ADB:Bianchi, Friedrich Freiherr von (1768 bis 1855)

aus Wikisource, der freien Quellensammlung
Zur Navigation springen Zur Suche springen

Empfohlene Zitierweise:

Artikel „Bianchi, Vincenz Ferrerius Friedrich, Freih. v.“ von Wilhelm Edler von Janko in: Allgemeine Deutsche Biographie, herausgegeben von der Historischen Kommission bei der Bayerischen Akademie der Wissenschaften, Band 2 (1875), S. 608–609, Digitale Volltext-Ausgabe in Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=ADB:Bianchi,_Friedrich_Freiherr_von_(1768_bis_1855)&oldid=- (Version vom 20. November 2019, 12:43 Uhr UTC)
Allgemeine Deutsche Biographie
>>>enthalten in<<<
[[ADB:{{{VERWEIS}}}|{{{VERWEIS}}}]]
Band 2 (1875), S. 608–609 (Quelle).
Wikisource-logo.png [[| bei Wikisource]]
Wikipedia-logo-v2.svg Vinzenz Ferrerius von Bianchi in der Wikipedia
GND-Nummer 135547431
Datensatz, Rohdaten, Werke, Deutsche Biographie, weitere Angebote
fertig
Fertig! Dieser Text wurde zweimal anhand der Quelle Korrektur gelesen. Die Schreibweise folgt dem Originaltext.
Kopiervorlage  
* {{ADB|2|608|609|Bianchi, Vincenz Ferrerius Friedrich, Freih. v.|Wilhelm Edler von Janko|ADB:Bianchi, Friedrich Freiherr von (1768 bis 1855)}}    

{{Normdaten|TYP=p|GND=135547431}}    

Bianchi: Vincenz Ferrerius Friedrich, Freih. v. B., Duca di Casalanza, österreichischer Feldmarschall, geb. zu Wien 20. Febr. 1768, † zu Sauerbrunn bei Rohitzsch 21. Aug. 1855. Sein Vater kam aus Como nach Wien, war dort Professor der Physik, machte sich durch seine Barometer berühmt und ward von der Kaiserin Maria Theresia geadelt. Er hat auch die Lichtenstein’sche Gallerie eingerichtet. Später lebte er in Paris. Friedrich, in der Ingenieur-Akademie vorgebildet, kam 1788 während des Türkenkriegs zur Armee nach Syrmien, wo er wegen brillanter Tapferkeit schon im folgenden Jahr zum Oberlieutenant ernannt ward. Im Feldzuge von 1792 dem Corps des Prinzen von Hohenlohe zugetheilt, machte er den ganzen belgisch-französischen Krieg mit, stets mit Auszeichnung genannt. 1795 nahm er an der Belagerung Mannheims Theil, war 1796 in Wurmser’s Generalstab in Italien; 1797 in Alvinczy’s Corps, als dieser den in Mantua von Bonaparte eingeschlossenen Wurmser entsetzen sollte; in der Schlacht bei Rivoli (14. bis 16. Jan) gerieth er in Gefangenschaft. Aber schon im März war er wieder bei der Armee, deren Commando jetzt Erzherzog Karl übernommen hatte; doch machte für jetzt der Waffenstillstand von Leoben (18. April) und der Friede von Campoformio (17. Oct. 1797) dem Krieg ein Ende. Beim Wiederausbruch (März 1799) begleitete B. als Major den jungen Erzherzog Ferdinand von Este. Schon 1800 bis zum Oberst avancirt, ward er 1804 mit seinem Regiment nach Cattaro geschickt, um einen von den Montenegrinern unterstützten Aufstand der Albanesen zu unterdrücken. 1805 als Generaladjutant zur Armee des Erzherzogs Ferdinand[WS 1] commandirt, hatte er das hauptsächlichste Verdienst daran, daß es diesem gelang, sich noch mit der Reiterei nach Böhmen durchzuschlagen, während Mack in Ulm capitulirte. – Beim Ausbruch des Krieges von 1809 erhielt B. eine Brigade im 5. Armeecorps unter Erzherzog Ludwig, zeichnete sich besonders bei Kirchdorf (20. April), Neumarkt und Aspern aus, wo er am 22. Mai in Aspern selbst befehligte. Am 4. und 5. Juli vertheidigte er den Brückenkopf von Presburg gegen den überlegenen Feind. Vgl. „Vertheidigung des Brückenkopfes von Presburg im J. 1809, herausgegeben von einem k. k. österreichischen Officier (Friedr. [609] Freih. v. B.)“ 1811. 1809 zum Feldmarschalllieutenant ernannt, ward er nach dem Frieden Generalinspektor in Ungarn. Als 1812 ein österreichisches Auxiliarcorps unter Schwarzenberg der großen französischen Armee bei ihrem Vormarsch nach Rußland folgte und unter blutigen Gefechten bis Warschau vordrang, führte B. das Commando der Division, welche das Gros des Corps bildete. Beim Beginn des folgenden Kriegs gegen Frankreich commandirte er eine Division im Corps des Erbprinzen Friedrich von Hessen-Homburg[WS 2], an deren Spitze er sich in den Schlachten von Dresden, Kulm und Leipzig, wo er auf dem Schlachtfeld das Commandeurkreuz des Maria-Theresia-Ordens erhielt, auszeichnete. – Dann führte er den rechten Flügel der österreichischen Südarmee in Frankreich; unter Hessen-Homburg mit ihr am dritten März 1814 bis Beaume vorgerückt, nahm er am zehnten März Mâcon und wird in den siegreichen Gefechten gegen Augereau und bei der Besetzung von Lyon in den Tagen des 20. und 21. März mit besonderer Auszeichnung genannt. – 1815 beim Wiederbeginn des Krieges erhielt B. den Oberbefehl über die österreichische Armee am Po, deren Aufgabe es war, Murat zu begegnen. Um diesem, der sich auf Neapel zurückziehen wollte, den Weg zu verlegen, rückte B. in Eilmärschen vom 16. bis 28. April über Bologne und Florenz nach Foligno, ging am 29. April über den Apenninen, traf am 1. Mai in Tolentino ein und brachte dem König von Neapel hier in 2tägiger Schlacht (1. bis 2. Mai) eine entscheidende Niederlage bei. Die Trümmer von dessen Armee vernichtete er darauf in einer Reihe kleinerer Gefechte. Murat entfloh nach Ischia. Eine von B. zu Sulmona am 15. Mai erlassene Proclamation verkündete die Rückkehr der alten Dynastie. Am 20. Mai schloß B. mit dem neapolitanischen Gesandten eine Militärconvention zu Casalanza (daher der ihm vom König Ferdinand von Neapel verliehene Name), und zog, nachdem er noch einen Aufstand in Capua rasch unterdrückt hatte, am 22. Mai in Neapel ein. Murat’s Gemahlin begab sich in den Schutz der österreichischen Regierung und ward zunächst nach Triest gebracht. König Ferdinand IV. hielt am 17. Juni seinen Einzug in Neapel, worauf B. mit dem Gros seiner Armee nach Südfrankreich ging. – Er hat später die Stelle eines[WS 3] Hofkriegsraths bekleidet, bis er sich in Folge einer längeren Krankheit am 16. März 1824 in den Ruhestand versetzen ließ. Seitdem lebte er auf seinem Landsitz zu Mogliano unweit Treviso, wo er 1848 noch als Anhänger Oesterreichs eine Gefangennehmung durch die provisorische Regierung erdulden mußte, aus der ihn erst nach zwei Monaten die Besetzung Treviso’s durch Welden befreite.

Von seinen zwei Söhnen hat sich Friedrich, geb. zu Presburg 1812, † als Feldmarschalllieutenant zu Ems 28. Sept. 1865, namentlich 1849 in der Schlacht bei Novara, wo er als Oberst das in der wichtigen Position von Olengo zweifelhaft gewordene Gefecht wieder herstellte und darauf in Ungarn, wo er eine Brigade im Schlick’schen Corps commandirte, einen rühmlichen Namen gemacht.

Hirtenfeld und Meynert, Oesterreichisches Miltär-Conversations-Lexikon; Wurzbach, Lexikon.


Anmerkungen (Wikisource)

  1. Erzherzog Ferdinand Karl Joseph von Österreich-Este (1781-1850), österreichischer Feldmarschall.
  2. Friedrich VI. Joseph Ludwig Carl August (1769-1829), General der Kavallerie, ab 1820 Landgraf von Hessen-Homburg.
  3. Vorlage: einer