Zedler:Wichard, (Liborius)

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Grosses vollständiges Universal-Lexicon Aller Wissenschafften und Künste
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Wichbert (Verweisung)

Band: 55 (1748), Spalte: 1660. (Scan)

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Wichard, (Liborius) Bürgemeister zu Paderborn, wurde auf eine erbärmliche Art im Jahr 1604 hingerichtet. Denn als besagten Jahres der Bischoff zu Paderborn mit dem Grafen Johann von Ostfrießland und Rietberg, mit einer Mannschafft vor Paderborn rückte, und dieselbe unter diesen Bedingungen einbekam, die Stadt und Bürgerschafft, an ihren wohlhergebrachten Privilegien, im geringsten nicht zu kräncken; die Bischöflichen hingegen, so bald das Thor eröffnet und dieselben in der Stadt waren, in Gegenwart des Raths einen gantz andern Vergleich, welchen die Bischöfliche Parthey für sich allein aufgesetzet hatte, ablasen, den rechten hingegen unterschlugen: so alterirte sich der Burgemeister Liborius Wichard darüber so, daß er denen Gevollmächtigten ihren Aufsatz aus den Händen risse und ihn zerreissen wolte, und wie ihm deswegen Berthold Cleves eine dichte Maulschelle gab, wurde eine solcher Lermen, daß die gantze Stadt fast darüber zu Grunde gangen. Der Bürgermeister wurde gleich aus dem Raths-Stuhl geworffen, und mit einer Kette an eine Säule gebunden, nachmahls als ein Friedensstöhrer ausgeschrien, nach vieler Verspottung, elendiglich gemartert, wie man ihm denn unter andern glüende Weinhefen in die Nase goß, endlich aber gar lebendig geviertheilet und an denen Thoren aufgehangen.

Thuanus Lib. CXXXI. h. a. p. 1304. erzehlet, daß Wichart, wie er eben hat sollen abgethan werden, den Bischoff in einem nahe bey dem Richtplatz gelegene Garten erblickt und ihm also zugeruffen haben soll: „Komm her Bischoff Dietrich, trinck nunmehro genug von meinem Blute, wornach dich so lange gedürstet.“

Meteran. Lib. XXV. ad an. 1604. p. 275 und 276. Cluverius Epit. Hist. p. 758. Ludofs Schau-Bühne, Lib. IV, cap. 2. p. 123–125. Bucholtzer ad an. 1605. Pfeffingers Merckwürdigk. des 17 Jahrhunderts, p. 71 u. f.