ADB:Hadlaub, Johannes

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Artikel „Hadlaub, Johannes“ von Karl Bartsch in: Allgemeine Deutsche Biographie, herausgegeben von der Historischen Kommission bei der Bayerischen Akademie der Wissenschaften, Band 10 (1879), S. 301–302, Digitale Volltext-Ausgabe in Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=ADB:Hadlaub,_Johannes&oldid=- (Version vom 22. April 2019, 04:48 Uhr UTC)
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Hadlaub: Johannes H., Dichter, aus der Schweiz, in Zürich, wenn nicht geboren, doch meistens lebend, am Ende des 13. und in den beiden ersten Jahrzehnten des 14. Jahrhunderts. Außer seiner Heimat hat er nur in Oesterreich sich aufgehalten, wo die Hüte der Frauen ihm Anstoß erregten. Seine Lieder zeigen eine doppelte Richtung. In dem größeren Theile derselben huldigt er noch dem Stile des älteren höfischen Minnegesanges; indem er aber individuelle Züge einflicht und nicht nur in allgemeinen Liebesklagen sich ergeht, liefert er uns ein anschauliches und hübsches Bild seines Minneverhältnisses. Er hatte sich eine Dame aus edlem Geschlechte zur Herrin erwählt, während er selbst [302] bürgerlicher Herkunft war. Schon als ganz junger Mensch hatte er sie gekannt und seitdem ihr gedient. Aber er fand nur Sprödigkeit und Geringschätzung; vergebens heftet er, als Pilger verkleidet, der im Morgengrauen aus der Frühmette Heimkehrenden mittelst eines Angels ein Liebesbrieflein ans Kleid; vergebens bemühen sich angesehene Gönner und Gönnerinnen, ihm die Gunst der Dame zu erwirken – ein Biß in die Hand wird ihm als Lohn zu Theil, der ihm aber doch, wie er sagt, wonnevoll dünkte. Unter seinen Gönnern finden wir hervorragende Persönlichkeiten seiner Zeit und Umgebung: Heinrich von Klingenberg, Bischof von Konstanz (1293–1306), und dessen Bruder Albrecht († 1324), die Fürstäbtissin von Zürich, die Aebte von Einsiedeln und Petershausen, Graf Friedrich von Toggenburg, den Freiherrn von Regensberg; endlich die beiden Rüdiger Manesse, Vater und Sohn, jener Rathsherr, dieser Chorherr in Zürich, von denen der Dichter berichtet, daß man nirgend so viel Lieder beisammenfinde als bei ihnen, die also das Sammeln von Liederbüchern der Minnesänger sich angelegen sein ließen. Gewiß steht mit diesen Sammlungen die ihrem Ursprung nach auf die Schweiz weisende, umfangreichste aller Liederhandschriften, die Pariser, in Zusammenhang, wenn auch nicht nachgewiesen werden kann, daß sie selbst die „Manesse’sche Sammlung“ ist. Die drei Leiche, welche wir von H. besitzen, sind ebenfalls im Stil des höfischen Minnegesanges, zwei dem Lobe der Frauen im allgemeinen gewidmet, der dritte speciell an die Geliebte gerichtet. Wesentlich verschieden von diesen höfischen Liedern und Leichen ist eine kleine Anzahl anderer, in welchen er die realen Seiten des Lebens besingt. So in Neidhart’s Stile den Streit, in welchen die Bauernburschen mit einander gerathen; so die Erntefreuden, mit ihren sehr derben Liebesgenüssen; so den Herbst mit seinen Genüssen an Speisen und Getränken, eine Richtung, in welcher sein Landsmann Steinmar ihm vorausgegangen; so endlich, recht im Gegensatz zu der hier geschilderten Ueppigkeit, sein eignes armes Hauswesen, in dem es knapp genug hergegangen zu sein scheint. Die Form seiner Lieder ist meist ungelenk, in der Sprache tritt stark ausgeprägt das Dialectische hervor.

Johann Hadlaub’s Gedichte, herausgeg. von L. Ettmüller, Zürich 1840.