ADB:Margarethe (Fürstin von Anhalt)

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Artikel „Margaretha, Fürstin zu Anhalt“ von Wilhelm Hosäus in: Allgemeine Deutsche Biographie, herausgegeben von der Historischen Kommission bei der Bayerischen Akademie der Wissenschaften, Band 20 (1884), S. 319–320, Digitale Volltext-Ausgabe in Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=ADB:Margarethe_(F%C3%BCrstin_von_Anhalt)&oldid=- (Version vom 15. September 2019, 17:19 Uhr UTC)
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Margaretha, Fürstin zu Anhalt, Tochter des Herzogs Heinrich von Münsterberg in Schlesien (eines Sohnes des Königs Podiebrad von Böhmen), wurde im Jahre 1473 (nach einer anderen Angabe am 27. Decbr. 1477) geboren und vermählte sich am 20. Januar 1494 zu Kotbus mit dem Fürsten Ernst zu Anhalt. Nach dem Tode ihres Gemahls (12. Juli 1516) übernahm sie unter Zuziehung des Kanzlers Paul von Berge die Verwaltung des Landes und die Erziehung ihrer drei minderjährigen Söhne, Johanns II., Georgs III. und Joachims. Als Vormünder der letzteren standen ihr der Kurfürst Albrecht von Mainz, der Kurfürst Joachim von Brandenburg und Herzog Georg von Sachsen zur Seite. Rings von den Regungen der Reformation umgeben blieb sie, geleitet von ihrem Hofprediger, dem gelehrten und in theologischer Polemik sehr gewandten Dr. J. Mensing, der alten Kirche treu und auch ihre Söhne konnten sich erst nach ihrem Tode (28. Juni 1530) entschließen, die neue Lehre öffentlich zu bekennen. Sie war eine Frau von hohem Verstande, entschlossenem Charakter, praktischer Gewandtheit, voll tiefer Frömmigkeit und dabei zugleich voll Laune und Witz. Als im J. 1517 Fürst Wolfgang zu Anhalt „als der nicht allemahl gleich attent auf seine Einkünfte war“ (vgl. Beckmann, Hist. d. Fürstenth. Anhalt V, 152.) ihr vorübergehend die Verwaltung seines Landestheils übertrug, schrieb sie ihm: „Weil mir Ew. Liebden die Haushaltung befehlen, will ich gern als ein alter Kettenhund bellen, so viel ich kann, das mag lauten, so weit es will“. Um die Verwaltung ihres eigenen Landes hat sie hohe Verdienste; ein Beweis, wie sie ganz ihrer neuen Heimath angehörte, ist die Einlösung des im vorigen Jahrhundert durch seine Gartenanlagen so berühmt gewordenen Wörlitz, für das sie ihr eingebrachtes Heirathsgut hingab. Nach einer Vermuthung, welche der Verfasser dieser Zeilen in den Mittheilungen des Ver. f. Anh. Gesch. etc. zu begründen versucht hat, stammt von ihr der für das Haus Anhalt denkwürdige „Ring der Frau Kröte“. Sie hat die „Historie vom Leiden, Sterben, Auferstehung und Himmelfahrt Christi in Reime gefasset“ und dadurch einen Namen unter den fürstlichen Dichterinnen Deutschlands erhalten. Das Ganze ist in vierzeiligen Strophen geschrieben, an die sich jedesmal als Schlußvers die Worte anschließen: „O Jesu, wie was dein Lieb so groß“. Da die Dichtung zu praktisch erbaulichem Gebrauch (die Fürstin pflegte sie „mit ihren Jungfrauen“ zu singen) bestimmt war, ist der Stoff nach den kirchlichen Stunden vertheilt: Zur ersten Vesper, erste Complett, zur Mette, zur Prima, zur Tertien, zur Sechsten, zur Nona, zur andern Vesper, zur andern Complett, Beschluß. Dem dichterischen Werke schließt sich ein längeres Gebet der Fürstin „Danksagung an Gott den Vater“ an. Fürst Georg III. ließ die Arbeit seiner Mutter als Anhang zu seinen vier Predigten über den 16. Psalm 1553 in Leipzig drucken und so ist dieselbe auch in die späteren Auflagen der Werke des Sohnes übergegangen. Ein der Schule L. Cranachs angehörendes [320] Bildniß der Fürstin M. findet sich in der Schloßkirche zu Dessau auf der nördlichen Wand unweit des herzoglichen Stuhles. Die Fürstin umfaßt auf diesem Bilde knieend im Gebet das Kreuz Christi.