ADB:Georg III. (Fürst von Anhalt)

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Artikel „Georg III., Fürst von Anhalt“ von Otto von Heinemann in: Allgemeine Deutsche Biographie, herausgegeben von der Historischen Kommission bei der Bayerischen Akademie der Wissenschaften, Band 8 (1878), S. 595–596, Digitale Volltext-Ausgabe in Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=ADB:Georg_III._(F%C3%BCrst_von_Anhalt)&oldid=- (Version vom 15. September 2019, 03:39 Uhr UTC)
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Georg III., Fürst von Anhalt, war der dritte Sohn des Fürsten Ernst von Anhalt († 1516) aus dessen Ehe mit Margaretha, einer Tochter des Herzogs Heinrich I. von Münsterberg. Geboren am 13. August 1507, verlor er den Vater in früher Jugend und seine wie seiner Brüder Erziehung fiel daher vorzugsweise seiner frommen und haushälterischen Mutter zu, welche mit den Kurfürsten Albrecht von Mainz und Joachim von Brandenburg sowie mit dem Herzoge Georg von Sachsen die Verwaltung des Landes und die Vormundschaft über die jungen Fürsten bis zu deren Großjährigkeit führte. Dem geistlichen Stande bestimmt, ward G. 1518 Domherr in Merseburg und bezog dann 1519 in Gemeinschaft mit seinem Bruder Johann die Universität Leipzig, wo er sich unter Leitung seines Präceptors Georg Held aus Forchheim eine gelehrte Bildung von einer Tiefe und einem Umfange erwarb, wie sie selbst in jener Zeit der wiederauflebenden Studien, wenigstens in fürstlichen Kreisen, zu den Seltenheiten gehörte. Wie fast alle hervorragenden Geister jener Tage ward auch er von den die Zeit fast ausschließlich beherrschenden religiösen Fragen auf das Innigste berührt, doch blieb der Einfluß der eifrig katholischen Mutter für ihn noch lange Zeit maßgebend. Im J. 1520 ward er Coadjutor der Dompropstei Merseburg und 1524 wirklicher Dompropst daselbst. Cardinal Albrecht, Erzbischof von Mainz und Magdeburg, der seine ausgebreiteten Kenntnisse, namentlich auf dem Gebiete des kanonischen Rechtes, zu schätzen wußte, ernannte ihn 1529 zu seinem Rathe in der Regierung des Erzstifts Magdeburg. Nachdem er ein Bisthum, das man ihm antrug, aus Gründen, die seiner Einsicht wie seinem Charakter gleich sehr zur Ehre gereichten, abgelehnt, ward er nach seiner Mutter Tode († 8. Juni 1530) durch eifrige Beschäftigung mit Luther’s und Melanchthon’s Schriften allmählich für die lutherische Lehre gewonnen. So langsam, ja fast schüchtern sich diese Wandlung in seinem Seelenleben vollzog, so bestimmt und entschieden hat er an ihr, nachdem sie eine Thatsache geworden, festgehalten. Eine milde, versöhnliche, aber in der gewonnenen Ueberzeugung festwurzelnde Persönlichkeit, blieb Fürst G. gegenüber den Mahnungen seines früheren Vormundes, des Herzogs Georg von Sachsen, der ihn in der katholischen Kirche festzuhalten bemühet war, ebenso unerschütterlich wie er andererseits Luther wegen seiner oft allzu lebhaften und derben Schreibweise freimüthig tadelte. „Ich weiß, erwiederte ihm dieser, daß Ew. Fürstliche Gnaden es christlich, wohl und gut meinen, so will ich mich auch nicht dünken lassen, daß ich allein den heiligen Geist habe, will meine scharfe Feder bey meinem Schreibzeug legen und beten helfen.“ Und ein anderes Mal äußerte er: „Fürst Georg ist frömmer denn ich; wo der nicht in den Himmel kommt, werde ich wohl herausbleiben.“ Selbst dem wegen der eifrigen Parteinahme des Fürsten Wolfgang im schmalkaldischen Kriege gegen das Anhaltische Haus äußerst feindselig gestimmten Karl V. wußte G. durch seine stille Seelengröße und seine feste, überzeugungsvolle Sprache eine fast an Sympathie grenzende Achtung abzugewinnen. Unter allen Fürsten des Reiches, meinte er, sei keiner, dem er den Fürsten Georg an Frömmigkeit vergleichen oder vorziehen könne. Er hoffte durch ihn vor anderen noch in Religionssachen etwas Nützliches auszurichten. Trotz seines Uebertritts [596] zum Lutherthum entsagte G. dem geistlichen Stande nicht, ließ sich vielmehr, nachdem er 1544 auf dringenden Wunsch des zum Administrator von Merseburg postulirten Herzogs August von Sachsen zum Coadjutor desselben erwählt worden war, feierlich als solchen von Luther im Dome zu Merseburg ordiniren, worüber ihm Melanchthon ein Attest ausstellen mußte. In dieser Stellung arbeitete er zum großen Theile die Kirchenordnung von 1544 aus, welche Herzog Moritz von Sachsen für seine Lande erließ. Bald aber nöthigte ihn die Niederlage der evangelischen Fürsten im schmalkaldischen Kriege, auf das Coadjutorat von Merseburg zu verzichten. Seit dieser Zeit (1548) wandte er seine Thätigkeit fast ausschließlich den Anhaltischen Landen zu, in welchen bereits früher durch ihn und seine Brüder Johann und Joachim in Gemeinschaft mit dem Fürsten Wolfgang die Lutherische Lehre eingeführt worden war. Bei der Landestheilung mit seinen Brüdern im J. 1546 waren ihm die Aemter Warmsdorf, Plötzkau, Harzgerode und Günthersberge zugefallen, und diesem bescheidenen Besitzthume widmete er mit aufopfernder Hingebung die letzten Jahre seines Lebens. Durch verständige Verwaltungsmaßregeln suchte er den Wohlstand seiner Unterthanen zu heben, vor Allem war er aber auch hier bemüht, durch die Umgestaltung der Kirche im evangelischen Sinne und bessere Einrichtung der Schulen für ihr geistiges Wohl zu sorgen. Er verschmähete es nicht, die Pfarrer seines Landestheiles selbst zu unterrichten, predigte häufig in den Kirchen zu Dessau und Warmsdorf und suchte den religiösen Sinn in seinem Lande nach allen Richtungen hin zu beleben und zu fördern. Er starb 47 Jahre alt unvermählt, am 17. Octbr. 1553 zu Dessau, wo er auch begraben liegt. – Seine zahlreichen Schriften, welche von seinen Zeitgenossen den Schriften Luther’s und Melanchthon’s gleichgestellt wurden, sind ausschließlich theologischen Inhaltes. Sie sind zuerst 1555 zu Wittenberg in Folio mit einer Vorrede Melanchthon’s, dann in wiederholten Abdrücken erschienen. Außer einer Reihe von Predigten theils in lateinischer, theils in deutscher Sprache und von Sendschreiben an fürstliche und andere hervorragende Personen seiner Zeit dürfte die ganz in Luther’s Geiste geschriebene Schrift: „Unterricht, wie die Pfarrherren das Volk zur Buße und Gebet ermahnen sollen“, eine besondere Erwähnung verdienen. Auch hat er eine erbauliche Schrift seiner Mutter (Von dem Leiden, Sterben und der Auferstehung Christi, versificirt) herausgegeben, sowie er es auch vorzugsweise war, der Brotuff zur Abfassung seiner Anhaltischen Chronika veranlaßte.