ADB:Altdorfer, Albrecht

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Artikel „Altdorfer, Albrecht“ von Wilhelm Adolf Schmidt in: Allgemeine Deutsche Biographie, herausgegeben von der Historischen Kommission bei der Bayerischen Akademie der Wissenschaften, Band 1 (1875), S. 356–358, Digitale Volltext-Ausgabe in Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=ADB:Altdorfer,_Albrecht&oldid=2486826 (Version vom 30. März 2017, 02:44 Uhr UTC)
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Altdorfer, Erhard
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Altdorfer: Albrecht A., Maler, Kupferstecher und Baumeister, geb. um 1480, † um den 12. Febr. 1538 zu Regensburg, einer der merkwürdigsten Künstler seiner Zeit. Früher ließ man ihn seinem Namen zufolge in Altdorf in der Schweiz das Licht der Welt erblicken, später dagegen hat man Altdorf bei Landshut in Baiern als Geburtsort angenommen, obwol der Name A. dazumal gewiß seinen Geschlechtsnamen bezeichnete. Nach dem sonst angeblich auf seinem Grabsteine befindlichen Wappen gehörte er der zu Landshut, Regensburg, Abensberg etc. ansässigen Rathsfamilie der Altdorfer an. Den Maler Ulrich Altdorffer, der im J. 1499 die Erlaubniß erhielt, von Regensburg wegzuziehen, und der so arm war, daß er nicht die Gebühr von 10 Pfennigen bezahlen konnte, hat man für seinen Vater halten wollen; das ist jedoch durch nichts bestimmtes erwiesen. Die erste sichere Notiz dagegen über unsern Maler ist, daß er im J. 1505 nach Regensburg kam und am Donnerstag nach Judica mit 2 Gulden Bürger wurde; Gumpelzhaimer in seiner Geschichte Regensburgs läßt ihn von Amberg kommen. Im J. 1508 erscheint er als siegelmäßiger Bürger. Seine Verhältnisse gestalteten sich unterdessen sehr günstig, so daß er nebst seiner Frau Anna, die er mittlerweile geheirathet, im J. 1513 „eine eigene Behausung sammt Thurm und Hofstatt“ von Georg Regenfuß kaufen konnte, jetzt E. Nr. 157 in der obern Bachgasse. 1518 erwarb er von Heinrich Ebran zu Wildenberg und dessen Frau Magdalena eine andere Behausung nebst Hofstatt und Gärtlein, jetzt C. Nr. 101 in der Spiegelgasse, im J. 1522 veräußerte er dasselbe wieder an Sigmund Steflinger. In das J. 1519 fiel die Zerstörung der Synagoge und die Vertreibung der Judengemeinde aus Regensburg, was er als Mitglied des äußeren Rathes mit andern derselben ankündigen mußte. Die Synagoge zeichnete und radirte er selbst noch vor ihrer Zerstörung in zwei Blättern, das eine die Vorhalle, das andere die Innenansicht darstellend. Für die Wallfahrtskirche zur schönen Maria (die jetzige protestantische Neupfarrkirche), die an der Stelle der Synagoge erbaut wurde, wurde er beauftragt, eine Fahne mit dem Marienbild und dem Stadtwappen zu malen. Auch sonst hat er die schöne Maria in einem großen Holzschnitte verherrlicht, der die Unterschrift führt: „Gantz schön bistu mein frundtin und ein mackel ist nit in dir. Aue Maria.“ Wie angesehen der Künstler bei seinen Mitbürgern war, geht daraus hervor, daß er im J. 1526 in den innern Rath der Stadt gewählt wurde. Zwei Jahre später war er im Friedensgerichte thätig, in welcher Stellung er verschiedene Parteizwiste beilegte. Für das Quartal Emmerani bis Geburt Christi war ihm die Bürgermeisterwürde zugedacht, was er jedoch ablehnte, da ihm von dem Herzog Wilhelm von Baiern ein großes Werk (die Alexanderschlacht) zu malen aufgetragen worden sei. In den J. 1529–30 leitete er in seiner Eigenschaft als Stadtbaumeister den Bau verschiedener Befestigungen, da man die Stadt gegen die Türken besser bewahren wollte. Im J. 1532, 27. Juli starb seine Frau und wurde in der Augustinerkirche begraben. Dasselbe Jahr noch erwarb er ein Haus mit großem Garten an der Weitolzstraße, A. Nr. 169, unweit des Judensteines.

Unterdessen aber hatte die Reformation, die in jenen Jahren den völligen Umschwung aller Verhältnisse hervorbrachte, auch in Regensburg Anklang gefunden, und A. bekannte sich zu der neuen Lehre. Er gehörte zu den 15 Rathsherren, die 19. Aug. 1533 einen Rathsbeschluß veranlaßten, wonach „dem [357] Herrn Dr. Johann Hiltner befohlen wurde, nach einem ehrbaren, gelehrten Prediger, der das Wort Gottes allhier predigen würde, umzufragen“, und wonach in der Neupfarrkirche der neue Ritus eingeführt werden sollte. Sein Interesse an Martin Luther bekundete er auch dadurch, daß er dessen Bildniß nach einem Stiche von L. Cranach copirte. Im Jahre 1534 wurde er vom Rathe zum Verwalter des Augustinerklosters ernannt. Dieses Amt sollte er indeß nicht mehr lange bekleiden, denn er starb bereits am (oder gegen den) 12. Febr. 1538, nachdem er noch an demselben Tage sein Testament gemacht. In diesem vermachte er seine Hinterlassenschaft seinem Bruder Erhard A. zu Schwerin (jedenfalls der mecklenburgische Hofmaler dieses Namens) und seinen zwei Schwestern, von denen Magdalena an Hans Hartmann, Bürger zu Pfreimdt in der Oberpfalz, und Aurelia an Andreas Tantzer, Bürger zu Nürnberg, verheirathet war. Er wurde zu seiner Ehefrau in der Augustinerkirche begraben. Von seinem Grabstein ist noch ein Bruchstück mit der Inschrift: „Albrecht. Altdorffer. paum(eister)“ im Besitze des historischen Vereines zu Regensburg erhalten.

A. war als Baumeister, Maler, Kupferstecher und Zeichner für den Holzschnitt thätig. In der ersten Eigenschaft war er, wie erwähnt, Bauherr der Stadt; jedoch lassen sich von ihm keine künstlerisch bedeutenden Bauten nachweisen. Als Maler und Stecher gehört er zu den Nachfolgern Dürer’s, dessen directer Schüler er nicht unwahrscheinlich gewesen ist. Jedenfalls aber hat er sich nach ihm gebildet. Seine Composition, Zeichnung und Farbe beweisen dies durchaus. Jedoch war er kein sklavischer Nachtreter des Meisters, sondern hat sich eine besondere Richtung gewahrt, die auf das Kleine, Zierliche und Phantastische ging, weshalb ihm größere Werke nicht ebenso gelangen. Er ist der alterthümlichste der sogenannten Kleinmeister und hat auch unter diesen den wenigsten italienischen Einfluß erlitten. Bekanntlich fing dieser im Anfange des 16. Jahrhunderts an, immer bestimmter die nordische Kunst zu beherrschen, bis sich eine gänzliche Umänderung der alten Kunstweise daraus ergeben hatte. A., wie gesagt, nahm an diesem Umschwunge verhältnißmäßig weniger Antheil, als die bedeutenderen Nachfolger Dürer’s, er bleibt immer eckig in seinen Bewegungen, ohne Schwung in der Composition und befreit sich nicht von der Richtung auf das Einzelne, die sich in der nordischen Kunst mehr oder weniger geltend gemacht hatte. Natürlicher Weise aber konnte er sich doch jenem neuen Geist nicht vollständig entziehen; er wendete häufig Renaissance an, wenn auch oft in sonderbaren Formen, und copirte verschiedene kleine Stiche nach Marc-Anton, dem berühmten Kupferstecher der Rafaelischen Schule. Gemalt hat er jedenfalls nicht viel; seine Thätigkeit als Bauherr, als Stecher und als Zeichner für den Holzschnitt, die Sorgfalt seiner Behandlungsweise ließen ihn wol nicht dazu kommen. Er zeichnete scharf und fein, freilich auch etwas steif und besaß einen lebhaften Sinn für das Landschaftliche, welches, sowie das Bauwerk, bei ihm eine Hauptrolle zu spielen pflegt. Das früheste datirte Bild von 1506 ist ein Christus am Kreuz auf der Burg von Nürnberg, schon vollkommen in der bekannten Manier des Meisters ausgeführt. Zwei Altäre von größerem Maßstab befinden sich im Besitze der Münchener Universität und der Galerie zu Augsburg, das letztere, im J. 1517 für die Augsburger Patricierfamilie Rehlinger gemalt, ist ohne Zweifel Altdorfer’s Hauptwerk auf kirchlichem Gebiete, bunt, aber kräftig in der Farbe, steif componirt, aber von tiefem Ausdruck in den Köpfen. Die meisten Stücke des Malers befinden sich in der Pinakothek zu München, nicht weniger als fünf, worunter auch die berühmte Schlacht zwischen Alexander und Darius, die im Auftrage des Herzogs Wilhelm IV. von Baiern bestellt und im J. 1529 beendigt wurde. Im J. 1800 wurde dieselbe nach [358] Frankreich gebracht, wo sie Napoleon aus besonderem Wohlgefallen in seinem Badezimmer zu St. Cloud aufhängen ließ, 1815 kam sie aber wieder zurück. Dies Gemälde hat den Hauptruhm des Meisters begründet. Eine Composition in dem höhern historischen Stile, wie in der Antike oder bei Rafael dürfen wir freilich nicht suchen, wol aber finden wir eine echte Ritterschlacht mit tausenden von Figuren zu Fuß und Roß; alle Köpfe, Harnische, Gräser etc. mit unvergleichlicher Sorgfalt ausgeführt, und dahinter eine phantastische Landschaft mit Bergen, Felsen, Städten und dem Meer, in dem sich goldglühend die aufgehende Sonne spiegelt, während der Mond erblaßt, Sinnbilder des Sieges Alexanders und der Niederlage der Orientalen. Die anderen Bilder sind: „Beweinung des Leichnams Christi“, das etwas an den bekannten Kupferstich des Andrea Mantegna erinnert, „Maria mit dem Kinde“ in einer Engelsglorie auf Wolken, „Susanna im Bade“, von den Alten belauscht, mit der Jahreszahl 1526, und „Der hl. Georg“, den Drachen am Ausgange eines Buchenwaldes tödtend, vom J. 1510, das letztere wegen der zierlichen Durchführung und anspruchslosen Auffassung der Landschaft sehr merkwürdig. Reizend ist auch die Landschaft mit allegorischer Staffage, jetzt im Besitze des Herrn Fr. Lippmann in Wien, die im J. 1869 auf der Münchener Ausstellung älterer Bilder zu sehen war; sie trägt das Datum 1531.

Als Kupferstecher hat A. gegen 112 Blätter geliefert, in kleinem Format, weshalb man ihn unter die sogenannten Kleinmeister rechnet. Den bessern derselben steht er jedoch in Hinsicht der Reinheit der Striche und der stilgemäßen Composition nach. Das früheste Datum ist 1506, das letzte 1521, jedoch hat er zuverlässig auch noch später gestochen und radirt. Seine Stiche zerfallen in die gestochenen und die radirten, die ersteren, wie wir glauben, im allgemeinen in der früheren Periode seiner Thätigkeit, die letzteren in der späteren ausgeführt. Seine eigentlichen Kupferstiche behandeln im Sinne jener Zeit religiöse, antik-mythologische, Genredarstellungen und Ornamente, auch zwei Bildnisse, das eine der Kopf eines Jünglings, den man für den Künstler selbst gehalten hat, vom J. 1507, und das andere der Kopf M. Luther’s, eine Copie nach L. Cranach’s Stich von 1521, mit beigefügter Umrahmung. Die Radirungen, gegen 51 an der Zahl, umfassen hauptsächlich eine Reihe von Vasen im Renaissancestil, zwei Abbildungen der 1519 zerstörten Regensburger Synagoge und 10 Landschaften. Diese mit leichten Strichen und feinem Naturgefühl ausgeführten Landschaften, von hohem Standpunkte aus genommen und mit reicher Zusammenstellung, sind das vollendetste, was Altdorfer’s Nadel hervorgebracht. Sie rechtfertigen es, daß man ihn den Vater der Landschaftsmalerei genannt hat. Außerdem sind noch gegen 68 Holzschnitte von ihm bekannt, d. h. Blätter, die nach seinen Zeichnungen von hierzu bestellten Formschneidern in Holz geschnitten wurden. Selbstverständlich zeigen auch diese die Schwäche und die Vorzüge unseres Meisters ebenso wie die Gemälde und Stiche.

Das Verzeichniß der Gemälde, Stiche und Holzschnitte (von W. Schmidt) und die erste zuverlässige Lebensbeschreibung des Meisters (von C. W. Neumann) in Meyer’s Künstlerlex.
W. Schmidt.