Zweihundert deutsche Männer in Bildnissen und Lebensbeschreibungen/Franz Schubert

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Textdaten
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Autor: Ludwig Bechstein
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Titel: Franz Schubert
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aus: Zweihundert deutsche Männer in Bildnissen und Lebensbeschreibungen, S. 333–334
Herausgeber:
Auflage:
Entstehungsdatum:
Erscheinungsdatum: 1854
Verlag: Georg Wigand's Verlag
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Erscheinungsort: Leipzig
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Quelle: Google und Commons
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Zweihundert deutsche Männer in Bildnissen und Lebensbeschreibungen-333.jpg


Franz Schubert.
Geb. d. 31. Jan. 1797, gest. d. 19. Nov. 1828.


In einer Vorstadt Wiens in dürftigen Verhältnissen geboren, erhielt Franz Schubert eine durch nichts das Gewöhnliche überschreitende Bildung. Seine schöne Stimme verschaffte ihm die Aufnahme unter die Hofkapellknaben (1808), wodurch zugleich für seine musikalische Ausbildung im kaiserlichen Convict gesorgt war, in dem er mit außerordentlicher Schnelligkeit überraschende Fortschritte machte. Nachdem er dasselbe verlassen hatte, lebte er Anfangs im älterlichen Hause, dann für sich ganz der Musik, indem er sich durch Unterricht und das knappe Honorar für seine Compositionen den nothdürftigsten Unterhalt zu verschaffen suchte. Zu einer gesicherten selbständigen Existenz hat er es nie gebracht; sich geltend zu machen, war so wenig in seiner Natur, als von seinen künstlerischen Bedürfnissen irgend etwas socialen oder bürgerlichen Verhältnissen aufzuopfern. Diese beschränkte Lage aber, wie der Mangel an glänzenden äußeren Erfolgen vermochten seine Lust an unausgesetztem künstlerischem Schaffen so wenig als seinen Lebensmuth auf die Dauer zu schwächen. Den größten Theil des Tages war er mit Componiren beschäftigt, den Abend pflegte er in heiterem Gespräch beim Wein in einem befreundeten Kreise von Künstlern zuzubringen, die an ihm mit gleicher Verehrung und Liebe hingen, und ihn, wie wenig er auch hervorzutreten pflegte, als die Perle ihres Kreises ansahen. Aus diesem stillen Leben raffte ein früher Tod ihn unerwartet fort.

Die Menge seiner Compositionen ist bei einem so kurzen Leben schon an sich staunenswerth. Alle Gattungen, für die Kirche, das Theater, Instrumental- und Gesangmusik sind aufs reichste vertreten. Der geringste Theil davon ist gedruckt, und auch jetzt sind es außer einer Symphonie – einer von den sehr wenigen, die als wahre Sprößlinge der Beethoven’schen gelten können – einigen Compositionen aus dem Gebiet der Kammermusik nur seine Lieder, welche das Publicum kennt und liebt. Die Fülle und Schönheit derselben ist auch so außerordentlich, daß sie allein hinreichen, seinen Namen unsterblich zu machen. Was die Kraft schöpferischer Erfindung anlangt, so steht Schubert keinem Komponisten nach, und unter allen sind wenige, die sich mit ihm messen können. Und zwar ist es nicht [Ξ] allein die Leichtigkeit der Erfindung, der Reichthum an Melodiken, die Frische, der Glanz und Wohllaut derselben, was ihn auszeichnet, sondern es ist die Tiefe der Empfindung, die Kraft der Leidenschaft, die Wahrheit des Ausdrucks, die Ursprünglichkeit der Erfindung, die hinreißende Schönheit in ihrer reichsten Mannigfaltigkeit, was ihn zu einem wahren und großen Dichter in Tönen macht. Unter mehreren hundert Liedern ist wohl keins, das nicht wenigstens ein genialer Zug auszeichnete, die meisten sind vortrefflich, sehr viele von vollendeter Meisterschaft. Vermißt man an Schubert mitunter, was ihm die Jahre gebracht haben würden, Strenge in der Beschränkung und Mäßigung, so entzückt dafür die gesunde Kraft frischer Jugendblüthe.