Zweihundert deutsche Männer in Bildnissen und Lebensbeschreibungen/Albrecht Dürer

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Textdaten
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Autor: Ludwig Bechstein
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Titel: Albrecht Dürer
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aus: Zweihundert deutsche Männer in Bildnissen und Lebensbeschreibungen, S. 83–84
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Entstehungsdatum:
Erscheinungsdatum: 1854
Verlag: Georg Wigand's Verlag
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Erscheinungsort: Leipzig
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Quelle: Google und Commons
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Albrecht Dürer - HBürkner.jpg


Albrecht Dürer.
Geb. d. 20. Mai 1471, gest. d. 6. Mai 1528.


Deutschlands gefeiertester Maler, aber nicht nur als Maler groß, sondern groß als Künstler im vollen Sinne des Wortes, ein Stolz des Vaterlandes. Dürer war der dritte Sohn eines Nürnberger Goldschmieds, der aus Ungarn stammte, und mit dem Sohn den gleichen Vornamen trug. Der Vater leitete den Knaben, der sein Liebling war, zur eignen Kunst an, ließ ihn aber dabei tüchtig und unablässig zeichnen, und Dürer würde, wenn er bei dem Gewerbe des Vaters, das damals in höchster Blüthe stand, geblieben wäre, Deutschlands Cellini geworden sein. Bis zu seinem sechzehnten Jahre blieb der junge Künstler in der Goldarbeiterwerkstätte, aber seine Neigung für die zeichnende Kunst brach so mächtig hindurch, daß der Vater ihn dem tüchtigen Maler Michael Wohlgemuth übergab, wo er rastlos lernte und den Druck der Malergesellenschaft ertrug, bis er nach drei Jahren, 1490 in die Fremde hinauspilgerte. In Colmar begrüßte er die Brüder des kurz vorher verstorbenen Martin Schongauer, besuchte darauf die Niederlande so wie Italien und kehrte nach vier Jahren in die Vaterstadt zurück, wo er Meister und mit Agnes Frey verkuppelt wurde, einer schönen Jungfrau mit dem Gemüth einer Xantippe. Dürer entfaltete einen staunenswerthen Fleiß; sein Weib soll auf diese fast unglaubliche Thätigkeit mehr Einfluß geübt haben, als dem Lebensglück des hochbegabten Mannes förderlich war, wenn auch bei weitem nicht alle Gemälde, nicht alle Kupferstiche, Holzschnitte und plastische Arbeiten, die man ihm zuschreibt, wirklich von seiner Hand gefertigt wurden. Das erwiesen ihm eigne bietet eine solche Ueberfülle, daß seinem Künstlerfleiße kaum ein anderer an die Seite gesetzt werden kann. Auch nach seiner Verheirathung machte Dürer noch einige Reisen, war 1506 in Venedig, 1520 und 1521 schon allgefeiert, in Begleitung von Frau und Magd in den Niederlanden, außerdem aber war er fast stets daheim, und in Folge seines edlen, vortrefflichen Charakters und der liebenswürdigsten Persönlichkeit der hervorragendste seiner Zeitgenossen und auch außerhalb Nürnbergs Vielen werth und befreundet. In der Vaterstadt war es vor allen Willibald Pirkheimer, mit dem er [Ξ] in herzlichem Einverständniß lebte, in Italien schätzten Rafael Sanzio von Urbino und Benvenuto Cellini den deutschen Meister hoch. Ersterer tauschte Bildnisse mit Dürer und sprach es unverholen aus, daß Dürer ihn und alle italischen Künstler übertreffen würde, wenn er die hohen Muster der antiken Kunst vor sich hätte. Aber Dürer verschmähte dieselben. Was Dürer in den verschiednen Zweigen seiner in jeder Beziehung trefflichen Kunstübung leistete, ist schier unübersehbar, und hat allseits die anerkennendste Würdigung sowohl seiner eignen Zeitgenossen, als der kritischen Nachwelt gefunden. Er ist durchaus eigenthümlich, nicht so ideal wie Rafael, nicht so steif und streng, wie die Meister der Cölner Malerschule; das erhabene gelang ihm wie das phantastische, Ernst und Anmuth wußte er zu mischen; selbst in den Gewändern und im Faltenwürfe, wo noch am häufigsten Wohlgemuths Einfluß hervorleuchtet, tritt oft eine von andern nie erreichte Großartigkeit und Mannichfaltigkeit hervor. – Oelgemälde von Dürer bewahren fast alle deutschen, niederländischen, wie mehrere französische und italienische Gallerten auf, der Aechtheit der letztern ist indeß nicht viel zu trauen. Selbst Madrid hat eine herrliche Kreuzabnahme und mehrere andere treffliche Stücke. Nürnberg (einschl. der ehemaligen Schleisheimer Gallerte), München und Wien mit der jetzt dort befindlichen Ambraser Sammlung sind in Deutschland am reichsten an ächten Dürergemälden. Plastische Arbeiten, die den Stempel seiner hohen Originalität und Meisterschaft unverkennbar tragen, zeigt man in den Kabinetten von Braunschweig, Gotha, London, München, Stuttgart, Wien. Selbst Medaillen hat Dürer gefertigt, man hat deren einige, die sein Zeichen tragen, mit dem Brustbilde Doctor Luther’s, 1525 und 1526; Michel Wohlgemuth’s 1508, mit seinem eignen, wenn es nicht den Vater darstellen soll, 1514; einen herrlichen weiblichen Kopf, welcher für den seiner Agnes gehalten wird, von 1508. Als Kupferstecher wurde Dürer Meister und Vorbild für alle Nachkommen, indem er alle bedeutenden Stecher vor ihm überflügelte; es ist ganz zuverlässig anzunehmen, daß er frühzeitig die Goldschmiedskunst des Niellirens lernte und übte, wohin das berühmte kleine Crucifix, der sogenannte Degenknopf Maximilian’s I. unverkennbar deutet. Ueber hundert, zahlreich copierte und oft täuschend copierte Stiche hat Dürer hinterlassen. Zu den größten und bedeutendsten gestochnen Blättern Dürer’s gehören Ritter, Tod und Teufel, St. Hieronymus in der Zelle, St. Eustachius, die Melancholie, auch die Portraits des Cardinal Albrecht v. Mainz, Friedr. d. Weise, Kurfürst zu Sachsen, Erasmus, Melanchthon, Birkheimer. Ebenso vorleuchtend, wie als Kupferstecher, war Dürer als Meister des Holzschnitts; nicht daß er jedes Blatt, welches sein Zeichen trägt, vollständig und fertig in Holz ausgegraben habe; daß er aber die technische Kunst des Holzschnitte verstand und übte, wie kaum ein zweiter vor und nach ihm, etwa Holbein ausgenommen, ist außer allem Zweifel. Die Holzschnitte allein wären hinreichend, Dürer den Ruhm eines in dieser Kunst kaum unübertreffbaren Meisters zu sichern; hielt doch der große Marc Anton es für werth, einen Theil derselben zu copiren, der Copien von Dürer’s zahlreichen Schülern nicht zu gedenken. Außer ungemein zahlreichen Einzelblättern der Heiligen- und Profangeschichte, der Allegorie, Brustbilder, Wappen u. s. w. schuf er die großen aus vielen Blättern bestehenden Werke der Apokalypse, Leben der Maria, große und kleine Passion, Maximilian’s I. Ehrenpforte (92 Holzstöcke), der Triumphwagen desselben, die seltnen Irrgänge; endlich die mit Holzschnitten versehenen eignen Werke Dürer’s von der Proportion des menschlichen Leibes und von der Befestigung der Städte. Und nach alle diesen schmücken noch eine große Anzahl der trefflichen Handzeichnungen des großen Meisters die Sammlungen. Ein so reich begabtes schöpferisches Leben – und nicht glücklich! Mit 57 Jahren der Kunstwelt, dem verehrenden Schüler- und Freundeskreis entrissen, ruht Dürer auf dem St. Johanniskirchhof seiner Vaterstadt, ihr größter, berühmtester Sohn. Vor seinem Hause steht seine Bildsäule in Erz.