Zweihundert deutsche Männer in Bildnissen und Lebensbeschreibungen/Ferdinand I., deutscher Kaiser

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Textdaten
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Autor: Ludwig Bechstein
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Titel: Ferdinand I., deutscher Kaiser
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aus: Zweihundert deutsche Männer in Bildnissen und Lebensbeschreibungen, S. 97–98
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Entstehungsdatum:
Erscheinungsdatum: 1854
Verlag: Georg Wigand's Verlag
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Erscheinungsort: Leipzig
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Quelle: Google und Commons
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Eintrag in der GND: 118532502
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Ferdinand I. von Österreich (HRR).jpg


Ferdinand I., deutscher Kaiser.
Geb. d. 10. März 1503, gest. d. 25. Juli 1564.


Dieser Beherrscher des deutschen Reiches war als solcher tüchtig, klug, durchgreifend, auch als Mensch gerühmt, aber nicht freisinnig und duldsam genug, und verdunkelte durch diese Mängel seinen Nachruhm.

Ferdinand wurde als Enkel Kaiser Maximilian’s I. geboren; der Vater war König Philipp von Spanien, die Mutter Juana, König Ferdinand des katholischen Tochter; über seinen Geburtsort schwanken die Nachrichten, manche nennen Modena, andere Alcala de Henares. Seine Jugend verlebte der Prinz, der den Vater schon im dritten Jahre verlor, in Spanien. Sein älterer Bruder Carl stieg empor zur Sonnenhöhe eines Herrschers über viele Reiche, und zog den jüngeren sich nach. Nach Carl’s Krönung zum König von Spanien kam Ferdinand nach den Niederlanden und nach Deutschland, und theilte mit Carl die beiderseitigen österreichischen Erblande im Jahre 1521. Auf Ferdinand’s Antheil kamen Oesterreich ob und unter der Ens, Steiermark, Krain und Kärnthen; er nahm den Titel eines Erzherzogs an und schloß eine Verbindung mit der Königstochter von Ungarn und Böhmen, Anna, wodurch ihm Aussicht auf die Kronen dieser Länder wurde. Carl V., jetzt römisch-deutscher Kaiser, verzichtete 1525 zu Ferdinand’s Gunsten auf die österreichischen Erblande, und 1527 wurde Ferdinand König von Böhmen, wodurch er auch die Herrschaft über Mähren, Schlesien und die Lausitz gewann. Schwerer ward es dem neuen Könige, berechtigte und verbriefte Ansprüche auf Ungarns Krone nun geltend zu machen; es fand sich ein Gegner in der Person des Woywoden von Siebenbürgen, Johannes Zapolya, Grafen von Zips, der gegen Ferdinand sich aufwarf, zwar geschlagen ward und die 1527 erfolgende Krönung Ferdinand’s zum König von Böhmen nicht verhindern konnte, dafür aber Bündniß mit dem Sultan schloß und ein 300,000 Mann starkes Türkenheer bis in das Herz Oesterreichs, bis vor Wien führte. Aber trotz 20 harten Stürmen blieb Wien unerobert, und das Türkenheer sah sich zur Heimkehr gezwungen. Diese Kämpfe dauerten 5 Jahre, und endlich mußte dennoch mit dem Grafen von Zips ein diesem günstiger Friede abgeschlossen werden. An diese Ereignisse reihte sich [Ξ] eine ganze Kette fernerer Kämpfe, die sich auch bis zum Ende der Herrschaft Ferdinand’s hinzog.

Im Jahre 1531 wurde Ferdinand römischer König, und sah sich veranlaßt, gegen seine Böhmen das Schwert zu ziehen, denen er die päpstliche Bewilligung des Kelches beim Abendmahl erwirkt, die sich aber weigerten, gegen den schmalkald’schen Bund zu Felde zu ziehen. Ferdinand selbst folgte später dem Bruder in dem Zuge, der mit der Schlacht bei Mühlberg und der Gefangennehmung beider Häupter des Bundes endete. Prag wurde empfindlich bestraft und seiner alten Freiheiten beraubt, die es schwer und nur allmählich wieder erlangte.

Ueber Ferdinand’s Gesinnungen gegen die Protestanten ist keine volle Klarheit in der Geschichte; sie schwankten je nach Zeit und Umständen. Er war ihnen hülfreich und verfolgte sie, wie es kam; in jüngeren Jahren offenbarte er Strenge und neigte sich später zur Milde; ihm dankte die protestantische Kirche 1552 durch den Passauer Vertrag und 1555 durch den Religionsfrieden endlich einen gesetzlichen und festen Halt im deutschen Reiche; Böhmen aber belästigte er im Jahre 1552 mit Einführung der Jesuiten, und in den eigenen Erblanden wurden die zahlreichen protestantischen Gemeinden, die sich bereits in Böhmen, in Ungarn, wie in Oesterreich, Tyrol, Steiermark u. s. w. gebildet, Verfolgungen und Unterdrückungen ausgesetzt, die kein Ende gewannen. Oeffentliche Uebung des protestantischen Gottesdienstes wurde streng untersagt, und die evangelisch-lutherische Kirche blieb in den Staaten des Kaisers eine ecclesia pressa.

Der 14. März 1558 gab Ferdinand die deutsche Kaiserkrone, nachdem sein Bruder Carl sie freiwillig niedergelegt hatte; die protestantischen Reichsstände waren nicht gegen ihn, wohl aber der Papst Paul IV., indeß war durch die Reformation das Ansehen des Papstes in ganz Deutschland so erschüttert, daß es ganz auf sich als auf einer gleichgültigen Sache beruhte, ob der Papst den Kaiser salben und krönen wollte, oder nicht.

Schwerer als die eigene Krönung zum Kaiser hielt es Ferdinand I., seinen ältesten Sohn, den nachmaligen Kaiser Maximilian II. zur römischen Königskrone zu verhelfen, denn obschon Ferdinand versucht hatte, theils durch das zu Worms 1557 veranstaltete Religionsgespräch, theils durch den Reichstag zu Augsburg, 1559 die getrennten Glaubensparteien zu einigen, wo er auch den Religionsfrieden neu bestätigte und eine neue Reichshofrathsordnung erließ, auch das Münzwesen verbesserte – so stieß er doch die evangelische Partei dadurch von sich ab, daß er auf Annahme des tridentiner Concils ihrerseits drang, welche durchaus verweigert wurde. Gleichwohl gab der Kaiser sich Mühe, vom Papst Pius IV. für die Bewohner seiner Lande die Genehmigung zu erhalten, das Abendmahl in doppelter Gestalt empfangen zu dürfen, was ihm auch gelang, aber die von Ferdinand I. ebenfalls erbetene Aufhebung des Cölibats und Wiedereinführung der Priesterehe konnte er um keinen Preis erwirken.

Durch Ferdinand I. wurde der Stamm des Hauses Oesterreich fortgepflanzt; er hatte vier Söhne, deren einen, und zwar den dritten Namens Johann, er überlebte, und 11 Töchter. Der älteste Sohn Maximilian II. folgte dem Vater nach und nach in allen Würden; mit Freuden sah Ferdinand I. ihn noch zum römischen König krönen, und starb im keineswegs hohen Alter und mit keineswegs hohem Ruhme, da er seine schönen und glänzenden Eigenschaften durch unschöne und nicht glänzende stets zu verdunkeln bemüht gewesen war.