogs von Oesterreich, eine Stadt und Schloß in Ober-Oesterreich, welche die Feinde eingenommen, ihnen mit grosser Mühe wieder entrissen. König Matthias von Ungern machte ihn hernach zum Landes-Hauptmann in Mähren; schloß auch im Jahre 1473. mit ihm und andern vornehmen Herren in Oesterreich ein Bündniß wieder Kayser Friedrichen. von Sommersberg l. c. p. 13. Er starb im Jahre 1483. von Sommersberg l. c. Access. p. 34. Hübner l. c. Von seiner Gemahlin, Agnes, Ioannis, Freyherrn von Stahrenberg, Tochter, hat er eine Tochter, Namens Elisabeth, so an Georgen von Roggendorff vermählet worden, und 2. Söhne, Georgen und Erasmum, hinterlassen. Von denen letzten nahm sich Erasmus, Barbaram, Gräfin von St. Georgio und Pösing, zur Gemahlin, hat aber keine Kinder mit ihr erzeuget, und George erhielt mit Magdalena von Polheim nur 4. Töchter, davon Anna an Ioannem von Lichtenstein, Susanna an Georg Hartmannen von Lichtenstein, Benigna an Ottonem ebenfalls dieses Geschlechts, und Martha erstlich an Ioannem von Lomnitz, und hernach an Dietmarn von Losenstein vermählet wurde.

II. Christoph, Herr von Lichtenstein und Niclasburg in Veldspurg, war bey dem Ungrischen Könige, Matthia, so lange derselbe Oesterreich inne hatte, so beliebt, daß er ihn zum Oesterreichischen Land-Marschall bestellte, welchem Amte er vom Jahre 1471. biß 1498. vorgestanden, und, als König Matthias im Jahre 1490. gestorben, von dem Kayser Friedrichen darinnen bestätiget worden, welcher auch alles, was der von Lichtenstein zu Matthiae Zeiten gethan, im Jahre 1493. gebilliget, und ihm als seinem Rath dieses Amts noch ferner zu verwalten aufgetragen. von Sommersberg l. c. Access. p. 34. Er starb im Jahre 1506. und ward vor der Kirch-Thüre zu Niclasburg begraben. Mit seiner Gemahlin, Amalia von Stahrenberg, hat er Wolffgangen und Leonardum I. gezeuget. von Sommersberg l. c. p. 34. Jener hatte zwar von Genovefa, Freyin von Schaumburg, nebst 2. Töchtern Margaretha und Barbara, so an Ioannem von Buchheim vermählet gewesen, Ioannem und Wolffgangen Christopen, allein dieser starb ohne Erben von Catharina von Lamberg, und Ioannes auf Wilffersdorff hatte zwar Nachkommenschafft, so aber in seinen Enckeln ausstarb. Denn mit der ersten Gemahlin Anna von Lichtenstein erzeugte er Georgen, der sich Leonoren von Künigsberg beylegte, Wolffgangen, einen Vater Friderici, Annae und Magdalenae, welche erstlich an Ioannem Cyriacum von Polheim, und nach diesem an Adamum von Sternberg vermählet worden, Ioannam Magdalenam eines Herrns von Kreigk Gemahlin; Aus der andern Ehe erhielt er zwar auch eine Tochter Genovefam, erstlich Ioannis von Boczkovitz und hernach Henrici von Thona Gemahlin, und 2. [891] Söhne, Ioannem Adamum und Ioannem Sigismundum, die aber in der Jugend verstorben. Leonardi I. Sohn, Leonardus II. zeugte Christopen, welcher, da er alle seine Güter, und ansehnlichen Herrschafften, als Niclasburg, Vaufastein, Meidberg, und viele andere verkaufft, im Jahre 1585. ohne Kinder zu Brünn gestorben. von Sommersberg l. c.

III. George der III. Herr von Lichtenstein und Niclasburg, ein Sohn George des II. und glücklicher Stamm-Vater des ietzigen Fürstlichen Hauses, vermählte sich mit Agnes, Georgii, Herrn von Eckartsau, Tochter, und starb im Jahre 1484. Imhof, von Sommersberg und Hübner ll. cc. Seine Söhne waren Johann, Hartmann, George, Sebastianus, und Erasmus, von denen Hartmann allein sein Geschlecht fortgepflantzet, sintemahl die andern ohne Kinder gestorben. von Sommersberg l. c. p. 35.

Gedachter Hartmannus nun nahm zur ersten Gemahlin im Jahre 1507. Amaliam Gräfin von Hohenlohe, und als selbe im 1510. Jahre ohne Kinder mit Tode abgegangen, zur andern im Jahre 1511. Ioannem, Wernardi, Herrn von Mainberg, Tochter, mit welcher er George Hartmannen im Jahre 1513. Johann Christophen im Jahre 1517. und Sebastianum gezeuget, welche 2. letztern ohne Erben gestorben, ob sich wohl Johann Christoph mit Magdalena von Meseritz vermählet gehabt. von Sommersberg l. c. Access. p. 38. seq. Bucellinus Stemmatogr.

George Hartmann, Herr von Lichtenstein, ist im Jahre 1562. gestorben, nachdem er mit Susanna, Georgii, Herrn von Lichtenstein, Tochter, 8. Söhne und 4. Töchter erzeuget gehabt. von Franckenberg l. c. p. 1722. Die letztern waren Anna Susanna, Bernardi, Grafens von Hardeck, Juditha, Helmhards, Baron Jörgers Gemahlinnen, Susanna, Johanna und Esther. Die Söhne waren 1.) Henrich der ältere, der jung verstorben, eben wie 2.) Fridericus Albertus. 3.) Hartmann der IV. gebohren im Jahre 1544. so sein Geschlecht fortgepflantzet. 4.) Sebastian, geboren im Jahre 1545. starb, ohne Kinder von seiner Gemahlin Amalia von Puchheim gehabt zu haben. 5.) Georgius Erasmus,, oder, wie ihn andere nennen, Georgius Ludouicus, gebohren im Jahre 1547. wurde Ertz-Hertzogs Maximiliani Cammer-Herr und oberster Stallmeister, und nebst demselben im Jahre 1588. bey Pitschen von denen Polen gefangen. Er war zum General in Raab ernennet, als er im Jahre 1591. den 29. May sein Leben beschlüssen muste. 6.) Henrich der jüngere, geboren im Jahre 1554. war Ertz-Herzogs Matthiae Cammer-Herr, und ward als Kayserlicher Botschaffter nach Constantinopel geschickt, allwo er im Jahre 1585. starb. 7.) Ioannes Septimius, ein wegen seiner Gelehrsamkeit und vielen durch Europa und Asia gethanen Reisen berühmter Herr, geboren im Jahre 1558. gieng, ohne Erben von Anna Maria Gräfin von Salm zu erhalten, im Jahre 1595. mit Tode ab; und 8.) George Hartmann, geboren im Jahre 1562. so seinen Bruder zu Constantinopel begleitet, und auch allda im 1585. Jahre sein Leben beschlossen. Imhof l. c. §. 5. von Sommersberg l. c. p. 38. seq. Hübner l. c.

Der dritte von diesen 8. Brüdern, Hartmann der IV. Freyherr von Lichtenstein, geboren im Jahre 1544. den [892] 6. May, war ebenfalls ein gelehrter Herr, und der Lutherlischen Religion zugethan. von Sommersberg l. c. p. 38. Imhof l. c. §. 5. Hübner l. c. Tab. 246. Er starb im Jahre 1595. oder, wie andere berichten, 1585. Imhof, von Sommersberg und Hübner ll. cc. Seine Gemahlin war Anna Maria, Caroli von denen älteren Grafen von Ortenburg Tochter, so im 1608. nach andern 1596. Jahre verschieden; mit welcher er 5. Söhne und 4. Töchter erzeuget, davon Maria Susanna und Johanna ledig verstorben, Catharina im 1572. Jahre geboren, im 1593. mit Wolffgang Wilhelmen Herrn von Volckersdorff, vermählet worden, und im Jahre 1643. gestorben; und Judith im Jahre 1595. an Ioannem Ioachimum, Freyherrn von Zintzendorff, verheurathet worden; Von denen Söhnen aber sind Wickard und Georg Wolffgang unverehlichet gestorben, die übrigen 3. Carl geboren im Jahre 1569. Maximilian, geboren im Jahre 1578. und Gundacker, geboren im Jahre 1586. welche die Catholische Religion wieder annahmen, wurden in den Fürsten-Stand erhoben, und 2. von ihnen, nemlich Carl und Gundacker, richteten besondere Linien auf, welche von ihnen die Carolonische und Gundackerische genennet worden, und davon die erste an männlichen Erben im Jahre 1712. ausgestorben; die andere aber noch im höchsten Flore stehet. von Franckenberg, von Sommersberg und Hübner ll. cc. Imhof l. c. §. 5. seq. Der mittlere von diesen 3. Brüdern, Maximilianus, ist den 29. April im Jahre 1645. ohne Kinder von seiner Gemahlin, Catharina, Ioannis Szembora, Freyherrn von Bozcowitz und Tschernahor und Annae Freyin von Krayg Tochter, gestorben. Lucae Schles. Denckw. l. c. p. 738. Imhof, von Sommersberg und Hübner ll. cc.

I. Carl, Fürst von Lichtenstein, Herzog in Schlesien zu Troppau und Jägerndorff, der älteste Sohn Hartmanns des IV. Freyhern von Lichtenstein, war geboren im Jahre 1569. und starb im Jahre 1627. den 12. Febr. von Sommersberg l. c. p. 38. Lucae l. c. p. 738. seqq. Rhevenhüller Imagg. Ministr. Ferdinandi II. Tom. II. p. 39. Imhof l. c. §. 6. Hübner l. c. Tab. 247. Siehe von ihm unter Carolus von Lichtenstein Tom. V. p. 1061. eine besondere Abhandlung. Seine Gemahlin war Anna Maria, eine Tochter und Erbin Ioannis Szembora, Freyherrn von Bozcowitz und Tschernahor, seines Bruders, Maximiliani, Gemahlin Schwester, durch welche 2. Heurathen die ansehnlichen Herrschafften des Hauses Bozcowitz an das von Lichtenstein gefallen. von Franckenberg l. c. von Sommersberg l. c. Trier Einl. zur Wappen-K. p. 449. Imhof und Hübner ll. cc. Lucae l. c. p. 738. Er hat mit mir gezeuget: Annam Mariam, geboren den 7. Dec. im Jahre 1597. so an Maximilianum, Fürsten von Dietrichstein, der Kayserin Eleonorae von Mantua obersten Hof-Meister; Franciscam Barbaram, geboren im Jahre 1604. so an Wernern, Grafen Tilly, vermählet worden, und im Jahre 1655. gestorben; und Carolum Eusebium, Fürsten und Regirern des Hauses Lichtenstein, Herzog in Schlesien zu Troppau und Jägerndorff, geboren im Jahre 1611. den 12. Sept. der im 1684. Jahre den 5. April starb, von dem unter Carolus Eusebius Tom. V. p. 1062. eine besondere [893] Abhandlung nachzusehen. von Franckenberg l. c. Ludolff Schaubühne der Welt. Th. VI. B. LXXXIV. c. 15. p. 188. Imhof l. c. §. 6. seqq. von Sommersberg und Hübner ll. cc. Lucae l. c. p. 240. seq. Derselbe vermählte sich im Jahre 1644. mit Ioanna Beatrice, Maximiliani, Fürsten von Dietrichstein, und seiner Schwester, Annae Mariae von Lichtenstein, Tochter, und zeugte Johann Adam Andreen, seinen Nachfolger; von der unter Maria Eleonora Rosalia nachzusehen; Maria Theresia, so im Jahre 1677. Iacobum, Grafen von Lesle, zu ihrem ersten, und Johann Balthasarn, Grafen von Wagensberg, im 1692. Jahre zu ihrem andern Gemahl bekommen, in etlichen Wochen aber wiederum verwitbet worden, und im Jahre 1716. den 4. Febr. zu Graitz ihr Leben beschlossen; Ioanna Beatricen, so im Jahre 1669. ihrem Vetter, Maximilianum Iacobum Mauritium, Fürsten von Lichtenstein, von der Gundackerischen Linie, geheurathet, und im Jahre 1671. gestorben. von Franckenberg, von Sommersberg und Hübner ll. cc. Lucae l. c. p. 741. Imhof l. c. §. 7. seqq.

Der Sohn Caroli Eusebii, Johann Adam Andreas, Fürst und Regirer des Hauses Lichtenstein, Herzog zu Troppau und Jägerndorff in Schlesien, Kayserlicher geheimer Rath und Ritter des goldenen Fliesses, von dem unter Ioannes Adamus Andreas Tom XIV. p. 945. seqq. eine besondere Abhandlung, war den 30. Nou. im 1656. Jahre geboren, und zeugte mit seiner Gemahlin Erdmuth oder Edmunda Theresia Maria, nach andern Erdmuth Theresia Sophia Ferdinandi Iosephi, Fürsten von Dietrichstein, Tochter, die ihm im 1681. Jahre beygeleget worden, und den 16. Mertz des 1737. Jahres gestorben: 1.) Marien Elisabeth, gebohren im Jahre 1683. wovor andere auch 1691. setzen, den 8. May, die sich erst im Jahre 1703. mit ihrem Vetter, Maximiliano Iacobo Mauritio, Fürsten von Lichtenstein, und hernach im Jahre 1713. mit Herzog Leopolden von Holstein Wiesenburg vermählet. 2.) Carl Josephen, geboren im Jahre 1684. den 15. Octob. der im Jahre 1704. den 16. Febr. gestorben. 3.) Mariam Antoniam, geboren im Jahre 1687. den 10. nach andern den 13. April, seit dem 1728. Jahre eine Witbe Marci Adami, Grafen von Zober, Kayserlichen Cämmerers und Oberstens, dem sie im Jahre 1704. beygeleget, auch in eben diesem Jahre Stern-Creutz-Ordens-Dame worden. 4.) Franciscum Dominicum, gebohren im Jahre 1689. den 1. Septembr. der im Jahre 1711. den 19. oder 20. Mertz, als er von Reisen zurück gekommen, gestorben. 5.) Gabrielam, geboren im Jahre 1692. oder nach andern 1695. im Jahre 1712. eine Gemahlin Iosephi Ioannis Adami, Fürsten von Lichtenstein, die im Jahre 1713. den 6. oder 8. Octobr. nach einigen auch den 7. Nouembr. gestorben. 6.) Theresiam Annam Felicitatem, geboren im Jahre 1694. oder nach andern 1696. seit dem Jahre 1729. eine Witbe Emanuelis von Savoyen, Printzen von Soissons, dem sie im 1713. Jahre beygeleget ward. 7.) Dominicam, geboren im Jahre 1698. die im Jahre 1719. eine Gemahlin Henrich Josephs, Fürsten von Auersberg, worden, und im Jahre 1724. den 2. Iunii gestorben. von Sommersberg und Hübner ll. cc. Imhof l. c. §. 8. Moser [894] Forts. Crusii Schwäb. Chron. 14. §. 2. p. 634. seq. Lucae l. c. p. 741. Ranfft Geneal. Archiuar. XXXII. p. 124. seq. XXXIII. p. 247. Als demnach im Jahre 1712. der Vater dieser Kinder ohne männliche Leibes-Erben starb, so folgte ihm im Maiorate sein nächster Anverwandter, von der Grundackerischen Linie, Fürst Antonius Florianus. Von der Eintheilung derer übrigen Herrschafften siehe Ioannes Adamus Andreas, Fürst von Lichtenstein. Tom. XIV. p. 947.

II. Gundacker, Fürst von Lichtenstein, war der jüngere Sohn Hartmanns des IV. Herrn von Lichtenstein, geboren im Jahre 1580. Er wurde Kaysers Ferdinandi II. geheimer Rath, Cämmerer und oberster Hof-Meister, und von diesem Kayser im Jahre 1623. nebst seinem Bruder Maximiliano in den Reichs-Fürsten-Standt erhoben, da sein älterer Bruder Carl dieselbe schon einige Jahre erhalten hatte. Lucae l. c. p. 741. seq. von Sommersberg l. c. p. 39. Hübner l. c. Tab. 248. Imhof l. c. §. 5. 10. von Franckenberg Europ. Herold Tom. I. P. III. c. 5. Tit. I. p. 765. Efeffinger ad Vitriarii Ius publ. I. 5. §. 15. p. 757. III. 2. §. 57. p. 251. Im 1604. Jahre vermählte er sich mit Agnes, Grafen Ennonis III. von Ost-Friesland, und Walpurgis, Gräfin von Rietberg, Tochter, daher auch ihre Descendenten eine starcke Praetension auf die Grafschafft Rietberg formiret, und mit dieser Walpurgis Schwster, Sabina Catharina, so Ioannem, Grafen von Rietberg, geheurathet, ihren Nachkommen einen langwierigen Proceß geführet. Lucae l. c. p. 742. Imhof l. c. §. 10. Hübner und von Sommersberg ll. cc. Sie starb im Jahre 1616. worauf er sich mit Elisabeth Lucretia, Adami Wenceslai, Herzogs in Schlesien zu Teschen, und Elisabethae, Printzeßin von Curland, Tochter, vermählet, und aus beyden Ehen Kinder gezeuget. Imhof, Hübner und von Sommersberg ll. cc. Lucae l. c. p. 742. seq. Aus der ersten war Iuliana, geboren im Jahre 1605. den 29. April, so an Nicolaum, Grafen Fugger; Elisabeth, geboren im Jahre 1606. den 15. Septembr. so jung gestorben; Maximiliana, oder nach andern Maximiliana Constantia, gebohren im Jahre 1608. den 3. Ian. so an Matthiam, Fürsten von Tour und Taxis, vermählet worden; Caesar, geboren im Jahre 1609. den 31. Iul. der ebenfalls jung gestorben; Johanna, geboren im Jahre 1611. den 4. Iun. so auch in der Jugend verschieden, und vielleicht die ist, so andere Antonia nennen; Hartmann, geboren im Jahre 1613. so das Geschlecht fortgepflantzet; und Anna, geboren im Jahre 1615. Henrici Wilhelmi, Schlick, Grafens in Passau und Weißkirchen, Gemahlin Lucae l. c. p. 743. von Sommersberg, Hübner und von Franckenberg ll. cc. Imhof l. c. §. 11. Aus der andern Ehe Mariana, gebohren im Jahre 1621. den 13. Aug. Albrecht, geboren im Jahre 1625. den 8. Mertz, die beyde jung sturben, und Ferdinand Joseph, oder Ferdinand Johann, geboren den 27. Dec. des 1622. Jahres, welcher zu Crumau in Mähren residirte, und im Jahre 1666. mit Tode abgieng, ohne Kinder von seiner Gemahlin, Dorothea, Graf Philipp Jacobs von Ladron, und Victoriae Gräfin von Colalto Tochter, des berühmten Kayserl. Generals Matthiae, Grafen von Gallas, Witbe, zu hinterlassen. von Franckenberg [895] l. c. Imhof l. c. §. 10. Hübner und von Sommersberg ll. cc.

Hartmann, Fürst von Lichtenstein, war den 15. Febr. im Jahre 1613. geboren, nahm seine Residentz zu Wolffersdorff in Oesterreich, und vermählte sich im Jahre 1640. mit Sidonia Elisabeth, Grafen Ernesti Friderici zu Salm-Reifferscheidt, und Mariae Vrsulae Gräfin von Leiningen Tochter, welche den 23. Sept. im Jahre 1686. gestorben, nachdem er ihr den 11. Febr. selbigen Jahres in der Sterblichkeit vorgegangen, und mit ihr 24. Kinder erzeuget hatte, davon 16. in der Kindheit gestorben, 8. aber zu erwachsenen Jahren kommen, und 2. davon besondere Linien, die Antonische und Philippinische, angefangen. Lucae l. c. p. 743. Hübner und von Sommersberg ll. cc. Imhof l. c. §. 12. Die, so zu erwachsenen Jahren gekommen, waren: Maximilian Jakob Moritz, von dem hernach; Theresia Maria, im 1667. Jahre eine Gemahlin Graf Michael Johannesens von Althann; Sidonia Agnes, im 1669. Jahre eine Gemahlin, und im 1694. eine Witbe Graf Adam Carls Palfy, die im 1721. Jahre den 20. Mertz das Zeitliche gesegnet; Anna Maria, im Jahre 1667. eine Gemahlin, und im 1689. eine Witbe Graf Rudolph Wilhelms von Trautmannsdorff, die im 1704. Jahre den 4. May verschieden; Anton Florian, von dem hernach mehrere Nachricht; Maria Maximiliana, im 1680. Jahre eine Gemahlin Graf Maximilians von Thun in Tetzen, die im 1686. Jahre den 23. Sept. gestorben; Philipp Erasmus, von dem ebenfalls hernach; und Hartmann, geboren im Jahre 1666. den 6. Nou. welcher im 1712. Jahre Kays. Cämmerer und Oberst-Jäger-Meister worden, dieses Amt im 1725. Jahre niedergeleget, und im 1728. Jahre den 27. Iun. unvermählt mit Tode abgegangen. Imhof l. c. §. 13. seq. von Sommersberg l. c. p. 42. seq. Hübner l. c. Tab. 248. Lucae l. c. p. 743. seq.

A.) Maximilianus Iacobus Mauritius, Fürst von Lichtenstein zu Niclasburg, Herzog in Schlesien zu Troppau und Jägerndorff, Graf zu Rietberg, Kayserlicher Cämmerer und Oberster, war den 25. Iul. 1641. geboren, hat sich mehrentheils auf seinen Herrschafften aufgehalten, und ist den 21. April im Jahre 1709. gestorben. Imhof l. c. §. 13. von Sommersberg und Hübner ll. cc. Er hat 3. Gemahlinnen gehabt: die erste Ioanna Beatrix, Caroli Eusebii, Fürsten von Lichtenstein, Tochter ward ihm vermählt im Jahre 1669. und starb im Jahre 1671. Lucae, Imhof, von Sommersberg und Hübnerll. cc. Die mit ihr erzeugten Kinder sind: Louise Iosepha, gebohren im Jahre 1670. die im Jahre 1691. Francisci Wilhelmi, Grafen von Hohenems, Gemahlin, und, als derselbe den 27. Aug. selben Jahres in der Schlacht bey Salanckement geblieben, Witbe worden, worauf sie sich 1694. mit Iacobo Ernesto, Grafen von Lesle, verehlichet, die im 1736. Jahre als Stern-Creutz-Ordens-Dame gestorben; und Maria Maximiliana Beatrix geboren im 1671. Jahre, seit dem 10. Septembr. des 1717. Jahres eine Witbe Ioannis Sigismundi, Grafen von Rothal. Imhof, von Sommersberg und Hübner ll. cc. Die andere Gemahlin, Eleonora Margaretha, Herzogs Philippi Ludouici von Holstein-Sunderburg in Wiesenburg Tochter, [896] ward ihm 1672. nach andern 1674. beygeleget, und starb den 16. Aug. im Jahre 1702. ohne Kinder Imhof, von Sommersberg und Hübner ll. cc. Worauf er den 21. April im Jahre 1703. zu der dritten Vermählung mit Maria Elisabeth, Ioannis Adami, Fürsten von Lichtenstein, Tochter, geschritten, und mit ihr 2. Söhne, und 2. Töchter gezeuget, davon 1. Sohn und 1. Tochter bald gestorben. Die eine Printzeßin, Maria Charlotte Felicitas, war im 1704. Jahre den 12. Iul. geboren, die andere, Maria Iosepha Theresia, geboren den 27. Nou. im Jahre 1706. ist im Jahre 1723. gestorben; von denen Söhnen aber ist Carl Joseph Anton geboren im Jahre 1707. den 25. Nou. im 1708. Jahre den 7. Iul. wieder verschieden; und Maximilian Anton, so den 13. April im Jahre 1709. zur Welt gekommen, hat selbige den 4. April im Jahre 1711. wiederum verlassen. Imhof, von Sommersberg und Hübner ll. cc. Worauf das Maiorat der Gundackerischen Familie auf seines Vaters Bruder, den Fürsten Antonium, gefallen.

B.) Anton Florian, Fürst und Gegirer des Hauses Lichtenstein zu Niclasburg, Herzog in Schlesien zu Troppau und Jägerndorff, Graf zu Rietberg, Kayserlicher würcklicher geheimer Rath, Oberst-Hofmeister, Ritter des goldenen Vliesses, Grand von Spanien etc. war geboren den 4. May im Jahre 1656. Als er von seinen vollbrachten Studien und Reisen zurück gekommen, übernahm er den so lang währenden Proceß seines Hauses wegen der Succession in der Grafschafft Rietberg selbst zu führen. Kayser Leopold ernennte ihn zu seinem Cammer-Herrn, und brauchte ihn in verschiedenen Geschäfften und Versendungen, biß er ihn endlich im Jahre 1687. als Botschaffter nach Rom schickte, allwo er die Praerogatiuen derer Kayserlichen Botschaffter mit Nachdruck behauptete, und wieder einführte, in dem sie ziemlicher massen waren eingeschräncket worden, weil einige Zeit her meist geistliche Personen die Stelle eines Botschaffters vertreten hatten. Diese so wichtige und kostbare Ambassade hat er 6½. Jahr mehrentheils aus eigenen Spesen ausgehalten. Als er nach Wien zurück gekommen, wurde er im Jahre 1694. zum obersten Hof-Meister bey dem Ertz-Herzoge, nachmahligem Kayser, Carln den VI. bestellet, welchen er mit grosser Sorgfalt auferzogen, und ihn nicht allein in humanioribus und in der Philosophie, sondern auch in höhern Wissenschafften selbst unterrichtet. Im Jahre 1695. wurde er geheimer Rath, und im Jahre 1697. bekam er den Ritter-Orden des goldenen Vliesses. Als der Ertz-Herzog Carl im Jahre 1703. zum Könige in Spanien erkläret ward, und von daraus seine Reise über Holland und England nach Portugall antrat, hat er denselben als oberster Hof-Meister auf dieser Reise begleitet, auch die gantze Zeit über, als dieser Herr in Portugall und Spanien gewesen, in allen Campagnen, und bey allen andern Vorfallenheiten, unabläßlich bedienet, anbey nicht allein viele Gefährlichkeiten ausgestanden, sondern auch ein sehr grosses von seinem eigenen Vermögen darbey aufgewendet, welches aber, da er mit dem Kayser Carln dem VI. aus Spanien zurück nach Teutschland gekommen, ihm durch 2. reiche Erbschafften wiederum ersetzet wurde, indem er nicht allein dem den 4. April im Jahre 1711. [897] erblasten jungen Printz, Maximilian Anton, in dem Maiorat der Gundackerischen Linie zu Mährisch-Crumau, sondern auch dem den 16. Iun. im Jahre 1712. verstorbenen reichen Fürsten, Hanns Adam von Lichtenstein, in dem Maiorat der Carolonischen Linie zu Felspurg folgte. Nach seiner Zurückkunfft aus Spanien hat er die oberste Hof-Meister-Stelle bey dem Kayser noch ferner bekleidet, und mit Ausführung einiger kostbarer Gebäude sich divertiret. Er ist den 11. Octobr. im Jahre 1721. gestorben. Zwantzig Theatr. Praeced. I. 63. p. 162. Moser Forts. Crusii Schwäb. Chron. 14. p. 635. seq. Mencke Leben Leopolds des grossen. Imhof l. c. §. 14. Lucae l. c. p. 743. Hübner und von Sommersberg ll. cc. Pfeffinger ad Vitriarii Ius publ. III. 2. §. 57. p. 252. Im Jahre 1679. hat er sich mit Eleonora Barbara, Michaelis Oswaldi, Grafen von Thun, Tochter, vermählet, die im 1723. Jahre den 10. Febr. den Weg aller Welt gegangen, und mit ihr gezeuget: Mariam Antoniam, Eleonoram Iosepham Eusebiam, so den 12. Ian. im Jahre 1683. geboren, und zu erst im Jahre 1704. mit Iacobo Adamo, Grafen von Lamberg, als aber derselbe den 16. Ian. im Jahre 1708. gestorben, im 1712. Jahre mit Ehrgott Maximilian, Graf von Kuffstein, vermählet worden, und den 19. Dec. im Jahre 1715. verschieden; Joseph Johann Adamen, von dem hernach; Innocentium Antonium Franciscum Caietanum, der im 1693. Jahre den 10. Octobr. zu Rom geboren worden, und den 21. Nou. des 1707. Jahres zu Wien gestorben; Mariam Carolinam Iosepham Antoniam Elisabetham Vrsulam, gleichfalls zu Rom im 1694. Jahre den 21. Octobr. geboren, die im 1719. Jahre Graf Frantz Wilhelmen zu Salm und Reifferscheid beygeleget worden; Carolum Iosephum Caietanum Benignum, geboren im Jahre 1697. den 13. Febr. gestorben im Jahre 1704. den 16. Ian. Mariam Annam Iosepham, geboren im Jahre 1699. die im 1716. Jahre mit Johann Ernsten, Grafen zu Thun, welchen andere zu ihrer nächstvorhergehenden Schwester ersten Gemahle machen, dem sie in eben diesem Jahre als der regirenden Kayserin erste Cammer-Fräulein beygeleget worden seyn soll, und nach dessen im 1717. Jahre erfolgtem Ableben, im 1718. Jahre mit Joseph Wenceslao Laurentio, Fürsten zu Lichtenstein, vermählet worden, und endlich Eleonoren geboren im Jahre 1702. oder 1705. den 31. Decembr. die im Jahre 1719. eine Gemahlin Graf Friedrichs von Harrach, Böhmischen Gesandtens zu Regenspurg und Reichs-Hof-Raths worden. Hübner und von Sommersberg ll. cc. Imhof l. c. p. 14. Moser l. c. p. 636.

Joseph Johann Adam, Fürst von Lichtenstein zu Niclasburg, Herzog in Schlesien zu Troppau und Jägerndorff, Graf zu Rietberg, Herr zu Sternberg, Kayserlicher würcklicher geheimer Rath, Cämmerer, Grande von Spanien von der ersten Classe, Ritter des goldenen Vließes, geboren den 27. May im Jahre 1690. so den 17. Decembr. im Jahre 1732. mit Tode abgieng, erhielt im Jahre 1723. im Fürstlichen Collegio würcklich Sitz und Stimme, und vermählte sich im 1712. Jahre mit Gabriela, einer Tochter Johann Adams, Fürstens von Lichtenstein, welche ihm die Herrschafften [898] Sternberg und Ausse zubrachte, auch den 6. Octobr. im Jahre 1713. Carolum Antonium Iosephum, nach andern Carolum Iosephum Adamum Brunonem, zur Welt gebahr, dabey aber den 8. Octobr. ihr Leben beschloß, welches gleichfalls dieser ihr Sohn den 5. oder 25. Mertz im Jahre 1715. endigte. Worauf er sich den 3. Febr. im Jahre 1716. mit Maria Anna, Graf Maximilians von Thun Tochter, vermählte, selbige aber den 20. Febr. an Kinder-Blattern verlohr; da er denn zu seiner dritten Vermählung mit einer Kayserlichen Hof-Dame, Maria Anna Catharina, einer Tochter Francisci Alberti, Grafen von Oettingen-Spielberg, den 3. Aug. im Jahre 1716. geschritten, welche im Jahre 1729. den 15. April gestorben, nachdem sie ihm im Jahre 1720. den 17. April Iosephum Antonium, so im Jahre 1723. den 29. Nou. verschieden, im Jahre 1721. Mariam, im Jahre 1724. den 6. Iul. Ioannem Nepomucenum Carolum Borromaeum geboren. Die vierdte Gemahlin, Marianam, nach andern Mariam Annam, Francisci Caroli, Grafen von Kotulinski, Kayserlichen geheimen Raths, Cämmerers und Lands-Hauptmanns in Glogauischen, Tochter, legte er sich im Jahre 1729. bey, welche nach dessen Tode im April des 1733. Jahres eine Printzeßin gebahr. Imhof l. c. §. 15. von Sommersberg und Moser ll. cc. Europ. Fama Th. CCCIIL. p. 1039. Cabinet grosser Herren V. p. 534. Ranfft Genealog. Archiuar. IV. p. 267. seq. Suppl. p. 44. 49. VIII. p. 331. XXXIII. p. 247.

C.) Philippus Erasmus, Fürst von Lichtenstein zu Niclasburg, Kayserlicher Cämmerer, und General-Feld-Marschall-Lieutenant, war den 14. Sept. des 1694. Jahres geboren, und blieb den 3. Ian. im Jahre 1704. bey Castel nuovo in Italien. von Sommersberg l. c. p. 43. Imhof l. c. §. 16. Im Jahre 1695. hat er sich mit Christiana Theresia, Ferdinandi Caroli, Grafen zu Löwenstein-Wertheim, Tochter, Alberti, Herzogs zu Sachsen-Weissenfels, Witbe, vermählet, und mit ihr 3. Printzen gezeuget, Iosephum Wenceslaum Laurentium, geboren den 10. Aug. im Jahre 1696. Kayserlichen Obersten über ein Regiment Dragoner, der im Jahre 1733. General-Feld-Wacht-Meister, im 1734. Abgesandter am Preußischen Hofe und Ritter des goldenen Vließes, auch General-Feld-Marschall-Lieutenant, im 1636. würcklicher geheimer Rath und General der Reuterey worden, und im 1737. Jahre als Gesandter nach Franckreich gegangen, auch denen Feld-Zügen in Ungern und am Rheine beygewohnet, und von Maria Anna Iosepha, einer Tochter Antonii Floriani, Fürsten von Lichtenstein, und verwitbeten Gräfin von Thun, die er sich im 1718. Jahre beygeleget, ein Vater Philippi Antonii Iosephi, geboren im Jahre 1720. der den 15. April 1723 gestorben, und noch eines Sohnes worden, der im Jahre 1726. geboren; ferner Emanuelem, Kayserlichen Oberst-Lieutenant, im 1736. Jahre würcklich Kayserlichen geheimen Rath und Oberst-Hof-Meister der verwitbeten Kayserin Amalia, geboren im Jahre 1698. der mit Maria Antonia, Gräfin von Dietrichstein, die er sich zu Anfange des 1726. Jahres beygeleget, ein Sohn, welcher 1726. zu Mayland geboren, gezeuget hat; und endlich Ioannem Antonium, geboren im Jahre [899] 1699. der im Jahre 1724. den 24. Mertz als ein Maltheser-Ritter gestorben. Imhof und von Summersberg ll. cc. Ranfft Genealog. Archiuar. VIII. p. 336. Suppl. p. 429. XVI. p. 86. 185. 191. XX. p. 482. XXI. p. 531. XXII. p. 668. Diese 3. Brüder haben die Philippinische Linie angefangen, und von ihrem Vetter, Ioanne Adamo Fürsten von Lichtenstein, eine reiche Erbschafft überkommen. von Franckenberg l. c. Wilh. Com. de Wurmbrand. Coll. Geneal. Hist. 3. und in Addendis ad 3. p. 185. 211. C. Filius Isagog. Chron Lichtenstein. Genes. Streinius B. de Schvvartzenau Land-Hand-Feste im MSSCt. Rheinard. Breuiar. Hist. Lichtenst. 1595. MSSCt. Iacobus, Probst zu Closter-Neuburg, von derer löblichen Fürsten und des Landes Oesterreich altem Herkommen und Regirung, Basel 1491. Megiser Arbor. Geneal. Bucellinus Stemmatogr. Germ. d. 2. et. 3. Spieß Herrsch Europ. 1728. c. 4. p. 217. seq. Rittershusius Tab. Geneal. von Hoheneck Beschr. von Oesterreich.

Das Wapen dieses Geschlechts ist ein gevierdteter Schild mit einer unten eingepfropfften Spitze und einem Mittel-Schilde. Dieser ist oben golden, unten roth, wegen des Hauses Lichtenstein. Das erste Feld ist von schwartz und Golde achtfach quergestreifft mit einem schrägrechts gehenden grünen Rauten-Crantze. Das andere Quartier zeiget im rothen Felde einen goldenen, oder, wie andere wollen, silbernen Sparren mit einigen aufsteigenden zugespitzten Zinnen, wegen der Erbschafft des Hauses Czernahor. Das dritte ist zur rechten silbern, zur lincken roth, wegen des Herzogthums Troppau. Das vierdte zeiget im silbernen Felde einen schwartzen Adler mit einem silbernen halben Monde auf der Brust, wegen des herzogthums Schlesien. In der blauen Spitze ist ein goldenes Jäger-Horn mit gleicher Schleiffe, wegen des Herzogthums Jägerndorff. Der gesammte Schild aber wird von einem Fürsten-Hute bedecket. Wapen-B. I. p. 27. III. p. 6. Trier Einl zur Wapen-K. n. 32. p. 448. seqq. von Franckenberg l. c. p. 1723. Lucae Schles. Denckw. I. c. p. 744. Imhof l. c. §. 19.

Der Rang diese Fürstlichen Geschlechts ist nach Pfeffingern l. c. IV. 1. §. 60. nach Lobkowitz. Die Historie wegen der Reichs-Standschafft dieses Fürstlichen Hauses ist folgende. Als Carl, Maximilian und Gundacker, wie vorher gemeldet, vom Kayser in den Fürsten-Stand erhoben worden waren, verlangten sie und ihre Kinder auch Sitz und Stimme bey dem Reiche, sonderlich aber im Jahre, da die Fürsten von Dietrichstein, Piccolomini und Auersperg dasselbe erhalten hatten; kamen also bey dem Reiche ein, und beklagten sich, daß sie als ältere übergangen würden, wiederhohlten auch zugleich ihre Bitte, und behielten sich ihr Recht vor, mit beygefügter Protestation, daß die Einführung dieser drey Fürsten denenselben keinen Vorzug in Ansehung des Vorganges, Sitzes und Stimme gäbe, oder ihrem Hause nachtheilig wäre. Da nun Fürste Johann Adam wegen Vadutz und Schellenberg auf der Schwäbischen Grafen-Banck Sitz und Stimme erhielt, und auch gene auf der Fürsten-Banck gewesen wäre, schoß er dem Creisse 250000. Fl. vor, daß nöthigen falls von denen Zinsen sein Anschlag bestritten werden solte, wodurch er nicht nur im 1707. Jahre den verlangten Sitz und Stimme im Creisse [900] erhielt, sondern auch vom Creisse dem Kayser und im 1708. Jahre dem Reiche selbst, zu Sitz und Stimme auf dem Reichs-Tage empfohlen ward; auch empfahl ihn in diesem Jahre der Kayser selbst dem Reiche durch ein Commissions-Decret. Uber dieses trieb es der Fürst selbst im 1709. Jahre bey dem Reiche, konte aber damahls nichts erhalten, sondern starb darüber. Ward auch gleich sein Vetter Anton Florian im 1712. Jahre würcklich eingeführet, so geschahe es bloß seiner eigenen Verdienste wegen, und mit dem Bedinge, daß sich dieses Sitz- und Stimm-Recht nicht auf seine Erben erstrecken solte, woferne sie sich nicht zuvor mit Standesmäßigen unmittelbaren Reichs-Gütern versehen hätten. Dieses zu bewerckstelligen, erhandelte der Fürst im 1718. Jahre von seinem Vetter Vadutz und Schellenberg, und ließ es, wie in der vorhergehenden Abhandlung gedacht worden, vom Kayser unter dem Namen Lichtenstein zu einem Fürstenthume erheben, wozu ins künfftige alle unmittelbare Reichs-Güter, die dieses Geschlecht erhielte, geschlagen werden solten. Da aber vermöge des Reichs-Schlusses vom Jahre 1712. mit Fürst Anton Florians Tode die Lichtensteinische Stimme auf dem Reichs-Tage wieder aufgehöret hatte, ließ der Kayser wegen dessen Printzens Joseph Johann Adams im 1723. Jahre ein Commissions-Decret an das Reich ergehen, welches auch so gewünschte Würckung hatte, daß der Fürst vor sich, seine männliche Erben und Nachkommen Sitz und Stimme auf dem Reichs-Tage erhielt, und würcklich in den Fürsten-Rath eingeführet ward. Im Schwäbischen Creisse aber entstund ein neuer Streit, als der Fürst sein Capital wieder haben, und den Creiß wegen seines Contingents auf Vadutz und Schellenberg verweisen wolte; doch ist hierüber hernach ein Vergleich erfolget. Faber Europ. Staats-Cantzley Tom. XII. p. 823. XVI. p. 181. 189 199. XLIII. Zwantzig Theart. Praeced. I. 63. Moser Forts. Crusii Schwäb. Chron. 14. §. 3. 5. p. 635. seq. Speidel Spec. Var. obs. p. 403. Imhof l. c. V. 10. §. 10.