ADB:Gottfried (Graf von Verdun)

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Artikel „Gottfried, Graf von Verdun“ von Nicolas van Werveke in: Allgemeine Deutsche Biographie, herausgegeben von der Historischen Kommission bei der Bayerischen Akademie der Wissenschaften, Band 9 (1879), S. 476–477, Digitale Volltext-Ausgabe in Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=ADB:Gottfried_(Graf_von_Verdun)&oldid=- (Version vom 19. August 2019, 12:48 Uhr UTC)
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Gottfried der Alte oder der Gefangene, Graf von Verdun, erscheint zum ersten Male im J. 952 als Zeuge der Gründung der Abtei St. Vanne. Im J. 975 ward er von Kaiser Otto II. zum Grafen von Hennegau ernannt, doch ward er schon im J. 977 durch Karl von Frankreich, der in diesem Jahre das Herzogthum Niederlothringen erhalten, seiner Grafschaft beraubt. Obgleich das deutsche Reich ihn bei dieser Gelegenheit nicht unterstützte, blieb er dennoch, wie alle Fürsten des mächtigen Ardenner-Hauses, seinem Kaiser mit unverbrüchlicher Treue treu. Schon im folgenden Jahre nahm er Theil an einem Zug gegen [477] Frankreich, in welchem ihm, Dank seiner genauen Ortskenntniß, die deutsche Armee ihre Rettung zu verdanken hatte. Auch in einem Kriege des Bischofs von Cambray gegen den Grafen von Vermandois betheiligte er sich kräftigst. Im J. 984, während Gottfrieds Abwesenheit, nahmen die Franzosen nach einer Belagerung von 8 Tagen die Stadt Verdun; bald aber erschien G. vor den Thoren der Stadt; seine Söhne, sein Onkel Siegfried, Graf von Luxemburg, der Herzog Thierri von Oberlothringen und mehrere andere deutsche Fürsten führten ihm ihre Truppen zu, mit deren Hülfe er die französische Besatzung überraschte und, sammt ihrer Königin Emma, zum Abzuge zwang. Die Verbündeten wurden indessen bald selbst in Verdun belagert: König Lothar legte sich vor die Stadt mit 10000 Mann. Lothar wurde während der tapferen Vertheidigung verwundet; G. aber, sein Sohn Friedrich und der Graf von Luxemburg, Siegfried, fielen bei einem Ausfall in die Hände der Franzosen, welche sie als Gefangene auf ein Schloß an den Ufern der Marne führten. Verdun wurde genommen, jedoch nicht geplündert, weil Lothar die Einwohner nicht wollte entgelten lassen, was ihr Graf gegen ihn gefehlt. Siegfried wurde schon im J. 985, zwischen März und Mai, in Freiheit gesetzt. Lothar starb indessen am 2. März 986; Verdun kam wieder an das Reich zurück, G. aber wurde erst den 17. Mai 987, nach einer Gefangenschaft von 3 Jahren, seiner Haft entlassen: sein Sohn Adalbero, Bischof von Verdun, mußte dafür einige Theile seines Bisthums abtreten. G. lebte noch im J. 995, wo er zu Mouson seinen Freund Gerbert, den nachmaligen Papst Silvester II., unterstützte, welcher in jener Zeit eine wichtige Rolle spielte und ihm namentlich während seiner Gefangenschaft treu beigestanden und für ihn gewirkt hatte. G. soll erst im J. 1005 gestorben sein, auf einem Wittwensitze seiner zwei Jahre nach ihm verstorbenen Gattin Mathilde, Wittwe aus erster Ehe Balduins III. von Flandern. Aus seiner Ehe mit Mathilde hatte G. fünf Söhne: Gottfried den Kinderlosen (sans-lignée), welcher Herzog von Niederlothringen ward und dieses Herzogthum seinem Bruder Gothelo hinterließ; Adalbero, Bischof von Verdun; Friedrich und Hermann, Grafen von Verdun, starben beide als Mönche im Kloster St. Vanne.

Clouet, Histoire de Verdun. – Dr. J. Schötter, Kritische Erörterungen über die frühere Geschichte der Grafschaft Luxemburg, Programm-Abhandlung, Luxemburg 1859.