ADB:Foltz, Philipp

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Artikel „Foltz, Philipp“ von Friedrich Pecht in: Allgemeine Deutsche Biographie, herausgegeben von der Historischen Kommission bei der Bayerischen Akademie der Wissenschaften, Band 7 (1878), S. 150–151, Digitale Volltext-Ausgabe in Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=ADB:Foltz,_Philipp&oldid=2495252 (Version vom 18. November 2017, 21:11 Uhr UTC)
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Foltz: Philipp F., Historienmaler, geb. in Bingen 11. Mai 1805, gest. in München 5. Aug. 1877. Unter den Künstlern der Cornelianischen Schule ist F. derjenige welcher am meisten zur Ausbildung des Colorits beigetragen, dieselbe aber auch überhaupt mehr mit dem Leben zu verbinden getrachtet hat. Er bildet so einen Uebergang zu den modernen Realisten, obwol er durchaus Romantiker war und blieb, weder die stoffliche Wahrheit jener anstrebte, noch mit ihrer Modellmalerei etwas gemein hatte, überhaupt keineswegs individualisirender, sondern idealisirender, vor allem nach stilvoller Form trachtender Künstler war. – Sein Vater war schon Maler und so entwickelte sich bei ihm die Neigung zu diesem Beruf ebenfalls früh. Nachdem er das Gymnasium in Mainz besucht, war er schon mit fünfzehn Jahren genöthigt, selbst für sich zu sorgen, lithographirte und restaurirte, zeichnete Etiketten, Musiktitel und Illustrationen, so daß er 1820 nach München kommend, schon den ganzen Tell durchcomponirt mitbrachte. Zunächst bei den Arbeiten der Glyptothek von Cornelius verwendet, malte er bald darauf in den Arkaden des Hofgartens die Stiftung der Akademie der Wissenschaften mit noch heut bemerkenswerthem malerischem Geschick und ziemlich frei von der Härte und Trockenheit der meisten übrigen. Auch die Schilgen zugeschriebene Errichtung der Primogenitur dort ist größtentheils von ihm und es unterliegt keinem Zweifel, daß diese beiden Bilder die coloristisch befriedigendsten sind, freilich auch sehr entschieden das haben, was man akademisch zu nennen pflegt. Bald darauf ward ihm und Lindenschmit die Ausschmückung des Schreibezimmers des Königs durch Scenen aus Schiller im neuen Königsbau übertragen, und etwas später bekam er noch eine ganze Reihe Bilder zu Bürger’s Gedichten eben dort im Appartement der Königin. Hier emancipirte er sich ziemlich vollständig vom Classicismus der Cornelianischen Schule, ward ganz Romantiker, Colorist und Stimmungsmaler, soweit das überhaupt damals in München möglich war. Jene Compositionen, die zu ihrer Zeit einen außerordentlichen Erfolg hatten, vom Publicum ihres größeren malerischen Reizes halber allen anderen vorgezogen wurden, sind auch heute nicht ohne Werth, von origineller und schwungvoller eleganter Auffassung und guter Zeichnung so wie eines Reizes des Vortrags, der den meisten Bildern der Schule sonst gänzlich abgeht. Sie sind aber auch modern in gutem und schlechtem Sinne, männlicher und weniger süßlich sentimental als die der damaligen Düsseldorfer Romantiker, haben sie etwas vom Adel der Schiller’schen, und dem Stimmungsvollen, der Plastik der Bürger’schen Gedichte. – Auch die ganz moderne Zeit verstand F. in dieser Periode mit Glück künstlerisch zu gestalten in seiner figurenreichen Composition von König Otto’s Abschied, durch Bodmer lithographirt. War er so dem Genre [151] immer näher gekommen, so ging er jetzt ganz zu demselben und zu der seiner coloristischen Tendenz mehr entsprechenden Oelmalerei über, malte Griechenbilder, den Ritter und sein Liebchen und des Sängers Fluch nach Uhland, eine fast zu pathetisch schwungvolle Composition von unbestreitbarem Adel, obwohl es seinen gut gedachten, aber selten der Natur abgelauschten Figuren meist an echtem inneren Leben gebricht, und er daher leicht theatralisch wird. Dies gilt auch von seinen ziemlich zahlreichen Bildern aus dem oberbaierischen Bauernleben, unter denen die bedeutendsten der Bittgang auf der Alm und ein Tyrolerkampf sind, die mit bemerkenswerthem coloristischem Reiz als stilisirte Stimmungsbilder Leopold Robert sehr verwandt erscheinen, dessen Feinheit der Zeichnung, Adel und typische Prägnanz der Charaktere sie aber allerdings nicht erreichen. Er bereiste nun 1837–39 Italien, ohne jedoch andere Einflüsse als die von Riedel und Leopold Robert in seinen dortigen und nachherigen Arbeiten, einigen Madonnenbildern, einer italienischen Mutter mit Kindern am Meer u. A. zu zeigen. Ueberhaupt hat diese zweite Periode seines Lebens die Erwartungen nicht erfüllt, welche die erste erregte. Zum Professor der Malclasse an der Akademie ernannt, versammelte er bald eine große Schule um sich, aus der Bischof, Rhomberg, Hauschild, Schwoiser, Schwörer u. A. hervorgingen, producirte aber selber außer einer Reihe von Bildern im Schönborn’schen Palais nur mehr sehr wenig, bis er 1852 den Auftrag erhielt für das Maximilianeum in über lebensgroßen Figuren den Kniefall Barbarossa’s vor Heinrich dem Löwen zu malen. Sind diese beiden gut erfunden, so ist das Ganze doch kalt und akademisch, theatralisch componirt, hart, bunt und leer in der Ausführung. Noch weniger paßte seine Art für das etwas später ausgeführte Perikleische Zeitalter, wie der mittelalterliche Romantiker, der in seinen Bildern in hohem Grade die eigene Subjectivität vorwalten läßt, für die heitere Schönheit der antiken Welt überhaupt kein rechtes Verständniß besaß. 1865 ward er zum Director der Pinakothek ernannt, wo er Anfangs sich durch bessere Placirung und Beleuchtung der Bilder etc. viel Verdienst erwarb, später aber durch ein zu förmlicher Manie gewordenes Uebermalen der alten Bilder noch mehr Schaden anzurichten drohte, bis er 1875 pensionirt ward. Immerhin gehört F. aber zu den bedeutenderen Künstlern der Cornelianischen Zeit und Schule, der ihr neue Wege zu bahnen verstand.