ADB:Grünenwald, Jakob

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Artikel „Grünenwald, Jakob“ von Hyacinth Holland in: Allgemeine Deutsche Biographie, herausgegeben von der Historischen Kommission bei der Bayerischen Akademie der Wissenschaften, Band 49 (1904), S. 597–598, Digitale Volltext-Ausgabe in Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=ADB:Gr%C3%BCnenwald,_Jakob&oldid=- (Version vom 16. Oktober 2019, 07:24 Uhr UTC)
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Grünenwald: Jakob G., Genre- und Historienmaler, geboren am 30. September 1821 zu Bünzwangen (Oberamt Göppingen in Württemberg), † am 26. September 1896 in Stuttgart, war erst zum Schulmeister bestimmt, [598] kam aber wegen seiner instinctiven Versuche alles ihm Auffällige zu zeichnen, zu einem Lithographen nach Göppingen und dann in eine Blechwaarenfabrik, wo ihm die Verschönerung von Thee- und Kaffeebrettern und anderen häuslichen Utensilien durch Lackmalereien oblag. Auf der Stuttgarter Kunstschule, wo er nebenbei durch kunstindustrielle Arbeiten seinen Lebensunterhalt erwarb, that er sich durch eisernen Fleiß hervor. Die Oelmalerei lernte G. bei dem Landschafter Albert Wagner, dann wendete er sich zum historischen Fach unter Joh. Friedrich Dietrich und nach dessen 1846 erfolgtem Tode, bei Bernhard Neher, woselbst G. sich mit religiösen Bildern, z. B. einem die Kranken heilenden Christus, mehr aber noch mit allerlei, dem schwäbischen Volksleben entnommenen Genrestücken sehr glücklich versuchte. Darunter natürlich auch „Der Wirthin Töchterlein“ nach Uhland (Stahlstich von Julius Ernst), der Abschied und Auszug des Geliebten, kurz – ein Gebiet, welches er seit 1855 in München unter dem Einfluß von Karl Piloty, ziemlich gleichzeitig mit Theodor Schütz (Abendglocke) weiter ausbildete. So entstand das alle Beschauer gewinnende Bild der den Schnittern die Mahlzeit hinausbringenden schwäbischen Bäuerin, die mit dem schweren Korb auf dem Kopf, den Säugling im Arm und zwei jubelnde Kinder zur Seite durch das goldreife Aehrenfeld schreitet (vgl. Beil. 151 der Allgem. Ztg. 1855). Dann kam 1856 eine „Liebeserklärung“, „Kinder im Walde“ (1857) und „Heimkehrende Landleute“, eine Schäferfamilie (1859) und andere Scenen, die in der Zeit der damals grassirenden Vorliebe für „Volkslieder“ und „Dorfgeschichten“ bei aller Realität doch ein gesundes Gepräge trugen und einen hochpoetischen Eindruck erweckten, beispielsweise ein „Brautpaar bei der Großmutter“ (später in Nr. 1 Ueber Land und Meer 1878, Bd. 41, S. 12), ein „Hochzeitszug“ und „Taufgang“ und andere Bilder, die durch Nachfrage im Preise stiegen und in guten Stichen durch Paul Barfus u. A. vervielfältigt, dem Maler neue Freunde zuführten, darunter das in seiner Einfachheit so schön wirkende Abendstimmungsbild mit des „Schäfers Heimkehr“ (1860) und die ergreifende Darstellung eines „Hagelschlags während der Ernte“ (Museum zu Stuttgart). Im J. 1863 bewährte sich G. auch als Freskomaler im Münchner Nationalmuseum mit einem die „Niederlage der treuen Bauern bei Aidenbach 8. Januar 1706 durch die Oesterreicher“ darstellenden Historienbild. In Spruner’s Beschreibung dieser historischen Galerie (1868, S. 183), ebenso im officiellen Führer durch das Bayer. National-Museum (1868, S. 341) ist der Name des Künstlerts corrumpirt; Singer (1896. II, 95) und Grünenwald’s Biograph N. Krause (bei Bettelheim 1897, S. 101) sprechen sogar von einer gar nicht existirenden zweiten, die sog. „Sendlinger Schlacht“ vorstellenden Freske. Singer schreibt ihm auch ein „Familienbild im Speisesaal eines Münchener Bürgers“ zu, welches 1879 auf der Münchener Ausstellung erschien, wahrscheinlich aber seinem Vetter A. R. Gr. (s. o.) gehört. Im J. 1877 folgte G. einem Rufe als Professor am Antikensaal der Stuttgarter Kunstschule, wo er mit einer sogar die eigene Production beeinträchtigenden Hingabe seines idealen Amtes waltete. Er war ein trefflicher Lehrer, ausgezeichneter Künstler und liebenswürdiger, edler Mensch.

Vgl. Münchener Propyläen 1869, S. 614 u. 947. – Lützow’s Zeitschrift IX, 290; X, 539; XI, 517; XII, 608, 808; XIV, 78. – Singer 1896. II, 95. – Fr. v. Bötticher 1895. I, 422. – Rud. Krauß in Bettelheim’s Jahrbuch 1897, S. 101.