ADB:Margarethe von Österreich

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Artikel „Margaretha von Oesterreich“ von Heinrich Ritter von Zeißberg in: Allgemeine Deutsche Biographie, herausgegeben von der Historischen Kommission bei der Bayerischen Akademie der Wissenschaften, Band 20 (1884), S. 320–321, Digitale Volltext-Ausgabe in Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=ADB:Margarethe_von_%C3%96sterreich&oldid=- (Version vom 24. August 2019, 12:02 Uhr UTC)
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Margaretha, älteste Tochter des Herzogs Leopold VI. von Oesterreich aus dem Geschlechte der Babenberger und der Griechin Theodora, wurde am 18. Nov. 1225 zu Nürnberg mit dem Sohne Kaiser Friedrichs II., dem römischen Könige Heinrich VII. vermählt und am 29. März 1227 zu Aachen gekrönt. Doch die Ehe war keine glückliche. Obgleich sich an dieselbe, für den Fall, daß sein Schwager, Herzog Friedrich II. der Streitbare kinderlos starb, Aussicht auf die Erwerbung Oesterreichs knüpfte, faßte doch Heinrich VII., der auch sonst ein lockeres Leben führte, den Plan, sich von seiner Gemahlin zu trennen und seine einstige Verlobte, die böhmische Prinzessin Agnes zu heirathen, wozu ihm das frühere Verlöbniß und die Nichtbezahlung der Mitgift seiner Frau den Anlaß bieten sollten. Da war es der Abt von S. Gallen, Konrad von Bußnang, der den jungen König von dem unseligen Gedanken abbrachte. Der Streit über die Mitgift aber wurde vom Kaiser selbst bei einer persönlichen Zusammenkunft mit dem Herzoge von Oesterreich zu Pordenone (1232) durch hohe Gelderbietungen beigelegt. Der Sturz Heinrich VII., der sich wider den Vater empört hatte, entschied auch über das Schicksal der unglücklichen Königin. Mit Heinrich VII. zugleich wurde seine Familie – seine Gattin und die beiden Söhne, die sie ihm geboren hatte, Friedrich und Heinrich – nach Italien abgeführt. Doch kehrte M. nach dem 1242 erfolgten Tode ihres Gemahls nach Deutschland zurück, wo wir sie 1244 im Marcuskloster zu Wirzburg antreffen (ihr angeblicher Aufenthalt im Katharinenkloster zu Trier beruht auf dem falschen Pernold). Nach dem Tode ihres Bruders Friedrich (1246), mit welchem der Mannsstamm der Babenberger erlosch, kam M. nach Oesterreich, wo sie Ansprüche auf das Land geltend zu machen suchte, indem sie gleich ihrer Nichte Gertrud, sich zur Begründung ihres Erbrechts, auf gewisse in der Verwahrung der Deutschordensritter zu Starhemberg bei Neustadt befindliche Privilegien berief. Allein der Papst, an den sich die beiden Frauen wendeten, entschied sich, als M. den ihr zum Gatten bestimmten, welfisch gesinnten Grafen von Henneberg ausschlug, für Gertruden und deren Gemahl, den Markgrafen Hermann von Baden, der aber bald (1250) starb, fast gleichzeitig mit Friedrich, dem Sohne Margaretha’s († 1251), den der Kaiser im Testamente zum Herzog von Oesterreich und Steiermark eingesetzt hatte. Als hierauf der junge böhmische Prinz Ottokar (II.) Oesterreich in Besitz nahm, reichte er auf den Rath des Bischofs Berchtold von Freising der bereits alternden M. die Hand, um sich dadurch der Anhänglichkeit seiner neuen, an den babenbergischen Traditionen festhaltenden Unterthanen zu versichern. Die Hochzeit Ottokars mit M. fand am 11. Februar zu Haimburg, ihrem bisherigen Wittwensitze statt, wobei die Braut dem Bräutigam eine „goldene Handveste“ (das Minus von 1245?) überreichte und damit ihr vermeintliches Recht auf das Land übertrug. Da Ottokar mit M. verwandt war, erfolgte nachträglich die päpstliche Dispens. Da aber die Ehe kinderlos blieb und der Papst sich zur Legitimation der unehelichen Kinder Ottokars nur unter der Bedingung bereit finden ließ, daß den letzteren dadurch kein Anspruch auf die Nachfolge erwachsen dürfe, beschloß der Böhmenfürst, sich von M. zu scheiden. Der Ehescheidungsproceß wurde, wie es scheint, von den Bischöfen von Prag und Olmütz geleitet. Die Ungültigkeitserklärung der Ehe stützte sich darauf, daß M. zu Wirzburg ein Gelübde abgelegt habe und als Nonne eingekleidet worden sei. Ob M. sich selbst dazu bekannt, ob sie dem bischöflichen Ehegericht selbst die Mittel an die Hand gab, um in hochherziger Weise Ottokar eine neue Heirath kanonisch möglich zu machen, bleibt [321] ungewiß. Nur so viel ist zu ersehen, daß der Papst erst längere Zeit darnach den Vorgang bestätigte. Im October 1261 verließ M. ihren Gemahl und zog sich still und ohne Widerrede nach Krems zurück, wo ihr ein Hofhalt eingerichtet wurde. Sie lebte, während sich Ottokar unmittelbar darnach mit der ungarischen Prinzessin Kunigunde vermählte, noch sechs Jahre als Wohlthäterin und Mutter der Armen verehrt, und als „die Königin der Thränen“ am 28. Octbr. 1267 aus dem Leben schied und zu Lilienfeld begraben wurde, machte ein Zwettler Mönch zu ihrem Todesjahre die Bemerkung, daß mit ihr die wahre Erbin des Landes gestorben sei.

v. Meiller, Regest. der Babenb. Th. Sickel, Eine Urkunde der Königin Margarete dd. 13. Oct. 1246 (Wiener Sylvesterspende 1858/59). Winkelmann, Gesch. K. Friedr. II. Schirrmacher, Ks. Friedr. II. Winkelmann in d. Forsch. z. d. Geschichte I. Lorenz in der Ztschrft. f. d. österreich. Gymn., 1857 und dessen deutsche Geschichte I. Abbildung ihres Siegels bei Sava, Siegel österreichischer Fürstinnen.