Zweihundert deutsche Männer in Bildnissen und Lebensbeschreibungen/Lazarus Spengler

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Textdaten
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Autor: Ludwig Bechstein
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Titel: Lazarus Spengler
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aus: Zweihundert deutsche Männer in Bildnissen und Lebensbeschreibungen, S. 357–358
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Entstehungsdatum:
Erscheinungsdatum: 1854
Verlag: Georg Wigand's Verlag
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Erscheinungsort: Leipzig
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Quelle: Google und Commons
Kurzbeschreibung:
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Lazarus spengler.jpg


Lazarus Spengler.
Geb. d. 13. März 1479, gest. d. 7. Sept. 1534.


Seiner bürgerlichen Stellung nach nur ein einfacher Rathsschreiber der freien Reichsstadt Nürnberg, aber ein Mann von hohem Geist, würdig der Neigung und Freundschaft, mit der die ausgezeichnetsten und hervorragendsten seiner deutschen Zeitgenossen ihn beehrten.

Spengler war Abkömmling eines alten in Franken blühenden Geschlechts und wurde zu Nürnberg geboren. Der Vater schon war Schreiber des Rathes, ein Mann, dessen Ehe mit nicht weniger als 21 Kindern beglückt wurde, von denen Lazarus das neunte war. Nach vollendeten Schuljahren bezog der junge Spengler im 16. Jahre die Hochschule Leipzig, wo er sich dem Rechtsstudium widmete, ging von da, ohne großes und bedeutendes erlebt zu haben, wieder in die Heimath zurück, wurde Rathskanzlist und im Jahre 1507 Rathsschreiber, nachdem er sich bereits 1501 verheirathet hatte. In bescheidener Stellung thätig, lag ihm wohl mit ob, das Amt eines Syndicus zu verwalten) wie man ihn bisweilen genannt findet. Er wurde 1516 unter die »Genannten« des größeren Rathes gewählt.

Als Luther in Wittenberg die Läuterung der Kirche begann, war Lazarus Spengler in Nürnberg der erste Mann, welcher vom Strahl des neuen evangelischen Lichtes berührt wurde, und schon 1519 verfaßte er anonym eine »Schutzrede« zu Gunsten der Lehre Luther’s, welche sich in 4 Auflagen rasch vergriff, und bei der fünften Auflage nannte sich Spengler als Autor. Es konnte nicht fehlen, daß nun die Verfolgung gegen ihn losbrach. Der Eiferer Eck beehrte Spengler damit, dessen Namen der Reihe derjenigen hinzuzufügen, welche mit dem Banne des Papstes ausgezeichnet wurden, darunter auch der Name Wilibald Pirkheimer’s war, und forderte den Rath zu Nürnberg auf, die Bulle zu vollziehen, allein der Rath gab dieser Aufforderung in keiner Weise Gehör, sandte vielmehr Spengler als Abgeordneten der Stadt zum Reichstage nach Worms, wo er sich mit Luther persönlich befreundete, und dann ausführlichen Bericht über den Reichstag erstattete. Später war Spengler bei der neuen Einrichtung des St. Aegidien-Gymnasiums thätig, und wurde vom Rathe zu einer Reise nach Wittenberg beordert, um in dieser Angelegenheit mit Melanchthon sich zu berathen, [Ξ] und so kam es, daß der einsichtvolle und wacker wirkende Mann mehr und mehr in die reformatorische Bewegung trat und in ihr achtunggebietenden Einfluß gewann. Daher geschah es, daß er auch zu dem Religionsgespräch zu Schwabach 1528 in Gesellschaft der Pfarrer zu St. Sebald, und St. Lorenz, Dominicus Schleupner und Andreas Ostander, wie des Rathsherrn Martin Tucher abgeordnet wurde, ja daß auch sein Bedenken und Gutachten zur Abfassung des Augsburgischen Bekenntnisses erbeten ward. In dieser hochwichtigen Angelegenheit schrieb Spengler, der weniger wie Melanchthon zur Nachgiebigkeit geneigt war, um Rath fragend an Luther, und empfing von diesem befriedigende Antwort. In seinem Bedenken äußerte Spengler sich sehr freimüthig gegen allzugroße Nachgiebigkeit in Beibehaltung der Privat-Messe und anderer Mißbräuche, nahm aber dennoch redlich Melanchthon in Schutz.

Hochgeachtet war Spengler Name und Charakter, wie viele gleichzeitige Zeugnisse beglaubigen. Im Rathe war er ein nützlichthätiges Mitglied; vielen that er wohl durch Verwendung und Fürbitte, keinem übel. Kaiser Maximilian I. schätzte ihn sehr, und wünschte ihn zum Reichssecretair zu erheben, welchem Amte die Würde des Reichskanzler nicht fern lag; aber de Rathes Wunsch und die eigene Neigung hielten Spengler in Nürnberg fest. Die Brüder Markgrafen zu Brandenburg, Georg und Albrecht, der erste Herzog in Preußen, liebten Spengler, nicht minder Friedrich der Weise, Kurfürst zu Sachsen; befreundet war er mit Luther, Melanchthon, Camerarius, Jonas, Bugenhagen, Andreas Ostander, Veit Dietrich, Ebner, Dürer, Pirkheimer, Georg Drück, Eoban Heß, und vielen andern hervorragenden Zeitgenossen; der letztere und nicht minder Scheuerl, Althamer und Theophrastus Paracelsus eigneten ihm Bücher zu. Selbst Luther widmete ihm, dem wackern Einrichter einer Schule, seine Predigt: »Daß man Kinder zur Schulen halten solle. Wittenberg 1350.« und einiges andere, gab auch Spengler’s Glaubensbekenntniß nach dessen Tode heraus, schenkte überdieß »seinem Lasarus«, wie er ihn beständig nannte, mit eigenhändig eingeschriebener Widmung die noch auf der Nürnberger Stadtbibliothek aufbewahrte vollständige ausgemalte Bibelübersetzung, worin er ihn »seinen günstigen Herrn und Bruder« nannte. Auch geistlicher Liederdichter war Lazarus Spengler. Luther nahm sein Lied: »Durch Adam’s Fall ist ganz verderbt«, in sein erstes, 1525 erschienenes Gesangbüchlein auf, von vielen wurde dasselbe später aus Unkunde Luther selbst zugeschrieben. Außerdem verfaßte Spengler noch manche jetzt sehr selten gewordene Schrift, übersetzte auch das Leben des heiligen Hieronymus, welche Dürer mit einem Holzschnitt schmückte: Hieronymus in der Grotte. Wichtig erscheint unter allen diesen hauptsächlich Spengler Schrift vom Wormser Reichstag.

In den Jahren 1531 und 1532 bestand er schwere Krankheiten, und im December 1533 machte er sein Testament. Dennoch blieb ihm noch Frist gegeben bis zum September 1534. Er starb an der Steinkrankheit, die auch Luther’s Peinigerin war, vielfach beklagt und betrauert. Es wurde auch eine Denkmünze mit seinem Bildniß auf ihn geprägt, welche aber sein Geburtsjahr falsch, 1476 statt 1475, angiebt.

In neuerer Zeit ist ein Schieferrelief, angeblich von Hans Dürer, nach andern Hans Döringer gedeutet, zur Kunde der deutschen Alterthumsfreunde gekommen, das einen Zweikampf des Lazarus Spengler mit Albrecht Dürer darstellen soll, und in welchem der letztere dem ersteren obsiegt. Das Bild an sich ist nicht ohne künstlerischen Werth, trägt die Jahrzahl M.D.XX. und auf einem Schrifttäfelchen das Monogramm de Bildhauers, unter einem breitgezogenen H. ein kleines D. Beide Schwertkämpfer sind barhäuptig, aber sonst voll geharnischt. Der besiegte liegt am Boden. Der Kampf findet in einem Lager mit schönen Zelten statt, und man erblickt Männer und Frauen um die Kämpfenden in anmuthiger Gruppirung. In wie weit die Angabe der Deutung dieses Reliefs auf Wahrheit fuße, da die Geschichte Spengler’s wie jene Dürer’s nur von beiderseitiger Freundschaft, nichts aber von einem so ernsten Zweikampf weiß, muß noch näher ermittelt werden.