Zweihundert deutsche Männer in Bildnissen und Lebensbeschreibungen/Johann Peter Uz

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Textdaten
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Autor: Ludwig Bechstein
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Titel: Johann Peter Uz
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aus: Zweihundert deutsche Männer in Bildnissen und Lebensbeschreibungen, S. 377–378
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Entstehungsdatum:
Erscheinungsdatum: 1854
Verlag: Georg Wigand's Verlag
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Erscheinungsort: Leipzig
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Quelle: Google und Commons
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Johann Peter Uz.
Geb. d. 3. Oct. 1720, gest. d. 12. Mai 1796.


Ausgezeichnet und hervorragend aus dem Dichterkreise einer in sich abgeschlossenen Literaturepoche, auf die er mit Gleim, Götz, Hagedorn, Rabener, Rammler und andern verklärende Strahlen warf, und namentlich mit den beiden ersteren im innigsten Freundschaftsbunde verknüpft und verwachsen, verdient Uz, Deutschlands heiterer und lebensfroher Anakreon, eine würdige Stelle im Tempel des Nachruhms.

Uz ging aus schlichtem Bürgerstande, der aber der Kunst befreundet nahe stand, hervor; sein Geburtsort war Ansbach, der Vater war Goldarbeiter, mehrere Verwandte waren Maler, auch ein Bruder des jungen Uz erlernte die Malerei, und er selbst blieb nicht ohne Neigung zu dieser Kunst, doch trat später die Vorliebe für Poesie noch lebendiger in ihm hervor. Nach dem Besuche des Gymnasiums der Vaterstadt bezog Uz die Universität Halle, um Philosophie und Rechtswissenschaft zu studiren. Hier war es, wo er den Lebens- und Bruderbund mit Gleim, der mit ihm gleichzeitig dort studirte, und mit Götz schloß, und vereint huldigten diese drei mit noch einigen erlesenen Freunden den Musen, beschäftigten sich mit alten und neueren Dichtern und versenkten sich innig in die Zaubersphäre der Poesie.

Im Jahr 1746 erschien von Uz die Übersetzung Anakreons, die beste ihrer Zeit, an welcher Götz hauptsächlichsten Antheil hatte; Horazische Gefühls- und Ausdrucksweise gab allen Dichtungen von Uz Schwung und Weihe.

Uz war nach schmerzlicher Trennung von seinem Gleim, der in Berlin eine Stellung fand, und nach vollendeten akademischen Studien wieder nach der Heimath gekommen, wo er von 1748 an lange und überlange am Teiche Bethesda der Anwartschaft einer festen Anstellung lag, und zwölf Jahre ohne Gehalt als Markgräflich Brandenburg-Ansbachischer Justizamtssecretair in bewunderungswürdiger Genügsamkeit ausharrte, und dabei dennoch fröhlich dichtete. Lied und Liebe, Wein und Freude waren die Götter, die seine Lyra stimmten, und der Beifall der Kenner sein Lohn. Gleim gab 1749 lyrische Gedichte von Uz heraus, später erschien »der Sieg des Liebesgottes« und die didaktisch gehaltene »Kunst, stets fröhlich zu sein.«

[Ξ] Aus dem ziemlich einförmigen Leben zu Ansbach und vom dortigen Aktentisch hinweg führte sein Stern den Dichter in eine schöne poesievolle Episode, und zwar in die jetzt ganz S. Meiningensche Stadt Römhild. Um diese lagen über beiderseitige Rechtsansprüche die beiderseitigen Herren, der Herzog Anton Ulrich zu S. Meiningen und Herzog Franz Josias zu S. Coburg-Saalfeld vor dem Reichshofrathsgericht zu Wien im Proceß, welche Gerichtsstelle wegen Nichtbefolgung ergangener Mandate Seiten Herzog Anton Ulrich’s eine Executionscommission nach Römhild legte, zu der von Seiten des beauftragten Mit-Executors, des Markgrafen von Brandenburg Ansbach, Hofrath Strebel als Subdelegirter mit Uz, letzterer als Commissionssecretair, befehligt wurde. Die fruchtbare und freundliche Gegend um Römhild, die bewaldeten Basaltriesen der beiden Gleichberge, die unter ihnen gelegene Trümmerstätte des alten Hennebergischen Grafenschlosses Hartenburg, dann der Umgang mit schnell liebgewonnenen neuen Freunden, darunter Hofrath Grötzner der bedeutendste war – vereinten sich, dem Dichter angenehmen Aufenthalt in Römhild zu bereiten. Auch zartere Saiten seines Herzens blieben neben denen seiner Frohmuth tönenden Lyra dort nicht unberührt, und er schied nicht ohne Wehmuth von dem freundlichen Ort, in welchem er auch seinen »Sieg des Liebesgottes« dichtete, der voll geiselnder Satyre ist und nicht ohne rächende Angriffe mancher darin lächerlich gemachten Schriftsteller blieb. Dasselbe Schicksal theilten mehrere seiner lyrischen Gedichte, wie aus seinen »poetischen Briefen« hervorgeht. Es wurde auch damals schon ein sehr rauher und unduldsamer Ton angeschlagen, der, nur in anderer Weise, in neuerer Zeit oft genug wiederhallend vernommen wurde: der Lyriker sollte die Liebe nicht mehr singen; man sprach den Sängern der Liebe das Gefühl für Gott und Tugend mit derselben hohen Unfehlbarkeit ab, mit denen man ihnen im vierten und fünften Jahrzehnt des laufenden Jahrhunderts das Vaterlandsgefühl absprach; es wird aber Gänger der Liebe mit Gefühl für Gott, Tugend und Vaterland dennoch geben, so lange auf Erden Menschenherzen schlagen und Lenze blühen. Auf derartige Angriffe antwortete Uz in seinen »Briefen« ruhig und gemäßigt, und blieb der er war, der Grazien und Camönen liebenswürdiger Liebling; ja er widerlegte durch seine erhabene »Theodicee« am geeignetsten den Vorwurf irreligiöser Denkart.

Erst das Jahr 1763 brächte dem Dichter eine gesicherte Stellung als kaiserl. Landgerichtsassessor zu Ansbach und gemeinschaftlicher Rath der Markgrafen von Brandenburg Ansbach und Brandenb. Kulmbach, und die sich häufenden amtlichen Geschäfte entfremdeten ihn den Musen eigentlich zu früh; doch trat er noch als geistlicher Liederdichter auf, und besorgte mit Schloßprediger Jungkheim in Schwaningen das neue Ansbachische Gesangbuch. Klopstock selbst hatte Uz zu geistlicher Liederdichtung aufgefordert, und Uz war vielleicht im selbstständigen Liede glücklicher als in der Abänderung alter Kernlieder, an der schon manches gute Talent scheiterte und die stets mißlich bleibt.

Im Jahr 1790 wurde Uz Landgerichtsdirektor, Chef des Consistoriums und Scholarch des Gymnasiums zu Ansbach; er verwaltete seine Aemter mit Sorgsamkeit und Treue, und endete sein thätiges, aber geräuschloses Leben in Folge eines Schlaganfalles an demselben Tage, der ihm das Decret als königl. preußischer Geheimer Justizrath und Landrichter zu Ansbach gebracht hatte. Im Schloßgarten steht sein Denkmal, eine kolossale Marmorbüste mit der bezeichnenden Inschrift: dem Weisen, dem Dichter, dem Menschenfreund.