ADB:Friedrich II. (Erzbischof von Salzburg)

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Artikel „Friedrich II., Erzbischof von Salzburg“ von Franz von Krones in: Allgemeine Deutsche Biographie, herausgegeben von der Historischen Kommission bei der Bayerischen Akademie der Wissenschaften, Band 8 (1878), S. 10–12, Digitale Volltext-Ausgabe in Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=ADB:Friedrich_II._(Erzbischof_von_Salzburg)&oldid=- (Version vom 27. Juni 2019, 03:05 Uhr UTC)
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Friedrich II., Erzbischof von Salzburg († 7. April 1284), aus dem edeln Geschlechte der Walchen auf dem „Walchenthurm“ im Pinzgau, die vielleicht, wie der Name besagt, romanischen Ursprunges waren. Unter seinem Vorgänger Wladislaw, dem schlesischen Piastenfürsten und Vetter König Ottokars II. von Böhmen, Dompropst, gelehrt und geschäftsgewandt, übernahm F. nach dessen Tode (Frühjahr 1270) als erwählter Metropolit die Führung des Hochstiftes in schlimmster Zeit. Ein gewaltiger Brand, der Salzburg großentheils einäscherte, und Mißwachs mit vielem Elend im Gefolge erschwerten nicht wenig die ersten Schritte des neuen Erzbischofes. Aber auch seine Stellung zu dem mächtigsten Nachbar, dem genannten Prěmysliden Ottokar II., war ungemein widerspruchsvoll. Denn dieser Herrscher, in dessen Landen Oesterreich, Steiermark und Kärnten die auswärtigen Besitzungen des Hochstiftes lagen, war ein durch frühere Gelegenheiten verwöhnter Schutzherr Salzburgs. Zwei Erzbischöfen, den beiden Vorgängern Friedrichs, Philipp, dem sponheimischen Herzogssohne, und jenem Wladislaw, hatte der böhmische Hof durch seinen großen Einfluß bei der Curie zu ihrer Würde verholfen. Ottokar betrachtete sich gewissermaßen als Vormund der salzburgischen Metropole, während der neue Kirchenfürst, ein Mann von kräftigem Eigenwillen und nicht ohne Ehrgeiz in politischen Dingen, die volle Selbständigkeit gewinnen und behaupten wollte. Zunächst benahm sich Erzbischof F. dem mächtigen Herrscher gegenüber mit kluger Berechnung, geschmeidiger Festigkeit; denn noch hatte er das Pallium in Rom nicht erwirkt, und die besonders an Kärnten haftenden Rechtsstreitigkeiten zwischen dem Erzbisthum, als Inhaber großer Liegenschaften und Nutzungsrechte, und der herzoglichen Gewalt machten rasche und möglichst gedeihliche Auseinandersetzungen nothwendig. Der Vertrag, den König Ottokar II. mit Erzbischof F. den 12. December 1270 zu Judenburg im Steierlande abschloß, beweist am besten, wie der Böhmenkönig dem neuen Metropolitan entgegenkam, um sich seiner Geneigtheit zu versichern, und auch im J. 1271, wo wir den Salzburger in Wien und dann (Juli) in Prag bei Ottokar II. vorfinden, schien nichts auf die harten Kämpfe schließen zu lassen, die alsbald zwischen beiden ausbrachen; denn F. bethätigt sich z. B. als einer der Vermittler des wichtigen Friedens zwischen dem Böhmen- und Ungarnkönige. Im Spätjahr 1272 begab sich der Erzbischof nach Rom zum Papst Gregor X., um sich das Pallium zu holen. Er gelangte dazu 1273, mußte jedoch schließlich noch die großen Schulden zahlen, welche sein Vorgänger Ulrich, vormals B. v. Seckau und Nebenbuhler Philipps, durch seine verunglückten Bestrebungen am 1. September 1265 zur Abdankung gezwungen, in seiner Geldnoth sich auf den Hals geladen hatte und auf deren Begleichung die Curie mit Zähigkeit bestand. Die Wahl König Rudolfs von Habsburg (Sept. 1273) ist der entscheidende Augenblick im politischen Leben des Erzbischofs F. Fest entschlossen, durch Parteinahme für das neue Reichsoberhaupt seine eigene Stellung Ottokar gegenüber abzugrenzen, wird der Metropolit von dem Hagenauer Hoftage (Februar 1274) an, der ihm eine Schutzurkunde des deutschen Königs verschafft, dessen zähester Anhänger in Süddeutschland. Mit dieser Gesinnung hatte er sich zur Lyoner Kirchenversammlung begeben, die seit Mai 1274 unter dem Vorsitze des Papstes tagte. Im August übertrug ihm, unter Beihülfe des Passauer und Regensburger Bischofes, Kaiser Rudolf die Führung der Reichsgeschäfte, den 17. September schrieb Papst Gregor X. aus Lyon an ihn in Bezug des vom römischen Stuhle geplanten Kreuzzuges, und vom 29.–31. October beschäftigte sich die Provinzialsynode zu Salzburg mit diesem Projecte und einer Reihe wichtiger geistlicher Maßregeln, welche insbesondere gegen weltliche Vergewaltigung des Clerus und seiner Rechte sich kehrten. Es war dies um so zeitgemäßer, als sich bald der Bruch des Erzbischofes mit König Ottokar vollzog, F. Bannfluch und [11] Interdict wider den Böhmenkönig und dessen Lande bereit hielt, überdies alles aufbot, um seine Suffragane von dem Premysliden abzuziehen und für die Sache Rudolfs zu gewinnen. Die Aufgabe war um so schwieriger, als sich der Böhmenkönig noch im Vollbesitze seiner Macht befand, an einen offenen Abfall der Alpenlande von ihm noch nicht zu denken war und – abgesehen von der Nürnberger Reichshofsatzung des Novembers 1274 – noch keine directe Maßregel des neuen Königs Deutschlands gegen Ottokar sich vollzog; der Habsburger, noch weit entfernt von der Aechtung und Bekriegung des gewaltigen Gegners, auch keine Machtmittel besaß, seine Anhänger im östlichen Alpenlande zu schützen. Die Correspondenz des Erzbischofs vom Spätjahre 1274 bis zum März 1275 überströmt von Klagen über Ottokars Gewaltthaten gegen die Besitzungen und Rechte Salzburgs und Bitten um Hülfe. Denn im Winter 1274–75 ließ der Böhmenkönig die Besitzungen Salzburgs, namentlich in Kärnten, furchtbar heimsuchen. Ueberdies stand damals der Seckauer Bischof Wernhard auf Ottokars Seite und der Freisinger Konrad spielte eine sehr zweideutige Rolle. Ja der Seckauer entzog dem Erzbischofe den ganzen Boden seiner Wirksamkeit in der Steiermark und ließ es sogar an einer Schmähschrift wider König Rudolf nicht fehlen. Andererseits wünschte jedoch Ottokar mit dem Salzburger Metropoliten sich zu vergleichen, um, angesichts der Unvermeidlichkeit des Conflictes mit Rudolf, den wichtigen Kirchenfürsten zu entwaffnen. So kam es zu den Maiverhandlungen des J. 1275 zwischen Beiden. F. hatte jedoch zu entschieden Rudolfs Sache zu der seinigen gemacht, als daß ein Ausgleich zwischen ihm und dem Böhmenkönige möglich war. Um so schwerer lastete nun dessen Feindeshand auf dem Erzstifte, und das Mandat Rudolfs vom 24. November 1275, man möge der Salzburger Kirche und deren Suffraganen Beistand wider alle Reichsfeinde leisten, konnte wenig Abhülfe gewähren. So erneuern sich denn die Klagen und Hülferufe des Metropoliten, dessen Suffragan, der Seckauer, endlich doch von Ottokar abfiel. Als nun die Entscheidung, der Reichskrieg wider den Böhmenkönig in Gang kam, war einer der thätigsten dabei der Salzburger, von welchem sogar der ursprüngliche Feldzugsplan des J. 1276 mit entworfen wurde. Bei dem Abschlusse des wichtigen Novemberfriedens zwischen Rudolf und Ottokar im Lager zu Wien war auch F. thätig. Seine entschiedene Parteinahme rühmten auch die Gnadenurkunden Rudolfs, um so mehr, als es ihm um die Erwerbung der Salzburger Lehen für sein Haus zu thun war. In der Marchfelder Augustschlacht vom J. 1278 fehlten die Krieger des Erzbischofes nicht. Er selbst erschien dann im Lager vor Kolin und Sedlec, um den Frieden zwischen Böhmen und König Rudolf vermitteln zu helfen. Wiederholt gewahren wir den Erzbischof in den J. 1279–81 am königlichen Hoflager, an wichtigen Abmachungen betheiligt. Für den Landfrieden im eigenen Gebiete gab es manches zu thun. So störte denselben der salzburgische Vogt im Lungaue, Otto v. Saurau (1281), und um dieselbe Zeit beunruhigte der einstige Anhänger Ottokars, Wiens gewesener Bürgermeister, Paltram, der sich den Folgen der Acht durch die Flucht zu Heinrich von Baiern entzogen, von Karlstein bei Reichenhall aus, im Einverständnisse mit dem Wittelsbacher, das Hochstiftland. Es kam nun zu einem neuen Vergleiche mit Baiern, den jedoch der ausbrechende Streit zwischen König Albrecht I. und Herzog Heinrich wieder umstoßen sollte, da der Habsburger den Beistand und die Kriegshülfe des Salzburgers in Anspruch nahm. Doch wurde die Sache noch vor dem blutigen Austrage friedlich beigelegt. Der letzte politische Act des Erzbischofs war die Belehnung Herzog Albrechts I. mit den salzburgischen Lehen (9. Febrar 1284). Bald darauf schied Friedrich v. Walchen (7. April) zu Friesach aus dem Leben, [12] einer der politisch rührigsten Metropoliten und Wiederhersteller des Ansehens der Salzburger Kirche.

Die Werke über Gesch. des Hochstiftes Salzburg von Hundt, Metzger, Hansiz, Kleinmeyer, Zauner, Pichler. Kurz, Gesch. Oesterr. u. Ottokar u. Albrecht I. Kopp, Gesch. d. eidgen. Bünde, I. II. O. Lorenz, D. Gesch. i. 13. u. 14. Jahrh., 1. 2. Handb. d. Gesch. Kärntens, IV. 1. Abth. v. Tangl, Die Corr. Erzb. Friedrichs mit Rudolf I. in Bodmann’s Cod. epist. r. Rudolphi. Stobbe, Summa curiae regiae i. 14. Bde. d. Arch. f. K. ö. G. III., und Chmel’s Aufs. im 108. H. der Wiener Jahrb. f. Litt. u. K. (1845). Urkundl. Material z. Salzb. Kirchenstreite als Ergänzung zu Lichnowski’s Gesch. des H. Habsburg. Bd. I.