Seite:Relativitaetsprinzip (Lorentz).djvu/19

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von \frac{v}{c} ergibt. Solche sehr schnell fortfliegende Elektronen hat man in den \beta\,-Strahlen, die von radioaktiven Stoffen ausgesandt werden, und in den Kathodenstrahlen. Aus der Bahn dieser Strahlen unter der gleichzeitigen Wirkung eines elektrischen und eines magnetischen Feldes können Schlüsse bezüglich M gezogen werden. Derartige Experimente sind angestellt worden von Kaufmann[1], von Bucherer[2] und von Hupka[3]. Außerdem ist man an verschiedenen Stellen noch wohl mit solchen Untersuchungen beschäftigt. Eine endgültige Entscheidung ist noch nicht erreicht worden, aber vorläufig sieht es wohl günstig für das Relativitätsprinzip aus.

Wir sind so zu der Mechanik des Relativitätsprinzips gekommen. Sie unterscheidet sich in verschiedenen Hinsichten von der gewöhnlichen Mechanik. Man hat es nämlich zweckmäßig gefunden, einige Definitionen dieser letzteren etwas zu ändern, was keinem Bedenken unterliegt, weil an die Definitionen keine andere Forderung gestellt werden kann als die, daß wir mit ihrer Hilfe die Erscheinungen zweckmäßig und einfach beschreiben können. In der Relativitätstheorie verwendet man auch für einen materiellen Punkt und eventuell für einen Körper die Formel (34). Die Größe m, welche darin vorkommt, wird oft die Minkowskische Masse genannt. Auch können wir (37) anwenden mit der Größe M, welche wir dann Masse (ohne weiteres) nennen. Die Minkowskische Masse ist konstant, die Masse nach (36) nicht.

Wir können jetzt die Kraft definieren. Wir tun dies geradeso wie in der gewöhnlichen Mechanik nach Newton; wir messen nämlich die Kraft durch die Änderung der Bewegungsgröße in der Zeiteinheit. Dieses wird ausgedrückt durch die Gleichungen

(40) \mathbf{F}=\frac{d\mathbf{G}}{dt},

oder

(41) \mathbf{F}_{x}=\frac{d\mathbf{G}_{x}}{dt},\ \mathbf{F}_{y}=\frac{d\mathbf{G}_{y}}{dt},\ \mathbf{F}_{z}=\frac{d\mathbf{G_{z}}}{dt}.

F stellt die Kraft vor, \mathbf{F}_{x}\, usw. sind die Kraftkomponenten.


  1. W. Kaufmann, Die magnetische und elektrische Ablenkbarkeit der Becquerelstrahlen und die scheinbare Masse der Elektronen. Gött. Nachr. Math. phys. Kl. 1901, S. 143. Über die elektromagnetische Masse des Elektrons, ibid. 1902, S. 291; 1903, S. 90. Über die Konstitution des Elektrons, Ann. d. Phys. (4) 19 (1906), S. 487.
  2. A. H. Bucherer, Messungen an Becquerelstrahlen. Die experimentelle Bestätigung der Lorentz-Einsteinschen Theorie. Phys. Zeitschr. 9 (1908), S. 755. Verh. d. deutsch. physik. Ges. 6 (1908), S. 688.
  3. E. Hupka, Beitrag zur Kenntnis der trägen Masse bewegter Elektronen. Ann. d. Phys. (4) 31 (1910), S. 169.
Empfohlene Zitierweise:

Hendrik Antoon Lorentz: Das Relativitätsprinzip. B.G. Teubner, Leipzig und Berlin 1914, Seite 17. Digitale Volltext-Ausgabe in Wikisource, URL: http://de.wikisource.org/w/index.php?title=Seite:Relativitaetsprinzip_(Lorentz).djvu/19&oldid=1474753 (Version vom 22.02.2011)