An die Freude (Schiller)
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I.
An die Freude.
- [1] Freude, schöner Götterfunken,
- Tochter aus Elisium,
- Wir betreten feuertrunken
- Himmlische, dein Heiligthum.
- Deine Zauber binden wieder,
- was der Mode Schwerd getheilt;
- Bettler werden Fürstenbrüder,
- wo dein sanfter Flügel weilt.
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- Chor
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- Seid umschlungen, Millionen!
- Diesen Kuß der ganzen Welt!
- Brüder - über'm Sternenzelt
- muß ein lieber Vater wohnen.
- [2] Wem der große Wurf gelungen,
- eines Freundes Freund zu seyn;
- wer ein holdes Weib errungen,
- mische seinen Jubel ein!
- Ja - wer auch nur eine Seele
- sein nennt auf dem Erdenrund!
- Und wer's nie gekonnt, der stehle
- weinend sich aus diesem Bund!
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- Chor
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- Was den großen Ring bewohnet,
- huldige der Simpathie!
- Zu den Sternen leitet sie,
- Wo der Unbekannte tronet.
- Freude trinken alle Wesen
- an den Brüsten der Natur,
- Alle Guten, alle Bösen
- folgen ihrer Rosenspur.
- Küße gab sie uns und Reben
- einen Freund, geprüft im Tod.
- Wollust ward dem Wurm gegeben,
- und der Cherub steht vor Gott.
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- Chor
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- Ihr stürzt nieder, Millionen?
- Ahndest du den Schöpfer, Welt?
- Such ihn überm Sternenzelt,
- über Sternen muß er wohnen.
- [3] Freude heißt die starke Feder
- in der ewigen Natur.
- Freude, Freude treibt die Räder
- in der großen Weltenuhr.
- Blumen lockt sie aus den Keimen,
- Sonnen aus dem Firmament,
- Sphären rollt sie in den Räumen,
- die des Sehers Rohr nicht kennt.
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- Chor
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- Froh, wie seine Sonnen fliegen,
- durch des Himmels prächtgen Plan,
- laufet, Brüder, eure Bahn,
- freudig wie ein Held zum Siegen.
- Aus der Wahrheit Feuerspiegel
- lächelt sie den Forscher an.
- Zu der Tugend steilem Hügel
- leitet sie des Dulders Bahn.
- Auf des Glaubens Sonnenberge
- sieht man ihre Fahnen wehn,
- Durch den Riß gesprengter Särge
- sie im Chor der Engel stehn.
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- Chor
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- Duldet mutig, Millionen!
- Duldet für die beßre Welt!
- Droben überm Sternenzelt
- wird ein großer Gott belohnen.
- [4] Göttern kann man nicht vergelten,
- schön ists, ihnen gleich zu sein.
- Gram und Armut soll sich melden,
- mit den Frohen sich erfreun.
- Groll und Rache sei vergessen,
- unserm Todfeind sei verziehn,
- Keine Thräne soll ihn pressen,
- keine Reue nage ihn.
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- Chor
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- Unser Schuldbuch sei vernichtet!
- ausgesöhnt die ganze Welt!
- Brüder- überm Sternenzelt
- richtet Gott, wie wir gerichtet.
- Freude sprudelt in Pokalen,
- in der Traube goldnem Blut
- trinken Sanftmut Kannibalen,
- Die Verzweiflung Heldenmut --
- Brüder, fliegt von euren Sitzen,
- wenn der volle Römer kraißt,
- Laßt den Schaum zum Himmel sprützen:
- Dieses Glas dem guten Geist.
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- Chor
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- Den der Sterne Wirbel loben,
- den des Seraphs Hymne preist,
- Dieses Glas dem guten Geist
- überm Sternenzelt dort oben!
- [5] Festen Mut in schwerem Leiden,
- Hülfe, wo die Unschuld weint,
- Ewigkeit geschwornen Eiden,
- Wahrheit gegen Freund und Feind,
- Männerstolz vor Königstronen
- Brüder, gält es Gut und Blut, -
- Dem Verdienste seine Kronen,
- Untergang der Lügenbrut!
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- Chor
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- Schließt den heilgen Zirkel dichter,
- schwört bei diesem goldnen Wein:
- Dem Gelübde treu zu sein,
- schwört es bei dem Sternenrichter!
- Rettung von Tirannenketten,
- Großmut auch dem Bösewicht,
- Hoffnung auf den Sterbebetten,
- Gnade auf dem Hochgericht!
- Auch die Toden sollen leben!
- Brüder trinkt und stimmet ein,
- Allen Sündern soll vergeben,
- und die Hölle nicht mehr seyn.
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- Chor
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- Eine heitre Abschiedsstunde!
- süßen Schlaf im Leichentuch!
- Brüder - einen sanften Spruch
- Aus des Todtenrichters Munde!
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