ADB:Friedrich II. (Landgraf von Hessen-Homburg)

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Artikel „Friedrich II. mit dem silbernen Bein, Landgraf von Hessen-Homburg“ von Arthur Wyß in: Allgemeine Deutsche Biographie, herausgegeben von der Historischen Kommission bei der Bayerischen Akademie der Wissenschaften, Band 7 (1878), S. 520–522, Digitale Volltext-Ausgabe in Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=ADB:Friedrich_II._(Landgraf_von_Hessen-Homburg)&oldid=- (Version vom 17. August 2019, 12:55 Uhr UTC)
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Friedrich II. mit dem silbernen Bein, Landgraf von Hessen-Homburg, wurde am 30. Mai/9. Juni 1633 als fünfter Sohn des ersten Landgrafen von Hessen-Homburg, Friedrich I. und dessen Gemahlin Margarethe Elisabeth von Leiningen-Westerburg geboren. Bereits in seinem fünften Jahre verlor er seinen Vater († 9./19. Mai 1638). Die Folgen eines im J. 1648 durch einen unglücklichen Sturz erlittenen Schenkelbruches nöthigten ihn, das Bad Pfäffers in der Schweiz zu besuchen. Als bald darauf der General Turenne mit seinen Truppen in die Nähe Homburgs kam, wurde F. von seiner Mutter dem französischen Feldherrn entgegen gesandt, um weitere Drangsale von dem durch die Stürme des langjährigen Krieges bereits schwer heimgesuchten Ländchen abzuwenden. Turenne fand an dem Jüngling so großen Gefallen, daß er ihm sein Leibregiment zu Pferd anbot und ihn auf seine Kosten reisen und für den Kriegsdienst ausbilden lassen wollte. Jedoch der Plan scheiterte an der Weigerung der Mutter Friedrichs, welche vorzog, ihren Sohn zunächst auf die Akademie nach Genf zu schicken. Von Genf aus besuchte er einen Theil Italiens und Frankreichs, wobei namentlich alles, was das Kriegswesen betraf, sein Interesse in Anspruch nahm. Als Karl X. Gustav den schwedischen Thron bestieg (Juni 1654), [521] eilte F. nach Stockholm, um in das schwedische Heer einzutreten. Der König ernannte ihn zum Obersten und beauftragte ihn, ein deutsches Reiterregiment zu werben. Den Gefahren einer Vergiftung an der Tafel des Grafen Königsmark und eines Schiffbruchs auf der Ueberfahrt nach Deutschland entging er glücklich, warb in Frankfurt a. M. sein Regiment und führte es, einen unterwegs ausgebrochenen Aufruhr der Soldaten mit großem Geschick stillend, in das Hauptquartier vor Danzig. Ein unglücklicher Sturz mit dem Pferde, den er hier nach einem eben so kühnen wie erfolgreichen Reiterangriff erlitt, machte ihn längere Zeit kampfunfähig. Nach seiner Wiedergenesung nahm er, unterdessen zum Generalmajor aufgerückt, an der Belagerung von Kopenhagen Theil. Hier tödtete ihm am 19./29. Jan. 1659 eine Geschützkugel das Pferd unterm Leibe und zerschmetterte ihm das linke Bein, so daß es nur noch an der großen Sehne hing. Trotz des furchtbaren Schmerzes besaß er noch Kraft genug, die Sehne selbst zu durchschneiden. Von einem künstlichen Bein mit silbernen Gelenken, welches er fortan trug, erhielt er den Beinamen „mit dem silbernen Bein“. Nachdem er in Homburg seine Heilung abgewartet hatte, wobei er die Schmerzen der bereits brandig gewordenen Wunde durch Reiten und Jagen zu vergessen suchte, eilte er wieder nach Schweden. Karl X. hatte ihn zum Statthalter von Livland bestimmt, aber nach dem Tode des Königs (Februar 1660) machte sich die nationale Eifersucht der Schweden gegen F. in so verletzender Weise fühlbar, daß er vorzog, den schwedischen Dienst zu verlassen. Am 12./22. Mai 1661 vermählte er sich zu Stockholm mit Margarethe, Tochter des schwedischen Reichsrathes Abraham Brahe, Grafen von Wisingsburg und Wittwe des Grafen Johann Oxenstierna (geb. am 28. Juni/8. Juli 1603). Die Heirath mit dieser bereits bejahrten Frau verwickelte ihn in einen Streit mit dem Fürsten Heinrich Ludwig von Nassau-Dillenburg, welcher ältere Rechte auf die Hand Margarethens zu haben glaubte. Die reichen, ihm von seiner Gemahlin zugebrachten Mittel benutzte er zur Erwerbung bedeutender Güter. So kaufte er die Aemter Weferlingen und Winningen im Halberstädtischen, Hötensleben im Magdeburgischen und Neustadt an der Dosse in der Mark Brandenburg. Letzteres überließ er 1694 gegen das Amt Oebisfelde dem Kurfürsten Friedrich III. von Brandenburg und verkaufte demselben auch Weferlingen. Am 15./25. Mai 1669 starb seine Gemahlin nach kinderloser Ehe, worauf er sich am 23. Octbr./2. Novbr. 1670 mit Louise Elisabeth, Tochter Herzog Jakobs von Kurland und Base des großen Kurfürsten Friedrich Wilhelm von Brandenburg (geboren am 12./22. August 1646) verheirathete. Diese Verbindung veranlaßte seinen Uebergang von der lutherischen zur reformirten Religion und steht in Beziehung zu seinem Eintritt in brandenburgische Dienste. Der Kurfürst Friedrich Wilhelm ernannte ihn am 9./19. December 1670 zum General der Cavallerie und übertrug ihm zwei Jahre später (am 9./19. August 1672) das Commando über sämmtliche Truppen des Kurstaates. In dieser Stellung gelangte F. auf den Gipfel seines kriegerischen Ruhmes durch seinen hervorragenden Antheil an dem glänzenden Sieg bei Fehrbellin (18./28. Juni 1675), wo er als Befehlshaber der Vorhut den Kampf eröffnete und sich als kühnen und geschickten Reiterführer bewährte. Auch beim Abschluß des Friedens von St. Germain wurde er von dem Kurfürsten verwandt. Nach dem kinderlosen Tode seines zweitältesten Bruders, des zur katholischen Religion übergetretenen spanischen Cavalleriegenerals Georg Christian ( † 1./11. August 1677) löste er das von diesem an Hessen-Darmstadt verpfändete Amt Homburg vor der Höhe wieder ein (1679) und nahm fortan daselbst seinen Wohnsitz. Am 27. Aug./7. Sept. 1681 starb auch sein ältester Bruder, Landgraf Wilhelm Christoph, ohne männliche Nachkommen zu hinterlassen. F. widmete sich nun ganz der Regierung seines Landes. Das [522] von Landgraf Wilhelm Christoph inne gehabte Amt Bingenheim mußte er den Verträgen gemäß an das Haus Hessen-Darmstadt zurückgeben, erlangte aber eine Geldentschädigung. An der Stelle der unansehnlichen alten Burg zu Homburg baute er das jetzige stattliche Schloß, dessen Grundstein er im J. 1680 legte. Die verfallenen Salinen setzte er wieder in Stand und steigerte ihren Ertrag. Durch die Leiden des 30jährigen Krieges war die Zahl der Bevölkerung und der Wohlstand des Landes sehr gesunken. F. beförderte daher eifrig und mit bestem Erfolge die Einwanderung gewerbfleißiger Ausländer, wozu ihm namentlich die Vertreibung der Hugenotten aus Frankreich Gelegenheit bot. So gründete er 1686 die Neustadt Homburg, die bald bedeutender wurde als die Altstadt, im folgenden Jahre die schnell zu großer Blüthe gelangte französische Colonie Friedrichsdorf und überwies im J. 1697 vertriebenen Waldensern aus Piemont das wüste Dorf Dornholzhausen. Nach dem am 16./26. Dec. 1690 erfolgten Tode seiner zweiten Gemahlin schritt er am 15./25. Nov. 1691 zur dritten Ehe mit Sophie Sybille, Tochter des Grafen Johann Ludwig von Leiningen-Heidesheim, geb. am 14./24. Juli 1656. Er starb am 24. Jan. 1708 zu Homburg. Ein Jahr vor seinem Tode hatte er den König Karl XII. von Schweden zu Altranstädt besucht und war von demselben in der ehrenvollsten Weise aufgenommen worden. Von seinen 15 Kindern (12 zweiter und 3 dritter Ehe), von welchen ihn 7 überlebten, wurde sein Sohn Friedrich Jakob (geb. am 19./29. Mai 1673) sein würdiger Nachfolger. F. vereinigte die Eigenschaften eines tüchtigen Reiterführers mit denen eines wohlwollenden und weisen Regenten. Sein entschlossener und praktischer Sinn steht in directem Gegensatz zu dem weichlichen romantischen Wesen, mit welchem ihn Heinrich v. Kleist in dem Trauerspiel „Prinz Friedrich von Homburg“ dargestellt hat.

Marburger Archiv. De Verdy du Vernois, Histoire de Hesse-Hombourg, Berl. 1791, S. 75–135. Rommel, Gesch. von Hessen, Bd. IX. S. 467 bis 472. J. G. Hamel, Friedrich II. mit dem silbernen Bein, Landgraf von Hessen-Homburg, Berl. 1861. J. G. Hamel, Hessen-Homburgische Reim-Chronik, 2. Ausg., Homb. 1866, S. 205–223 (wo interessante Briefe Friedrich’s und Aufzeichnungen aus seinem Leben von seinem Kammerdiener Johann Pocksen). Die Schlacht bei Fehrbellin und der Prinz von Hessen-Homburg in W. Schwartz, Bilder aus der Brandenb.-Preuß. Geschichte, Berl. 1875. v. Witzleben und Hassel, Fehrbellin, Berl. 1875.