ADB:Forkel, Johann Nikolaus

aus Wikisource, der freien Quellensammlung
Zur Navigation springen Zur Suche springen

Empfohlene Zitierweise:

Artikel „Forkel, Johann Nikolaus“ von Eduard Krüger in: Allgemeine Deutsche Biographie, herausgegeben von der Historischen Kommission bei der Bayerischen Akademie der Wissenschaften, Band 7 (1878), S. 155–156, Digitale Volltext-Ausgabe in Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=ADB:Forkel,_Johann_Nikolaus&oldid=- (Version vom 14. September 2019, 11:08 Uhr UTC)
Allgemeine Deutsche Biographie
>>>enthalten in<<<
[[ADB:{{{VERWEIS}}}|{{{VERWEIS}}}]]
<<<Vorheriger
Forgacs, Simon
Nächster>>>
Formey, Samuel
Band 7 (1878), S. 155–156 (Quelle).
Wikisource-logo.png Johann Nikolaus Forkel bei Wikisource
Wikipedia-logo-v2.svg Johann Nikolaus Forkel in der Wikipedia
GND-Nummer 118809962
Datensatz, Rohdaten, Werke, Deutsche Biographie, weitere Angebote
fertig
Fertig! Dieser Text wurde zweimal anhand der Quelle Korrektur gelesen. Die Schreibweise folgt dem Originaltext.
Kopiervorlage  
* {{ADB|7|155|156|Forkel, Johann Nikolaus|Eduard Krüger|ADB:Forkel, Johann Nikolaus}}    

{{Normdaten|TYP=p|GND=118809962}}    

Forkel: Johann Nikolaus F., geb. zu Meeder bei Coburg 1749, studirte in Göttingen 1769, woselbst er dann fast 50 Jahre gewirkt hat als Organist, Musikdirector, Lehrer und Schriftsteller bis an seinen Tod 1818. Aus seiner Jugend ist nur bekannt, daß er früh der Heimath entfremdet ward, im ersten Jünglingsalter, wie einst J. Seb. Bach gen Lüneburg pilgerte und daselbst als guter Sänger im Kirchenchor sein Brot verdiente; von hier gelangte er zu ähnlicher Stellung nach Schwerin, wo Gesang und Harfenspiel ihm fürstliche Gönner erwarb, die ihn zu akademischen Studien bewogen und unterstützten. So kam er nach Göttingen, um Jura zu studiren. Die halb zwangsweise übernommene Pflicht erfüllte er über ein Jahr hindurch, bis ihn Natur und Wille bewog, sich gänzlich der Tonkunst zu widmen. Diesem Entschluß getreu verblieb er von nun an in Göttingen, wo zwar keine Fundgrube musikalischen Quellenstudiums zu erschöpfen war, desto mehr aber günstiger Boden, im Leben der Kunst als Lehrer zu wirken und der Wissenschaft durch redlich unermüdeten Fleiß Dienste zu leisten, die spätern Sammlern und Forschern zu Gute kamen, während die eigene produktive Kraft weder im Tonsatz noch in den litterarischen Arbeiten hervorleuchtend war. – Bemerkenswerth unter seinen Schriften sind [156] außer seinen akademischen Programmen vornehmlich die folgenden: „Musikalisch-kritische Bibliothek“, die 1778–90 in zwei Bänden erschien und abschloß. Der erste Aufsatz darin „Ueber die Musik des Ritters von Gluck“ erregte Aufsehen, da er den berühmten Operndichter scharf kritisirte; eine Kritik, welche zwar in vielen Punkten treffend, im Ganzen doch durch den Vergleich mit Seb. Bach verfehlt und parteilich ausfiel; wie er denn auch später den jugendlich ringenden Beethoven, ohne ihn zu begreifen, scharf geißelte. „Allgemeine Litteratur der Musik“ (1792), sorgfältig gearbeitet, überwiegend bibliographisch, aber auch reich an kritisch historisch ästhetischen Excursen, so daß sie Nachfolgern, wie Peter Lichtenthal in seinem Dizionario e Bibliografia della musica (Milano 1826. 4 Bde.) und C. F. Becker willkommenen Stoff zum Fortarbeiten darbot. „Allgemeine Geschichte der Musik“ (Th. 1. 1788, Th. 2. 1801 in 4°); leider unvollendet, schließt sie mit dem Mittelalter, ist reich an Thatsachen, aber auch an schwierigen Partien, Dunkelheiten der Sprache und gewagten Hypothesen. Die jüngste Schrift: „Joh. Seb. Bach’s Leben, Kunst und Werke“ (1802) ist eine liebreiche Darstellung des großen Meisters, theilweis eine Ergänzung der Berichte von Mitzler und Philipp Emmanuel Bach; eine Biographie, die an innerem Werth viele der späteren überwiegt. Sebastians Ehre und Gedächtniß galt dem treuen F. als Nationalangelegenheit der Deutschen – zu einer Zeit, wo dies Wort noch nicht Mode war.