ADB:Hager, Georg

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Artikel „Hager, Georg“ von Franz Schnorr von Carolsfeld in: Allgemeine Deutsche Biographie, herausgegeben von der Historischen Kommission bei der Bayerischen Akademie der Wissenschaften, Band 10 (1879), S. 352–353, Digitale Volltext-Ausgabe in Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=ADB:Hager,_Georg&oldid=- (Version vom 18. Juli 2019, 15:45 Uhr UTC)
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Hager: Georg H., Dichter, geboren vermuthlich zu Nürnberg und vor 1560, † um 1645. Seine Geburt in das J. 1566 zu setzen, wie ein Porträt „aetatis suae 82“ veranlaßt hat, welches sich in einem Drucke von 1648 befindet, ist darum unstatthaft, weil seine eigenhändige Bemerkung in der Dresdener Handschrift M 100 zeigt, daß er schon 1580 seine Wanderschaft beendet hatte, weil er ferner nach einem Actenstücke aus dem J. 1624 zu dieser Zeit gar schon 55 Jahr „gesungen“ haben soll und weil drittens auch die Angabe, daß er bei Hans Sachs, „da er als ein Knab zu seinem Verstand kam“, „täglich und viel“ verkehrte, als ob er sein „angenommener Knabe“ gewesen wäre, mit Nothwendigkeit zu der Annahme führt, daß er, als Sachs starb (1576), mehr als 10 Jahr alt gewesen sei. Er erlernte die Kunst des Meistergesangs von seinem Vater und, da dieser, vermuthlich derjenige Georg H., dessen Bildniß „aetatis suae 69“ in einem Gemälde der Nürnberger Meistersinger aus dem J. 1581 erhalten ist, neben seinem Handwerke, dem Schuhmachen, bei Hans Sachs auch „das Singen“ gelernt hatte, konnte er sich rühmen, die Kunst des Meistergesangs mittelbar von keinem Geringeren als Hans Sachs überkommen zu haben. Neben dem Schuhmacherhandwerk, das auch er ausübte, trieb er diese Kunst ohne bemerkenswerthes Talent, aber mit rührendem Fleiß und Eifer sein Leben lang. Er erfand 17 Töne, deren Melodien in einem Dresdener Manuscript aufgezeichnet sind, dichtete außer vielen Meisterliedern auch Spruchgedichte und Komödien und füllte eine stattliche Reihe von Handschriften mit einer Sammlung eigener und fremder dichterischer Arbeiten an. Sehr mangelhaft sind die Nachrichten zur Geschichte seines Lebens. 1587 kommt sein Name zum ersten Male in einem handschriftlichen Nürnberger Singschulbuche vor, welches mit dem J. 1583 beginnt. Aus dem J. 1624 sind Schriftstücke erhalten, welche sich auf einen unter den Nürnberger Meistersingern entstandenen Streit beziehen, bei welchem er für die „alte fünfzigjährige Meistersingergesellschaft“ eintrat. 1629 soll er durch eine übernommene Bürgschaft in Noth gerathen sein. Verheirathet war er drei Mal; eine seiner Frauen starb um Weihnachten 1597, seinem dritten Weibe, Anna, dichtete er 1614, als sie noch seine „Bulschaft“ war, ein „Bullied“. Die Kunst des Meistergesangs, in der er selbst, wie erwähnt, von seinem Vater unterwiesen worden war, vererbte er weiter auf einige seiner Söhne. Manuscripte von seiner Hand befinden sich in Dresden, Weimar und Wien. Gottsched besaß [353] eine Handschrift: „Gr. Hager’s Kriegsordnung, aus Kriegs-Büechern zusammen getragen, und aufs engest in reimen verfasset“, 1600, sauber geschrieben mit sauber gemalten Figuren, 4°. Auch „Ein kläglich Lied wie es zu Nürnberg an St. Barthol. Tag des 1602. Jahrs ergangen ist“, hat handschriftlich existirt. Gedruckt ist außer dem, was Vulpius veröffentlicht hat, ein „Klag-Lied“ auf M. Johann Kauffmanns Tod († 1596), (in Will’s historisch-diplomat. Magazin Bd. I, Nürnb. 1781, S. 356–59) und ein „Klag und Trauer-Lied“ (anfangend: „Zun Römern am fünfften man list“), welches mir in einer Ausgabe von 1648 vorliegt.

Dresdener Hdss. M 100 und M 6. Weimarer Hds. Q 571. Wiener Hds. 13512 (Tabulae codd. Vindobon. vol. II. S. 227). Eygentliche Contrafactur Georg Hager’s, Schuhmachers vnd Teutschen Meister-Singers in Nürmberg (zwei Ausgaben, deren eine von ihm als achtzigjährigem, deren andere als von einem zweiundachtzigjährigem handelt). Catalogus bibliothec. Gottsched. 1767, S. 87, Nr. 1952. Will, Biblioth. Norica Pars III. IV. 1774 S. 169. Will und Nopitsch, Nürnberg. Gelehrten-Lexikon Thl. VI, 1805. S. 14. (Vulpius) Curiositäten, Bd. II. 1812, S. 286–288. Ztschr. für deutsche Kulturgesch., Jahrg. 4, Nbg. 1859, S. 382. Schnorr von Carolsfeld, 3. Gesch. d. d. Meistergesangs, Berlin 1872, S. 9. 13. 33. Archiv f. Litteraturgesch., Bd. III, S. 52 f. Goedeke, Grundriß I. S. 228. Götting. gel. Anzeigen 1872, Bd. II, S. 1153. Schröer in Germanist. Studien, hrsgegeb. von Bartsch, Bd. II, S. 225. Rob. Koenig, Deutsche Literaturgesch. 1878, S. 195.