Zwei Spätherbstrosen an meinem Bett

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Textdaten
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Autor: Ernst Scherenberg
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Titel: Zwei Spätherbstrosen an meinem Bett
Untertitel:
aus: Die Gartenlaube, Heft 45, S. 750
Herausgeber: Ernst Ziel
Auflage:
Entstehungsdatum:
Erscheinungsdatum: 1882
Verlag: Verlag von Ernst Keil
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Erscheinungsort: Leipzig
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Quelle: Scans bei Commons
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[750]
Zwei Spätherbstrosen an meinem Bett.[1]

Zwei Spätherbstrosen an meinem Bett,
Eine weiße und eine rothe –
Grüßt mich das Leben oder der Tod?
Sagt an, weß’ seid ihr Bote?

Da winkte die weiße geheimnißvoll:
„Von längst verschollenen Tagen,
Gestorbener Liebe, verlorenem Glück
Soll ich dir Grüße sagen.

Ich weiß in der Ferne manch’ einsam’ Grab,
Dort harrt man dein schon lange;
Ich kenn’ auch ein stilles Plätzchen für dich –
Laß küssen mich deine Wange!

Dann bist du befreit von des Lebens Pein,
Kannst schmerzlos träumen und schlafen.
Fernab tobt weiter Haß und Streit –
Du aber, du bist im Hafen.“

Sie schwieg; schon wollt’ ich in Todeslust
An’s Herz die Sprecherin drücken –
Da hub die rothe Rose an:
„O laß dich nimmer berücken!

Zwar kann ich dir nicht, wie die Schwester mein,
Den ewigen Frieden geben –
Ich bringe die Blüthe nicht ohne den Dorn –
Ich bin das ringende Leben.

Von rosigen Lippen künd’ ich dir Gruß,
Die ohne dich müßten erblassen;
Ich bin die Liebe und rufe dir zu:
Du darfst von Liebe nicht lassen.

Du darfst nicht feige entfliehen dem Kampf,
Ob schmerzen die klaffenden Wunden;
Zu neuem Leben, zu endlichem Sieg
Noch einmal mußt du gesunden.“

Da schrak ich empor vom Fiebertraum:
Die weiße Rose verwehte –
Die rothe küßt’ ich mit bebendem Mund
In stillem Dankesgebete.

Ernst Scherenberg.
  1. Aus Ernst Scherenberg’s soeben erschienenen „Neuen Gedichten“ (Leipzig, Ernst Keil), welche wir schon jetzt der Beachtung für den Weihnachtstisch bestens empfehlen.
    D. Red.