ADB:Vernuläus, Nicolaus

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Artikel „Vernuläus, Nicolaus“ von Johannes Bolte in: Allgemeine Deutsche Biographie, herausgegeben von der Historischen Kommission bei der Bayerischen Akademie der Wissenschaften, Band 39 (1895), S. 628–632, Digitale Volltext-Ausgabe in Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=ADB:Vernul%C3%A4us,_Nicolaus&oldid=3129136 (Version vom 23. September 2018, 03:12 Uhr UTC)
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Vernuläus: Nicolaus V., neulateinischer Schriftsteller des 17. Jahrhunderts. Als Sohn eines in spanischen Diensten stehenden Hauptmanns Pierre de Vernulz, am 10. April 1583 in dem luxemburgischen Flecken Robelmont (nicht Rupelmonde) bei Virton geboren, erhielt er gelehrte Bildung zuerst in Trier, wo er wahrscheinlich das Jesuitengymnasium, vielleicht auch die Universität besuchte, und dann in Köln, wo er am 30. Mai 1601 als Student aufgenommen ward. Die Notiz der Kölner Matrikel, die ich Herrn Dr. H. Keussen verdanke, lautet: „Nicolaus Roberti montis, Lutzenburgensis; quia pauper solvit tantum pro pedellis“. Nachdem er seine philosophischen Studien abgeschlossen hatte, lud ihn 1608 der Löwener Professor J. B. Gramaye, ein vielseitiger, als Historiker, Geograph und Linguist thätiger Gelehrter, ein, im Gymnasium Porcense (Collège du Porc) zu Löwen an seiner Stelle Lehrer der Rhetorik zu werden. V. folgte dem Rufe und verblieb bis an sein Ende in der streng katholischen Universitätsstadt der spanischen Niederlande. 1611 wurde er seines Gönners Nachfolger in der Professur der Beredsamkeit; 1618 wählte man ihn, nachdem er sich die Würde eines Licentiaten der Theologie erworben hatte, zum Vorsteher des von J. Mylius gestifteten Collège de Luxembourg; 1646 erhielt er den Lehrstuhl der lateinischen Sprache am Collège des trois-langues, den vor ihm Justus Lipsius und Erycius Puteanus besessen hatten. Zugleich wurde er Historiograph des spanischen Königs und des deutschen Kaisers Ferdinand III. Er starb am [629] 6. Januar 1649 und wurde in der Peterskirche bestattet. Ein Portrait von ihm existirte noch im vorigen Jahrhundert im Collège de Luxembourg.

Nicht als gelehrter Forscher hat sich V. hervorgethan, sondern als eleganter Beherrscher des lateinischen Stils und trotz seiner von Natur rauhen Stimme als ein geschickter Lehrer der Beredsamkeit, zu dem viele Schüler aus den Niederlanden wie aus Deutschland und besonders Polen herbeiströmten. Eine Philologennatur war er nicht, obwohl er den Lehrstuhl des Justus Lipsius innehatte; seine „Observationes politicae ex Corn. Taciti operibus“ (Lovanii 1651) beschränken sich auf die Ermittlung praktischer Nutzanwendungen aus den Ereignissen der römischen Kaiserzeit, einige Abhandlungen über die altrömische Verfassung, über Aristoteles’ Politika und den Panegyricus des jüngeren Plinius, die wohl erst in seinen letzten Lebensjahren entstanden, blieben ungedruckt. Auch seine historischen Schriften, ein habsburgischer Geschichtskalender („Annus austriacus“, Lov. 1628), eine Lobschrift („Apologia pro augustissima gente Austriaca“, Lov. 1635) und eine kurze Uebersicht über die Regenten desselben Geschlechtes („Historia austriaca“, Lov. 1651), beruhen nicht auf tiefergehenden Studien; seine Geschichte der Löwener Universität („Academia Lovaniensis“. Lov. 1627. Recogn. per Chr. a Langendonck 1667), als erster Versuch immerhin dankenswerth, bietet mehr eine rhetorische Schilderung als exacte Darstellung ihrer Entwicklung. Uebersichtlich und faßlich geschrieben sind seine Handbücher der Staatsverfassung („Institutionum politicarum libri IV“. Lov. 1624. Vermehrt 1647, fol.), der Moralphilosophie („Institutionum moralium l. IV“. Lov. 1625. Vermehrt 1649: de bono, affectibus, virtutibus et vitiis, virtutis fructu) und des Familienlebens („Institutionum oeconomicarum l. II“. Lov. 1626. 1649). Als politischer Schriftsteller trat er in einer Reihe von Broschüren, die theilweise in den „Dissertationes politicae stylo oratorio explicatae“ (Lov. 1646, 2 Bde.) gesammelt erschienen, hervor. Vom schroff katholischen und habsburgischen Standpunkte aus feierte der persönlich sanfte und höfliche Mann die Siege Spinola’s, die Befreiung Löwens von der Belagerung im J. 1635, das Recht des spanischen Königs wider die rebellischen Niederländer und ließ, auch wo er verschiedenen Parteien das Wort ertheilte, wie in dem Gespräche eines Kaiserlichen und eines Schweden über die Ursachen des dreißigjährigen Krieges, keinen Zweifel über seine Herzensmeinung. Die in zehn Reden behandelte Frage, ob in einem Staate verschiedene Religionen existiren können, verneint der letzte Sprecher kräftig und fordert zur Vertilgung der Ketzer auf: „Profligate, tollite, exterminate! Dixi.“ – Wie V. in all diesen Schriften den lateinischen Stil mit unleugbarer Gewandtheit zur Darstellung moderner Gedanken und Verhältnisse handhabte, so ist die Rhetorik der eigentliche Ausgangspunkt und Kern seiner ganzen litterarischen Thätigkeit. Als Lehrer derselben schrieb er 1619 sein oft aufgelegtes Lehrbuch „De arte dicendi libri tres“ und schulte seine Zöglinge ganz nach den Vorschriften der Jesuiten (vgl. ihre Ratio studiorum von 1599 bei Pachtler, Monumenta Germaniae paedagogica 5,476. 1887) in der Ausarbeitung von Reden und Gedichten, indem er die einzelnen Seiten desselben Themas durch verschiedene Schüler behandeln ließ, den einen zum Ankläger und den andern zum Vertheidiger bestellte. In einer gedruckten Auswahl solcher Schülerarbeiten, von der mir die 7. Auflage vorliegt („Rhetorum collegii Porcensis orationes sub N. Vernulaeo“. Coloniae 1656. – Zuerst 1614), findet sich z. B. eine per modum dramatis ausgeführte Anklage der Söhne des Herodes vor Augustus und ihre Rechtfertigung.

Auch seine historischen Tragödien sind nicht aus innerem dichterischen Drange, sondern als Mittel zur schulmäßigen Uebung der Beredsamkeit entstanden. Wie V. selbst sagt (Institutiones politicae 1647 p. 336), verwarf er [630] die Darstellungen fahrender Komödianten, dachte aber vom Nutzen züchtiger Schuldramen sehr hoch. In Löwen hatte vielleicht schon der Jesuit Andreas Fabricius vor 1566 (Jahrbuch f. Münch. Gesch. 3, 70), jedenfalls aber der oben erwähnte Gramaye die lateinische Schulkomödie gepflegt. Gramaye („Specimen litterarum et linguarum“ 1622) citirt eine ganze Reihe eigener Stücke, die er in Löwen aufführte: Abraham und Maria, Elias, Salomon, Susanna, Alexius, Briseis, Heraclius, Susanna (!), Gertrudis, Isaias, Catherina, Barbara, Mauritius, Bajazetes, Justinianus, Pyramus und Thisbe; gedruckt ist nur seine „Andromeda Belgica“ (Lov. 1600). 1613 führte der Professor Andreas Catullius mit Schülern des Collège de Vaulx seinen Prometheus auf. Aus etwa derselben Zeit stammt eine handschriftlich (Paris, Nationalbibliothek. Fonds lat. 8437) erhaltene dreiactige Tragödie „de Maria Augusta Othonis III. imperatoris coniuge“ ohne Verfassernamen, die am Gymnasium Porcense gespielt worden ist und vielleicht von Th. Walläus (1631) herrührt. Ob die zu Löwen im Drucke erschienenen Dramen des Genter Benedictiners J. C. Lummenäus a Marca (Opera. 1613. – Sampson. 1625), des Augustiners Emanuel Rodriguez (Rodericus fatalis. 1631), des Mich. Wittebort, Rudolphus I. 1634) und des J. Impens (Angliae utriusque fortuna 1663) auf das Schultheater gelangten, vermag ich nicht zu sagen. Jedenfalls war der Boden in Löwen für V. vorbereitet. Von seinen zumeist im September oder October aufgeführten Stücken sind 14 auf uns gekommen, die ich in chronologischer Folge verzeichnen will: 1) „Gorcomienses s. Fidei exilium. Tragoedia exhibita ludis encaenialibus Lovanii a. 1609 ab alumnis Collegii Porcensis.“ Coloniae 1610. Behandelt die 1572 auf Befehl des Grafen Lumey v. d. Mark zu Briel erfolgte Ermordung von 19 katholischen Geistlichen nach G. Estius (Historia martyrum Gorcomiensium. Douai 1603. Vgl. Acta Sanctorum, Julii t. 2,736. Fruin in De Gids 1865, 2,293). – 2) „Divus Eustachius“. Lov. 1612. – 3) „Theodoricus rex Italiae“. Lov. 1628. Gespielt am 7. October 1622. – 4) „Henricus octavus, s. schisma Anglicanum“. Lov. 1624. Nach N. Sanderus, Schisma anglicanum (1585). – 5) „Ottocarus Bohemiae rex“. Lov. 1626. Ein Stoff, den schon Calaminus 1594 für das protestantische Straßburger Schultheater bearbeitet hatte. – 6–7) „Conradinus et Crispus“. Lov. 1628. – 8) „Joanna Darcia, vulgo puella Aurelianensis.“ Lov. 1629. Mit einer Widmung an den Cardinal Richelieu. Neudruck mit französischer Uebersetzung von A. de Latour, Orleans 1880. Nach J. Hordal, Historia heroinae nobilissimae Johannae d’Arc Lotharingae (Pontimussi 1612). – 9–10) „Divus Stanislaus“ und „Thomas Cantuariensis“. Beide zusammen mit Nr. 1–8 in „Vernulaei Tragoediae decem“. Lov. 1631. Vgl. Stapleton, Tres Thomae. Douai 1588. – 11) „Maximus, Rebellio in Gratianum imperatorem et eius punitio“. Lov. 1630. Gespielt im September 1630. – 12) „Fritlandus“. Lov. 1637 (Gespielt im Herbst 1636). Editio II. Lov. 1646. – 13–14) „Lambertus“ und „Hermengildus“. Beide zusammen mit Nr. 1–12 in Vernulaei Tragoediae in duos tomos distributae. Ed. II. Lov. 1656. Der Lambertus ist von J. A. Hermstädt (Drei theatralische Abhandlungen. Hersfeld 1771) sammt Stymmel’s Studentes und Frischlin’s Dido verdeutscht worden.

Hat der Haarlemer Schulmeister Schonäus (s. A. D. B. XXXIV, 731) seine gesammelten dramatischen Werke unter dem Titel eines Terentius christianus erscheinen lassen, so könnte man seinen um vierzig Jahre jüngeren Löwener Collegen als den Seneca christianus bezeichnen. Denn wie seine historischen Tragödien die pathetische Würde dieses antiken Vorbildes zu erreichen streben, so hält er sich andererseits streng von classischen Stoffen, von heidnischer Mythologie fern. Er stellt statt dessen entweder die Leiden christlicher Märtyrer, doch keinen biblischen Helden, oder große Staatsactionen des Mittelalters und der Neuzeit dar, zum [631] Theil solche, die später einen Schiller, Grillparzer und Greif zu dramatischer Behandlung gelockt haben. Sehr häufig handelt es sich um einen Conflict zwischen weltlicher und geistlicher Macht, zwischen König und Priester; so steht König Theodorich dem Papste Johann und dem Symmachus gegenüber, der Frankenherrscher Pipin dem Lütticher Bischofe Lambert, Boleslaus von Polen dem Krakauer Bischofe Stanislaus, Heinrich II. von England dem Thomas Becket, Heinrich VIII. seinem Kanzler Thomas Morus, der Graf von der Mark dem Gorkumer Abte Nicolaus Picus. Auch in dem unbeholfenen Legendenstücke Eustachius wird der Gegensatz zwischen dem christlichen Bekenner und dem Kaiser Hadrian wenigstens zum Schlusse entwickelt. Die Verfolgung des katholischen Glaubens durch die arianischen Westgothen ist das Thema des Hermenigildus; der Held stürzt durch die boshaften Verleumdungen seiner Stiefmutter; dagegen wird in dem ähnlich angelegten Crispus die antike Phädrasage erneuert. Verwandte Charaktere führen die rein politischen Tragödien von Konradin und Jeanne d’Arc vor, deren Helden im Kampfe für Recht und Freiheit einem übermächtigen Gegner erliegen, während in den Rebellenstücken Maximus, Ottokar und Friedland die Empörung wider den gesetzmäßigen Herrscher den ehrgeizigen Anstifter ins Verderben stürzt. – Im Aufbau befleißigt sich V. meist der Einfachheit und Uebersichtlichkeit. Da er in der Regel dem Helden einen Gegenspieler gegenüberstellt, kann er die Hauptpunkte der Handlung scharf beleuchten. Gut disponirt ist die Jeanne d’Arc: im 1. Acte zeigt sich die Nothlage Karl’s VII., im 2. erscheint die Retterin vor ihm, im 3. befreit sie Orleans, der 4. bringt die Krönung zu Rheims, der 5. die Gefangennahme und Hinrichtung der Jungfrau. Anderwärts aber wird, obwohl V. auf Einheit der Zeit und des Orts keinen Werth legt, die Einfachheit der Handlung zur Dürftigkeit; in den Gorkumern, im Friedland, selbst in Heinrich VIII. sind die Begebenheiten gar zu sehr verflüchtigt, und die allegorischen Gestalten, die schon im Prologe klagend und drohend, weissagend und warnend erscheinen, wie der katholische Glaube und einzelne Tugenden, die Ketzerei der Lutheraner, Calvinisten und Mennoniten sammt andern dem Tartarus entstiegenen Lastern oder der Schutzgeist des habsburgischen Kaiserhauses, sie alle vermögen mit ihren hohen Worten über diesen empfindlichen Mangel nicht hinwegzutäuschen. Für den Friedland ist ein Vergleich mit dem gleichzeitigen Wallensteindrama des Engländers Glapthorne lehrreich; dieser, der in seinem Helden nur einen tyrannischen Wütherich sieht, ergänzt mit bühnenkundiger Hand die fragmentarischen Nachrichten, die ihm zugekommen waren, zu einem buntbewegten frischen Bilde, in dem weder die Liebesintrigue noch der Spaßmacher fehlt; V. dagegen hebt wohl gerechter als er die Ehrsucht als das eigentliche Motiv für Wallenstein’s Verrath hervor und stellt ihm den gewissenhaften Piccolomini gegenüber, weiß aber keinen weiteren Hintergrund als einen intriguanten Schmeichler zu schaffen, der zum Aufruhre hetzt, und hält alle weiblichen Elemente von der Handlung fern. Wirksamer sind die überirdischen Figuren im Theodorich verwandt, wo die personificirte Rache, Teufel und Geister den Sterbenden ängsten und die göttliche Gerechtigkeit über seine Seele das Urtheil fällt, genau so wie in Caussin’s gleichnamigem Drama. Häufig ertönt beim Tode eines Märtyrers ein Gesang von Engeln. Ganz ohne Allegorien sind der Konradin und Jeanne d’Arc, die ich sammt dem Hermenigildus als die besten Stücke Vernuläus’ bezeichnen möchte, obwohl man so etwas wie den Begriff einer tragischen Schuld des Helden vergeblich darin suchen wird. In der Charakterschilderung wiederholt sich der Dichter oft; die Typen eines unerschrocken für Religion und Recht zeugenden Heiligen und eines ruchlosen Tyrannen oder eines kurzsichtigen und durch Bösewichte irregeleiteten Herrschers sind bei ihm stehend. Aber er versteht sie wirksam in kurzer Wechselrede (z. B. im Lambertus II, 2) zu charakterisiren. [632] Lange Monologe liebt der erfahrene Rhetoriklehrer nicht; er verwandelt sie auf eigenthümliche Weise in Dialoge, indem er einen Greis als ungesehenen Lauscher auf die andere Seite der Bühne stellt, der die Pausen des Monologs durch tadelnde, abmahnende und theilnehmende Aeußerungen oder allgemeine Sentenzen ähnlich den Chorliedern am Actschluß ausfüllt. Diese bisweilen auch mit der Handlung selbst verbundene Figur des Senex ist wohl aus dem Actor oder Nachredner hervorgegangen, der früher am Schlusse des Stückes den Zuschauern die Nutzanwendung einzuprägen hatte. In der Schilderung weiblicher Charaktere neigt V. zu ungünstiger Beurtheilung. Zwar führt er einige ehrbare Matronen vor, die vom verurtheilten Gatten weinend Abschied nehmen, weit häufiger aber verbuhlte oder herrschsüchtige Weiber, die wie Fausta im Crispus oder Kunegundis im Ottokar die eigentlichen Unheilstifterinnen werden. Ein keusches Liebesverhältniß hat V., offenbar aus pädagogischen Rücksichten, überhaupt darzustellen vermieden. – Die Sprache und Versbehandlung sind außerordentlich gewandt und flüssig. Nur in den Gorcomienses herrscht noch unklarer Schwulst und häufige Verwendung der antiken Mythologie. Die ausströmende Leidenschaft in längerer Rede und durch stichomythischen Dialog darzustellen gelingt V. meist, doch wirken das fortdauernde Pathos und die wiederkehrenden Gemeinplätze, z. B. die Anrede der Sonne durch den auftretenden Helden, die Wandelbarkeit des Glückes, auf die Dauer ermüdend. Seine unmittelbaren Vorbilder waren offenbar die Jesuitendramatiker, namentlich der Pariser Caussin (Tragoediae sacrae 1620); auch den Crispus des Stephonius (1597) wird er gekannt haben. Mit den englischen Komödianten, über die er sich, wie schon bemerkt, verächtlich äußert, hat er wenig Berührungspunkte; da er so gut wie keine Bühnenanweisungen gibt, läßt sich schwer beurtheilen, wie weit er in der Versinnlichung der Gefechte, Hinrichtungen, der Krönung zu Rheims u. s. w. ging. Im Theodorich erscheint das Haupt des gemordeten Symmachus auf einer Schüssel. Von einer Einwirkung des V. auf die dramatische Dichtung des 17. Jahrhunderts habe ich bisher keine Spuren gefunden.

Die ältere Litteratur ist zusammengefaßt bei Nicéron (Mémoires pour servir à l’hist. des hommes illustres 33,387. 1736) und namentlich bei Paquot (Hist. litt. des Pays-Bas Folioausg. 1,328. 1765 = Octavausg. 3,428), die jedoch in der Bibliographie nicht ganz zuverlässig sind. – Ferner Nève, Mémoire sur le Collège des trois langues à Louvain. Brüssel 1856. S. 180 und 351, sowie La renaissance des lettres en Belgique 1890. S. 377. – Einzelnes bei Göttling, De N. Vernulaeo Schilleri antecessore in tragoediis viraginis Aurelianensis et Wallensteinii. Univ.-Progr. Jena 1862; Crecelius in Birlinger’s Alemannia 8,231–235 (1880) über den Fritlandus; Th. Vetter, Wallenstein in der dramatischen Dichtung des Jahrzehnts seines Todes, Frauenfeld 1894, S. 20–24 (der verkehrterweise an eine Beeinflussung durch Shakespeare und an eine Einwirkung auf Schiller’s Wallenstein denkt). Nicht gesehen habe ich eine Marburger Dissertation von Hanebuth über die Jeanne d’Arc-Dichtungen (1893).