ADB:Ehlert, Louis

aus Wikisource, der freien Quellensammlung
Zur Navigation springen Zur Suche springen

Empfohlene Zitierweise:

Artikel „Ehlert, Louis“ von Robert Eitner in: Allgemeine Deutsche Biographie, herausgegeben von der Historischen Kommission bei der Bayerischen Akademie der Wissenschaften, Band 48 (1904), S. 283, Digitale Volltext-Ausgabe in Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=ADB:Ehlert,_Louis&oldid=- (Version vom 20. September 2019, 02:27 Uhr UTC)
Allgemeine Deutsche Biographie
>>>enthalten in<<<
[[ADB:{{{VERWEIS}}}|{{{VERWEIS}}}]]
<<<Vorheriger
Ehlers, Otto
Nächster>>>
Ehmann, Carl von
Band 48 (1904), S. 283 (Quelle).
Wikisource-logo.png [[| bei Wikisource]]
Wikipedia-logo-v2.svg Louis Ehlert in der Wikipedia
GND-Nummer 116379987
Datensatz, Rohdaten, Werke, Deutsche Biographie, weitere Angebote
fertig
Fertig! Dieser Text wurde zweimal anhand der Quelle Korrektur gelesen. Die Schreibweise folgt dem Originaltext.
Kopiervorlage  
* {{ADB|48|283|283|Ehlert, Louis|Robert Eitner|ADB:Ehlert, Louis}}    

{{Normdaten|TYP=p|GND=116379987}}    

Ehlert: Louis E., ein talentvoller Musikschriftsteller und Componist, geboren am 13. Januar 1825 zu Königsberg i. Pr., † am 4. Januar 1884 zu Wiesbaden. Von den Eltern zum Kaufmannsstande bestimmt, kam er in Handelsangelegenheiten nach Moskau. Dort trat der Wendepunkt in seinem Leben ein, er verließ den Handelsstand, ging um 1845 nach Leipzig und besuchte das dortige unter Mendelssohn stehende Conservatorium für Musik. Er studirte aber noch privatim bei Wilhelm Fink, kehrte dann in seine Vaterstadt zurück und unternahm von hier aus Reisen nach Wien und Berlin, um sich einen Wirkungskreis zu suchen. Im J. 1850 ließ er sich in Berlin als Musiklehrer nieder und wurde bald durch seine äußere Erscheinung wie sein feines Benehmen, der Musiklehrer der vornehmen Welt. Eine reiche Heirath versetzte ihn noch in die angenehme Lage, daß er sich nur begabte Schüler auszuwählen brauchte. In den Jahren 1863–65 lebte er in Italien, vorzugsweise in Florenz, wo er den Gesangverein „Società Cherubini“ leitete, den im J. 1869 auch H. v. Bülow dirigirte. Nach Berlin zurückgekehrt, beschäftigte er sich litterarisch und als Componist, brachte auch einiges öffentlich zu Gehör, zeigte sich als formgewandt, geschickt in der Ausführung, zu Rob. Schumann sich hinneigend, aber in der Erfindung unbedeutend, so daß seine Werke wol ein edles Streben zeigen, ohne auf Originalität Anspruch erheben zu können. Sie wurden auf Anregung des Componisten wol ein und das andere Mal öffentlich aufgeführt, ohne doch einen stehenden Platz in den Programmen zu gewinnen. Von 1869 bis 1871 lehrte er in der von Tausig errichteten Schule für höheres Clavierspiel, die durch den frühen und plötzlichen Tod des Gründers ein so schnelles Ende fand. Darauf wurde er von dem Kunstfreunde, dem Herzoge von Meiningen, zum Musiklehrer der herzoglichen Kinder ernannt und ließ sich dann in Wiesbaden nieder, wo er durch einen Schlaganfall ein schnelles Ende fand. Ehlert’s Bedeutung liegt in seinen litterarischen Werken, die zu ihrer Zeit viel gelesen und zur Veredelung des Geschmackes, Anerkennung der musikalischen Kunstgrößen, sowohl verstorbener als lebender ein gut Theil beigetragen haben. Als Schumannianer, Verehrer von Rob. Volkmann und Joh. Brahms, versäumte er keine Gelegenheit, das Publicum auf diese Künstler und ihre Werke aufmerksam zu machen und durch eine gewandte und anziehende Darstellung das Verständniß zu vermitteln. Ganz unempfänglich zeigte er sich dagegen der Rich. Wagner’schen Musik gegenüber und auch hier versäumte er nicht, seiner Abneigung durch Spott und Sarkasmen Ausdruck zu geben, welche ihn in manchen Streit und feindliche Angriffe verwickeiten. Seine „Briefe über Musik an eine Freundin“ erlebten drei Auflagen und wurden ins Französische und Englische übersetzt. Seine „Römischen Tage“, Reiseerinnerungen, erschienen 1867 und in zweiter Auflage 1888; „Aus der Tonwelt“, Essays, 1877–1884 in zwei Bänden, enthalten die in Zeitungen verstreuten Aufsätze über welche die Bock’sche Musikzeitung 1884 S. 412 ausführlich berichtet. An größeren Compositionen, die in öffentlichen Concerten zur Aufführung gelangten sind ein Requiem für ein Kind, welches auch 1879 auf der Tonkünstlerversammlung in Wiesbaden zur Aufführung gelangte, die Ouvertüre Hafis, eine Frühlingssymphonie, die Ouvertüre zum Wintermärchen zu nennen. Im Druck erschienen Clavierstücke, Lieder und Chorgesänge.

Mendel-Reißmann’s und Riemann’s Musiklexikon, Bock’sche Musikzeitung 1884 S. 30 und Selbsterlebtes.