ADB:Elisabeth (Pfalzgräfin bei Rhein)

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Artikel „Elisabeth, Gemahlin des Pfalzgrafen Joh. Casimir“ von August von Kluckhohn in: Allgemeine Deutsche Biographie, herausgegeben von der Historischen Kommission bei der Bayerischen Akademie der Wissenschaften, Band 6 (1877), S. 7–8, Digitale Volltext-Ausgabe in Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=ADB:Elisabeth_(Pfalzgr%C3%A4fin_bei_Rhein)&oldid=- (Version vom 15. September 2019, 07:00 Uhr UTC)
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Wikipedia-logo-v2.svg Elisabeth von Sachsen (1552–1590) in der Wikipedia
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Elisabeth, Gemahlin des Pfalzgrafen Joh. Casimir, Tochter des Kurfürsten August von Sachsen, geb. 18. Octbr. 1552, † 2. April 1590. Unter der Obhut ihrer streng lutherischen Mutter, der Kurfürstin Anna von Sachsen, erzogen, war E. erst 16 Jahre alt, als der Vorkämpfer des Calvinismus in Deutschland, der Kurfürst Friedrich III. (der Fromme) von der Pfalz, für seinen zweiten Sohn, den ihm gleichgesinnten Joh. Casimir, um sie werben ließ. Die confessionellen Bedenken des Dresdener Hofs wurden dadurch überwunden, daß nicht allein der junge Pfalzgraf seine wesentliche Uebereinstimmung mit der sächsischen Kirchenlehre schriftlich niederlegte, sondern auch der künftigen Gemahlin einen besonderen Hofprediger und den lutherischen Gebrauch der Sacramente contractlich zugestand; aber während man in Dresden hoffte, daß E. in der dem Calvinismus anheimgefallenen Pfalz viel Gutes im Sinne des Lutherthums werde wirken können, war man in Heidelberg der Meinung, sie allmählich für das reformirte Bekenntniß gewinnen zu können; zum mindesten gab man sich der Hoffnung hin, daß die Verschwägerung der beiden mächtigsten evangelischen Fürstenhäuser dem Protestantismus in und außerhalb Deutschlands zum Segen gereichen werde. Statt dessen sollte die im Juni 1570 nach langen Verhandlungen abgeschlossene Ehe zum nicht geringen Schaden der protestantischen Sache bald eine Entfremdung und zuletzt offene Feindschaft zwischen Sachsen und Kurpfalz herbeiführen helfen. Denn E., durch die engherzige Mutter mit Mißtrauen und Haß gegen den Calvinismus erfüllt und in dieser Gesinnung von Dresden her durch heimliche Einflüsterungen fort und fort bestärkt, wies nicht allein jede Annäherung an das pfälzische Kirchenwesen zurück, sondern verschärfte noch die Vorurtheile, die am elterlichen Hofe gegen die Heidelberger Theologen und deren Beschützer bestanden. Auf den Sturz der Kryptocalvinisten in Sachsen und den steigenden Groll Augusts gegen die Pfälzer waren Elisabeths und ihres Hofpredigers geheime Mittheilungen nicht ganz ohne Einfluß. Vergebens aber hatte E. gehofft, daß ihr Gemahl nach dem Tode seines Vaters, des Kurfürsten Friedrich (1576), und dem Regierungsantritt seines älteren gut lutherischen Bruders Ludwig von dem Calvinismus ablassen würde; nur die Genugthuung sollte ihr werden, daß unter ihrer Mitwirkung Joh. Casimir sich mit dem kurfürstlichen Bruder über die ihm durch väterliches Testament zugewiesenen Besitzungen in Frieden auseinandersetzte und in Zukunft freundlich mit ihm verkehrte. Im Uebrigen fuhr Joh. Casimir fort, sowol nach außen (Frankreich, die Niederlande) zu Gunsten des Calvinismus zu wirken, als auch in den [8] ihm gehörigen Gebieten von Neustadt und Lautern das reformirte Bekenntniß aufrecht zu erhalten und verfolgten Glaubensgenossen eine Zuflucht zu gewähren, und als er im J. 1583 nach dem frühen Tode Ludwigs als Vormünder des Neffen zum Administrator des Kurfürstenthums berufen ward, gestaltete er nicht allein das ganze Kirchen- und Schulwesen in der Pfalz im reformirten Sinne um, sondern ließ auch den jungen Kurprinzen Friedrich, auf den E. ihre letzten Hoffnungen gesetzt hatte, calvinisch erziehen. Die unglückliche Pfalzgräfin fürchtete, daß auch ihr die contractlich zugesicherte, aber schon möglichst beschränkte Religionsübung entzogen werden möchte. Ihr Vater, Kurfürst August, in offener Feindschaft mit Joh. Casimir, vermochte nichts mehr für sie zu thun; selbst der briefliche Verkehr mit den Eltern, der freilich nur zu häufig zur Verschärfung des confessionellen Gegensatzes und zur Störung des ehelichen Friedens gedient hatte, war ihr versagt, und nach dem Tode Augusts erlebte sie noch den Schmerz, daß sogar ihr Bruder, Kurfürst Christian von Sachsen, Calvinist und Bundesgenosse Joh. Casimirs wurde. Vereinsamt und verlassen scheint die leidenschaftliche Frau, die auch im Unglück Selbstbeherrschung nicht gelernt hatte, zuletzt in vertrautem Umgange mit einem Hofbeamten sogar die eheliche Treue gegen den Gemahl verletzt zu haben. Mit dem Vorwurf des Ehebruchs beladen wurde E. wie eine Gefangene gehalten, als sie 37 Jahre alt starb.

A. Kluckhohn, Die Ehe des Pfalzgrafen Joh. Casimir mit Elisabeth von Sachsen. Aus den Abhandl. der königl. baier. Akademie der Wissenschaften 1873.