ADB:Carpzov, Benedict (der Ältere)

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Artikel „Carpzov, Benedict (I.)“ von Theodor Muther in: Allgemeine Deutsche Biographie, herausgegeben von der Historischen Kommission bei der Bayerischen Akademie der Wissenschaften, Band 4 (1876), S. 11, Digitale Volltext-Ausgabe in Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=ADB:Carpzov,_Benedict_(der_%C3%84ltere)&oldid=- (Version vom 23. Oktober 2019, 11:18 Uhr UTC)
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Carpzov: Benedict C. (I.), Jurist, geb. 22. October 1565 zu Brandenburg in der Mittelmark, † 26. November 1624 zu Wittenberg. Sein Vater war Simon C., Bürgermeister zu Brandenburg, seine Mutter Anna, eine geb. Lindenholz (Tochter des Bürgermeisters zu Straußberg, Benedict Lindenholz). Theils in seiner Vaterstadt, theils auf der Schule zu Braunschweig vorbereitet, bezog Benedict C. im Jahre 1583 die Universität Frankfurt a. O. und wendete sich dem Studium der Jurisprudenz zu, 1584 ging er nach Wittenberg, vollendete daselbst das quadriennium, und begab sich dann auf eine Studienreise, welche ihn auf die Universitäten Altdorf, Ingolstadt, Tübingen, Straßburg, Heidelberg führte. Nach seiner Rückkehr promovirte er am 8. September 1590 zu Wittenberg zum Doctor der Rechte und verheirathete sich gleichzeitig mit Anna, einer Tochter des Senator und Apotheker Fluth in Wittenberg. 1592 in die Juristenfacultät recipirt, übernahm er 1594 die Stelle eines Kanzlers bei dem Grafen Martin in Reinstein und Blankenburg, ohne jedoch seinen Wohnsitz zu verändern und sein Verhältniß zur Universität aufzugeben. 1599 zur Professur der Institutionen befördert, rückte er 1601 zur Professur Digesti infortiati et novi auf. Im nämlichen Jahre schritt er, da er seine erste Frau im Wochenbett verloren hatte, zur zweiten Ehe mit Christina geb. Selfisch. 1602 berief ihn die Wittwe des Kurfürsten Christian I. zu Sachsen, Sophia, als Kanzler an ihren Hof, mit welcher Stelle bald diejenige eines Rathes im Dresdner Appellationsgericht verbunden wurde. Die verwittwete Kurfürstin hatte ihren Wittwensitz in Colditz aufgeschlagen, daher wir dort von nun an den wesentlichen Wohnort Carpzov’s zu suchen haben. 1610 nahm ihn auch Sophia’s Tochter, die Prinzessin Dorothea, Aebtissin des Stiftes Quedlinburg, zum Rath an. Nach dem Tode der Kurfürstin Sophia (1623) zog sich C. unter Beibehaltung seiner Stelle im sächsischen Appellationsgericht nach Wittenberg zurück, sein Wunsch nach Ruhe aber blieb unerfüllt, da ihn der Kurfürst bis zu seinem Tode noch mehrfach in wichtigen öffentlichen Geschäften verwendete. Geschrieben hat Benedict C. außer unbedeutenden Dissertationen nichts. Sein Ansehen bei Hoch und Niedrig gründete sich vornehmlich auf die vortrefflichen Eigenschaften seines Charakters und seine vertrauenerweckende Persönlichkeit. Zu hohem Ruhme gelangte in der Folge sein Name durch seine Söhne (zwei erster und sieben zweiter Ehe), insonderheit durch Benedict C. II.

Witten, Memor. Jurisconsultorum pp. 104 ss. Jugler, Beiträge I. 269 ff.