ADB:Boch-Buschmann, Johann Franz

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Artikel „Boch-Buschmann, Johann Franz Nicolaus“ von Johann Schötter in: Allgemeine Deutsche Biographie, herausgegeben von der Historischen Kommission bei der Bayerischen Akademie der Wissenschaften, Band 2 (1875), S. 760–761, Digitale Volltext-Ausgabe in Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=ADB:Boch-Buschmann,_Johann_Franz&oldid=- (Version vom 23. Oktober 2019, 07:51 Uhr UTC)
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Boch: Johann Franz Nicolaus B.-Buschmann, geb. zu Siebenbrunnen (Sept-Fontaines) bei Luxemburg 9. März 1782, † 9. Febr. 1858. Im J. 1757 kam sein Vater Peter Joh. Boch nach Luxemburg und erwarb von der Regierung in dem damals noch unbebauten Thal von Siebenbrunnen den Grund und Boden für eine mit seinen beiden Brüdern Dominik und Joh. Franz zu errichtende Steingutfabrik. Diese Fabrik, von der Kaiserin Maria Theresia mit Privilegien dotirt, gedieh bald zu reicher Blüthe, so daß selbst die schweren Verluste in den nachfolgenden Kriegsjahren und die völlige Zerstörung der Fabrikanlagen bei der Belagerung Luxemburgs durch die Franzosen im J. 1794 sie dennoch nicht gänzlich zu Fall brachte. Peter Jos. B. übernahm sie jetzt allein, und es gelang ihm bald mit Unterstützung seines noch so jungen Sohnes Johann, das Geschäft wieder herzustellen. 1809 verließ der Sohn das väterliche Haus, um sich selbständig niederzulassen. Zu dem Zwecke kaufte er das als Domäne von der französischen Republik veräußerte Klostergebäude in Mettlach [761] an der Saar und gründete dort eine Steingutfabrik, die er unter der Firma Boch-Buschmann betrieb. Um jedoch den Absatz der Saarbrücker Kohlen zu heben, stellte ihm die damalige Regierung bei Ertheilung der Concession die ausdrückliche Bedingung, daß er nur Steinkohlen als Brennmaterial bei seiner Fabrikation verwenden dürfe. Dies gelang ihm trotz vieler Schwierigkeiten; er ist der erste Steingutfabrikant des Continents, der zum Brennen seiner Waaren Steinkohlen anwandte. Die kleine Fabrikanlage entwickelte sich indessen ziemlich rasch und B. erhielt bereits im J. 1822 in Berlin die einzige goldene Denkmünze, die für Steingut in der ersten preußischen Ausstellung ertheilt wurde. Damals machte er die Bekanntschaft des um die deutsche Industrie hochverdienten Geheimraths Beuth, begleitete denselben auf einer Reise, die dieser um Auftrage seiner Regierung nach England machte, und hatte durch dessen Vermittelung Gelegenheit, die Fabrikation von Steingut in England kennen zu lernen. Schon vorher hatte er Wasserkraft angewandt, um die Drehscheiben der Arbeiter in Bewegung zu setzen, fand aber in England bessere Einrichtungen der Art, die er in seinen Werkstätten – wiederum hierin der erste auf dem Continent – einführte. Die vom Vater ererbte wohlwollende Gesinnung für die Arbeiter veranlaßte ihn 1819, Kranken-, Wittwen- und Waisenunterstützungs-Cassen für seine Arbeiter einzurichten, denen er bald eine Spar- und Darlehnscasse anschloß; auch wirkte er soviel als möglich durch Einrichtung eines Arbeiter-Casino’s und durch Gründung eines Lesevereins auf die geistige und moralische Entwicklung seiner Arbeiter, so daß die Arbeiter von Mettlach lange Zeit als eine Musterbevölkerung dastanden. Im J. 1836 associirte sich B. mit dem Steingutfabrikanten Nicolas Villeroy in Wallerfangen bei Saarlouis, unter der Firma Villeroy und Boch. Die beiden Fabriken theilten unter sich die verschiedenen Fabrikationszweige und erlangten auf diese Weise in kurzer Zeit eine Vollkommenheit der Fabrikation, die ihnen gestattete, ihrem Geschäfte eine große Ausdehnung zu geben. Sie associirten sich mit der Firma Utzschneider und Fabry in Saargemünd, um auch in Frankreich Fuß zu fassen, errichteten eine Steingutfabrik in Belgien bei La Caurière, die sie Keramis nannten, kauften die alte zur Zeit berühmte Porzellan- und Steingutfabrik in Tournay (Belgien) und legten endlich eine Filiale in Dresden an, die an Ausdehnung den Mutterfabriken schon gleichsteht. Nachdem Boch’s Söhne herangewachsen waren und ihn in der Leitung der Geschäfte ersetzen konnten, zog er sich im J. 1844 in die elterliche Fabrik nach Siebenbrunnen zurück und setzte dort in kleinerem Maßstabe seine industrielle Thätigkeit bis zu seinem Tode fort. Er schuf hier gegen Ende seines Lebens einen ganz neuen, sehr interessanten Industriezweig, den der Bodenbelegplatten, die er Mosaikplatten nannte, weil die Idee dazu ihm durch die alten römischen Mosaikböden gegeben wurde. Anfangs Plättchen von verschiedener Größe, in regelmäßigen Formen, die zu geometrischen Figuren zusammengesetzt wurden; später größere Plättchen mit beliebigen Zeichnungen in mannigfaltigen Farben, so daß nun die reichsten Teppiche damit nachgeahmt werden. – Sie werden aus zu Staub geriebenen Stoffen mittels eines gewaltigen Druckes durch hydraulische Pressen geformt und dann zu Steinmassen gebrannt, so hart, daß sie Feuer am Stahl geben. Bald wegen ihrer Dauerhaftigkeit und Eleganz beliebt, werden sie jetzt schon millionenweise in die ganze Welt versendet; sogar in England, wo früher ähnliche Platten, aber auf ganz andere Weise und viel theurer producirt wurden, finden sie einen reißenden Absatz. B. hat durch die Schaffung dieses über Deutschland und Frankreich sich verbreitenden Industriezweiges seiner Thätigkeit noch in alten Tagen die Krone aufgesetzt.