ADB:Gothofredus, Dionysius

aus Wikisource, der freien Quellensammlung
Zur Navigation springen Zur Suche springen

Empfohlene Zitierweise:

Artikel „Gothofredus, Dionysius“ von Albert Teichmann in: Allgemeine Deutsche Biographie, herausgegeben von der Historischen Kommission bei der Bayerischen Akademie der Wissenschaften, Band 9 (1879), S. 448r–448s, Digitale Volltext-Ausgabe in Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=ADB:Gothofredus,_Dionysius&oldid=- (Version vom 16. Juni 2019, 19:27 Uhr UTC)
Allgemeine Deutsche Biographie
>>>enthalten in<<<
[[ADB:{{{VERWEIS}}}|{{{VERWEIS}}}]]
<<<Vorheriger
Gothland, Ludolf von
Band 9 (1879), S. 448r–448s (Quelle).
Wikisource-logo.png [[| bei Wikisource]]
Wikipedia-logo-v2.svg Dionysius Gothofredus in der Wikipedia
GND-Nummer 100154042
Datensatz, Rohdaten, Werke, Deutsche Biographie, weitere Angebote
fertig
Fertig! Dieser Text wurde zweimal anhand der Quelle Korrektur gelesen. Die Schreibweise folgt dem Originaltext.
Kopiervorlage  
* {{ADB|9|448r|448s|Gothofredus, Dionysius|Albert Teichmann|ADB:Gothofredus, Dionysius}}    

{{Normdaten|TYP=p|GND=100154042}}    

Gothofredus: Dionysius G. (Denys Godefroy), berühmter Rechtsgelehrter, wurde geboren am 17. October 1549 zu Paris, studirte daselbst unter Baudouin († 1573), in Löwen, Köln und Heidelberg, dann vielleicht kurze Zeit Advocat an der Pariser Cour de Parlament, wandte sich, trotz seiner verwandtschaftlichen Beziehungen namentlich mit den de Thou und stets Frankreich und seinen Königen ergeben, dem Calvinismus zu. Er ging 1579 mit seiner Gattin Denyse de Sainct-Yon nach Genf, wo er, bei 500 Florins (nach Heyer = 235 Francs) und freier Wohnung, neben Pacius über römisches Recht las und an seinem „Corpus jur. civilis“ zu arbeiten begann. 1580 durch Verleihung des Bürgerrechts geehrt, trat er 1587 in den Rath der Zweihundert ein. 1589 durch Heinrich IV. zum grand bailli de Gex, Ternier et Gaillard ernannt, mußte er schon nach fünf Monaten, da sein Haus durch die savoischen Truppen zerstört, seine Bibliothek verbrannt war, für einige Zeit nach Basel flüchten, bis er 1591 Anstellung in Straßburg erhielt, wo seine Vorlesungen großen Beifall fanden. Ehrenvolle Rufe nach Altorf, Franeker und Montpellier lehnte er ab und trat eine durch die Bemühungen de Thou’s für ihn erlangte Rathsstelle am Pariser Parlament gegen 1000 Thaler an einen Protestanten d’Allicoust ab, indem er vorzog, einem Rufe des Pfalzgrafen nach Heidelberg zu folgen. Allein er fand hier nicht alles, wie er gehofft, nahm deshalb schon nach einem Jahre (1601) eine Stelle in Straßburg an mit 450 Florins (= 1000 Francs) Gehalt, freier Wohnung und 50 Viertel-Malter Getreide. Nachdem er neue Anerbieten eines Lehrstuhls in Bourges (wo Cujas 1590 gestorben) und Genf schließlich abgelehnt, zog es ihn wieder nach Heidelberg, wo er denn auch trotz weiterer Rufe nach Franeker, Angers, Valence blieb, wahrscheinlich aus Besorgniß, mit den Jesuiten in Frankreich in Conflict zu gerathen. Da die Erziehung seiner fünf Kinder viel gekostet, er wol auch sonst bei seinen Arbeiten [448s] den ökonomischen Fragen nicht besondere Aufmerksamkeit hatte schenken können, er auch schwer von Heidelberg aus die Nachdrucker seiner Werke in Frankreich im Auge behielt, wäre ihm eine Anstellung in Frankreich recht erwünscht gewesen und trug er sich mit manchen Plänen finanzieller Reformen in der Hauptstadt. Wie er 1594 von Straßburg und dem Markgrafen von Brandenburg an Heinrich IV., so wurde er 1618 vom Pfalzgrafen, der ihn in seinen Rath berufen, an Louis XIII. abgesandt, bei dem er eine glänzende Aufnahme fand. Der ausbrechende Krieg, in welchem Heidelberg 1621 zerstört wurde, zwang ihn nach Straßburg zu flüchten, wo er langsam hinsiechte. Er starb in dem Hause seines Freundes Bernegger am 7. September 1622 und hielt dieser auch die glänzende Leichenrede (in Ant. Loisel, Opuscules, 1652, p. 584). Ein schönes Zeugniß seines edlen Sinnes und seiner treuen Liebe zu Frau und Kindern ist sein Testament vom 7. Januar 1622 (S. 35–37 der unten citirten Schrift des letzten männlichen Nachkommens der Godefroy, Marquis de Godefroy-Ménilglaise). Von seinen zahlreichen Schriften (deren Liste bei Jugler, Beiträge, 6, 246–263, Senebier, Hist. littér. de Genève, 1786, II. 3–6, und Haag, La France protestante, tome V. [1855] 285–288, einzusehen) sind hauptsächlich zu nennen seine heute noch berühmte und benutzte Ausgabe des „Corpus juris civilis cum notis“, Lugd. 1583 u. öfter (die besten Genf 1624 von Jacobus Gothofredus besorgt und die von Simon van Leeuwen, Amst. 1663; dazu G. A. Struve „D. Gothofredi Immo“, Francof. 1696 – ohne Noten die Elzevir’schen Ausgaben von 1664 („pars secundus“), 1681, 1687 und 1700, vgl. Spangenberg, Einleitung, S. 839 ff. – „Paratitla, variae lectiones et nomenclator graecus ad Constantini Harmenopuli Promptuarium juris, interprete Jo. Mercero“, Genev. 1587. – „Antiquae hist. ex XXVII authoribus contextae libri VI“, Basil. 1590, Lugd. 1591, Argent. 1604. – „Praxis jur. civilis“, Francof. 1591. – „Authores latinae linguae S. Gerv.“ (Genev.) 1595, 1602, 1622. – „Consuetudines civitatum et provinciarum Galliae“, Francof. 1597. – „Institutiones Theophilo antecessore graeco interprete“, Genev. 1620. – Briefe von ihm im British Museum, auf den Bibliotheken von Basel und Paris; sein Porträt auf der Genfer Bibliothek, auf der École de droit in Paris, im historischen Museum von Versailles, in Freher, Theatrum.[1]

Les savants Godefroy. Mémoires d’une famille pendant les XVI., XVII. et XVIII. siècles, Paris 1873, p. 21–63. – Dictionnaire biographique des Genevois et Vaudois par Montet, Lausanne 1877, t. I. – Stobbe, Gesch. d. deutschen Rechtsquellen, I. 606, II. 15. – Rivier in der Jenaer Litt. Ztg., 1874, S. 211. 212.

[Zusätze und Berichtigungen]

  1. S. 448s. Z. 21 v. u.: In der Handbibliothek des Kgl. Sächs. Hauptstaatsarchivs (Ke 930) befindet sich das Dedicationsexemplar für den Kurfürsten Johann Georg I. zu Sachsen der Schrift: De tutelis electoralibus testamentariis legitimas excludentibus, libri VI (1611).

    Auch die zwei Jahre später hierauf erschienene Gegenschrift Johann Zechlin’s wird daselbst aufbewahrt. [Bd. 45, S. 667]