ADB:Dietrich, Franz Eduard Christoph

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Artikel „Dietrich, Franz Eduard Christoph“ von Hermann Reckendorf in: Allgemeine Deutsche Biographie, herausgegeben von der Historischen Kommission bei der Bayerischen Akademie der Wissenschaften, Band 55 (1910), S. 733–734, Digitale Volltext-Ausgabe in Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=ADB:Dietrich,_Franz_Eduard_Christoph&oldid=- (Version vom 26. Mai 2019, 18:10 Uhr UTC)
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Dietrich *): Franz Eduard Christoph D., Sprachforscher, war geboren am 2. Juli 1810 zu Strauch bei Großenhain im Königreich Sachsen. Er besuchte Schulpforta 1823–29, studirte 1829–33 in Leipzig und Halle namentlich Theologie und Orientalia und machte 1833 das theologische Examen in Halle. 1834–36 war er Hauslehrer bei den Bonner Bethmann-Hollwegs und wurde im Sommer 1836 Repetent am Seminarium Philippinum (Stipendienanstalt) in Marburg. Er promovirte 1838 in Marburg mit der Dissertation „De sermonis chaldaici proprietate“, auf Grund deren er sich zugleich in der philosophischen Facultät als Privatdocent der germanischen und semitischen Sprachen habilitirte; die Thesen der Dissertation sind semitistischen und germanistischen Inhalts. Er las hebräische Grammatik, Exegese, [734] Litteraturgeschichte und Archäologie, Aramäisch, Syrisch, Gothisch, Nordisch, Altsächsisch, Angelsächsisch, Deutsche Grammatik und Metrik, althochdeutsche, mittelhochdeutsche und neuhochdeutsche Litteraturgeschichte. Anfang der sechziger Jahre stellte er indeß seine germanistischen Vorlesungen ein und beschränkte auch seine semitistischen seit Mitte der siebziger Jahre auf das Hebräische. Er wurde 1844 Extraordinarius, 1846 Marburger Ehrendoctor der Theologie, 1848 Ordinarius und trat 1859, nach Gildemeister’s Abgang, in gleicher Eigenschaft in die theologische Facultät über. Im Sommer 1880 war er zur Kräftigung seiner Gesundheit beurlaubt und mußte 1881 durch eine Hülfskraft entlastet werden. Am 27. Januar 1883 starb er nach längerer Krankheit.

Auf semitistischem Gebiete bildeten die „Abhandlungen für semitische Wortforschung“, Leipzig 1844, sein Hauptwerk. Sie berücksichtigten besonders das Hebräische, das ihm überhaupt immer im Mittelpunkt des Interesses stand, und lieferten bemerkenswerthe Beiträge zur Synonymik der semitischen Sprachen, aber auch zur Lehre von den Formen. Sie haben einst anregend gewirkt, werden aber heute nur noch selten citirt. Ferner schrieb er „Abhandlungen zur hebräischen Grammatik“ (Leipzig 1844); „Ad illustrandam dogmatis de coena sacra historiam codicum syriacorum specimina e museo Britannico exhibentur“ (Marburg 1855); „Morgengebete der alten Kirche des Orients“ (Leipzig 1864); „De Sanchoniathonis nomine“ (Marburg 1872); „Zwei sidonische Inschriften“ (Marburg 1855), deren eine die berühmte Sarkophaginschrift des Königs Eschmunazar war, die hier erstmals in Europa veröffentlicht wurde, gleichzeitig mit einer amerikanischen Veröffentlichung, u. A. Von dem 23 Jahre vorher von Gesenius zum letzten Male herausgegebenen hebräischen Wörterbuch besorgte er die 5.–7. Auflage (Leipzig 1855–68). Er ließ das Gesenius’sche Buch in der Hauptsache unverändert; seine Zusätze sind als solche gekennzeichnet. Die Bearbeitung der 8. Auflage, die eine gründliche Umarbeitung erforderte, da das Buch zu veralten drohte, mußte er aus Gesundheitsrücksichten ablehnen; indeß sind noch seine Nachträge und Berichtigungen benutzt. Auf germanistischem Gebiete galt für eine sehr tüchtige Leistung sein „Altnordisches Lesebuch“ (Leipzig 1843, 2. umgearbeitete Auflage 1864), das noch heute von Fachmännern geschätzt wird. Ferner schrieb er über germanische Declination, über Kynewulf, Runen, Gothisch u. s. w. Auch in seinen semitistischen Arbeiten liebte er es, die nordischen Sprachen und Culturverhältnisse zum Vergleiche heranzuziehen. Als er nicht mehr Germanistik las, blieb er doch noch schriftstellerisch auf diesem Gebiete thätig.

Vorlesungs-Verzeichnisse und Jahresberichte der Marburger Universität.

[733] *) Zu Bd. XLVII, S. 687.