ADB:Carpzov, Johann Benedict (Professor der Theologie in Leipzig)

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Artikel „Carpzov, Johann Benedict I.“ von Julius August Wagenmann in: Allgemeine Deutsche Biographie, herausgegeben von der Historischen Kommission bei der Bayerischen Akademie der Wissenschaften, Band 4 (1876), S. 20–21, Digitale Volltext-Ausgabe in Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=ADB:Carpzov,_Johann_Benedict_(Professor_der_Theologie_in_Leipzig)&oldid=- (Version vom 24. Juni 2019, 11:46 Uhr UTC)
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Carpzov: Johann Benedict C. I., geb. 22. Juni 1607 zu Rochlitz, Sohn des 1624 verstorbenen Juristen Benedict C. I., † 22. Oct. 1657 zu Leipzig als Dr. und Professor der Theologie und Prediger an der Thomaskirche. Aufgewachsen in der strengsten lutherischen Orthodoxie, wie sie in Kursachsen und seinen beiden theologischen Facultäten Wittenberg und Leipzig seit Ueberwindung des Philippismus herrschend war, Schüler und College von Höpfner, Hülsemann, Kromeyer u. A., Prediger an verschiedenen Orten, zuletzt an der Thomaskirche in Leipzig s. 1633, außerord. Prof. s. 43, ord. s. 46, Zeitgenosse des dreißigjährigen Krieges und der synkretistischen Streitigkeiten, beobachtet er in seiner theologischen [21] Stellung doch eine gewisse kluge Zurückhaltung, steht noch 1649/50 mit den Helmstädtern Calixt, Titius u. A. in Briefwechsel und ist bei aller dogmatischen Correctheit doch überwiegend praktisch gerichtet, ein Feind theologischer Spaltungen, durch sein Pfarramt an einseitig gelehrter Beschäftigung gehindert und ernstlich bemüht, nicht blos mit Worten, sondern auch durch seinen Wandel zu predigen. Seine beiden bedeutendsten Arbeiten, durch die er in der Geschichte der prot. Theologie eine gewisse Berühmtheit erlangt hat, sind 1) sein „Hodegeticum“, eine geschickt angelegte compendiarische Zusammenstellung der homiletischen Regeln, entstanden aus den Uebungen des Leipziger Predigercollegiums, herausgegeben 1636, worin er nicht weniger als 100 Dispositionsmethoden aufstellt und zu der pedantisch-schulmeisterlichen Verkünstelung des Predigtwesens mit beigetragen hat; sowie 2) seine „Isagoge“ oder Einleitung in die symbolischen Bücher der lutherischen Kirche, aus seinen Vorlesungen entstanden, aber erst nach seinem Tode 1665, 2. A. 1675, von dem Magdeburger Generalsuperintendenten Joh Olearius herausgegeben, ein Werk, wegen dessen man ihn als den Vater der Disciplin der Symbolik bezeichnet hat.

Weitere Schriften von ihm sowie Nachrichten über sein Leben s. bei Witten, Memoria theol. Dec. IX., 8; Freher, Theatr. erud.; Jöcher; Spizel, Templum honoris reseratum, p. 228. Tholuck, Akad. Leben des 17. Jahrh. II. 89 und in Herzog’s Theol. Realencyklop.