ADB:Glauburg, Johann von

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Artikel „Glauburg, Johann von“ von Rudolf Jung in: Allgemeine Deutsche Biographie, herausgegeben von der Historischen Kommission bei der Bayerischen Akademie der Wissenschaften, Band 49 (1904), S. 380, Digitale Volltext-Ausgabe in Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=ADB:Glauburg,_Johann_von&oldid=- (Version vom 5. Dezember 2019, 20:09 Uhr UTC)
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Glauburg: Johann von G. 1503–1571. Das ritterbürtige Geschlecht derer von Glauburg, von der Reichsburg gleichen Namens in der Wetterau abstammend, ließ sich um die Mitte des 13. Jahrhunderts in Frankfurt a. M. nieder; 1267 erscheint es zuerst unter den Schöffen; es hat im Laufe der Jahrhunderte der neuen Heimath 51 Bürgermeister gegeben und ist im J. 1830 im Mannesstamm erloschen. Unter den Mitgliedern dieser Familie ist Johann v. G. der bedeutendste; sein Einfluß und seine Bedeutung ragten in den Reformationskämpfen weit über die Mauern der alten Reichsstadt hinaus. Unter der Einwirkung seines Vormundes Hammann v. Holzhausen, eines der eifrigsten und zielbewußtesten Bekenner der lutherischen Lehre in Frankfurt, studirte Johann v. G. in Wittenberg im Verkehr mit den Reformatoren und kehrte 1526 in seine Vaterstadt zurück, um eine Frau aus dem Patriciergeschlecht der Knoblauch zu heirathen. 1527 trat er in den Rath der Stadt ein, 1532 wurde er Schöffe; in den Jahren 1537, 1542, 1547, 1552 und 1563 hat er das Amt des älteren Bürgermeisters bekleidet; diese Daten allein erweisen seine localgeschichtliche Bedeutung. Er war einer der thätigsten Beförderer der Reformation in seiner Vaterstadt, einer der angesehensten Städteboten auf den Tagen des Reichs und der Städte. 1535 war er an den Verhandlungen mit den Schmalkaldenern betheiligt, welche zu dem Anschlusse Frankfurts an den Bund führten. 1541 vertrat G. seine Stadt in Regensburg; es gelang ihm, ihr dort ein kaiserliches Privileg zu erwirken, welches die Ablösung der ewigen Zinsen gestattete – ein für die wirthschaftliche Entwicklung der Stadt wichtiger Schritt, dessen Durchführung freilich dank dem Widerstande der dadurch am meisten betroffenen katholischen Geistlichkeit noch Jahrzehnte erforderte. Von seiner Thätigkeit in den Regensburger kirchlichen Verhandlungen rühmt Johann Draconites, daß er dort „Gottes Wort und Christum von gemeiner Stadt Frankfurt wegen vor der ganzen Welt bekannt“ habe. In den Jahren 1547 und 1552, da die Stadt durch Kriegsbedrängnisse in der schwierigsten Lage war, wurde G. beide Male zum älteren Bürgermeister gewählt und hat seines Amtes mit großer Klugheit und Energie gewaltet. Von 1554 ab, als sich Vlamen, Wallonen und Engländer, ihres Glaubens halber aus der Heimath vertrieben, in großer Zahl in Frankfurt niederließen, war es Johann v. G., von dessen Rathschlägen sich die Stadt in ihrem Verhalten gegenüber den fremden Einwanderern leiten ließ. In den vielen Schwierigkeiten, welche die orthodoxe Engherzigkeit der lutherischen Geistlichkeit und der Concurrenzneid der einheimischen Kaufleute und Gewerbetreibenden den Fremden bereiteten, fanden sie in dem aufgeklärten, weitschauenden G. eine feste Stütze; die Einheimischen, insbesondere die Geistlichkeit, zieh ihn des Calvinismus; welchen Ansehens er sich bei Calvin und dessen Freunden erfreute, zeigt der Briefwechsel des Reformators. In Krieg und Frieden stets auf der Wacht, den eigenen Vortheil dem Wohle der Vaterstadt hintansetzend – so rühmt die Grabschrift das öffentliche Wirken Glauburg’s, eines der trefflichsten Staatsmänner, welche die Geschicke ihrer Stadt in schweren Zeiten zu leiten berufen waren.

J. K. v. Fichard’s handschriftliche Geschlechtergeschichte im Stadtarchive zu Frankfurt a. M., Fasc. Glauburg. – Quellen zur Frankfurter Geschichte, Bd. 2 (Frankfurt 1888).