ADB:Egloffstein, Henriette Gräfin von

aus Wikisource, der freien Quellensammlung
Zur Navigation springen Zur Suche springen

Empfohlene Zitierweise:

Artikel „Egloffstein, Henriette, Freiin von“ von Carl Freiherr von Beaulieu-Marconnay in: Allgemeine Deutsche Biographie, herausgegeben von der Historischen Kommission bei der Bayerischen Akademie der Wissenschaften, Band 5 (1877), S. 682–683, Digitale Volltext-Ausgabe in Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=ADB:Egloffstein,_Henriette_Gr%C3%A4fin_von&oldid=- (Version vom 17. Mai 2021, 17:21 Uhr UTC)
Allgemeine Deutsche Biographie
>>>enthalten in<<<
[[ADB:{{{VERWEIS}}}|{{{VERWEIS}}}]]
Nächster>>>
Egmond
Band 5 (1877), S. 682–683 (Quelle).
Wikisource-logo.png [[| bei Wikisource]]
Wikipedia-logo-v2.svg Henriette von Egloffstein in der Wikipedia
GND-Nummer 118955586
Datensatz, Rohdaten, Werke, Deutsche Biographie, weitere Angebote
fertig
Fertig! Dieser Text wurde zweimal anhand der Quelle Korrektur gelesen. Die Schreibweise folgt dem Originaltext.
Kopiervorlage  
* {{ADB|5|682|683|Egloffstein, Henriette, Freiin von|Carl Freiherr von Beaulieu-Marconnay|ADB:Egloffstein, Henriette Gräfin von}}    

{{Normdaten|TYP=p|GND=118955586}}    

Egloffstein: Henriette, Freiin v. E., Schwester des vorigen, geb. 6. Juli 1773 in Franken, ward schon in ihrem 16. Jahre einem Verwandten, dem Grafen Egloffstein-Arklitten vermählt. Ein längerer Aufenthalt in Italien während der Jahre 1791 und 92 entwickelte die reichen Anlagen ihres Geistes aufs schönste. Während der folgenden Jahre lebte sie in Erlangen und kam hier zu der Erkenntniß, daß die freiere Lebensanschauung ihres Gemahls mit ihren eigenen Grundsätzen unvereinbar sei; nach langen Kämpfen entschloß sie sich zu einer Trennung, vorzüglich im Interesse ihrer Töchter, und willigte auch später in die von dem Gatten verlangte gerichtliche Scheidung. Sie kam nach Weimar gegen Ende des Jahrhunderts, im vollen Glanze einer entwickelten, imponirenden Schönheit, hochgebildet, in harter Schule des Lebens gereift. Sie ward bald der Mittelpunkt eines Kreises, der die bedeutendsten Geister der damaligen Zeit zu seinen Mitgliedern zählte und der namentlich während des Winters 1801 sich auf Goethe’s Vorschlag als eine cour d’amour nach Minnesänger-Sitte constituirte, mit wöchentlicher Versammlung im Hause des letzteren. Es gehörten dazu außer den beiden genannten Schiller und Frau, Wolzogen und Frau, Oberkammerherr v. Egloffstein und Frau, Fräulein v. Göchhausen, Fräulein v. Wolfskehl, Fräulein v. Imhof, Kammerherr v. Einsiedel, Professor Meyer und Hauptmann v. Egloffstein. Sie ward diesem Leben im J. 1804 entführt durch ihre zweite Vermählung mit dem Oberforstmeister Karl v. Beaulieu-Marconnay (s. diesen) und verlebte an seiner Seite eine glückliche Ehe, in welcher sie ihre goldene Hochzeit feiern konnte. Ihre Memoiren, die sie für ihre Kinder niederschrieb, sind leider nicht gedruckt worden; es erschien im Drucke nur eine Novelle: „Umsonst“, in welcher Anklänge an die oben erwähnte Zeit wahrzunehmen. Sie starb im 91. Jahre, am 15. Octbr. 1864, nachdem sie während der letzten Jahre ihres Lebens den Schmerz empfunden hatte, ihren Gatten und [683] ihre jüngste Tochter zu verlieren. Besondere Erwähnung verdienen ihre drei Töchter, von denen jede in ihrer Art eine hervorragende Erscheinung war.

Karoline, Gräfin E., geb. 2. Novbr. 1789, verlebte die größte Zeit ihres Lebens in Weimar, wo sie schon jung Hofdame der Großherzogin Maria Paulowna wurde. Ihre Beziehungen zu Goethe waren freundlichster Art und viele seiner kleineren Gedichte sind an sie gerichtet. Auch mit Klinger, den sie auf einer Reise nach Petersburg im J. 1825 hatte kennen lernen, führte sie einen interessanten Briefwechsel. Sie war von hervorragendem musikalischen Talent und hat viele Lieder componirt. Während der letzten Jahre ihres Lebens war sie Pröpstin des Huttenstiftes in Nürnberg. Sie † 16. Juli 1868.

Julie, geb. 12. Septbr. 1792, eine der schönsten Erscheinungen am weimarischen Hofe und mit hervorragenden Talenten begabt, die aus ihr eine vorzügliche Malerin machten. Goethe nahm den lebhaftesten Antheil an ihrer künstlerischen Entwicklung und eine Menge seiner Gedichte liefern den Beweis, mit welcher Theilnahme er die Fortschritte der schönen Künstlerin verfolgte. Ein längerer Aufenthalt in Italien trug wesentlich dazu bei, dieser zu immer größerer Entfaltung ihres Talentes zu verhelfen. Verschiedene ihrer Bilder: Hagar in der Wüste, die Aussetzung Moses, italienisches Volksleben etc. sind nach Rußland in die Sammlungen des Kaisers und nach England in den Besitz der Königin Victoria gekommen. Sie † 16. Jan. 1869.

Auguste, geb. 5. Novbr. 1796, war schon in den Jahren, die sonst für die Jugend und Schönheit reich an Genüssen zu sein pflegen, in Folge eines zu kleinen, sich mehr und mehr verengenden Herzens, von einer Zerrüttung des Nerven- und Blutsystems heimgesucht worden, welche ihr ein Dasein voll unsäglicher Leiden auferlegte; diese aber trugen dazu bei, sie immer fester mit dem Glauben an das Ewige zu verbinden. Die so aufkeimenden Gedanken nahmen leicht eine feste Form an, und so entstanden eine Menge Gedichte, die als ein Spiegel innersten Seelenlebens gelten können. Die schwergeprüfte starb erst 1. Novbr. 1862, und ihre Gedichte erschienen 1864 in einer Auswahl unter dem Titel: „Aus einem Tagebuche. Gedichte der Gräfin Auguste von und zu Egloffstein“, Weimar, H. Böhlau; es sind seitdem bereits zwei neue Auflagen erschienen.