ADB:Gmelin

aus Wikisource, der freien Quellensammlung
Zur Navigation springen Zur Suche springen

Empfohlene Zitierweise:

Artikel „Gmelin“ von Moriz Gmelin in: Allgemeine Deutsche Biographie, herausgegeben von der Historischen Kommission bei der Bayerischen Akademie der Wissenschaften, Band 9 (1879), S. 264–266, Digitale Volltext-Ausgabe in Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=ADB:Gmelin&oldid=- (Version vom 21. September 2019, 03:29 Uhr UTC)
Allgemeine Deutsche Biographie
>>>enthalten in<<<
[[ADB:{{{VERWEIS}}}|{{{VERWEIS}}}]]
<<<Vorheriger
Gmeiner, Franz Xaver
Band 9 (1879), S. 264–266 (Quelle).
Wikisource-logo.png [[| bei Wikisource]]
Wikipedia-logo-v2.svg OFF in der Wikipedia
GND-Nummer 118539914
Datensatz, Rohdaten, Werke, Deutsche Biographie, weitere Angebote
fertig
Fertig! Dieser Text wurde zweimal anhand der Quelle Korrektur gelesen. Die Schreibweise folgt dem Originaltext.
Kopiervorlage  
* {{ADB|9|264|266|Gmelin|Moriz Gmelin|ADB:Gmelin}}    

{{Normdaten|TYP=p|GND=118539914}}    

Gmelin. Die Familie G. ist in Südwestdeutschland weit verbreitet. Der älteste Träger des Namens, der sich urkundlich nachweisen läßt, war ein um das J. 1510 geborener Michael G., der im J. 1576 zu Weilheim bei Kirchheim u. Teck als Präceptor starb. Für fünf größere Zweige, in welche sich die Familie gespalten hat, läßt sich die gemeinsame Abstammung von diesem Michael G. aus den Kirchenbüchern erweisen; und es ist mehr als wahrscheinlich, daß die zahlreichen, in der Gegend von Kirchheim, Göppingen und von Heilbronn ansässigen Träger des Namens Gmehle oder Gmehlin ebenfalls Nachkommen Michaels sind; obschon sich der Zusammenhang nicht mehr feststellen läßt, weil die Kirchenbücher an mehreren Orten nicht mehr weit genug zurückreichen. [265] Nach einer Familiensage sollten die G. aus Rom stammen und Nachkommen des Patriciergeschlechtes Lentulus sein. Ein Urbanus Lentulus, den die Sage sogar zum Bischof machen will, soll um die Mitte des 14. Jahrhunderts als Flüchtling von Rom nach Süddeutschland gekommen sein, sich an der Teck angesiedelt, sein hohes bischöfliches Hirtenamt mit dem schlichten Hirtenstab vertauscht, seinen Namen Lentulus aber in „Gemächlich, Gmächlin, Gmehlin“ verdeutscht haben. Es liegt nahe, die Entstehung der Sage durch den umgekehrten Proceß zu erklären: dadurch, daß der Weilheimer Präceptor Michael G. der zeitgenössischen, vollends unter der gelehrten Zunft ganz allgemeinen Uebung, den Namen zu latinisiren, folgte. Michaels Nachkommen erlitten im 30jährigen Kriege schweres Ungemach, und mehrere Familien starben ganz aus. Unter den Einwirkungen und Nachwehen dieses Krieges erfolgte die Uebersiedelung zweier Zweige der Familie in die der schwäbischen Heimath benachbarte Pfalz und nach dem badischen Oberland. In den pfälzischen Städtchen Heidelsheim und Sinsheim ließen sich nach der Mitte des 17. Jahrhunderts einige Familienglieder nieder, von denen eine sehr große Handwerkerfamilie abstammt. Schon früher war ein junger Magister aus Bebenhausen, dem Rufe des baden-durlachischen Markgrafen Friedrich V. folgend, in den badischen Kirchendienst eingetreten. Dieser Jeremias G. (s. d. Art.) ist der Stifter eines in der Gegend von Müllheim und Badenweiler ansässigen ausgebreiteten Zweiges geworden, dem der Kupferstecher Wilhelm Friedrich G. (s. d. Art.) und sein jüngerer Bruder, der Botaniker Karl Christian G. (s. d. Art.) angehören. Von den 2 Linien, in welche die Würtemberger G. sich theilten, ist die eine im Mannsstamm ausgestorben; die beiden anderen, die Stuttgarter und die Tübinger Linie, sind zur Zeit noch durch 35 Familienhäupter vertreten. Wenn von den G. oft als von einer Familie von Gelehrten, Beamten und Geistlichen gesprochen wird, so hat dies volle Richtigkeit nur mit Bezug auf eine, auf die Tübinger Linie; nur theilweise gilt es für die Stuttgarter und für einen Zweig der oberbadischen Linie. Bei der Tübinger Linie trifft es allerdings zu, daß, mit verschwindend wenigen Ausnahmen, bei der Wahl des Berufes kaum ein anderes Gebiet in Betracht kommt, als die wissenschaftliche oder die Beamtenlaufbahn. Und wenn der Name G. weit über die Grenzen der engeren Heimath hinaus bekannt geworden ist, so ist dies das Verdienst einer Reihe von Angehörigen dieser Linie. Selten nur wird ein so wissenschaftlicher Geist, ein so ausgeprägter Trieb nach nüchterner Forschung und so tüchtige Gelehrsamkeit sich von Geschlecht zu Geschlecht fortgeerbt haben. Mit der Geschichte der Wissenschaft und speciell mit der Geschichte der Universität Tübingen, ist der Name G. aufs engste verknüpft; vom J. 1749 oder wenn man daran denkt, daß auch der Stifter der Tübinger Linie, der Apotheker und Chemiker Johann Georg G. († 1728), zugleich Akademiker war und Vorlesungen an der Universität hielt, etwa vom J. 1710 an bis zum J. 1860 (Todesjahr des Chemikers Christian G.), war der Name im akademischen Lehrkörper zu Tübingen, zuweilen durch mehrere Mitglieder der Familie, vertreten. Es waren die Lehrstühle für Medicin und für die naturwissenschaftlichen Fächer, besonders Botanik und Chemie, sowie für Rechtswissenschaft, von denen der eine und der andere durch die Gmelin in drei oder vier Generationen eingenommen wurde. Auch an den Universitäten Göttingen, Heidelberg, Erlangen und Bern waren einige, sei es vorübergehend, sei es mit ihrer ganzen Lebenskraft wirksam. Zwei waren Mitglieder der k. russischen Akademie zu St. Petersburg. Und neben diesen Männern der Wissenschaft ist eine Reihe von Staatsbeamten und Geistlichen, die ihrer engeren Heimath in der Verwaltung und Justiz oder im seelsorgerlichen Berufe gedient haben, aus dieser Linie hervorgegangen. Eine gewisse Stetigkeit in der Wahl des Berufes läßt sich in [266] den verschiedenen Zweigen der Familie beobachten. Der geistliche und der pädagogische Beruf ist in einigen Linien mehrere Generationen hindurch vertreten; 120 Jahre lang hatten drei Angehörige der oberbadischen Linie, Vater, Sohn und Enkel, die Pfarrei Badenweiler inne. Wie die Tübinger Linie sieben Professoren der Medicin, Chemie und Botanik und eine Anzahl Aerzte und Apotheker stellte, so war in zwei Zweigen der Stuttgarter Linie durch mehrere Generationen nicht nur die herzogliche Hofapotheke, sondern auch das Amt eines Leibmedicus fast erblich geworden. Auf einem und demselben Hause in dem Dörfchen Hügelheim bei Müllheim betrieben die erstgeborenen Söhne eines Zweiges seit anderthalb hundert Jahren das Küferhandwerk; von der in der badischen Pfalz angesiedelten Handwerkerfamilie sind drei Fünftel sämmtlicher Hausväter Sattler geworden. Von nahezu 1400 Mitgliedern der Familie läßt sich die Abstammung von dem um das J. 1576 verstorbenen Michael G. (in 11 Generationen) nachweisen. 55 Proc. kommen davon auf die männliche, 45 Proc. auf die weibliche Nachkommenschaft; 36 Proc. haben einen selbständigen Haushalt gegründet (35 Proc. der männlichen, 37 Proc. der weiblichen Familienglieder). Vgl. M. Gmelin, Stammbaum der Familie Gmelin. Karlsruhe. G. Braun. 1877. Hier findet man, neben kleinen biographischen Skizzen über einzelne bekanntere Träger des Namens G., auch die biographische und bibliographische Litteratur über dieselben verzeichnet.

Christian Gottlieb G., Professor des Criminalrechts und der juridischen Praxis zu Tübingen, geb. zu Tübingen am 3. November 1749, † daselbst am 6. März 1818, Johann Friedrichs jüngerer Bruder; ein auf seinem Gebiete sehr fruchtbarer Schriftsteller, dessen „Ordnung der Gläubiger“ seiner Zeit als ein unentbehrliches Handbuch galt.

Ersch und Gruber, Th. 70, S. 292–93. – Stammbaum S. LXI.

Christian G., Pandektist zu Tübingen, geb. zu Tübingen am 23. Jan. 1750, † zu Ludwigsburg am 6. Juni 1823; der älteste Sohn Johann Georgs, des älteren russischen Reisenden. Mit 23 Jahren trat G. die Professur für Pandekten, Institutionen, Rechtsgeschichte und gerichtliche Klagen in Erlangen an; 1781 folgte er der Berufung nach Tübingen an Hoffmann’s Stelle, wo er später Hofacker’s Nachfolger wurde.

Programma universitatis Tubingae 1781. – Neuer Nekrolog d. Deutschen 1823, I. 514–28. – Stammbaum S. LVIII.