ADB:Elisabeth (deutsche Königin)

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Artikel „Elisabeth“ von Franz von Krones in: Allgemeine Deutsche Biographie, herausgegeben von der Historischen Kommission bei der Bayerischen Akademie der Wissenschaften, Band 6 (1877), S. 9–11, Digitale Volltext-Ausgabe in Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=ADB:Elisabeth_(deutsche_K%C3%B6nigin)&oldid=- (Version vom 21. Juli 2019, 03:13 Uhr UTC)
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Band 6 (1877), S. 9–11 (Quelle).
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Elisabeth, Tochter Kaiser Sigismunds, des Luxemburgers, und Barbara’s v. Cilli (s. d.), geb. um 1409, † 19. Decbr. 1442. In freudenloser Jugend herangewachsen, wie dies der dauernde eheliche Zwist der Eltern begreiflich erscheinen läßt, ja ums Jahr 1419 genöthigt, mit der verstoßenen Mutter das Loos längerer Verbannung auf einer ostungarischen Pußta zu theilen, blieb sie doch auf der andern Seite der Gegenstand väterlicher Sorge und Hoffnung, da Sigismund eines Sohnes entbehrte und in E. die Erbtochter sah. Bereits im J. 1411 mit Herzog Albrecht V. von Oesterreich verlobt (s. I. Bd. S. 227 ff.), dem drei Kronen vom Geschicke bestimmt waren, wurde sie den 19. April 1422 die Gattin des Habsburgers, nachdem bereits 1418 die Ehepacten abgeschlossen erscheinen. Als Gattin Albrechts V. oder Kaiser Albrechts II., wie wir ihn seit 1438 schreiben müssen, tritt E. nicht in den Vordergrund der Ereignisse. Ihren Gemahl beschenkte sie mit zwei Töchtern: Elisabeth und Anna, deren erstere in der Folgezeit den Polenkönig Casimir, die zweite den Sachsenherzog Wilhelm ehelichte. Als ihr Gatte noch in besten Mannesjahren zum Schaden Oesterreichs, Ungarns und zum Nachtheile Deutschlands aus dem Leben schied (27. Octbr. 1439), befand sich die Wittwe gesegneten Leibes und blickte sorgenvoll der nahenden Geburt eines Sprößlings entgegen, denn die Geschicke zweier Reiche und des österreichischen Stammherzogthums hingen davon ab, ob ein Sohn oder eine Tochter zur Welt käme. In Komorn harrte die [10] Königswittwe der verhängnißvollen Stunde. Schon als E. von der Kronfeste Vyssegrad (Plintenburg) 1439 nach Ofen kam, hatte sie alle Mühe, das stürmische Drängen jener ungarischen Ständepartei abzuwehren, welche darauf bestand, daß sich die Königswittwe mit dem jugendlichen Polenherrscher Wladislaw II. vermähle und angesichts der Türkengefahr eine Personalunion der beiden Karpathenreiche zu Stande komme. Sie wies den Antrag entschieden zurück, ließ sich aber bestimmen, eine bedingte Genehmigung zu ertheilen, wonach mit dem Jagellonen über dessen Wahl auf den Thron Ungarns verhandelt werden dürfe, unter der Voraussetzung, daß E. keines Sohnes genese. Alle bezüglichen Vereinbarungen wären null und nichtig, sobald ein männlicher Sprößling, als allein berechtigter Reichserbe zur Welt käme. Mit dem Vorgefühle, Mutter eines Sohnes zu werden, hielt E. eifrige Besprechungen mit ihrem Anhange, zu welchem in erster Linie ihre Vettern, die Grafen von Cilli (s. d.), sodann die Gara’s, der Wojwode Niklas Ujlaky und der Cardinalprimas Dionys Szécsy von Gran gerechnet werden müssen. Mit frauenhafter List sorgte die Königswittwe für die Entführung der Reichskrone aus den festen Gewölben der Plintenburg durch die Kammerfrau Helene Kottanerin und einen ungarischen Edelmann, wie uns das Tagebuch der genannten Hofbediensteten naiv lebendig erzählt, – um Alles für die Entscheidung bereit zu halten. Bald darauf (22. Febr. 1440) genas die Königin zu Komorn eines Knaben, Ladislaus des „Nachgeborenen“ (Posthumus). Die Partei der Jagellonen ließ sich aber in dem Abschlusse des Wahlvertrages mit Wladislw auch durch die Gegenbotschaft der Königin nicht beirren. So stand ein unvermeidlicher Thronkrieg in Aussicht. Denn E. als Mutter des vorberechtigten Thronfolgers in zwei Reichen und Erben des Landes Oesterreich bot alles auf, um vor allem mit Hülfe der Cillier und böhmischen Söldnerhaufen unter Jiskra’s Führung, dem Kinde die Krone Ungarns zu sichern. So bald als es thunlich war, begab sie sich mit ihm nach Stuhlweißenburg, woselbst die Krönung Ladislaus’ (VI.) vor sich ging. Als nun der Jagellone ins Land kam und gleichfalls gekrönt werden sollte, bemerkte seine Partei zu nicht geringem Aerger, E. habe die Reichskrone nur zum Scheine auf die Plintenburg zurückschaffen lassen. In der That behielt E. sie in Händen. Der Thronkrieg zu Gunsten des Sohnes erfüllte nun ihr ganzes Sein, wurde jedoch für sie eine Quelle bitterer Erfahrungen und Nothlagen. Schon mit dem durch die Hausordnung und ständische Zustimmung bestellten Vormunde ihres Sohnes, Herzog Friedrich V. von Oesterreich, als Kaiser Friedrich III. (IV.), zerfiel sie bald, nachdem sie zur Aufbringung der Kriegskosten genöthigt war, Gelddarlehen gegen Verpfändung des ganzen Witthums und verfügbarer Kleinodien bei ihm zu machen und es geschehen lassen mußte, daß der Vormund das Söhnlein sammt der ungarischen Reichskrone in Empfang nahm und von der Mutter getrennt zunächst auf der Feste Forchtenstein am ungarischen Gemärke unter der Obhut des Pottendorfers verwahren ließ. E. zerfiel auch mit dem Vormunde und näherte sich dessen Bruder Albrecht VI., den es sehr nach der Gerhabschaft gelüstete. Auch die Sachlage in Böhmen machte der Königswittwe Sorgen, da eine starke Partei der Utraquisten der Erbfolge Ladislaus’ widerstrebte. Schwer traf die Königin der allmähliche Abfall ihrer nächsten Verwandten, der Cillier, die sich zu einem Ausgleiche mit den Jagellonen bequemten (19. April 1441). E. setzte den Kampf fort, den jedoch nur ein Parteigänger, der Söldnerhauptmann Johann Jiskra v. Brandeis, im oberungarischen Lande mit unerschütterlicher Ausdauer führte. Die Septembertheilung zwischen E. und Wladislaw von Polen zerschlug sich; vom Sommer des nächsten Jahres setzte der Cardinallegat Julian Cesarini alle Hebel in Bewegung, um die streitenden Parteien zu Gunsten eines Kreuzzuges auszusöhnen. Endlich schien die isolirte, kampfesmüde Königswittwe [11] dem Vergleiche geneigt, der die Anerkennung des Jagellonen, seine Vermählung mit E. und das Thronfolgerecht ihres Sohnes erster Ehe nach Wladislaws Tode im Auge hatte. Aber noch bevor alles ins Reine gekommen war, starb E. eines plötzlichen Todes, dessen man die Gegenpartei ohne Grund verdächtigte, überlebt von der eigenen Mutter, der Kaiserswittwe Barbara.

S. oben die Art. König Albrecht II. (V.) und Cilli. Birk’s urkundl. Studie in den Quellen und Forsch. zur vaterl. Gesch. Wien 1849. (Zur Geschichte Elisabeths und ihres Sohnes.) Aus den Denkwürdigkeiten der Helene Kottanerin (H. v. Endlicher). Leipzig 1846. G. Voigt, Enea Piccolomini und seine Zeit I. Lichnowsky, Gesch. des H. Habsburg VI. Palacky, Gesch. Böhmens III. 3. Teleky, Hunyadiak Kora Magyarocszágon (das Zeitalter der Hunyadi in Ungarn).