ADB:Burscher, Johann Friedrich

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Artikel „Burscher, Johann Friedrich“ von Clemens Brockhaus in: Allgemeine Deutsche Biographie, herausgegeben von der Historischen Kommission bei der Bayerischen Akademie der Wissenschaften, Band 3 (1876), S. 630–632, Digitale Volltext-Ausgabe in Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=ADB:Burscher,_Johann_Friedrich&oldid=- (Version vom 19. Mai 2019, 09:13 Uhr UTC)
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Burscher: Johann Friedrich B., Theolog, geb. 16. Febr. 1732 in Camenz in der Oberlausitz (wo sein Vater als sogenannter Administrator piarum causarum angestellt war), † 10. September 1805. Besonders durch den Unterricht des gelehrten Predigers Hünichen vorbereitet, bezog er Ostern 1749 die [631] Universität Leipzig, wo er eigentlich allen Wissenschaften sein Studium zuwandte. Am 9. August 1752 wurde er zum philosophischen Doctor promovirt und am 5. September zum ersten Secretär der damals entstehenden Gesellschaft der Wissenschaften und freien Künste erwählt, als der er auf den Geburtstag des damaligen Kurprinzen Friedrich Christian die erste deutsche Rede hielt, die 1752 mit dem Gottsched’schen Programm bei Breitkopf gedruckt wurde. Nachdem er fleißig fortstudirt hatte, habilitirte er sich am 15. Februar 1755 mit einer Einleitung über Ezechiel. Gottsched, der ihm seine Gunst zuwandte und ihn zu befördern suchte, brachte ihn in die Stellung eines Bibliothekars und Secretärs bei dem Grafen von Bünau, damals kaiserlichem Minister und Statthalter zu Eisenach, in dessen Dienst er sich in Eisenach-Weimar, und später auf des Grafen Gut Oßmannstädt bei Weimar bis zu dessen Tode 1762 aufhielt. Von da kam er an die Bünau’sche Bibliothek in Nöthnitz bei Dresden 1763 und folgte Ostern 1764 einem Rufe als außerordentlicher Professor der Philosophie nach Leipzig, wo namentlich Gellert sich ihm freundlich zuneigte. Durch den Decan der theologischen Facultät Ernesti erhielt er die Befugniß, in der Paulinerkirche die lateinische Rede am Reformationsfeste zu halten. Im Januar 1765 wurde er Baccalaureus der Theologie, und trotzdem er keine Neigung zum Predigen hatte, Frühprediger an der Paulinerkirche. Nach Gottsched’s Tode wurde B. am 15. December 1766 Collegiat des großen Fürstencollegiums, 1767 erhielt er einen Ruf als ordentlicher Professor der Theologie nach Jena, wurde aber, da eine Vorlesung von ihm über das Thema, ob es gefährlich sei, einen großen Mann aus der Geschichte sich zum Muster zu wählen, dem Kurfürsten sehr gefiel, in Leipzig als ordentlicher Professor der Theologie angestellt, bei welcher Gelegenheit er im April 1768 Doctor der Theologie wurde. Nach Ernesti’s Tode, 11. Septbr. 1781, wurde B. Senior der theologischen Facultät, nachdem er schon im Mai 1776 Domherr des Hochstifts Meißen geworden war. Seine große Beliebtheit verschaffte ihm siebenmal die Wahl zum Rector Magnificus. Er starb am 10. September 1805. – Burscher’s Vorlesungen erstreckten sich über das ganze Gebiet der Theologie und umfaßten außerdem Philosophie und Universalgeschichte. Seine litterarische Thätigkeit ist ebenfalls eine ziemlich reichhaltige. Es umfaßt dieselbe, in der Hauptsache, gedruckte Reden und Dissertationen. Unter den ersteren sind zu nennen die Rede beim Geburtstag des Kurfürsten Friedrich August, von der wahren Größe eines Fürsten 1765, die schon erwähnte: „Ob es gefährlich sei, sich einen großen Mann der Geschichte zum Muster zu nehmen“, im December 1767 gehalten, 7 Reden am Reformationsfeste in der Universitätskirche gehalten 1798, „Das vor jedermanns Augen zerstreuete jüdische Volk und sein Schicksal“, in 5 Reden, 1798, „Die unveränderliche buchstäbliche Wahrheit der evangelischen Geschichte Jesu etc.“, in 6 Reden 1803, „Wahrheiten zum Nachdenken und zur Warnung für alle Christen dieser Zeit und jeder Partei“, in 10 Reden 1802. Sodann sind von Dissertationen, Programmen und Aufsätzen zu nennen: drei 1753 in den Schriften der Gesellschaft der schönen Wissenschaften und freien Künste erschienene Abhandlungen, von einigen Fehlern der Geschichtschreiber, von der heidnischen Fabellehre und von Pythagoras, ein 1754 erschienener Aufsatz von den Hochzeitgebräuchen der heutigen griechischen und morgenländischen Christen. Sein Antritts-Programm als außerordentlicher Professor der Philosophie „Stephani Byzantini de Gaza narratio“, 1764. Seine theologische Doctor-Dissertation vom 14. April 1768 „De Gaza derelicta futura ad illustrandum locum Zeph. 2, 4“, eine sehr gelehrte, klar angelegte und namentlich in geographischer Hinsicht verdienstliche Arbeit. Seine Programme zum Antritt der fünften und später der vierten theologischen Professur, die erste unter dem Titel „Christus, divinae Mosis ac Pentateuchi auctoritatis [632] vindex contra Bolingbrokium Prolusio I. et II.“, sodann eine Abhandlung: „Ecclesiae christianae post Apostolos Scriptorum antiquissimorum Doctrina publica de Deo Trinuno et de Jesu Christi persona etc.“ 1780, eine übersichtliche Zusammenstellung der ersten Kirchenväter über das Dreieinigkeitsdogma; seine 14„Prolusiones de vera origine praecipuorum dogmatum et institutionum sacrorum, quae tempore sacrorum emendationis repudiata et abrogata sunt ab ecclesia Evangelico-Lutherana“, 1775–1781, eine Reihe von Universitätsprogrammen zur Feier des Rectorwechsels am Reformationsfeste, in der eine geschickte und knappe Beweisführung des Rechts der evangelischen Kirche, eine Reihe von Dogmen, die in der katholischen Kirche aufkamen, zu beseitigen geboten wird. In demselben Sinne erschienen noch „Dr. Martin Luther’s letzte ernstliche Bekenntnisse einiger allgemein christlichen Lehren“ etc., 1799. Wol seine letzte (anonym erschienene) Arbeit war: „Eines alten Mannes in seiner Jugend bei dem Glanze und Geräusche des Hofes verfertigte Abend- und Nachtgesänge und andere Nachtgedanken“, 1803. Zwei größere Arbeiten, in Eisenach vollendet: „Versuch einer Erläuterung des Propheten Jeremia“ 1756 und „Versuch einer Erläuterung der Popheten Hosea und Joel“ 1757. Für die große Verehrung und Beliebtheit, die B. genoß, zeugen die Nachrufe, Gedichte und Leichenfeierlichkeiten bei seinem Tode.

Vgl. Schönemann, D. J. F. Burscher’s Leben und Todtenfeier. Leipzig 1805.