ADB:Dressler, Johann Gottlieb

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Artikel „Dreßler, Johann Gottlieb“ von Eduard Alberti in: Allgemeine Deutsche Biographie, herausgegeben von der Historischen Kommission bei der Bayerischen Akademie der Wissenschaften, Band 5 (1877), S. 401–402, Digitale Volltext-Ausgabe in Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=ADB:Dressler,_Johann_Gottlieb&oldid=- (Version vom 21. Oktober 2019, 17:58 Uhr UTC)
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Dreßler: Johann Gottlieb D., praktischer Schulmann und Philosoph, geb. 4. Oct. 1799 zu Neukirch am Hochwald (bei Bautzen in der Lausitz), gest. 18. Mai 1867 in Bautzen. Sein Vater war Krämer und besaß ein Haus, aber nicht hinlängliches Vermögen, um seine Söhne – neben Johann Gottlieb wuchs der nur ein Jahr jüngere Bruder Christian Ehregott, der 1850 verstorbene Philologe, auf – anders als in einfach ländlicher Weise unterrichten lassen zu können. Höchster Wunsch des Knaben war, Schulmeister zu werden, und er wurde denn auch, nachdem er zunächst die Neben- und dann die Kirchschule seiner Heimath absolvirt hatte, im J. 1814 Gehülfe des Kirchschulmeisters Pelz in Putzkau. Mit Erreichung dieses Zieles eröffnete sich ihm die Aussicht auf weitere Ausbildung. Er kam, durch Vermittlung des Pastors Böttger, 1817 auf das Bautzener Gymnasium und von dort 1823 auf die Universität zu Leipzig. Er studirte Theologie; seinen Wirkungskreis in amtlicher Stellung aber fand er vorwiegend [402] an der Schule, zunächst von 1826–28 an dem Bornemann’schen Institute in Bautzen und darauf, nachdem er inzwischen drei Jahre lang die Verrichtung eines Substituten für den ersten Geistlichen der St. Petri-Kirche in Bautzen versehen hatte, von 1831 an als Director des Bautzener evangelischen Schullehrerseminars. Als solcher wirkte er 27 Jahre lang in höchst ergiebiger Weise. Die praktische Seminar-Pädagogik, die er trieb, war auf philosophischen Grundsätzen fest begründet. Er wurde durch Beneke’s Erziehungslehre für dessen Philosophie gewonnen und gehört zu dessen bedeutendsten Anhängern. Schon 1840–46 erschienen von ihm „Beiträge zu einer besseren Gestaltung der Psychologie und Pädagogik“, auch u. d. T. „Beneke oder die Seelenlehre als Naturwissenschaft“, (eine „Praktische Denklehre“ folgte 1852). Nebenher gingen zahlreiche Abhandlungen in pädagogischen Zeitschriften, insbesondere in Diesterweg’s pädagogischen Jahrbüchern. Als consequenter Vertreter des Beneke’schen Systems gerieth er in litterarische Fehden, die auch seine amtlichen Verhältnisse berührten. In Folge des, sowie einer Erweiterung des Seminars, die ihm die Last des Amtes bei seinen vorgerückten Lebensjahren zu schwer machte, bat er 1858 um seine Entlassung. Die nach erfolgter Entlassung ihm gewährte reichlichere Muße – er blieb bis an seinen Tod in Bautzen – benutzte er für weitere schriftstellerische Arbeiten. Er gab nach Beneke’s Tode 1861 dessen „Lehrbuch der Psychologie“ in 3. Aufl. und 1864 desselben „Erziehungs- und Unterrichtslehre“ gleichfalls in 3. Aufl. heraus. Außerdem vertheidigte er seinen Meister gegen den Vorwurf des Materialismus in der 1862 erschienenen Schrift: „Ist Beneke Materialist? Ein Beitrag zur Orientirung über Beneke’s System der Psychologie mit Rücksicht auf verschiedene Einwürfe gegen dasselbe“. – Eine Selbstbiographie von D. findet sich in Hergang’s Gallerie achtungswerther Pädagogen und verdienter Schulmänner Deutschlands und des Auslandes (Bautzen 1848). Eine kurze Würdigung Dreßler’s in philosophischer Beziehung gibt Ueberweg (Grundriß der Geschichte der Philosophie Thl. III. S. 295) und Zeller in der Geschichte der neueren Philosophie seit Leibnitz. – Erwähnt wird seiner auch im Nekrolog seines Bruders Christian Ehregott im N. Nekrolog der Deutschen, Jahrg. 1850.