ADB:Damm, Christian Tobias

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Artikel „Damm, Christian Tobias“ von Gustav Frank, Conrad Bursian in: Allgemeine Deutsche Biographie, herausgegeben von der Historischen Kommission bei der Bayerischen Akademie der Wissenschaften, Band 4 (1876), S. 718–719, Digitale Volltext-Ausgabe in Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=ADB:Damm,_Christian_Tobias&oldid=2490141 (Version vom 24. März 2017, 18:41 Uhr UTC)
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Damm: Christian Tobias D., geb. zu Geithain in Sachsen am 9. Jan. 1699, † am 27. Mai 1778, Rector am kölnischen Gymnasium zu Berlin, ein Mann von solider philologischer Gelehrsamkeit, aber wenig Geschmack, begann, mit der Orthodoxie zerfallen, schon hochbejahrt das Christentum in christlichen Naturalismus umzugießen. Wie Jesus ein göttlicher und guter Mensch in seinem Lebenswandel war, so seine Lehre die der natürlichen Vernunft, der menschlichen Natur und der menschlichen Glückseligkeit. Um dieses aus den Schriften der Boten Jesu zu erweisen, schrieb er seine commentirende Uebersetzung des Neuen Testamentes (Berlin 1764), seine Ansichten den biblischen Schriftstellern unterlegend, in den Anmerkungen die kirchliche Rechtgläubigkeit in sonderbarer Schreibart bekämpfend. Er wurde als Socinianer und Deist verschrieen. Das Gerücht von seiner Absetzung erwies sich als grundlos. Er ist nur vor das Oberconsistorium citirt und, als er die Erlaubniß des Königs zum Druck und öffentlichen Verkauf seines übersetzten Neuen Testamentes vorzeigte, wieder entlassen worden. Wie Moses Mendelssohn berichtet (siehe Abbt’s Werke III, 322), hat er jedoch angeloben müssen, der Jugend keinen Unterricht in der Theologie zu geben. (Vgl. Meusel’s Lexikon und W. D. Fuhrmann’s Handwörterbuch der christl. Religions- u. Kirchengesch., Halle 1826, I, 585.)

G. Frank.

Bedeutender als auf dem theologischen, sind Damm’s Leistungen auf dem philologischen Gebiete. Er war einer der ersten unter den deutschen Gelehrten, [719] welcher die Vorzüglichkeit der griechischen Sprache und Litteratur gegenüber der römischen und die Nothwendigkeit der Nachahmung griechischer Muster für die Hebung unserer nationalen Bildung betonte und durch möglichst wort- und sinngetreue, für uns freilich jetzt völlig ungenießbare prosaische deutsche Uebersetzungen der Gedichte des Homer und des Pindar die Meisterwerke der griechischen Poesie auch den weitesten Kreisen unseres Volkes zugänglich zu machen suchte. Zur Förderung des Verständnisses der Originalwerke unter den Fachgelehrten verfaßte er ein etymologisch geordnetes Wörterbuch des homerischen und pindarischen Sprachgebrauches (Berlin 1765, wiederholt 1774), das noch neuerdings in der von dem Engländer J. M. Duncan ihm gegebenen alphabetischen Anordnung von V. C. F. Rost neu bearbeitet worden ist (Leipzig 1831–33). Noch allgemeinere Anerkennung und Verbreitung fand sein kurzes Handbuch der Mythologie der Griechen und Römer („Einleitung in die Götter-Lere- und Fabelgeschichte der ältesten griechischen und römischen Welt“, Berlin 1763), das sich zuerst von Fr. Schulz, dann von K. Levezow neu bearbeitet, bis in unser Jahrhundert herab in Gebrauch erhalten hat. Als Hülfsmittel für den griechischen Elementarunterricht lieferte er eine neue Bearbeitung des von dem Leipziger Professor Zacharias Schneider 1640 nach der Methode des berühmten Pädagogen Johann Amos Comenius verfaßten griechischen Elementarbuches und eine Ausgabe der Batrachomyomachie. Außerdem hat er die Declamationen des griechischen Rhetors Maximus von Tyrus, die Briefe des Cicero, zwei Reden desselben und des jüngeren Plinius Lobrede auf den Kaiser Trajan ins Deutsche übersetzt und das lateinische Gedicht des Rutilius Namatianus „De reditu suo“ herausgegeben. Vgl. auch C. Justi, Winckelmann, Bd. I, S. 31 ff.

Bursian.